Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 13 (28.6.1918)
- Date
- 1918-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3062972-3063774-3063787--10651-3078005- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fttbaftiou und Adminitzratto»; i : Wie«, 11., Novaragaffe 27 | Lelepdon: f VUbafiton lümotnat 42.88». | ^«abhängige Aertfchrift für jüdische Bez n g - vreir: .& 18.— Haldillhrig.K &- ■btniniftiaiioa «ul. 47.864 j H. L bttm. Voftlparkafia- | €<b«<Mtonio Rr. 100.918. | Iltterejserr. Für KultnSbeiluite: Gauzjllhrig.IC 12.— Inserate: | Erscheint jede» Areitag. — Sie oiemol gcfvaiienc 3 Noaporeille-Zeilr 96 Heller, j Für Ausland: «bonncuinue» und Insertion«» | brttägc find in Wie» zahlbar S und klagbar. 1 Httli: „D&b Siegel Gotte» iet Wahrheit!** »M||AIkI| ..... 10 Mark ' Kr. 13. Wien. 28. Inui 1918. Inhalt: Abonnements-Einladung. — Die Gewiffensschuld des Volkes. — Jüdische Kultus- und Erziehungssragen. — Die ,,3'ne »1i;je“. Eingesendet. — Verschiedene Nachrichten. Abonnements-Einladung. Ire geehrten Kerren Köonnenten werden um umgehende ßrnenerung des Kvonnements für das am 1. Juli 1918 beginnende 111. Hnartal ersucht, damit die regelmäßige Krpedition des Malles keine Anterörechung erleide. K. k. Postsparkassen-Konto LVV.SL8. Ganzjährig K 16, halbjährig K 8, vierteljährig K 4. Die Administration Die Gewissensschuld des Volkes. Bon Zwi Cohen-Jaffa. Mit erhebenden Gefühlen lauschen wir den Klängen der Friedensschalmei und dazwischen tönen die Lockrufe der Weltbeherrscher, die uns Palästina als Nationalstaat oder als nationales Konzentrationsland verkünden. Das jüdische Volk soll nunmehr nach der schauderhaften Sintflut menschlicher Verrohung den Geschichtsvölkern angegliedert werden, um sich auf den alten Ruinen eine geistige Kulturstätte zu errichten. Nicht der Wiederaufbau des heiligen Tempels mit Priestern und Opfern, den nur Messias verwirklichen kann, lockt uns so stark, sondern die Möglichkeit der seelischen Befriedigung für diejenigen Juden, welche sich danach sehnen, sich, uneingeschränkt von fremden Einflüssen und Bürgerpflichten, in ihrem Heimatlande nach ihrer nationalen Eigenart ausleben zu können. Dies sind die hauptsächlichsten Motive, welche Palästina dem jüdischen Volke so notwendig machen. Palästina soll nicht das Dorado jüdischen Elends werden. Nicht die Magensrage steht im Vordergründe, sondern die Frage seines schrankenlosen Geisteslebens als seiner Kraftquelle, seines nationalen Bollwerkes, begründet die Notwendigkeit des Judentums. Der Baum des Judentums, der noch * über genug Mark und Saft verfügt, soll sich in seinem Licht und in seiner Luft frei entfalten können, um für sein Volkstum Früchte zu trägen. Soll nun diese große historische Aufgabe ohne die mindeste Vorbereitung dem blinden Zufall überlasten werden? Sollen wir nun die geschichtliche Schande erleben, angesichts dieser großen Zeit als unwürdige Zeitgenoffen zu gelten? Mögen die kommenden Friedensoerhandlungen welch günstige Resultate immer für Palästina erzielen, so werden uns die unerlösten Gebiete erst vor eine neue große Schwierigkeit stellen. Politische Erfolge können zwar dem Lande zu einem menschenwürdigen Dasein verhelfen, aber den vollen Lebensinhalt unserer zweitausendjährigen Sehnsucht kann erst die Aneignung des Bodens zur Wirklichkeit wandeln; denn Bodenbesitz heißt Besitz des Landes. In seinem fanatischen Eifer, auch jüdische Streiter für die englische Jnterestenpolitik hinzuopfern, hat Sir Edward Grey einer jüdischen Abordnung, die bei ihm um Palästina vorstellig wurde, geantwortet: „Ein Lqnd wird nicht geschenkt, ein Land muß genommen werden!" Und nun steht Palästina im Vordergründe großer historischer Ereignisse. Die Versäumniste während der mehr als dreißigjährigen Kolonisationsepoche treten nun dem rheimlosen Volke als brennende Gewissensschuld vor die Augen. Wäre die volksverführerische Weise weniger bestrebt, Volk und Land auseinanderzubringen, so wäre die Kolonisationsarbeit gewiß unschwer auf das Zehnfache gestiegen. In dem menschenarmen westjordanischen Landesteile mit kaum zwanzig Seelen auf jeden Geviertkilomeier Bodens, die Städtebewohner inbegriffen, hätte sich eine halbe Million Juden leicht auf angekauftem Boden einschieben können, um nicht nur ein ungetrübtes Dasein zu genießen, sondern auch die kulturbildende Majorität im Lande zu erlangen. Dieser Gewissensschuld muß die Sühne entgegentteten, um die Versäumnisse nachzuholen, die sittlich nicht zu rechtfertigen sind, um in rechtzeitiger sozialer Fürsorge die notwendigen Vorbereitungen für ausgiebigen Bodenankauf zu tteffen. Geschieht dies nicht rechtzeitig genug, so könnte die wuchernde Realitätenspekulation auch nach Palästina hinübergreifen. Wiederum ein unsagbarer Fehler auf Kosten des Ernstes der großen Zeit! Die Maffenflucht aus den verheerten Kampfgebieten und hauptsächlich aus den von Rußland gettennten und deshalb dem Untergange geweihten Industriestädten des Königreiches Polen wird unausbleiblich die volle Aufmerksamkeit der bestehenden philanthropischen Gesellschaften in Anspruch nehmen. Um von einer Ueberflutung verschont zu bleiben, müßte das Palästinawerk auf Mitwirkung dieser Hilfsarbeit verzichten. Die „Jca", die ihre großen Kapttalien lieber in belgischen Staatspapieren anlegte als in Palästinaboden, wird, wenn sie mit ihren sich eren Anlagen aus dem Weltumsturz heil herauskommt, ihr argentinisches