Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 5 (27.4.1920)
- Date
- 1920-04-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Seite 13 ... . .-^n-rf^r ~T" r itTT rfr 'i-rTf Y^TiiVrrrnr-T-* ¥^~^7T7'----'Ti"1Tf*‘tWrtniiUVi 1"1L' l1 "i -f I ,, Die Wahrheit Vernunft und Menschlichkeit mahnen. Dann wären auch so betrübsame Erscheinungen, wie die aus Denunziationssucht erfolgte Verhaftung des Oberrabbiners Dr. Emanuel Lö w, unmöglich. . Etwas Unerhörtes. Von vertrauenswürdiger Seite erhalten wir die Meldung, daß am vorletzten Pesachtage östliche Betgenossen des Rabbi F., Glockengasse 9, während des vormittägigen Gottesdienstes von Amtsorganen ausgehoben und sämtliche zur Polizei gestellt wurden. Anlaß zu diesem sensationellen Vorfall, der natürlich das peinlichste Aufsehen verursachte, bot die Anzeige, daß die fromme Gesellschaft und ihr Seelenhirte. sich großer Valutaschiebereien schuldig gemacht. .Es wurde auch festgestellt, daß einer der Verhafteten Banknoten im Betrage von etwa einer halben Million Kronen vor seiner Festnahme ins Nachbarhaus verschwinden ließ, und wurden auch auf andere Weise Versuche gemacht, beträchtliche Summen verschwinden zu lassen. Das Ereignis ist so charakteristisch für die Betreffenden, daß sich jede Glosse daran erübrigt. Aber die Wahrheit ist, daß solche Vorfälle ohne gleichen in der Chronik dastehen und bedenkt man, daß am gleichen Feiertage in drei Wiener Kaffeehäusern gegen gewisse Schieber ergebnisreiche Nazzias vorgenommen wurden, dann wird man gestehen müssen, daß solche Kulturerscheinungen Wasser auf die antisemitische Mühle sind. _ Leopoldstädter Tempelverein Aeschel Awrohom. Die allverehrte Familie unseres verewigten unvergeßlichen Obmannes kaiserlichen Rates Ä. Schramek ist von einem schweren Schicksalsschlage heimgesucht worden. Am 23. d. M. starb dessen Sohn, Herr Berthold Schramek im 45. Lebensjahre. Der Tod hat hier einen Mann von ungewöhnlicher Intelligenz und Tatkraft hinweggerafft, einen gütigen Chef der Angestellten und Beamten seines Hauses, einen Freund und Gönner der Armen und Bedürftigen. Von der allgemeinen Verehrung und Liebe, die dem Verewigten von weiten Kreisen entgegengebracht wurde, gab auch das Leichenbegängnis Zeugnis, das am U5. d. M. unter ungemein großer Beteiligung stattfand. Viele Hunderte scharten sich um den schlichten Sarg, um dem frühverftorbenen, edlen Mann die letzte Ehre zu erweisen und seiner allbeliebten Familie ihre tiefe Teilnahme zu bezeigen. Man sah unter anderen die Herrn Vorsteher S. S t e i n e r und S. K a u d e r s. Nachdem Herr Oberkantor Giblichmann die Trauergesänge beendigt hatte, schilderte Herr Rabbiner Dr. S. Funk in einem tiefempfundenen Nachrufe' die edlen Charaktereigenschaften des Verblichenen, der großzügig als Mensch und Kaufmann, bescheiden in seinen Ansprüchen, streng gegen sich und gütig gegen andere war. An das Innerste der Trauergäste rührte es, als der Redner darauf hinwies, daß die allverehrte Familie des Verewigten, zu deren Traditionen es schon gehört, für Gottes Heiligtümer zu wirken, Not und Glend zu lindern, Tränen zu trocknen, das Geschick des sanften herzensguten Priesters Aron teile, indem sie in kurzer Zeit''zwei ihrer Besten verlor, die gleich den Söhnen Arons in der Blütezeit ihres Lebens vom Sturme gebrochen wurden, ehe sie der Herbst des Lebens entblättert. Möge die allverehrte und beliebte Familie Trost finden in dem Bewußtsein, daß alle Mitglieder unserer Gemeinde innig mit ihr fühlen und an ihrer Trauer aufrichtig Anteil nehmen. Unser Vorstand beteiligte sich am Leichenbegängnis unter Führung der Obmannes A. W e n g e r vollzählig. Unter den vielen Anwesenden bemerkte man Hoftat B e r st l, Rat G. Planer, Bezirksrat M. Rübner. ♦♦♦♦♦♦ Vermischtes Barmizwahfeier. Samstag, den 17. d. M. fand im Pazmanitentempel die Barmizwahfeier des Max M a e r, Sohn des Vorstandsmitgliedes Heinrich M a e r und seiner Gattin Fanny statt. Der Konfirmand las die Haftorch mit genauer Betonung. In seiner Ansprache mahnte Rabbiner Dr. Salomon Funk den Konfirmanden, das leuchtende Beispiel seiner Eleern nachzuahmen. Der Vater des Barmizwanten >und seine anwesenden Freunde spendeten bei diesem Anlasse für Wohltätigkeitsanstalten bei 10.000 K. Anläßlich der am Nachmittag stattgefundenen Familienfeier hielt der junge M a e r eine der Bedeutung des Tages entsprechende Rede, die bei allen Anwesenden tiefen Eindruck machte. Baden. Dienstag, den 25. Nissan, fand die Trauung des Fräuleins Elsa Popper-Adler mit Herrn Ignatz Kessler statt. Die Braut, welche als Leiterin der israelitischen Volksküche unermüdlich tätig ist, erfreut sich in weiten Kreisen großer Sympathien, welche durch starke Beteiligung bei der Trauung zum Ausdruck kamen. Die Trauung wurde vom Oberrabbiner W. Reich vollzogen, wobei Oberkantor Krautstein die kantoralen Funktionen versah. Personalnachricht. Herr Ludwig Medak, das verdiente Mitglied des Aktionskomitees der vereinigten Wiener Tempelvereine, wurde zum Vizepräsidenten des Tempelvereines in der Josesstadt gewählt. Ueberreichung eines Ehrendiploms an Rabbiner Dr. M. Rosenmann. In Ausführung des bei der Generalversammlung des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den deutschösterreichischen Mittelschulen am 30. Dezember des Vorjahres gefaßten Beschlusses erschien eine Deputation in der Wohnung des Rabbiners Dr. M. Rosenmann, um ihm das Diplom als Ehrenmitglied feierlich zu überreichen. Die Deputation bestand aus dem Obmann Rabbiner Dr. Bauer, Obmannstellvertreter Profeffor Dr. Redisch, Schulrat Dr. Weiß, dem Hauptbegründer des Verbandes Profeffor Dr. Pollak, Professor Dr. Frankfurter und Dr. Bauer als Schriftführer. Auch Frau Schulrat Weiß und Frau Professor Pollak, sowie Rabbiner Dr. A b e l e S waren anwesend. Der Obmann richtete eine inhaltsreiche, formvollendete Ansprache an den Gefeierten, in welcher er der großen Verdienste gedachte, die sich Dr. Rosenmann um den Verband und die Standesintereffen in sechsjähriger Tätigkeit als Obmann erworben und sprach sogleich die Bitte aus, daß derselbe auch nach