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Die Wahrheit · 1918-05-17 · Heft 10 (17.5.1918) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 10 (17.5.1918)
Date
1918-05-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Offenbarung auf Sinai ist uns Gewißheit, daß nach allen Verirrungen und Leiden der Menschen, nach allen Prüfungen und Heimsuchungen der Gottesgedanke die Menschen einander nähert und zu milderen Sitten führt. Nach des Krieges harten Notwendigkeiten naht uns der Frieden, der Gott selbst ist, in dem Gott sich uns in seiner höchsten Vollkommenheit offenbart. Wie wir im Schlachtendonner und Ringen der Völker Gottes Führung und Leitung unserer gerechten Sache erkennen, wie wir ans den unsagbaren Kriegsleiden geläutert und gereinigt hervorgehen sollen, so soll der Frieden uns Gott noch näher bringen und uns lehren, Gottes Offenbarung in Freud und Leid zu sehen, seiner Sina stimme zu gehorchen und die befreiende Tat dem tröstenden Worte voranzustellen. Aller lebendige Glaube kann nur durch die Tat, die soziale Arbeit eines für alle, aller für eineu wirksam und heilbringend werden. Toro, awodo ugemilus chasodim sind eine Einheit, keines von diesen können wir miffen, in jedem einzelnen offenbart sich Gott. Die Tora ist als heilig Gesetz der Menschlichkett, der Sittenreinheit, Selbstlosigkeit und Pflichttreue uns gegeben; sie führt uns in allen ihren Lehren und Mahnungen, Erzählungen und Beispielen zum Dienste Gottes, den jeder findet, so er ihn nur mit ganzem, ungeteiltem Herzen, ungeteilter Seele ganz, immer vom neuen, in allen Erscheinungen des Lebens sucht und zu suchen weiß. So du Gott in dir finden willst, mußt du ihn als Führer in allem sehen, bei jeder Unternehmung dich fragen, ob du so recht vor deinem Gotte handelst, nichts ihn Verletzendes beginnst. Dann offenbart sich dir Gott in deines Gewissens Stimme, dir uud der Gesamtheit, und eine solche StirNme des Volksgewissens führt alle zu Gott, laßt sie von höherer Warte des Lebens Erscheinungen beurteilen und Werke von dauerndem Werte schaffen. Alle' Werke edler Fürsorge, Witwen- und Waisenoersorgung, Unterstützung und Erhaltung der Kriegskrüppel und Invaliden, alle mtt der großen Zeit zusammenhängende Liebestätigkeit entspringt dem Empfinden für die Gesamtheit, die jeden einzeln erfüllt und alle zu großen Zielen eint. So offenbart sich in diesen Werken von gemilus chesed Gottes Liebe, Gottes Treue, die er uns als köstlich Gut in die Seele gehaucht, damit wtt uns zur Sinaihöhe erheben und ihn aufrichtig als höchstes Gut verehren können. Köstlich ist dieses Gut, es erhebt uns über alles Grauen und allen Jammer des Tages! Nur ein Augenblick des Aufschauens in diese reinen Höhen müßte die Feinde vor der entsetzlichen Verantwortung für all' die Schuld erschauern lassen, die sie in maßloser Verblendung durch die Verlängerung des Blutvergießens vervielfachen. Wehe ihnen, dreifach wehe, bei dem Stöhnen der Verwundeten und Kranken, dem Tränenleide der Mütter, Gattinnen und Kinder, der Brüder und Geschwister, die ein teuer.Leben beklagen! Auch ihnen wird sich Gott offenbaren, den Schuldigen zur Verantwrrtung, den Heimgesuchten zur Labung und Ruhe zieheu. Wie ttaurig muß es im Herzen derer aussehen, die Gottes Stimme nicht hören, seine täglich im Leben sich vollziehende Offenbarung nicht vernehmen wollen! Möge auch diesen Gottes Gnade endlich die Augen öffnen, daß sie Ihn sehen, durch Ihn zu erläutertem Menschentum zurückfinden! So wollen wir unser Fest der Offenbarung erfassen, so es begehen, so es durch Werke der Liebe und Treue in die Tat umsetzen! Denn uaase wenischmo die erlösende Tat muß aus dem reinen Glauben erblühen, aller Haß, alle Leidenschaft schwinden und die Erstlinge unserer Früchte, die werttätige Menschenliebe, die tröstende, helfende Fürsorge für Lebende und Tote muß uns des Gesetzes würdig machen. In diesem Sinne wollen wir das Offenbarungsfest unter Rückstellung alles Trennenden und Hervorhebung alles Einigenden begehen, um auch in uns Gottes Offenbarung zu spüren, die uns in den Zehngeboten zuruft: in allem sei ein Mensch, in jedem Werke suche Gott zu verherrlichen. Dann muß eine neue Welt erstehen, eine Wett der Verbrüderung und Völkereinigung unter Gottes Fahne, auf der steht: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!" Damit erhebt sich die Menschheit aus Leid und Tränen zu Gottes reiner Sinaihöhe, läßt die Wunden allmählich schließen, die ein grausam Geschick geschlagen. Toro, awcdo ugemilus chasodim sind die Einheit, die uns dazu führen. Ohne Gottes Lehre keine wahre Erfassung und Verehrung Gottes, ohne diese keine Menschlichkeit und Versöhnlichkeit. Go läßt uns diese höchsten Güter pflegen und fördern in uns und in der Gesamtheit! Prof. Dr. L. Hirsch, Krumau.

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