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Die Wahrheit · 1918-08-09 · Heft 16 (9.8.1918) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 16 (9.8.1918)
Date
1918-08-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 16. herzten und küßten sie mit echt mütterlicher Zärtlichkeit und Kiebe, gefühkioll und mit frohem Willen. Da ging dem Rabbi ein Licht auf. Er fing an das Bat kol zu verstehen und er rief: „Schadai! Beleih, ich habe weder den Traum noch die Deutung verstanden. Nun verstehe ich beide. Denn ich sehe viele Engel in Frauengestalt mit leiblichen Augen. Diese Frauen sind ^nisodmat malacliim44 Engelse e len. Wir Männer sind durchaus nicht imstande so viel zartes Mitleid zu üben. Die Frauenherzen sind dazu geschaffen^ Eine Güte ist in ihnen, ein Erbarmen, eine Liebe zu den Menschen, die das Blut zum Herzen stürmen macht und Tränen lockt vor Ergriffenheit. Darum ihr Bedürfnis, Freuden zu spenden, Glück auszuteilen, überall nur glänzende Augen, strahlende Mienen und lachende Lippen zu sehen, ein trostbringender Engel zu sein. Sie seien gesegnet, diese Sonnenmenschen mit ihren sanften Augen und ihren goldenen Herzen, die Guttäter der M e n s ch h e i t." Kullns- und Grstrhu«gsfragr« Das „Aktionskomitee der vereinigten Wiener Tempelvereine" hat die Schrift des Herrn Schulrates Professor Dr. Moritz Tschiaßny: „Jüdische Kultus- und Erziehungsfragen" beraten und ohne auf die Form und Ausdrucksweise der Schrift weiter einzugehen, folgende Leitsätze einhellig ausgestellt: 1. Die vereinigten Wiener Tempelvereine lehnen alle Vorschläge, welche gegen das geschriebene und überlieferte mosaische Gesetz sind, ab. 2. Die vereinigten Wiener Tempelvereine fordern, daß Vorschläge für Aenderungen, die sich auf die Predigt, die Gebetsordnung oder den sonstigen Gottesdienst beziehen, mit dem Wiener Rabbinat und den Wiener Rabbinern beraten weiden. 3. Vorschläge, die sich auf die Würde und den Anstand im Gotteshaus und auf die Disziplinierung der Vereinsmitgliedtr und Bethausbesucher beziehen, fallen in den Bereich der einzelnen Vereine und sollen von den einzelnen Tempelvereinsoorständen beraten und hernach von allen möglichst einheitlich durchgeführt werden. 4. Die vereinigten Wiener Tempelvereirie erachten als höchstes Ziel der Erziehung die Biwung eines sittlich-religiösen Charakters, wozu vor allem der Religionsunterricht beitragen muß. Religiosität ist die höchste Form der Sittlichkeit und das Fehlen von religiöse» Idealen in den Familien ist die Quelle des Abfalls. Daher ist die Reform des Religionsunterrichts die Hauptaufgabe des Kultusvorstands. Auch das Aktionskomitee der vereinigten Wiener Tempelvereine soll hiezu Vorschläge ausarbeiten lassen. 5. Die vereinigten Wiener Tempelvereine erblicken in einer strammen Organisation der Wiener Judenschaft ein Hauptmittel zur Stärkung und Kräftigung des Judentums gegenüber seinen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Widersachern. Me Fran;e«sb«der Kirrfailo« im fünfte« Kriegsjahr. Bon Armin Wilkowitsch, Eger. Die wunderschöne Gartenstadt Franzensbad prangt wirrer in ihrer sommerlichen Schönheit. Die herrlichsten und seltensten Kinder Floras verbreiten Dust und Pracht um sich. Die goldene Sonne blitzt und blinkt auf die Silberrinden der Birken in den Parkanlagen. Schön und friedlich liegt die von Gott gesegnete Landschaft wie in einstigen friedlichen Zeiten. Die Mineralquellen und Moorlager haben trotz des Fernbleibens unserer Feinde nicht im mindesten an Wert eingebüßt. Im Gegenteil! Der Weltkrieg hat leider sein ZerstörungSwerk auch auf die Menschenherzen in reichem Maße ausgedehnt. Unbedeutende Herzdefekte wuchsen sich im Schützengraben, wie in den Kasernen des Hinterlandes zu schweren und lebensgefährlichen Leiden aus, die nach Heilung förmlich schreiend Dann: wie viele Gattinnen und Mütter büßten durch das stete Hangen und Bangen um ihre Lieben draußen im Felde, oder gar bei Hiobsbotschaften ihr gesundes Herz ein! — Trotz Verordnungen und Verschärfungen hinsichtlich der Verabreichung der Lebensmittel an die Kur? gaste, sozusagen: trotz Hochhängens des Brotkorbes, sind, die Kurhäuser sehr gut besetzt, was ein beredtes Zeugnis für die Wertschätzung dieses Kurortes seitens der Heilsuchenden gibt und die Kurverwaltung unter bewährter Leitung des Herrn Bürgermeister Loincarne hat Wunderdinge zu vollführen, um das Allernotwendigste zur Verproviantierung des großen Kurpublikums zu beschaffen. Bei der herrschenden Hungersnot ist die Kurverwaltung ehrlich besttebt nur Kurbedürftigen im wahren Sinne des Wortes seine Heilquellen- und Mittel zu überlassen. Und doch: wem soll man die Wohltat der Kur versagen! denen, die sich im Felde ihr Herzleiden zugezogen hatten, den Kranken, die noch die Uniform tragen, oder den Trauernden um gefallene Helden? — Soll man die Tore der Kurstadt jenen verschließen, die seit Jahrzehnten nach Franzensbad. kommen und tausend Eide schwören, daß sie die Erhaltung ihres kranken Lebens ausschließlich den Heilschätzen dieses Kurortes verdanken? Man darf — ohne ein Prophet zu sein — Franzensbad nach dem Kri.ege einen glänzenden Aufschwung prophezeihen. Nerfchiederre Nachrichte«. Wien. Knabenvolksschule (fünf Kl.) mit Oeffentlichkeitsrecht (Talmud Thora), Wien, H., Malzgasse 16. Der einzig richtige Gedanke, daß der Wirkungskreis der Schule sich nicht auf das Schulzimmer allein beschränken kann und daß der Pflege des Körpers der Kinder ihr Recht gewahrt bleibe, ist hier seit jeher in die Tat umgesetzt worden. Still und unscheinbar waltet an dieser Anstalt die Fürsorge, von der Oeffenttichkeit wenig beachtet, noch weniger gewürdigt und anerkannt, und doch ist es ein großes, segensreiches Werk, das da ausgeübt wird und dem man einige Worte widmen muß. Es hat auch in der goldenen Friedenszeit genug der armen Kinder gegeben, die nicht nur eine gute Verpflegung, sondern auch Kleider, Schuhe, Wäsche erhielten und aufs Land geschickt wurden. Im Schulhause selbst ist eine Schulküche eingerichtet und wird der Zubereitung der — rituellen — Kost die größte'Sorgfalt zugewendet. In dem geräumigen Speisesaale nehmen die Kinder, beaufsichtigt vom Lehrpersonal, das reichliche Mahl ein. Der Krieg und die damit. verbundene schwere Zeit stellte dem Vorstand vor unübersteigliche Hinderniffe und ungeahnte Schwierigkeiten, doch sie konnten bisher Dank seinen Bemühungen und der Opferwilligkeit edler Kinderfreunde überwunden werden. Um die Kinder während der Ferien in der Obhut der Schule behalten und vor den Gefahren der Straße bewahren zu können, besteht in der Schule sowie in den früheren Jahren ein Jugendhort. Die Kinder werden von ihren Lehrern in Gottes fteie Natur geführt, wo sie spielen oder sonst nützlich beschäfttgt werden. Trotz der schwierigen Beschaffung und der-minderen Qualität der Lebensmittel erhalten sie eine ausreichende, wohlschmeckende Kost. Das Wettk verdient allseittge, krästtge Förderung und. Unterstützung, hier ist für Kinderfreunde ein Feld der Betätigung. Möge jeder sein Scherflein beitragen zum Wohle und Heile der Jugend, der Zukunft unseres Volles. Wer Interesse für die Sache hat, möge kommen und selbst sehen. ' Wien. (Kaiserlicher Rat Anton Geiringer.) Der langjährige Direktionssekretär des Deutschen Vollstheaters, Herr Anton Geiringer, wurde vom Kaiser durch Verleihung des Titels eines kaiserlichen Rates ausgezeichnet. Seit dem Bestände des Deutschen Vollstheaters gehört kaiserlicher Rät Geiringer dem Beamtenkörper des Kunstinstitutes an. Schon unter der ersten Direktion Bukovics hatte er sich als tüchttger Kenner des Theaterwesens der Großstadt erwiesen und wurde dann, von Direktor Weisse zum Direktorstellvertreter ernannt. Seine administrativen Fähigkeiten, wie überhaupt seine ausgebreiteten Erfahrungen trügen an ihrem Telle vielfach auch zu dem Aufschwung dieser Kunststätte bei. Unter der neuen Direktton des Herrn Bernau ist Herrn Geiringer neuerlich die Führrmg wichttger Obliegenheiten übertragen worden. : Wien. Der allseits verehrte Präsident des Vereines „zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer" Herr Isidor S ch w arz begeht Sonntag, den 11. d. M., seinen 60. Geburtstags

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