Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 14 (12.7.1918)
- Date
- 1918-07-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite L. Die Wahrheit Nr. 14. Verschiedene Uachrichte«. Wie». ^Aktionskomitee für jüdisches Kultus- «nd Erziehungswesen.) In das AMonskomttee wurden gewühlt die Herren: Anton Beck, Univ.-Prof. Dr. Braun, Kulturvorstcher Brod, Zng. Czeczowizka, Kultusvorsteher Dr. Deutsch, Kommerzialrat R. v. Doctor, Kultusvorsteher Univ.-Pr. Dr. Ehrmann, Kultusvorsteher Architekt Gärtner, Bernhard Goldstein, Herrenhausmttglied Dr. R. v. Gomperz, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Th. Gutmann, Reg.-Rat Dr. Horowitz, Schriftsteller Dr. Kapralik, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Jakob Kohn, kais. Rat Dr. Krüger, Felix Lederer, Kultusvorsteher Hoftat Dr. Löwner, Moritz Müller, Felix Frecher von Pollack, Kultusvorsteher Dr. Schreiber, Kultusvorsteher Gemeinderat Dr. R. v. Schwarz-Hiller, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Thaler, Schulrat Prof. Dr. Tschiaßny, Dr. Julius Weiß, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Winternitz, Kommerzialrat Jul. Wolf. In der Sitzung vom 26. Juni erstattete nach erfolgter Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn kaif. Rat Dr. Krüger, Herr Schulrat Prof. Dr. Tschiaßny.fein Referat. Referent bespricht in großen Zügen die chm vorschwebenden Ziele. Die Angriffe auf die Rechtsstellung und die Existenz der Juden machten es zur ernsten Pflicht, sich nicht auf den Schutz der Staatsbehörden allein zu stützen, sondern vor allem auf die Selbsthilfe bedacht zu fein. Diese bestehe, abgesehen von der rühmenswerten Tätigkeit der Union der Abwehrvereine und der jüdischen Presse, unter anderem auch darin, alles aus dem Wege zu räumen, was Aergernis erregen könne. Eines der wichtigsten Mittel liege in der Disziplinierung der Juden, namentlich im Gotteshause. Des weiteren berührt Referent die Notwendigkeit eines modernen, zeitgerechten Gottesdienstes, begründet die unbedingt gebotene Reform der Thoravorlesung und weist, um die Abwehrsähigkett gegen Angriffe auf das Judentum zu erzielen, auf die Unerläßlichkeit einer kräftigen apologetischen BoKserziehung hin, die von den maßgebenden Stellen ohne jede Rücksicht auf den Kostenpuntt durch die Akquirierung der allergeeignetsten Kräfte sicher zustellen ist.Daran knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Dr. R. v. Schwarz-Hiller, Hoftat Dr. Löwner, die UniversitütS-Profefforen Dr. Braun und Dr. Ehrmann, Dr. Thaler, Dr. Schreiber, Reg.-Rat Dr. Horowitz, Moritz MMer, Dr. Jakob Kohn beteiligten. Hiebei wurden fast alle jüdischen Kultus- und Erziehungsftagen. gestreift. Es wurde einstimmig beschloffen, Delegierte der Tempelvereine, der Bezirkskommissionen der Zionistenorganisation in das Akttonskomitee zu wählen, dieses durch Kooptierungen zu erweitern, um Sachverständige zuzuziehen. Referent reflektierte auf die gegebenen Anregungen, worauf der Vorsitzende mtt Worten des Dankes für das lebhafte bekundete Jntereffe die Sitzung schloß. Wie«. Am 9. Juni d. I. wurde im großen Saale des Bech-Hamidrasch die Generawersammlung der Adas Jisroel, die mste fett dem Ausbruche des Krieges, abgehalten. Der Vorsitzende Obmannstellvertreter Dr. Reiniger begrüßte zunächst die Versammlung und verwies dann in seinen Ausführungen auf den stets zunehmenden Umfang der Aufgaben des Vereines, der eine Vermehrung der Anzahl der Vorstandsmitglieder und im Zusammenhänge damtt eine teilweise Aenderung der Bereinsstatuten erforderlich macht. Zu vielem Darcke ist der Verein einzelnen Mitgliedern und Vereinigungen verpflichtet, die bei der Erfüllung der mannigfachen Aufgaben für das jüdische Leben ihn unterstützen. In besonderer Weife muß hierbei der Tättgkeit des Herrn Bernhard Hofbauer gedacht werden. Seit mehr als einem Menschenalter steht er im öffenttichen jüdischen Leben. In allen Fragen desselben, zumal wenn es-pch um Angelegenheiten des thoratreuen Judentums handelt, finden wir chn in den vordersten Reihen. Kein Opfer dafür ist ihm zu schwör, keine Mühe zu groß. Beispiellos ist seine Tättgkeit als Obmann des jüdischen Vereines Einheit. In Würdigung dieser Tatsachen stellt der Vorstand den Anttag, die Generalversammlung wolle Herrn Bernhard Hofbauer zum Ehrenmitglieds der Adas Jisroel ernennen. Der Anttag wird mit lebhaftem Beifall angenommen. Den Rechenschaftsbericht über die Vereinstättgkeit erstattet Herr Wolf Pappenheim. Er bespricht die einzelnen Zweige der Vereinstättgkeit. Zunächst erwähnt er die durch die Kriegsverhältniffe notwendig gewordene Hilfstättgkett. Zur Unterstützung der durch Einberufung der Ernährer in wirtschaftliche Bedrängnis geratenen Familien wurde ein Hilfskomitee gebildet, das bis zum Schluffe 1917 mehr als X 34.090 teils als regelmäßige, teils als gel^entliche Aushilfen auszahtte. Den Kriegsflüchtlingen aus Galizien wurde zunächst, so lange es anging, durch Beistellung von Unterkunft erste Hilfe geleistet Der Verein Tomech Ewjonim hatte es für uns übernommen, täglich 1000 Flüchtlingen warmes Frühftßtf,' Tee und bis zur Einführung der Brotkarte auch Brot zu liefernd Wetters bespricht der Berichterstatter die einzelnen Zweige der Bereinsaufgaben bezüglich der Approvisionierung und Versorgung mtt Koscher-Lebensmitteln, was mtt stets wachsenden Schwierigketten verbunden war. Zwecks Umbau des BethhaufeS wurde ein großes Komüee für die^Durchführung der Vorarbeiten eingesetzt und die Sammlung der Spenden ergab am Schluffe des Jahres 1917 den Betrag von mehr als X 62.000. Nach Erstattung des Kassaberichtes -durch Herrn Jakob Stern wird hem Vorstand über Anttag des Herrn Bernhard Hofbauer das Absolutorium erteilt. t Um dem Gefühle der Anerkennung für den Vorstand ein sichtbares Zeichen zu geben und andererseits um dem Vereine noch weitere Ziele zu stecken, widmet Herr Bernhard Hofbauer X 20.000, und zwav je X 5000 für ein Altersversorgungshaus, in dem der Insasse wahrhaft jüdisch leben kann, X 5000 für ein Waisenhaus,. in welchem die Kinder wirklich jüdisch religiös erzogen werden, X 5000 für eine Erziehungsanstalt in wahrhaft jüdischem Geiste und X 5000 für eine Brautausstattungssttstung. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende spricht Herrn Hofbauer für die hochherzigen Spenden den Dank des Vereines aus. Nach Annahme der beanttagten Statutenänderung bemerkt' der Vorsitzende zu den nun folgenden Wahlen, daß auf Grund des bisher geltenden Statuts 6 Vorstandsmitglieder für die Herren Sigmund Back, kaiserl. Rat Markus Bon di, Jakob Fuchs, Wilhelm Kritzler, Wolf Pappenheim und statt des seligen Herrn Bernhard Schiff zu wählen sind. Für die durch die neuen Statuten zu schaffenden 6 Mandate sind 6 Herren durch die Wahl zu bezeichnen, die der Vorstand nach Genehmigung der Statuten kooptieren wird. Es werden sohin die ausscheidenden Herren wieder- und Herr Nachan Schiff neugewählt. Für die 6 neuen Mandate werden die Herren Gustav Austerlitz, Eduard Deutsch, Moritz Lettner, Franz Neumann, Julius Steinfeld und Michael Sternfeld gewählt. Zu Revisoren wurden die Herren Bernhard Hofbauer, Arthur Sputz und Siegmund Figdor gewählt. Wien. Die „Adas Jisroel" hat das Haus II., Große Schiffgasse 10 (neben dem bisherigen Bechause) angekauft. Hiermit ist in den Vorarbeiten zu dem so dringlichen Umbau der Schiffschul ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen. Es steht zu hoffen, daß die Beschaffung der Mittel weiterhin in ein rascheres Tempo gelangt. "Wie«. (Knabey-Volks schule Talmud Thora, II., Malzgaffe 16.) Am 28. April l. I. wurde das Schuljahr 1917/18 mit einer würdigen Schulfeier geschloffen. Von den 205 noch an? wesenden Schülern waren 193, zum größten Teil mit sehr guter Qualifikatton, zum Aufsteigen reif. Biele Schüler tteten in die Mittelschule ein, fünf erhalten das Entlassungszeugnis. Von der größten Bedeutung sind jedoch die erziehlichen Resultate, denn diese Schule beweist und zeigt immer wieder aufs neue, daß sich die moderne Pädagogik mit dem alten jüdischen Geiste zu einem harmonischen Ganzen vereinigen läßt. Unsere Jugend braucht nicht nur Kenntnisse und Fertigkeiten, sondern auch als unverlierbares Rüstzeug fürs Leben jüdisches Denken, Fühlen und Wollen. Hier sind Lehrer und Schüler von diesem Geiste erfüllt. Wohl dem Kinde, das so ausgestattet ins Leben hinausttitt. Verwunderlich ist nur, daß es in der großen Gemeinde Wien eine einzige Anstalt dieser Art gibt.-Wann wird die Judenheit endlich erkennen, was ihr nottut? Die Zeichen der Zeit sind wohl deutlich genug, um nicht mißverstanden zn werden. Wien. Am 25. Juni fand eine überaus feierliche „Bris- Mtto" im Hause des neugewählten verdienstvollen Obmannes des Tempelvereines „Jeschurun" (Prater), Herrn Bernhard Mayer, statt. Er erschienen fast sämtliche Vorstandsmitglieder des Tempelvereines. Es wurden namhafte Spenden für den Tempelbau gewidmet und zwar von den Herren Bernhard Mayer X' 1000, dessen Bruder Simon M a y e r 500, Mendl Haber 500, sowie Erttägnis einer Sammlung durch den Schriftführer Herrn Leopold A l t h o l z 200. Als Mohel fungierte Dr. Schönfeld. Das Tischgebet rezitierte Oberkantor B a l o g. Füufkirchen. Unser Oberkantor, Herr G. E r n st e r, hat einen schweren Verlust erlitten, indem sein Sohn Simon den Heldentod auf dem südlichen Schlachtfelde erlitten hat. Dem schwergeprüften Vater, unserem langjährigen, beliebten Oberkantor, wendet sich allseittge Teilnahme zu. Spenden für den Leopoldstädter Tempel. Dem Komitee (II. Tempelgasse 3) sind in der abgelaufenen Woche nachstehenden Spenden zugekommen: Herr Ernö Sttaßer X 3000, Frau Nanette Mautner 600, Herr Ignaz Glück. 100, Herr Max Lawetzkh 500, Herr Karl Kohn 1000, Herr Hugo Hauser 1000, Herr- Anton Löw 50, Herr Viktor Königstein 200, Herr Stefan Krieser 200, Frau Pauline Hirsch 500, Herr Ernst Herzfelder 100, Herr Alfred Eisler 100, Herr Moritz Haber 300, Herr Markus Knöpflmacher 500, Herr Ludwig Klausner 1000, Herr Wilhelm Kux 500, Herr Julius Löwenbein 300, Herr Ernst Wilhelm Goldschmidt 100, Herr Max Altfchul 100, Herr Artur Knöpflmacher 100, M. M. 100, Herren Gebrüder Sprecher 500, Herr Robert Raditz 100, Herr Dr. Arnold Knedel 500, Herr Julius Koritschoner 300, Herr Oskar Löwenstein 1000, Frau Louise Mandl 100, Herr Moritz Medak 50, Herr Josef Löwenberger 500, Herr Adolf Sachsel 200, Herr Hugo Engel 100, Herr Josef Fischgrund 100, zusammen X 13.900, bisher ausgewiesen X 86145830 Gesamtsumme X 875.358 30. '