Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 6 (12.5.1920)
- Date
- 1920-05-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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MaWMMZeLGrN für MMeMeEn- Serortiji REDAKTION ^ADMINISTRATION 422-16 Wien. 2. Kaiser Jasefstratze 13 XXXVI. Jahrgang Wien, IS. Mai 1920 Nummer 9 Hat der Zionismus sein Ziel erreicht? Am Montag, den 26. April verkündete die „Wiener Morgenzeitung in großen Lettern: „Die Konferenz in San Remo hat Palästina den Juden zugesprochen". Dann hieß es nach Reuter: „Die Konferenz von San Remo hat beschlossen, die Balfour-Erklärung, welche Palästina als nationale Heimstätte für die Juden bestimmt, dem Friedensvertrag mit der-Türkei einzuverleiben". Ferner wird unter dem gleichen Datum gemeldet: „Der oberste Rat hat das Mandat über Palästina an England übertragen und überläßt es Frankreich und England, über die Erledigung der Grenzfrage im gegenseitigen Einvernehmen zu entscheiden. England hat die Bestimmungen vorzubereiten, laut welchen das nationale Heim für das jüdische Volk geschaffen werden soll. Der Schutz der religiösen Gemeinschaften, welcher bisher durch Frankreich ausgeübt wurde, soll in Hinkunst den sechs Vertretungen der in Betracht kommenden Mächte übertragen werden. Die Frage der Ueberwachung der heiligen Stätten soll in Kürze entschieden werden". Am folgenden Tage brachte das genannte Blatt ein Privattelegramm aus London, welches bestätigte, daß die Friedenskonferenz die Interpretation der Balsour-Deklaration in den Friedensvertrag mit der Türkei bestimmte und dem hinzugefügt werde. Demnach wird Palästina die nationale Heimstätte der Juden werden." Der Satz ist eine Exegese des Korrespondenten. Daran schließt sich aber der Satz: „Die Rechte der Araber sollen volle Berücksichtigung finden". Es ist aber nicht gesagt, durch wen uyd wie weit. Aber es ist zu konstatieren, daß diese imperative Bestimmung in der früheren Meldung nicht enthalten und dort von den Arabern garnicht die Rede war, obzwar sie die Mehrheit der Bevölkerung in Palästina ausmachen. Wohl kehrt die Frage des Schutzes der religiösen Gemeinschaften in der zweiten Meldung wieder und die sechs Vertretungen werden durch die Konsulate der betreffenden Gemeinschaften deutlich bestimmt. Neu ist wieder, daß England die Aufgabe übernommen hat, den Entwurf einer Verfaffung für Palästina auszuarbeiten, „welche die Artikel betreffend die Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden im Sinne der Balfour-Erklärung enthalten soll". Diese zwei neuen Bestimmungen find anderweitig nicht bestätigt. Die „Voffische Zeitung" berichtet bloß, daß den Wünschen der Juden nach Schaffung einer nationalen Vertretung entsprechend den bekannten englischen Vorschlägen Rechnung getragen werden soll. Welches diese bekannten englischen Vorschläge sind, sagt die „Morgenzeitung" nicht. Wenn damit die Balfour'sche Deklaration an Lord Rothschild vom 2. Dezember 1916, also von der Zeit des vollen Krieges her gemeint ist, so besagt diese: „Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina sür das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei Klarheit darüber herrschen muß, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und polittsche Stellung der Juden in irgendeinem andern Lande beeinträchtigen könnte". Damit ist der Statuierung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina eine Grenze gezogen für ihre Stellung in Palästina gegenüber den anderen Bewohnern und gegenüber den Juden außerhalb Palästinas. Diese doppelte politische Begrenzung, diese politische Gestaltung muß erst abgewartet werden, ehe ein Jubelgeschrei angestimmt wird, denn wir wiffen noch garnicht, wie die nationale .Heimstätte der Juden in Palästina ausschauen wird. Wir wiffen noch garnicht, welche Rechte die Judm in Palästina haben werden. Wie die Kinder, welche über ein Geschenk fich freuen, ohne seinen Wert zu