Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 26 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion jui t> Aduntiikratiou: Wie«, 11., Novaragasie 27 le|0)boii: Kebadtou Automat »2.8V». Hbmitiiftrniiou Aut. 47.654 - H f. f(J<vr. $oftf»arfaila« €<tt(f-noiuo Sir. 100.018. Inlrratv: tU oiermal grittnliciu j Ro«varrilir-Z«ile 25 Htlter. tonnciiiMne« ntib Snirriioit». btuäflt und iu Wien >ahlbae und Ilagbnr. Haakhäugigr Keitschnft für jüöische Auteresseu. Lrjcheiirt jeden Ilreitu DloN«: „!)»» Siegel Gotte» i»b Wahrheit!' 71 <i j » ij i i» r e i f; ik>aii|tAbrt|i. . . . it 19 — t>alb|äbria ...... K 9.— Kur KiilluSdemiite: baiiiiliti 1}.K 12- (Viii : <HiiU||A9lii.10 ]K>it( Kr 26. Wien. 27. Dezember 1NI8. Inhalt: Abonnements-Einladung. —- Deutschösterreich und die bevorstehenden Wahlen. — „Times" über die Judenfrage. — Erklärung der Wiener Orthodoxen. — Die Wiener Kantoren im Weltkriege. — Manifest des Jüdischen Nationalfondes. . — Verschiedene Nachrichten.. Abonnements-Einladung. Iie geehrten Kerren Momenten werden um umgehende tzrnenernng des Köonnements für das am 1. Jänner 1919 veginnende I. HuartaL ersucht, damit die regelmäßige Krpedition des Akaltes keine NnLervrechung erteide. K. k. Postsparkafsen-Konto 1VV.SL8. Ganzjährig L 16, halbjährig K 8, vierteljährig K 4. . Die Administration. DerttschHsterreich und die bevorstehenden Mahlen. Me Hoffnung, daß. die schreckliche Not der Zeiten zur Einigung der jüdischer; Parteien und zu einer gemeinschaftlichen Platform für die Wahlen führen werde, schwindet immer rnehr und vvn Tag zu Tag kommt der Gegensatz - zwischen den Jüdischnütionalen und dem Großteil der.Wiener jüdischen Bevölkerung, der gegen das nationale Programm eine entschiedene. Ablehnung bekundet, stärker zum Ausdruck. Auf beiden Seiten wird eine erhöhte Propaganda entfaltet und dadrirch das Interesse weiter, bisher indolenter Kreise für die Frage der Stellung der Juden in Deutschösterreich , wachgerufen. Diesem Zwecke diente-auch die für Sonntag, den 22. d. M. von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines einberufene Versammlung, in welcher das Thema: „Deutschösterreich und die bevorstehenden Wahlen" zur Diskussion gestellt wurde. Der Saal war von Angehörigen des .jüdischen Mittelstandes, Männern und Frauen, dicht gefüllt.. Einzelne Anhänger der Jüdisch-nationalen Partei, welche wiederholt versuchten, den Gang der Diskussion zu stören, wurden vom Auditorium selbst immer wieder, energisch zur Ruhe verwiesen. Vizepräsident' Dr.. Ornstein verwies in seiner Eröffnungsrede auf die Unmöglichkeit, während des Krieges Versammlungen abzuhalten, da das freie Wort unterdrückt war. Er schilderte die intensive Rechtsschutztätigkeit der „Union" in dieser schweren Zeit, erwähnte., das Schreiben des' Vorstandes an den seinerzeitigen Justizminister Dr. Kleins in welchem Kriegswucher und Preistreiberei, mögen sie von Christen oder Juden geübt werden, in der schärfsten Weise verurteilt aber auch gefordert wurde, daß die gesetzliche Ahndung solcher Frevel gegen^ alle Uebeltäter ohne Unterschieds der Konfession verhängt werde.. In umfangreiche» statistischen Arbeiten habe die „Union", die ungeheuren Blutopfer der Juden im Kriege seftgestellt und ebenso aus den Verurteilungen wegen Preistreiberei den ziffermäßigen Beweis erbracht, daß die Juden an diesen Delikten in geringerem Maße beteiligt seien als ihr Verhältnis zur Bevölkerung betrage. Der Vorsitzende bespricht die Stellungnahme der „Union" gegen die jüdisch-nationale Bewegung, welche in Deutschösterreich keinen Boden habe. Die „Union" - werde für ihren Standpunkt den Standpunkt der vollen bürgerlichen Gleichberechtigung unbeirrt weiterkämpfen ohne geistliche Patronanz in Anspruch zu nehmen. (Lebhafter Beifall.) Redner schloß mit Worten innigen Gedenkens für die jüdischen Opfer des Krieges und für die Märtyrer der Pogrome. Staatsrat Dr. Julius Ofner, stürmisch begrüßt betonte zunächst die ungeheueren Schwierigkeiten, welche mit der Aufrichtung des neuen Staates verbunden sind. Alles trägt den Charakter des Provisorischen und es seien starke Einflüße für die Reaktion und die Restauration zu bekämpfen. DieWahlenfürdiekonstituierendeNationalversammlung seien von größter Wichtigkeit auch für die Juden. Infolge des neuen Wahlgesetzes sei es dringend notwendig, nach außenhin geschlossen und einheitlich oorzugehen, da kleine Parteien keine Aussicht hätten, bei der Wahl durchzudringen. Für die Juden sei es aber unerläßlich, wenigstens einen Vertreter in der Nationalversammlung zu haben, nicht um Judendebatten hervorzurufen sondern um sie zu verhindern. Die Spaltung im freiheitlichen Bürgertum sei daher tief zu beklagen und ebenso bedauerlich sei die Spaltung, die unter den Juden durch den Gegensatz „Glaubensgenoffenschaft oder Nationalgenoffenschaft" heroorgerufen, wurde. Nicht der Zionismus, der eine. Heimstätte für verfolgte Juden anftrebe, trenne uns, sondern das Verlangen nach Anerkennung einer jüdischen Nationalität in Dentschösterreich, wo die Grundlage, die geschlossene Siedelung, vollständig fehle. Was dem jüdischen Nationalrate zum Vorwurfe gemacht werden müsse, sei die Atmosphäre des Hasses, die er in die Judenschaft hineingetragen habe. Möge im Innern welche Meinungsverschiedenheit immer vorhanden *fem, nach außenhin müsse die Judenschaft geeint vorgehen.