Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 23 (15.11.1918)
- Date
- 1918-11-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Ostroh 1× ep/1047766
- Simlai 1× ep/1007159
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Seite 6 . Die Wahrheit Nr. 23. ' MS der * siebenjährige Krieg beendet und der Frieden hergestellt war, erschien die. Kaiserin Maria Theresia in Prag und sie wurde von der großen Bevölkerung gefeiert. Auch die Juden beteiligten sich zahlreich an den Huldigungsfeierlichkeiten und jüdische Mädchen erschienen in Prachtkleidern und tanzten. An der Spitze der Juden erschien der Oberräbdiner Rabbi Jeheskiel Landau, der eine schöne Ansprache an die Kaiserin hielt und den' Segen sprach. Die hohe Frau war über die,Huldigung der Juden außerordentlich zufrieden und lobte besonders die Tanzweise der Judenmädchen. Ein judenfeindlicher General machte dabei die Bemerkung: „Daß die Juden im Tanz Meister sind, ist nicht zum Wundern; denn seit sie gegenüber dem goldenen Kalb tanzten, hat sich bei ihnen diese Kunst vererbt." Dieser General hatte im Kriege einen großen Fehler begangen, indem er eine Armee ihrem Schicksale überlassend, bei Wein und Weiber sich unterhielt, wodurch die österreichische Armee eine empfindliche Niederlage erlitten hatte. Er wurde daher seines Dienstes enthoben und vor ein Kriegsgericht gestellt, doch bei Friedensschluß wurde er"begnadigt. Rabbi Jeheskiel erwiderte daher, darauf hinweisend: „Es ist wohl wahr, daß die Juden das Tanzen beim goldenen Kalb erlernt haben;, es kann aber dem Volke nicht'übel genommen werden, daß es sich an dem Kalbe vergangen hatJ weil es von seinem Führer im wichtigsten Moment verlassen wurde, ' was immer ein Unglück nach sich zieht." > * * * Einst stritt der heilige Rabbi Jakob Josef aus Ostrog, Genannt „Raw JJBA", mit Rabbi Pinchas von Koretz, indem der erste der Meinung war, daß das Vergehen des Sprechens in der Synagoge in unserem Zeitalter am herbsten ist. Rabbi Pinchas-hingegen behauptete, daß ein noch größeres Vergehen darin zu erblicken ist, daß die armen Judenweiber m den nichtjüdischen Kreisen hausieren, wodurch ihre Moralität bedroht wird und sie einen Makel auf sich ziehen, denn sie wären den wollüstigen Trieben der polnischen Adeligen zu unterliegen ausgesetzt. Die beiden Rabbinen stritten lange, dis sie sich einigten, die heilige Schrift zur Entscheidung anzurufen. Man schlug das erste Buch Moses auf und die erste ZeÜe war: „Sollten sie denn mit unserer Schwester wie mit einer Hure handeln?" (34—31). Also hatte Rabbi Pinchas Recht. Rabbi Jewo sagte aber: Werden wir sehen, was der Kommentar Jonathan auf diese Stelle deutet: „Und man wird an den Sammelplätzen der Juden davon sprechen, Unbeschnittene haben die Tochter Jakobs verunwürdigt," zu ersehen ist, daß der Hauptgrund darin liegt, daß man in.den Versammlungshäusern nicht sprechen soll. Beide Zadikim hatten daher Recht. ' * * Die Worte des Psalmisten: „Gott, Herr meiner Hilfe, der Tag ist mein Geschrei, Nacht aber gegen Dich," erklärte der Koritzer Mo: „Am Tage schreie ich und flehe ich zu - Gott, damit er mir die Kraft verleiht, in der Nacht gegen ihn auftreten zu können, um ungünstige Beschlüsse abzuwenden." . * . * - * Räbbi Heisch von Rymanow war einmal auf einer Reise nach einem ungarischen Kurort. Als er Ungvar passierte, stattete er dem dortigen Rabbiner, dem bekannten Gaon Rabbi Meier Eisenstadt, welcher bekanntlich zu den Misnagdim zähtte, einen Besuch ab. Räbbi Meier bat dem Rymanower um Aufklärung, wie es möglich wäre, ohne talmudische Gelehrsamkeit ein Führer vSn Juden zu sein, da doch er, der Rymaiwwer, über ein kleines Maß räbbinisches Wissen verfügte uni) doch von einer großem Gemeinde umgeben war. Rabbi Meier setzte voraus: „Es ist Gottbehüte nicht meine Absicht zu kränken, nur möchte ich das Geheimnis dieser. Anziehungskraft kennen." Rabbi Meier erwiderte: „Zmn 6. Vers des 5. B. M., Kap. 32: „Du toll und töricht Volk" verdolmetscht Unkeles: „Ein Volk, das die Lehre empfangen hat und nicht weise wurde."". Die Gotteslehre enthält nach einem Ausspruch, des Raw Simlai (Traktat MM kot 236) 613 Befehle und zwar 365 Verbote nach Ana Hk der Tage im Jahre und 248 Gebote nach Anzahl der Glieder' im Menschen. Diese Gebote hat König David in elf Tugenden zusammengefaßt: Gradheit, Gerechtigkeit,^ Wahrheit, Scheu vor Verleumdungen des Nächsten, Verachtung des Bösen^ Verehrung des Guten, Heilighaltung dek Eide, uneigennütziges Ausleihen ohne Zins und . Zurückhaltung von Bestechung: Jesaje hat dieselben wieder in sechs zusammengezogen: Wandeln in Gerechtigkeit, Sprechen in Geradheit, Verachtung des- Eigennutzes) die Hand von Bestechung, das Ohr von böser Einflüsterung, das Auge von bösen Gelüsten frei halten. Der Prophet Micha hat die Gesetze, auf drei Prinzipien: gebracht: Recht üben, Wohltätigkeit lieben und in Züchtigkett leben. Chabakuk drückte sie sämtlich in einer Formel aus: „Der Gerechte lebt des Glaubens." Nun sagt der Talmud,, daß der Erzahne Abraham die ganze Lehre gehalten hch, bevor sie noch gegeben wurde. Wie war das denn möglich? Der Sohar erklärt hiezu, indem Abraham die erwähnten Gebote, mit* welche man dem Weltenschöpfer dienen soll,. befolgte und sich mit allen Fasern seines Körpers dem Dienste Gottes weihte, hatte er sich selbst mit dem Wesen der Lehre in Einklang gebracht. Als seine Nachkommen in Egypten unter dem Druck des Golns 'bereits bie äußerste Grenze, das ist das fünfzigste Tor der materiellen Atmosphäre, worüber' es heißt, daß alle, die da hineinkommen, ein Umkehr unmöglich "fei, erreicht hatten, erfolgte die Erlösung und die Offenbarung am Berge Sinai, um.es ihnen zu "ermöglichen, sich zur Höhe der- Sittlichkeit und Ahnenpracht zu erheben. Doch' . durch die Sünde des Kalbes erreichten sie nicht diese hohe " Stufe. Daher sagte ihnen Moses: „Du Volk, das . du die. Lehre empfangen hast und doch nicht klug.bist!"- Die Lehre blieb seither ein Körper ohne Seele. Der Zadik aber, der in seinem Glauben lebt und den Weg, wie ihn Chabakuk fand, wandelt, dessen Seele kst mit dem Körper der-Lehre , eng verbunden." . Verschiedene Nachrichten Wien. Nach längerem Leiden starb hier am 29. Oktober Herr Hermann Löwy im Alter^von 73 Jahren. Der.Verstorbenes hatte sich durch seine Charaktereigenschaften,, inbesouderes durchs seine Gottesfurcht und Bescheidenheit die Achtung und Liebe Aller,, die ihn kannten, erworben. Auch hat er es verstanden sein Haus¬ und seine Kinder ganz im Sinne unserer Thora hakedoschah zu leiten. Seinem letzten Wunsche entsprechend wurde der Dahingeschiedene nach Preßburg überführt, um an Seite seiner vor nicht' langer Zeit verschiedenen Gatttn zur Ruhe gebettet-zu* werden: Bei dem am Freitag ftattgefundenen Begräbnis, gab Herr Rabbiner" Donath der Trauer in beredten Worten Ausdruck. ' Mtrzeichnis PeitiorlltHln Pom 1. bis 10. Novembers 1918. Samuel Sidon, Juwelier, 7.3, Joachim Heinrich Neumann, Kaufmann, 80, Wilhelm v. Keppich, Privat,^81, Julie Oesterreicher, geh. Schneider, Pflegling, . 79, Anna Wisch'nowitzer, Bankbeamtin, 21, -Kais. Ratj Dr. Samuel Isidor Spruner, Sanitätsrat i. P., 82, Jetti Flecker geb. Wieselberg, Hausierersgattin, 39, ' Alice Drucker, 5,- Sale Rachel Rosmann 17, Emilie Kramer Modistin, 28, Jean Lahower 16, Margarethe. Winter, Näherin, 21 Nach Schluß des Blattes eingelaugt. In der-am 13. d.. M. 'stattgehabten Vorstandssitzungder Wiener'Kultusgemeinde ist derzurückgetretene Präsident Dr.. Alfred Stern zum-Ehrenpräsidenten ernannt worden, eine Auszeichnung, die unseres Wissens zum ersten Male fett Bestand der Kultusgemeinde erteilt wurde. In die Permanenzkommisfion wurden gewählt die Herren: Dr. Jakob Engel, Dr. Wilhelm- P a p p e n h e i m, Dr. Heinrich ^Schreiber, Dr. Josef Auerbach, Dr.. Leopold Plaschkes, .Dr. Karl Polka.k. Den Vorsitz in ider Permanenzkommission führt der derzeit - geschäftsführende Erste Vizepräsident Hoftat Dr. Benjamin Rappaport. In den Vorstand wurden kooptiert: Hofrat Siegfried G e r st ni a n n, Baurat Wilhelm K e m p l e r, Hof- und Gerichtsadvokät Dr. Julius M o n a t h.