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Die Wahrheit · 1918-06-28 · Heft 13 (28.6.1918) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 13 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Byte £. Die Wahrheit Nr. 13. Verschiedene Nachrichten. .Wie« Nach kurzem Krankenlager ist der Hofjuwelier Max Z i r n e r am 13. d. M. im 63. Lebensjahre gestorbeu. Der Verblichene, der durch eine Reihe von Jahren dem Kultusvorstande angehörte und in demselben, sowie auch außerhalb desselben auf charitativem Gebiete höchst verdienstlich wirkte, war ein edler, guter Mensch von vornehmer Gesinnung und aufrechtem Charcckter und genoß in ben weitesten Kreisen vielfache Synipathien. Sein allzufrüher Heimgang bedeutet nicht nur für feine tiefgebeugte Familie sondern auch für die Allgemeinheit einen schweren Verlust. Das Leichenb^üngnis fand am 16. Junb unter großer Teilnahme am Zentralfrredhofe statt. Nach Bortrag der Trauergesänge durch Oberkantor Don Fuchs hielt Rabbiner Dr. T a g l i ch t einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er ein treffendes Lebensbild des Verblichenen und das Milieu, in dem er wirkte und schaffte, entwarf. An der Bahre sprachen namens des Vorstandes der Kultus- - gemeinde der I. Vizepräsident Hofrat Dr. Rappaport, namens des Tempelvereines im XIII. Bezirk, kaiserl. Rat Dr. Krenberger und namens des Königsberg-Institutes Landesschulrat Dr. Marcus Spitzer. Hierauf wurden unter wehmutsvollen TrauerMugen die irdischen Reste dieses wackeren Mannes zu Grabe geleitet. Ehre seinem Andenken. Wie«. Am 20. Juni ist der Schriftführer des Tempelvereines für den IV. und V. Bezirk Herr Franz Frankl, nach längerem Leiden gestorben. Der Verblichene hat an der Entwicklung und Führung des Tempelvereines hervorragenden Anteil genommen, unermüdlich war seine Tätigkeit für denselben und insbesondere bei dem Bau des neuen Tempels war seine Arbeitskraft eine unschätzbare. Die Bereitwilligkeit, mit welcher Franz Frankl seine reichen Fähigkeiten im Dienste der Allgemeinheit stellte, hat ihm Verehrung und Anerkennung in den weitesten Kreisen erworben und sein Andenken wird immer ein ehrendes bleiben. Wie«. (Jüdischer Liederabend, Wiener Konzerthaus, mittlerer Saal, 30. Mai 1918). Der Tag verdient festgehalten zu werden, an dem so viele jüdische Frauen und Männer der lockenden Stimme des Oberkantors Don Fuchs in den Tempel der Kunst gefolgt waren urü> hier von dem merkwürdigen Erlebnis überrascht wurden, daß sie als rechte Kinder chres Voltes über ein Wiegenlied märchenhafter Träume, ein Chanukalied gläubiger Wunderseligkeit in Entzücken und Jubel geraten können. Volkslieder erstrcchlen in den Farben deS Regenbogens aus der Vergangenheit in die Zukunst und ergötzen jedes Menschenherz, daS sich nach Schönheit, Freude und Freiheit sehnt. Uns aber ist der Regenbogen das Sinnbild unseres Bundes und in seinem Zeichen stand dieser Abend und sein Abglanz erfüllte ihn. Lieblicher Mädchenstimmen erster Chorgesang im Verein mit schönen Männerstimmen unter der innerlich begeisterten Leitung Prof. Artur Wolfs erfreute mit religiösen und weltlichen, feierlichen und heiteren Gesängen Herz und Ohr durch Reinheit, Frische und mächtige Klangsteigerung. Welch bewunderungswürdige Leistung an Können, Arbeit und Ausdauer mit einem Laienchor Werke von Brüll, Lewandowski, Nowakowski und RüLinstein zu so tiefer Wirkung $u bringen! Und dabei volle Deutlichkeit des gesungenen Wortes, deffen Ausdruck durch die Orgelb^gleitung des Hoforganisten Louis Dite an Weihe und Innerlichkeit noch gewann Die Soli der Fräulein Hanna und Sidonia Scharz erwiesen sie als hervorragend stimmbegabt und Don Fuchs als den begnadeten Sänger, der trotz stimmlicher Indisposition durch sein reizvolles Piano und künstlerische Feinheiten interessierte und fesselte. Den stärksten Beifall brachte ihm Morris Rosenfelds „Tränenmillionär" und Ballade „Juda" in der kongenialen Vertonung Artur Wolfs unter der meisterhaften Klavierbegleitung Prof. AUxander Manharts. Diese beiden Kompositionen in der eigenartig ursprünglichen Melodik edler jüdischer Tonweisen mit den reichen Ausdrucksmitteln unserer Zeit sind uns eine schöne Verheißung für das künftige Schaffen Artur Wolfs. Wie sein hebräisches „Wanderlied" (Schir helech) auch geradezu als Volkslied anmutet. Mit Neubauers schönem Chore „Baum des Lebens" (Ez chajim) fand der Abend einen erhebenden Abschluß. Und nun zur Frage nach Berechtigung, nach Smn und Wert der Veranstaltung über den Tag hinaus noch den erwähnten Hinweis darauf, daß es gerade Vollslieder gewesen sind, die mit stürmischer Begeisterung ausgenommen wurden. In hebräischer, jüdischer und deutscher Sprache vorgetragen, hörten unsere Herzen vor allem die Völkersprache der Musik und die Offenbarung einer Volksseele, unserer Seeles Eigenen und fremden Volksliedern immer wieder lauschen, ist , Pflege der einzigen Sprache der Wahrheit, in der sich die Menschen verständigen können, ist — im Geiste unsrer Mission — Bereiten des kostbarsten Kulturlandes: Verbrüderung durch Stunden der Schönheit und Freude. Denn Kultur ist Verbrüderung zum Glücke, zur Freiheit, zu ewigem Frieden aller Mepschen. Doch nur durch die himmlischen Pforten der' Kunst gelangen wir in das. Reich der Kultur. Wie«. (Verband der israel. Religionslehrer an den üsterr. Mittelschulen.) Montag, den 10. Juni, fand eine Ausschußsitzung unter dem Vorsitz des Herrn Obmannes Rabbiner Dr. M. Rosenmann statt. Derselbe widmete zunächst Worte ehrenvollen Gedenkens dem dahingeschiedenen Ausschußmitgliede Rabbiner Professor Dr. Adolf B i a ch m Brüx, in dem die Lehrerschaft eine Zierde ihres Standes verloren hat. Sodann berichtet der Obmann über die von der Verbandsleitung unternommenen Schritte bezüglich Erwirkung einer Teuerungszulage für die im. Nebenamte beschäftigten israel. Religionslehrer an Mittelschulen,' sowie über die Audienz, die er zu diesem Zwecke Donnerstag, den 6. d. M., bei Sr. Exzellenz dem Herrn Minister für Kultus und Unterricht unternommen batte. Herr Schulrat Prof. Dr. A. Weiß brachte sein über Einladung der Verbandsleitung verfaßtes Memorandum bezüglich der Systemisierung der Religionslehrerstellen an den Mittelschulen und Pensionszusicherung der gegen Remuneratton unterrichtenden Religionslehrer zur Verlesung. Der Vorsitzende dankte unter allgemeiner Zustimmung dem Verfasser für seinvortreffliches Elaborat und wurde beschlossen zur Weiterleitung desselben das Nöttge zu veranlassen. lieber Antrag des Herrn Prof. M. Kanitz wird dem Obmann Rabbiner Dr. M. Rosenmann für seine Mühewaltung im Interesse des Standes einstimmig Dank gezollt. Wien. Die Schriftstellerin Frl. Malvine Grünwald in Wien, die sich seit drei Jahren um* die Sendung von Ritualien und Lektüre an die Soldaten im Felde außerordentlich bemüht, hat von der israelitischen Militärseelsorge bei der Jsonzoarmee> beziehungsweise von Herrn Feldrabbiner Dr. M. T a u b e r ein Schreiben erhalten, in welchem ihr Dank für ihre Bemühungen ausgesprochen wird und das wir zu dem Zwecke veröffenttichen, um andere zu gleichem Tun zu veranlassen. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Es wird der Empfang von 30 Gebetbüchern dankend bestätigt, welche als Liebesgabe an jüdische Soldaten im Felde verteilt werden. Die Soldaten verlangen gute jüdische Lektüre; es wird höfl. ersucht, mir, wenn möglich, moderne hebräische und jüdische (Jargon) Lektüre zuschicken zu wollen. Auf meine Anregung haben die Feldrabbiner Büchereien angelegt und überlassen den Soldaten leihweise die Bücher, welche von den Soldaten mit der, den Juden eigenen Wißbegier gelesen werden. Wo die Verhältnisse es gestatten, wurden Lesezimmer eingerichtet, wo sich die dienstfteie Mannschaft zu Gebet und Lektüre versammelt. Wer die Freude dieser Juden sieht, daß sie einige Stunden vereint im jüdischen Geiste verbringen können, wird keine Opfer scheuen, um diese Institutionen nach Kräften zu unterstützen. Unter den Förderern ist ihr Name bereits rühmlich bekannt. Indem ich' um weitere Unterstützung bitte, zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Meier Zauber, Feldrabbiner. Wien. (Schülerakademie Maximilian R e i ch l i n.) Kürzlich veranstalteltete im Musikvereinssaale der 19jährige Konzertpianist Maximilian Reich lin Assistent des bekannten Klaviervirtuosen und Pädagogen Julius Wolffsohn einen Schülerabend, der einen glänzenden Verlauf nahm. Sämtliche mitwirkenden Schüler des jungen Meisters, Felice R ö h r i g, Egon Hessel, Adolf Halpersohn, Erika Kanya und Berta Reichlin zeigten in ihrem Spiele schönen Bortrag, perlende Technik und was besonders hervorzuheben wäre, warmen singenden Ton. Außer seinen pädagogischen Fähigkeiten hatte der Veranstalter des Abends Gelegenheit sein eigenes, vielseitiges Können in einem schweren Programm zu zeigen. Er spielte die G. Moll-Ballade von Chopin nach dem leuchtenden Muster vom Pros. W o l f s s o h n mit seltener Feinheit und inniger seelischer Empfindung. Stürmischen Beifall entfesselte er mit der Nocturne von Skribiane für die linke Hand, wo seine hervorragende Technik und glänzende Pedalisierung auffielen. Zuletzt hörte man von ihm den Mephisto-Walzer von Liszt, an den er sich schon jetzt heranwagt und den er mit hinreißender Bravour und künstlerischem Schmiß vortrug. Der prachtvolle Lorbeerkranz und die vielen schönen Blumen waren der wohlverdiente Lohn für den jungen Künstler, der sich zu einer Daraufgabe von Rachmaninow bequemen mußte. Wien. (Trauung.) Sonntag den 23. Juni l.J. 1/.,3 Uhr fand im Stadttempel die Trauung des Fräulein Sonja Deutscher mit Herrn Siegmund Muretz-Morin statt. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Grunwald hielt an das Brautpaar eine herzliche Ansprache. Oberkantor Fuchs sang die Hochzeitsgesänge mit Chor und Orgelbegleitung. Baden. Samstag, den 15. Juni, feierte Herr Dr. Samuel R a p a p o r t aus Galizien die Barmizwafeier seines Sohnes. Zu Ehren des Barmizwa waren viele Gäste erschienen und das Gotteshaus dicht gefüllt. Herr Oberrabbiner W. Reich hielt an den Konfirmanden, der die hebräische Sprache vollkommen beherrscht,, eine hebräische Ansprache, in welcher er demselben ans Herz legte, seinen edlen Eltern nachzueisern, welche vom jüdischen Geiste durchdrungen sind. Sodann las der Barmizwa die Haftarah mit sephardischer Aussprache unter lautloser Sttlle der entzückten Zuhörerschaft. Der zur Thora gerufene Vater spendete namhafte Beträge zu wohltättgen Zwecken. Nachmittags hielt der Konfirmand in Anwesenheit einer großen Zahl Bekannter und Freunde, an der Spitze Oberrab. W. Reichs Präsident Moriz Lettner und der Gesamtvorstand, in der Elternwohnung eine hebräische und eine deutsche Ansprache an der Hand eines Verses der wöchentlichen Sidra, worauf dann ein einstündiger Charifusvortrag folgte. Mit fteudiger Erhebung und geistig erbaut schieden die Gäste von diesem Hapse, das so vollkommene Juden, in sich birgt. 1

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