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Die Wahrheit · 1918-07-12 · Heft 14 (12.7.1918) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 14 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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K. k. Postsparkassen-Kouto 1«0 S18. Ganzjährig K 16, halbjährig K 8, vierteljährig K 4. Die Administration Die Inden in Rumänien. Ob die Lage der Juden in Rumänien durch den mit den Mittelmächten abgeschlossenen Friedensvertrag Rumäniens eine wesentliche Besserung gegen früher erfahren hat, das wird erst die Zukunft lehren. Auf dem Papier steht so manches, das wie eine Besserung aussieht, aber dem gegenüber muß man erwägen, daß die meisten der jetzt neuerlich gesicherten Rechte bereits auf dem Berliner Kongreß den Juden gewährt wurden, aber die rumänische Regierung hat es jederzeit verstanden, deren Umsetzung in die Praxis zu Hintertreiben. Also es kommt jetzt wie früher darauf an, ob die Regierung den ehrlichen Willen haben wird, ihr Wort einzulösen und ob, falls es an demselben mangeln sollte, die Mächte die Energie aufbringen werden, zugunsten der abermals getäuschten Juden ein ernstes Wort mit den rumänischen Machthabern zu sprechen. Wie fast in keinem Lande haben die rumänischen Juden einen leidensvollen Kampf um die primitivsten Möglichkeiten einer menschenwürdigen Existenz durchmachen müssen. Die Geschichte dieser Kämpfe in all ihren Phasen gibt der bekannte Berliner Schriftsteller Benjamin Segel in einem sehr interessanten, auf genauestem Quellenstudium basierten Buche „Rumänien und seine Juden" (Berlin, Nibelungen-Verlag), das gleichzeitig zu einer packenden Kulturschilderung sich gestaltete. Ein sehr lesenswertes Kapitel ist den Anfängen der Juden in Rumänien gewidmet, aus dem wir nach dem „N. W. I." nachfolgend einige Stellen Mitteilen. Seit wann wohnen die Juden in Rumänien? Ueber diese Frage ist viel hin und her gestritten worden. Die rumänischen „Patrioten" möchten am liebsten das Vorhandensein von Juden in den Donaufürstentümern vor der Mitte des XVIII. Jahrhunderts überhaupt wegleugnen. Die Juden dagegen berufen sich darauf, daß ihre Vorfahren hier in altersgrauer Zeit nachweisbar find. In diesem ganzen Streit zeigt sich viel Heuchelei auf der einen und Naivität auf der anderen Seite. In der politischen Sprache Europas bedeutet Fremder nicht einen, der gestern ins Land gekommen ist, sondern einen, der der schwachen Minderheit angehört. Wir haben gesehen, daß ganze Völker in dem Lande, das sie seit den Urzeiten bewohnt haben, in der Minderheit waren. Um das Jahr 1172 besuchte der jüdische Weltenbummler Benjamin von Tudela die Balkanhalbinsel und fand in Mazedonien etwa fünfzig jüdische Familien, die in zwei Claus unter zwei Häuptlingen namens Salomon und Jakob lebten. Von den Bergbewohnern der Walachei erzählt er: „Man nennt sie Walachen, sie sind leichtfüßig wie die Hirsche, steigen von den Bergen nach Griechenland herab, um sie mit Krieg zu überziehen. Sie sind nicht fest in der christlichen Religion, sie tragen häufig jüdische Namen; man sagt, sie seien Nachkommen von Juden und ehemals nannten sie die Juden Brüder; wenn sie auf Juden stießen, plünderten sie sie aus, töteten sie aber nicht, wie sie es mit den Griechen machten' In weiteren Dokumenten ans dem XII., XIII. und XIV. Jahrhundert werden Juden wiederholt erwähnt. In größeren Masten wunderten sie aber erst zwischen 1352 und 1361 aus Ungarn ein, woher König Ludwig der Große aus dem Hause Anjou sie vertrieb, als sie sich weigerten, das Christentum anzunehmen. Ein Teil der Vertriebenen wandte sich nach Oesterreich, Mähren und Polen, die meisten jedoch fanden Zuflucht in Bulgarien und Rumänien. In kurzer Zeit erblühte, dank der Tätigkeit dieser Flüchtlinge, die StÄ>t Turnu zum ersten Handelsplatz der Donauprovinzen; dieser Stadt sollen die Juden, die schon damals ihr Jüdisch-Deutsch sprachen, den Namen gegeben haben, nach dem „Turm" (Festung), aus dem, von wenigen Häusern umgeben, sie ursprünglich bestand. Später dürsten wohl Juden aus aller Herren Ländern, besonders aber aus Ungarn und Siebenbürgen, dann aus der südlichen Provinzen des polnischen Reiches eingewandert sein. Im Jahre 1498, also unter dem Wojwoden Stephan dem Großen, befteien Juden in Chocim, Moldau, eine von Tataren bei einem Einfall in Polen gefangene polnische

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