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Die Wahrheit · 1920-03-04 · Heft 1 (4.3.1920) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 1 (4.3.1920)
Date
1920-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MMeMeEn- - Aerurul kkV-^»<7l2«u-^^,LNr-M0« 42-L1L Wie», 2. ftaifer Jasefstratze 13 Nummer 1 Wien, 4 März 1920 XXXVI. Jahrgang An unsere Leser I Nach 35 Jahren ihres Bestandes hat sich bei der „Wahrheit" ein Wechsel im Besitz und in der Leitung vollzogen. Diese Aenderung ist sozusagen mit Naturnotwendigkeit eingetreten. Infolge der letzten Kriegsjahre, und besonders nach der schrecklichen Zeit des Zusammenbruches hat ein verheerender Sturm im Wiener Blätterwalde gewütet. Man konnte nicht erwarten, daß der bisherige Herausgeber der „Wahrheit" Herr Oberkantor I. Bauer dieser Katastrophe standhalte, und noch die Last des Zeitungsbetriebes unter den jetzt so schwierigen Verhält» fsen auf seinen von langer, redlicher Arbeit ermüdeten Schultern weitertrage und so gelangte seine Absicht der Resignation zur endlichen Durchführung. Aber in einem Kreise einsichtsvoller Männer, die sich über die Geschehnisse der neuen Zeit genaue Rechenschaft ablegen und sich darüber klar sind, daß jetzt nach dem Kriege der alte Kampfruf gegen das jüdische Volk um so lauter erschallen wird, als auch anderwärts die Parole dazu ausgegeben wurde, in diesem Kreise kam die Meinung zum Ausdruck, daß es ein beklagenswerter Verlust wäre, eine Zeitschrift vom Schauplatze verschwinden zu lassen, deren Aufgabe es ist, den Kampf gegen die Widersacher des Judentums entschlosien fotrtzufüh en und daß der Verlust jedes einzelnen Streiters, beziehungsweise seines Organs höchst bedauernswert wäre. Von dieser Erwägung geleitet, erging an mich der Ruf die Fahne der „Wahrheit" zu ergreifen. Bestimmend hiefür dürfte zunächst der Umstand gewesen sein, daß meine fünfundzwanzigjährige Erfahrung und erfolgreiche Tätigkeit auf publizistischem Gebiete, meine noch unverbrauchte Kraft mich für diese schwere verantwortungsvolle Mission befähigen. Ebenso entscheidend für das mir entgegengebrachte Vertrauen war neben dieser praktischen Erwäguug die ethische Bedachtnahme darauf, daß der neue Mann der „Wahrheit" außer der blos beruflichen Eignung auch die Opserwilligkeit. besitzen müsse, sich den Interessen des Judentumim Kampfe gegen die inneren und äußeren Feinde zu widmen. In dieser Hinsicht bot mein Ehrenamt als Vorstandsmitglied und erster Schriftführer des Huldigungstempels in der Pazmanitengasse hinreichende Bürgschaft. Nicht leichten Sinnes, noch raschen Entschlusses leiste ich dem an mich ergangenen Rufe Folge. Weiß ich doch aus eigener Erfahrung, daß der Beruf des redlich bemühten Publizisten kein Sprungbrett zum Wohlstand bildet, dagegen weit öfter mit Opfern, Ungemach und Widerwärtigkeiten mancher Art verbunden ist. Gleichwohl nehme ich mich der guten Sache bereitwillig an, und bemüht, den an mich gestellten Ansprüchen zu genügen, will ich bestrebt fein, das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen uvd in weitestem Ausmaße zu verdienen. Die Grundsätze, die ich bei der Führung des Blattes beobachten werde, die mein Programm beinhalten, sind bald klargelegt. Vor allem soll die „Wahrheit" ihrem Namen und Titel nach jeder Richtung entsprechen. Ohne Bedachtnahme aus zeitlich berechenbare Vorteile oder auf der Parteien Haß und Gunst, sollen all? Erscheinungen und Vorkommnisse, die mit den Fragen des Judentums verknüpft sind, in freimütigster und ehrlicher Weie behandelt werden. Dre Wahrheit als solche ist das höchüe ethische Prinzip. Auch ihr muß man wie Gott mir ganzen Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen dienen. Meine Entschlußfreudigkeit kann nur durch die große Allgemeinheit gestärkt werden und ich hoffe, daß aus deren Mitte hilfsbereite und hrlfssähüe Männer hervortreten werden, die mir die Fortführung des Blattes in der von mir geplänken Weise erleichtern werden. Denn der neue Apparat, den ich für dieses Blatt schaffe, der neue Mitarbeirerst b. den ich allmählich gewinnen und erweitern will, nicht zulltzt die verwaltungstechnischen Kosten, für die

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