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Die Wahrheit · 1918-09-06 · Heft 18 (6.9.1918) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 18 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 18. aus tatfroher Mann, erteilte Ms Auskunft über die Art der Erziehung, wobei wir die Erfahrung machten, daß die jüdischen Kinder bis -um schulpflichtigen Alter gar keinen jüdischen Unterricht genießen. Die Kinder werden durch nichts erinnert, daß sie jüdische Kinder sind und wie zum Hohn prangen draußen die herrlichen Worte des Psalmisteu „Miipi olelim wejonkim jassadeta os“ (Aus dem Munde der Säuglinge hast Du Deine Macht begründet). Wie anders sollte urü> Wnnte es doch sein! Int könnte doch den Wischen Kindern spielend das hebräische Lesen oder hebräische Sprüche, Mische Erzählungen u. dgl. beibringen, so daß diese unbewußt einen kleinen Schatz von jüdisch-ethisch-religiösem Wissen in die Schule mitbrächten. Die Kinder müßten nicht erst in der profMen Schule in äußerst spärlichen Dosen «fahren, daß es etwas Jüdisches auf der Welt gebe. Das hat der „Agudas Jisroel" dem Direktor Herrn Fischer zu Gemüte geführt und es hat ihm eingeleuchtet. Auch der bekaunte Won Herr Mccker Kohn hat sich für diese Bürsenwahrheit eifrig interessiert und zugesagt, daß den jüdischen Kindern An den Kmdergärten der „ru«vü kajekudnl", der jüdische Geist, frühzeiüg eingeimpft werde. Und nun nehme ich im Aufträge des „Agudas Jisroel" Anlaß, diese Angelegenheit öffentlich zu behandeln, damit sich auch andere maßgebende weltliche und geistliche Faktoren dafür interessieren Md dahin wirken möchten, daß Her glänzende Spruch des, Psalmisteu „Mipi olelim wejonkim jessadeta osu nicht nur M ein Schild nach Außen, sondern auch in Tat umgesetzt werde. OstfüdMr». Bon Chaim Bloch (Delatyn) nach den in dem Hebräischen Sammelwerk der „Einfachen Gelehrtengesprache" von Schles und Ettinger enthaltenen Sprüchen bearbeitet. Zur Zeit der bekannten Verfolgungen der Ehassidim in RuUand wurde Rabbi Meier von Opatow, Verfasser des Werkes „Licht des Himmels," vor einen General geladen, der chn zur Rede stellte, warum er so laut das Gebet verrichte. Der Rabbi antwortete mit Ekstase: „David sagt in den Malmen: .Mein Herz ist heiß in mir, bei meinem Denken entbrennt das Feuer, so rede ich mit meiner Zunge." (Psalm 39. 4.) Er imponierte dem Gmeral und dieser entließ chn in Ehren. * * * Ein anderes Mal traf derselbe Rabbiner einen judenfeindlichen Fabrikanten, der sich hatte taufen lassen. Um den Rabbi zu ärgern, nahm der Täufling eine goldene Uhr aus der Tasche, auf deren einem Deckel ein Judenkopf, auf dem anderen ein Hund eingraviert war, 'und zechte siedem Rabbiner. Dieser sagte : „Ich weiß schon lange, daß, wenn Jude sich umwendet, erdann ein HMd wird." ' - * * Rabbi Josef KahMa, Verfasser des berühmten WMes „Getreidehebopfer", war Rabbiner in Szöllös Ms er von dort zum Rabbiner der viel bedeutenderen Gemeinde Maramarossziget berufen wurde, ftagten chn die Gemeindevorsteher in Szöllös, warum er sie denn verlassen wosse, da sie ja wüßten, daß nicht das größere Einkommen ihn, rxizen könne., erwiderte: „Unsere Weisen haben^ gelehrt, daß demjenigen, der zu Würde gelangt, seine Sünden verziehen werden. Wer rum wenig Sünden hat, dem genügt äne kleine Gemeinde; da ich aber leider viele Sünden habe, muß ich in eine größere Gemeinde gehen." * * * : . •" ~ - Einst kam zu Rabbi Jickob Samson von Koffvw der Nachkomme eines berühmte» Zadik, dex rvohl nur über bescheidenes Wissen verfügte, vom Rabbi jedoch, wegen seiner - Abstammung freundlich ausgenommen wurde. Durch die erwiesene Freundlichkeit ein wenig übermütig geworden, erbat, er sich das Wort, um ' J&otat, zu sagen, was chm Her^ Rabbi Mch geskrttete. Im Thorasagen nicht genügend de-, wandert, bediente er sich unzählige Male des Wortes: - „Kurew le’emes“ . (wörtlich: „Nahe zur Wahrheit"- also; die Deutung entspricht fast dem richtigeu Sinn des Verses). Als er seine Thoradeutungen beendet hatte, bat er den Rabbi, auch einige Sätze zu deuten. Dieser aber erwiederte: „Meines ist die Wahrheit'selbst." Gestützt auf das Väterwort: „Ein Zaun um Hie Weisheit ist Schweigen." Verschiedene Nachrichten. Wien. (Israelitisch theologische Lehranstalt. Wien.) DaH Schuljahr 1918/19 nimmt Donnerstag, den 3. Oktober, seinen Anfang; die Aufnahme-Prüfungen, zu welchen nur die bisher schriftlich Angemeldeten zugelaffen werden können, finden Donnerstags den 3. und Freitag der4. Oktober l. I, statt.. Die Vorlesungen: beginnen Sonntag, den 6. Oktober. Wien. (A das I i s r o e l,) Die Einschreibungen in unserer Unterrichtsanstalt finden statt: Abteilung unv: Täglich an Wochentagen von 4—6 Uhr im Unterrichtslokale 11. Große Schiffgasse 1». Abteilung Pr.-ReligionSschule Mittwoch, den 11. d. M. von 1 bis 4 Uhr im Lokale der Thalmud Thora II. Malzgaffe 16, weiterhin ebenda an den folgenden Sonntagen von 9—12 Uhr Vormittag und Mittwoch 2—4 Uhr Nachmittag. Im Jntereffe des Unterrichtes wird gebeten, die Kinder ehest einschreiben zu lassen. - Wien.- (Kaiser Franz Josef I-Huldigungstempel, II., Pazmanitengaffe 6). Sonntag den 1. September abends wurde in unserem zu diesem Zwecke festlich beleuchteten Tempel für den verewigten Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, als gewesenen Ehrenpräsidenten im Baukomitee, eine. Trauerandacht veranstaltet. An. derselben hat neben den Familienmitgliedern des Verewigten dev in Wien weilende Bereinsvorstand unter Führung seines derzeitigen Präsidenten, kaiserlichen Rater Adolf Wenger, teilgenommen. Die israelitische Kultusgemeinde war durch das Mitglied des Vertreter- Kollegiums, Herrn Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, vertreten,, während der greise Präsident Dr Alfred Stern entschuldigt war. Weiftrs ließ sich der Oberrabbiner P. H. ChajeS entschuldigen^ während die Wiener Rabbiner Dr. Moritz Bauer und Dr. Jakobs Dobrinski erschienen waren, ebenso der Erste Sekretär Dr. Emil Adler und als Abordnungen/ des Bethäusvereines „Beth Israel^ Leo Schmidt, des Tempelvereines „Beth Hatfila" Isidor Trebisch, des Vereines --Nächstenliebe" Moritz Rosenblätt u. v. a.. Die Gedenkrede hielt Bereinsrübbiner Dr. Salomön Funk, der in Von hoher Verehrung getragenen Worten sowohl die überaus.verdienst-: volle, seelsorgerische und soziale Wrksamkeitin der Wiener Gemeinde als auch den unermüdlichen Md umsichtigen Vorkämpfer und Verfechter-allgemeiner jüdischer Interessen würdigte, dessen Abgang.' einen unersetzlichen Verlust für die Wiener Gemeinde und das Judentum bedeutet. Die Trauergesänge trug erster Kantor Armin. Stift unter Mitwirkung des vom Chordirigenten Hirschmann geleiteten verstärkten Chores in ergreifender Weise vor. , 7 - Wie«, lieber Ansuchen des Vorstandes des Kaiser Franz JosefI.-HuldigungsteMpel8 wurde dem Oberkantor Josef Giblichmann, der wegen tapferen Verhaltens. vor dem Feinde "mehrfach ausgezeichnet worden ist, zur Verrichtung seiner Amtsfunktionen ein vierwöchiger Urlaub bewilligt. / . , - Wien. Am 3. August feierte der als Wohltäter bekannte' Herr Adolf Rittmann mit seiner Gattin Frau Fanni geb.Horowitz das Fest der Meinen Hochzeit, bei welcher Gelegenheit das Jubelpaar im Hitzinger Tempel erschien und beim Aufrufen zur Thora namhafte Spenden 'für verschiedene Wohltätigkeitsaristalten Machte. Erster Kantor Tonwnogi trüg einen von ihm verfaßten „Mi scheberach" wirkungsvoll vor. , v;;; Wie«. (AuszeichMng.) Der im XIII. Bezirke Hitzing bestbekannte Zahnarzt Hermann Küner, Vorsteher des Tempelvereines. imHH. Bezirk, wurde von'St. Majestät mit dem'Zivilverdienstkreuze III. Kläffe, ausgezeichnet. - : Wie«. Dienstag, den..3. d. ist nach zweitätiger Krankheit die 15 jährige Tochter des Regierungsrates Ernst Klebinder der spanischen Grippe erlegen. Ein tragisches Geschick fügte es, daß Regierungsrat. Klebinder, der mit Hingebung und Menschenliebe sich der Kaiser Karl-Kinderaktion widmete und mit rastlosem Eifet daran arbeitete, _ daß vielen sausenden von österreichischen und ungarischen Kindern die Wohltaten eines Sommeraüfenthaltes auf. dem Lände; zuteil wurden, nun sein eigenes Kind irr blühendstem Alter dahingerafft sehen Muß. - '• - : -' - . '■ . Vagujhely, 17. August. (Moritz Zuckermandel). Den Blättern des Paumes gleicht das Geschieht der Menschen, sagt der alte- Homer. Auch in dem ältehrwürdigen Waag-Neustädtl ist ein Blatft um das andere der alten Geschlechter gefallen und am 17. d. M.' wtwd wieder ein würdigesccktes Gemeindemitglied- Moritz Zuckermstndel, zur ewigen Ruhe gebettet ^Unermüdlich hatte er in der Repräsentanz,Im Schulstuhl und.besonders in der Chewra-Kadischa selbstlos Jah^ehnte hindurch im. Interesse seiner. Patergemeinoe gestrebt und gearbeitet, bis es dem Himmel gefallen hatte seinen alten hellen Geist zu seinem Glücke zu trüben,-damit it die Wunde«' nicht so, schmerzlich > empfinde, als der unerbittliche Tod ihm seine« als Wöt . ft> beliebten Sohn und bald därMf^sÄne« hoffnungsreichen Enkel hinweggeräfft hat. Selbstredend war die' Beteiligung am Leichenbegängniffe und' der ihm gehattsne Nächruf seinen Verdiensten entsprechend. Friede seiner Asche! 5

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