Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 3 (1.4.1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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MMe Interessen Aerurus 4S-S-1L Kien, 2. Kaiser Jasefstratze 13 Wien, 1. April ITL« Nummer 3 XXXVI. Jahrgang ssesach. Wieder feiern wir das Befreiungsfest, das Fest der ungesäuerten Brote, das Fest des Auszuges aus Aegypten. Die Welt hat sich gewaltig verändert, Not und Elend schrecklichster Art sind die Kriegsfolgen der Verarmung, trostlose Lage und Jammer erfüllen die Welt. Eines aber hält uns aufrecht, stützt, uns wie unsere Väter, daß Gott uns nie verläßt, in der schrecklichsten Lage uns stützt. Kamo maalaus tauwauS lamokaum olenu: Wieviele Wohltaten verdanken wir Gott seit dem Auszuge aus Aegypten! In den größten Stürmen stützte er uns, in der Stunde höchster Gefahr errettete er uns. Wie schön sagt es die Agada schel Pesach: In jedem Zeitalter stehen sie zu unserer' Vernichtung auf, der Allgütige aber errettet uns aus ihrer Gewalt. Seit der Pharaonen-Tage war es das Bestreben unserer Gegner, uns zu verfolgen, moralisch und wirtschaftlich uns zu vernichten, aber unser Gottvertrauen, Fleiß, Nüchternheit, Ernst und Strebsamkeit ließen eine Vernichtung nicht zu, stärkten unsere Zuversicht in unsere gerechte Sache und hielten uns aufrecht. So ist es auch heute, da wir das lachmo anjo, Brot des Elends, essen, unter der entsetzlichen Teuerung fast zugrunde gehen. Wir richten unfern Blick gen Himmel, Gott sendet uns immer wieder Befreiung und Rettung ans der Enge der Not! Darum sagt die Pesachhagada mit Recht, der Mensch sei stets verpflichtet, sich so zu betrachten, als ob er selbst aus Aegypten gezogen wäre! Nur dadurch erkennt er den Wert des Gottvertrauens und der Nächstenliebe, die beide enge zusammengehören: Ohne Gottvertrauen keine wahre Nächstenliebe, ohne Nächstenliebe kein wirkliches Gottvertrauen. Gott als unser gemeinsamer Vater ruft uns zu: Ihr seid meine Kinder! Liebet einander und trachtet einander zu helfen, zu retten und zu schützen! Die Nächstenliebe ist nUr dort rein, groß, wo sie Gott als den gemeinsamen Allvater in Werken reinster Menschlichkeit, in der Förderung alles Edlen und Großen feiert und verherrlicht. Alle Gebete, alle Lehren unseres Schrifttums atmen diesen Geist der Hilfe, Rettung und Erhabenen. Nur in diesem Geiste ist das Freiheitsfest, der Auszug aus dem Lande der Enge, Finsternis, des gegenseitigen Haffes und Kampfes in ein freies Land der Verbrüderung, Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft zu erfaffen und in uns wirksam. An und in uns müssen wir die tiefe Pesach-Jdee erfaffen und uns geläutert in reinere Höhe zu erheben vermögen. Gebe eS Gott, daß uns dies gelinge! Aus diesem Feste heraus erblüht die Idee wahren Menschentums und edler Menschenwürde! Wahres Menschentum muß sich in der Förderung der Menschenwürde durch Werke der Güte und Wohltätigkeit zeigen: An unfern Brüdern in Amerika liegt es, ihren niedergebeugten Brüdern in allen Kriegsländern ausgiebig, wirksam zu helfen, sie wieder aufzurichten, zu starken, sie vor dem Untergange zu bewahren. Wie erschütternd find die Bilder schrankenlosen Elends, die Klagen über drohende Schließung vieler Anstalten der Liebe und Güte, der Pflegestätten unseres Geistes, Lehrhäuser und Schulen. Da sollen unsere Brüder in der ganzen Welt rasch ausgiebig helfen, daß das Aeußerste erspart bleibe! Mögen sie es tun, mögen sie daran denken, daß Gottes Wohltaten ihnen diese Leiden dazu ersparten, damit sie helfend, rettend eingreifen, daß das Aeußerste durch sie abgewendet werde. Mögen sie es rasch tun und des eingedenk sein, daß sie sich damit ein keren kujemes, eine dauernde Dankesschuld ihrer bedrängten Brüder schaffen, die nie erlöschen wird. Da müßte ein Moses aufstehen, der den Brüdern der Brüder Elend schildert. An Euch allen, liebe Leser, liegt es. Eure Brüder in der Welt, besonders in Amerika, zu befreiender Tat aufzurufen, sie daran zu mahnen, daß die jetzt Leidenden dereinst überall werktätig halfen, wo immer man sie rief, ihre Hilfe ansprach. Es sollten die großen Vereinsverbände, die KultuSgemeinden, Rabbiner-, und Kantorenverbände an die