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Die Wahrheit · 1918-12-27 · Heft 26 (27.12.1918) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 26 (27.12.1918)
Date
1918-12-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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-Nr. 25. Me Wiener Kantsrerr im Weltkriege von Josef Grob. In den letzten Jahren vor dem Kriege schon sah sich der Vorstand des Kantorenvereines genötigt, für die Besserung 'der Existenzen der meisten Wiener Kantoren, welche schon damalswenig erfreulich waren, eine Aktion einzuleiten. Dank dem wohlwollenden Entgegenkommen mehrerer Wiener Tempeloerelnsvorstände durfteinan damals mehr oder weniger auf Erfolg hoffen. Es kam aber anders. Der Weltkrieg brach aus, der schrecklichste aller Kriege, der der ganzen Menschheit zürn Verhängnis ivurde und von dein auch der Kantor, der Hauptfaktor des jüdischen Gottesdienstes, nicht verschont geblieben ist. In vielen jüdischen Gemeinden, jpeziell in Ungarn, ist, es dem Einschreiten derselben bei den staatlichen Behörden unter Hinweis auf die eventuelle Schädigung der gottesdienstlichen Veranstaltungen gelungen, den religiösen Funktionär -frei zu bekommen. In Wien aber war das nicht der Fall, und zwar, ans dem einfachen .Grunde, weil an der Spitze der Kultusgemeinde einer der schroffsten Gegner derartiger Einschreitungen stand und weil ohne dringende Befürwortung seitens der Kultusgemeinde ein Erfolg allssichtslos war, ivas auch in mehreren Fällen sich herausstellte-. Und so ivurden scholl im erstell .Kriegsjahre fast alle im lvehrfähigen- Aller stehenden Wiener Kantoren zum Militärdienste herangezogen und schon ivenige Wochen nach Kriegsbeginn hatten wir schon schwer und leicht Verwundete. Es waren eingerückt: Müller (Schiffschul), der alsbald an die Front abgeschickt und bald verwundet wurde, Fränkel (polnischer Tempel), von denl man bis heute nicht weiß, wo er sich befindet, Giblichmann (Pazmamten-Tempel) war ivährend des ganzen Krieges an der Frollt, Kischner (Leopoldstädter Tempel) starb jung an Jahren vor Abschluß des Waffenstillstandes in einem Wiener Militärspital, Weiß -(Margarethen-Tempel) war die ganze Zeit im Felde, Reumann (Josefstädter Tempel), M.ayerowitsch und Friedländer (Müllner-Teinpel), Schlesinger (Favoriten), Schleifer (Fünfhauser Tempel), Jlmer (Schopenhauer Tempel), Landau (Döblinger Tempel), Roth (Klucky-Tempel), Rosenberg (Floridsdorf), Feuer (polnischer Tempel) und Balan (Bnai- Brith-Vereiu). Iw den späteren Kriegsjahren wurden noch einrückend gemacht: Fuchs (Stadttempel),. Grob (Josefstadt) und Basser (Brigittenau). Aus der angeführten Liste ist ersichtlich, daß fast kein Bezirk, ja kein einziges Gotteshaus verschont ivurde, in mehreren Tempeln wurde >sogar dicht ein einziger Funktionär " belassen. Und so mußte sich die größte Zahl der Wiener Gotteshäuser mit' Aushilfen begnügen, die, einzelne ab- ' gerechnet, kaum geeignet waren, zur . Hebung der religiösen Gefühle der Tempelbesucher beizutragen. Die Wiener Kantoren sind mm mit Ausnahme von .wenigen Kriegsopfern ivieder zu ihrem heiligen -Dienst eingernckt. Eine lange schwere Zeit haben mir und mit uns unsere Frauen und Kinder mitgemacht.^ Wir haben auch schon vor dem Kriege einen harten Lebenskampf gekärnpft, geschweige denn jetzt, wo doch jeder Fixangestellte und gm meisten der jüdische Kantor den gegenwärtigen Lebensverhältnisseu absolut nicht gerecht werden kann Die wenigstenjüdischen Gemeinden . konnten ihren gottesdienstlichen Fnlnktionär vom Kampfe aus dem Schlachtfeld fernhalten, alle jüdischen Gemeinden aber müssen sich darin einig iverden, daß es ihre heiligste Pflicht ist, den Lebenskampf ihrer religiösen Funktionäre zu erleichtern. Besonders geht dieser Appell an die Verwaltungen der Wiener Tempelvereine.für ihre kriegsheirngekehrte Wiener Kantoren. Wien> im Dezember 1918. Seite 5 Manifest des Jüdischen MMonntfond». Inden! Wir stehen vor dem verheißungsvollen Wendepunkt unserer Geschichte, zu dem die entschlossene Tat nationaler Vorkämpfer' den Weg gebahnt hat. Das lang ersehnte Ziel des jüdischen Volkes, inr eigenen Lande ivieder seßhaft zu werden, reift der Erfüllung entgegen. Machtvolle Völker und Regierungen haben feierlich gelobt, unsere nationale Wieder« gebürt im Lande der Väter mit allen Kräften zu fördern. Der Friede wird uns vor die Durchführung geivaltiger Aufgaben stellen. Er darf uns nicht unvorbereitet finden. Schon Jetzt müssen die Grundpfeiler zum Wiederaufbau des jüdischen Palästina errichtet iverden. Das Fllndameut jeder natioiraDn Kolonisation ist der Boden. Der Jjidische Nationalfond ist begründet ivordeu, um den freien Boden Palästinas als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben und damit den nationalen Charakter der jüdischen Siedlung dauernd zu verbürgen. Verfügt das jüdische. Volk in seiner Gesamtheit über das wichtigste Kolonisalionsmittel, den Boden, so ist auch die gesunde Grundlage für die Entwicklung des zukünftigen palästinensischen Gemeinwesens geschaffen. Der Bestand der jüdischen Siedlung ist nur gesichert, wenn das jiidische Volk ivieder mit der heirnatlichen Scholle verwächst und den Ertrag des Bodens eigener Hände Arbeit verdankt. Der Boden Palästinas soll frei sein für jeden'unter uns, der ihn selbst bearbeiten will. Für die Schaffung einer selbstarbeitenden jüdischen Bauernschaft aber ist die Ansiedlnug der oermögensschlvachen und besitzlosen jüdischen Massen unentbehrlich. Diese Blaffen können nur unter' Mitwirkung eines nationalen Landfonds seßhaft gemacht werden. Durch die Erbpacht auf Nationalfondboden iverden die Ansiedler vom Bodenkauf entlastet, und doch bleiben die Früchte ihrer Arbeit ihnen und ihren Nachkommen erhalten. Darüber hinaus sichert eine" groß angelegte Landpolitik des Nationalfonds den sozialen Fortschritt des palästinensischen GenleiinvesenS. Wenn die Steigerung der Grundrente nicht wenigen Bevorzugten, sonderii der Allgemeinheit zugutekommt, dann sind dem freien Spiel der Kräfte Grundlagen geschaffen, die eine gesunde soziale Entwicklung geivährleisten. Genossenschaften werden, entstehen, wo sie einem ökonomischen Bedürfnis entsprechen, daneben wird genügend Raum für die Privatinitiative bleiben zur großzügigen Entfaltung der wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas. Die Bedeutung des Indischen Nationalfonds ist bereits tief in das. Bewußtsein der Juden aller Schichten gedrungen. Der Jüdische Na^ionalfond hat sich auch inr Kriege als ein unzerreißbares und zugleich einigendes Band bewährt, das die gesamte national empfindende Jndenheit mnschließt. Üngeachtet aller .Hemmungen der -Fit haben sich im Kriege seine Jahreseinnahrnen verdoppelt. Erhebliche Beträge sind ihm aus den Schützengräben zugeflossen, die namhaftesten aus den so schwer heimgesuchten Gebieten jüdischer Blafsensiedkung. Zur Durchführung der gewaltigen Aufgaben aber, die dem Jüdifcheld^llatioualfond in einem zukünftigen jüdifchen Palästina zufallen, sind ganz andere Beträge als die heutigen Spenden erforderlich: Hunderte und Aberhunderte von Millionen. Wir vertrauen darauf, daß unser leidgeprüftes Volk die historische Größe des Augenblicks in seiner beispiellosen Bedeutung erfaßt. Wir wenden uns dann?: an alle, die die großen.Möglichkeiten begreifen, ivelche in der Durchführung des NaLionalfolldgedankens liegen. Wir fordern sie ans, den Jüdischen Nationalfonv zu einem machtvollen Werkzeug der jüdischen Neubesiedlnng Palästinas auszngeftalren. Wir wenden uns an die jüdischen Blassen, die bisher den Jüdischen Nationalfond mit ihren Spargroschen gefördert haben. W Die Wahrheit

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