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Die Wahrheit · 1918-09-20 · Heft 19 (20.9.1918) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 19 (20.9.1918)
Date
1918-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Rrtottiön «nd Administration r Wie«- II., Novaragasie 27 Ltltphon: -- Srdaklion Automat 42.888. Administration Ant. 47.884 K. k. SSerr. Postsparkafsa» 8chtS»Konto Nr. 1VV.SI8. Inserate: ibit viermal gesvalicne Nonpareille-Zeile 28 Heller. Adönneineiur- und Jns-rtioilS» ietrügr sind in Wie» zahlbar und klagbar. ttfchrift für jäöifche Erscheint jeden Areitag. Netto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Bezugspreis: Äanzjithri».IC lt.- HalbUihria ...... IC 8- Für KnltttSbeaittte: Ganzjährta.K 12.— Für AuSlnttd: Äauzjtthrig.10 Staif Ur. 19 Wien, 29. September 1918. Inhalt: Festgedanken. — Ein gerechtes Steuersystem. — Die jüdische Schule. Festgedanken. Wieder stehen wir unter dem Eindrücke der Festtage, die uns in reine Höhen erheben und das Erdenleid ein wenig vergessen lassen. Eine neue Zeit, ein neues Jahr beginnt für uns nur dann, wenn wir unser Leben im Geiste unserer Lehre, unserer Ueberlieferung erneuen, wenn wir uns über unseres Lebens Zwecke und Ziele klar werden. Unser Leben kann nur durch das religiöse Denken und Handeln Inhalt gewinnen. Wie Abraham hinging und seinen vielgeliebten Sohn gern opfern wollte, so müssen auch wir es tun: den äußeren Menschen mit seiner Oberflächlichkeit und seinen nach Augenblickserfolgen haschenden Sinnen abstteifen und den innern Menschen erneuern, sein Fühlen und Denken von Gottes Lehre bestimmen und lenken lassen. Wenn geläutertes Denken uns bewegt, die Geschehnisse der Umwelt als eine Fügung unseres Vaters uns erkennen läßt, dann müssen wir uns auf das Lückenhafte unseres Wesens besinnen und unsere Besserung und Umformung im Sinne unserer Lehre beginnen. Wir lassen unser Leben an uns vorüberziehen und messen es am Maßstabe der Gotteslehre, die uns fragt: Hast du in allem und jedem Gott gedient, gabst du Ihm überall die Ehre, stelltest du seine Satzungen höher als deine Bequemlichkeit, als des Tages Forderungen? Hast du Liebe und Treue gegen Gott und seine Geschöpfe würdig dieser großen Zeit geübt? Da kommt oft ein beschämend Nein und bittere Reue über manche Unterlassung, die gutzumachen der einzige Ausweg ist, gutzumachen durch Teilnahme an allen Hilfswerken, allen Großtaten, die Tränen trocknen, Leid und Kummer zu mildern vermögen. Dazu sind wir dadas gibt uns Kraft und Weihe, Stütze und Erhebungin diesen so schweren Zeiten! Blick' um dich, all' dies Elend schreit um Hilfe und Liebe! Könntest du untätig zusehsn und dich schuldig machen am Blute deines Bruders? Mt Nichten. Da ist gemilus chesed und ASärcka, da wahrhaft edles Schaffen und Wirken, verdienstvoll und inhaltsreich, des Lebens der Besten würdig und gottgefällig. . Die neue Zeit, die neuen Werke und Leistungen bedingen sie' und wehe uns, so wir am Ende des Jahres wieder vor Gott ohne Leistungen und Verdienste erscheinen müssen. Wehe unserer Seele, die sich dadurch so ganz dem sechus o#ö's, dem Verdienste der Väter entfremdet, der großen Väter, deren ganzes Leben ein einziger kidnsclr haschem gewesen, deren Laufbahn ganz der Ehre Gottes Und Wohlfahrt der Menschen geweiht war. So du eine neue Zeit mitvorbereiten willst, darst du dich deinen Brüdern nicht entziehen! Dein Leben sei eine Fortsetzung des ihren, sowie das deiner Kinder eine Wetterführung des deinen ist. Doch lebt der Mensch nicht vom Brote allein, sondern von jedem Worte aus dem Munde Gottes. Alle Wett kündet dir dies Wort Gottes: Hilf, hilf überall und rasch! Sieh die Witwen und Waisen, die Krüppel und Kranken und gib, gib möglichst viel! Sieh das Elend unserer Brüder im hl. Lande, hilf rasch und ausgiebig! Nicht bloß von deinem Gute, sondern führe auch andere zu verdienstvoller, edler Tat, laß keinen Augenblick ungenützt vorüber, ihnen beizuspringen, sie zu stützen durch deine und deiner Umgebung Hilfe. Stelle der Unglücklichen, Verlaffenen, Hilflosen Wohl über das deine, sei ihnen Schützer und Retter ohne Rücksicht auf dein eigen Wohl, deinen augenblicklichen Vorteil! So ist eine neue Zeit, eine neue Welt möglich, durch Liebe und Selbstlosigkeit wird sie gebaut und befestigt. Man wende nicht ein, solches sei unmöglich; wenn es die Väter vollendet, so müssen die spätesten Nachfahren es ebenso halten, wenn anders es in der Wett besser werden soll. Das Gefühl der Verbrüderung, der Zusammengehörigkeit muß wieder zu mächtigen Leben erwachen und uns zu großen Taten führen. Hast du dem Vaterlande deinen einzigen Sohn, den liebevollen Gatten und tteusorgenden Vater hilfloser Kinder geopfert, so sei stark, dem von ähnlichem Leide Bettoffenen zu helfen, schließt Euch zusammen und helft einer dem andern! Kehrst du als Invalide aus dem Kampfe für Kaiser und Vaterland heim, so sei nicht verzagt, denke, daß gute, brave Menschen hilfreich dich stützen und tröste, richte auf, selbst schwer Geprüfter. Dazu gehört die höchste Seelenftärke, die größte Selbstüberwindung, die uns nur bei der Bettachtung der unendlich großen Zeit und ihrer erhabenen Ziele zuteil wttd. Denn um Größtes gehtzder Kampf. Sein oder Nichtsein! Soll das Gefüge dieser attehrwürdigen Monarchie mtt ihrer großen Geschichte und Vergangenheit billigen Redensarten von Völkerbefreiung und Beglückung zuliebe zerschlagen und die gequälten, schwer heimgesuchten Völker statt befreit in noch größeres Unglück gestürzt und für alle Zeit geschwächt werden, zn des Feindes größter Schadenfteude! Denn die „Befreiung" der Armen Völker bedeutet in Wirklichkett nicht mehr und nicht weniger als ihre dauernde Schwächung und Ueberlieferung an des „Befreiers" Willkür. Geeint find wir unbezwingbar, geteilt leicht zu besiegen. In der LeGenfchasten mächttger Brandung können wir dies nicht erkennen, so

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