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Die Wahrheit · 1918-04-05 · Heft 7 (5.4.1918) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 7 (5.4.1918)
Date
1918-04-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 7\ voll, wie Deine eigene— d. h. die Ehre, die dir von deinem Nächsten zuteil wird, sei dir so wertvoll, als wäre sie von dir selbst." Warum mau keine Werke verfassen soll. Der bekannte Rabbiner von Leschniow, Rabbi Jakob Salomo, war einmal in Lemberg, bei welcher Gelegenheit er den Ortsrclbbiner, dem berühmten Rabbi Josef Sauel Natansohn, einen Besuch abstattete. Als Rabbi Josef Sauel an ihn die Frage richtete, weshalb er bis heute kein einziges Werk veröffentlicht hatte, erwiderte er in seiner großen Bescheidenheit : „Unsere Weisen lehrten, wenn der Gelehrte von seiner Wirkungsstätte in der niedern Welt abberufen wird und in den Himmel kommt, da verkündet eine Stimme: „Wohl dem, der herkam und seine Gelehrsamkeit mitbrachte." Ich glaube daher, es sei besser, wenn man bei Lebzeiten mit der Gelehrsamkeit recht wenig herumarbeitet, um mit destomehr hinauszukommen." Man soll gegen die Vorsehung keine Klage führen. Einst passierte ein Mann in einer strengen Winternacht das kleine Städtchen Lechowitz. Der Mann war sehr erfroren und er hätte vieles gegeben, wenn er in einjHaus eingelassen worden wäre, um sich zu erwärmen. Zu seiner Freude bemerkte er von der Ferne ein Häuschen, durch dessen Fenster ein Lichtschein schimmerte; es mar dies die Wohnung des. Rabbi Pinchas Hurowitz, des nachmaligen berühmten Oberrabbiners von Frankfurt a. M. und Verfassers des „Hof- Jaahu, der damals dort den Rabbinerposten innehatte und sich auch die Nacht über mit dem Studium der Lehre befaßte. Der Mann pochte an das Fenster und ersuchte um Einlaß. Rabbi Pinchas beeilte sich, dem Manne die Türe zu öffnen, gab ihm Speise und Trank Zund richtete ihm eine Schlafstätte. Der Mann dächte sich, wie bequem es der Rabbiner habe, er sitze in einem warmen Zimmer und es mangele ihm auch sonst nichts, während er selbst Tag auf Tag, Nacht aus Nacht aus Reisen sein müsse, um seine Nahrungsbedürfniffe zu finden. Und er richtete an den Rabbi die Frage: „Auf dieser Welt geht es mir bitter, ich muß schwer arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu finden. Werde ich wenigstens die andere Welt haben?" Rabbi Pinchas, . den des Mannes Klage gegen die Vorsehung verdrossen hatte, erwiderte: „Begreife es selber:" „Hätte nach Deiner Einwendung nicht eher das Pferd Anrecht auf die andere Welt? Du findest doch Einlaß in eiu warmes Zimmer, das Pferd hingegen arbeitet mühseliger als Du und steht auch jetzt m der entsetzlichen Kälte, ohne zu murren und zu klagen." * * * Der Mittelpunkt zwischen Rede« und Schweigen. Ein Kaufmann aus Polen weilte geschäftlich in einer deutschen Stadt. Am Sabbat ging er in den Tempel, um das Gebet zu verrichten, bei welcher Gelegenheit er die Predigt des Rabbiners über den Wochenabschnitt gehört hatte. Ein Gemeindemitglied fragte ihm nach beendeter Predigt, wie chm diese gefallen habe. Er erwiderte: „Kaftor w’fereeh.“ Die Predigt gab mir auf eine alte Frage Bescheid. Im Prediger Salomo zählt der weise König viele Gegensätze auf, die alle bis aus zwei, ein drittes als Mittelpunkt geben. Es heißt dort beispielsweise: Es gibt eine Zeit der Freude und eine Jeit der Trauer, der Mittelpunkt ist der normale Zustand, oder eine Zeit zu liebeu und eine Zeit zu hassen, der Mittelpunkt ist die Gleichgiltigkeit. Doch gibt es zwei Gegensätze, bei denen es keinen Mittelpunkt gibt: eine Zeit zu reden uud eine Zeit zu schweigen. Die heutige Predigt hat mir jedoch die Frage außer Geltung gebracht: es gibt doch auch bei diese zwei ein Mittelpunkt nämlich: Predigen. (Wird fortgesetzt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Am 20. März, 3 Uhr nachmittags, hat auf dem Zentralfriedhofe das Leichenbegängnis des langjährigen Chordirigenten Herrn Julius H eimann, em. Mitglied der k. k. Hofoper, unter überaus großer Beteiligung aller Gesellschaftskreise stattgefunden. Unter den Anwesenden sah. man zahlreiche Abordnungen verschiedener Vereine. In Vertretung des Kultusvorstandes Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, Vizepräsidenten des Bethausvorstandes Anton B e ck mit sämtlichen Vorstandsmitgliedern, die Beamtenschaft der Kultusgemeinde mit den Sekretären Dr. Emil Adler und. Emil Engel, Amtsleiter Wilhelm F r e i st a d t, ferner sämtliche Kantoren mit den Präsidenten des Kantorvereines Oberkantor Bauer und Oberkantor Fuchs, viele Bürger des II. Bezirkes. Der Sarg wurde unter dem Geleite der Chore' auf die Estrade der großen Halle gebracht. Oberkantor Morgenst e r n verrichtete unter Assistenz des ersten Kantors I u r b e r g e r und der Chöre die Trauergebete, hieraus trat Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d an die Bahre und gab in ergxeifenden Worten ein volles Lebensbild des Entschlafenen, der 60 Jahre lang als Muster der Pflichterfüllung, ein Vorbild von Fleiß, Tüchtigkeit und reich an Anerkennung seine Augen schloß, den Mann schlichter Charakterfestigkeit, den trefflicher: Menschen, den fürsorglichen Gatten und Vater. Hierauf sprach in wirksärnen Worten namens des Vorstandes Herr Landesschulrat Dr. Markus S p i tz e^r den Ausdruck des Dankes und steten treuen Gedenkens aller Mitglieder der Gemeinde und des Vorstandes her Kultusgemeinde aus. Mit Worten innigen Mitgefühls schied Professor Josef Sulz er, der Chordirektor, von seinem getreuen nnd erprobten Freunden, den in Pflicht und Hingebung mustergültigen Beamten, worauf Nameus des Synagogensängervereines der Obmann, Armenrat Lemberg er, in herzlicher Rede Abschied von dem stets hingebungsvollen Mitgliede der Vereinigung, dem vorbildlichen Menschen nahm. Der Gesamtchor stimmte hierauf die Trauerpsalmen an, der Sarg wurde gehoben und zum Grabe geleitet. Am offenen Grabe hielt namens der Freunde des Verblichenen Prof. E. Nascher einen ergreifenden Nachruf. Von den Sängern im Vereine mit dem Knabenchor wurde nun der Sulzersche Trauerpsalm unter Leitung des Dirigenten Josef Z e l l n i k erschütternd zu Gehör gebracht. Mit dem Schlußgesange vom Oberkantor M o r g e n st e r n hat die überaus erhebende Trauerseier ihren Abschluß gefunden. Wien. Die von der hebräisch-akademischen Vereinigung „Hatechia" im Aufträge der Zentralstelle jüdischer Jugendgruppen, veranstaltete „Konferenz zur Förderung des hebräischen Sprachstudiums" wurde dom 14. auf den 28. April verschoben. Die Konferenz fiudet im Hotel Continental statt. Karten erhältlich im Sekretariat, II. Obere Donaustraße 91, bei R. Lömit, Rotenturmstraße 22 und im Zionistischer! Zentralverein, II., Zirkusgasse 33. Wien. (Trauung.) Am 17. v. M. fand im Tempel I. Seitcnstettengasse die Trauung des Fräulein Käthe Menzer, Tochter des Herrn Ludwig Menzer, mit Herrn Armin Guttmann statt. Der Tempel war von einem zahlreichen Puplikum dicht besetzt. Rabbiner Dr. Rosenmann hielt an das Brautpaar eine herzliche Ansprache. Oberkantor Morgenstern sang die Höchzeitsgesänge mit dem Chor unter Leitung des Dirigenten Zellnik. Auf der Orgel spielte Prof. M. Menzer. Wien. Kantor H. K a tz im Döblinger Tempelverein welcher an den hohen Festtagen hier über Berufung der k. u. k. Jsr. Seelsorge, erhielt die in voriger Nummer mitgeteilte ehrende Zuschrift nebst silbernen Pokal. Troppau. Oberleutnant im Kriegsministerium Brunno Singermann, Sohn des Oberkantors Singermcmn ist zum Doktor jur. an der Universität in Wien promoviert worden. ' Lehranstalt Wien. Das Sommer-Semester beginnt Freitag, den 12. April d. J. mit der Inskription der zur Aufnahme- Prüfung Zugelassenen; die Vorlesungen nehmen Sonntag, den 14. April ihren Anfang. Wien, März 1918. Der Rektor: Prof. Dr. Adolf Schwarz. th”. Vom 11. bis 23. März 1918. Liebe Scharfstein geb. Weinschek, Privat, 80 I., Minna Kohn geb. Weiß, Kaufmannswitwe, 64 I., Georg Schlein, Ldst. Feldwebel des Ldst. Infi. Regt. 22, 40 I., Rachel Charak geb. Sokal, Privat, Flüchtling, 74 I., Berisch Hochberg, Flüchtling, 63 I., Wilhelm Weiner, Schuhmachermeister, 56 I., Pepi Solomon, Lehrmädchen, 17 I., Maria Stifte!, ohne Beruf, 20 I., Bela von Fischer, Versicherungsagent, 75 I., Dr. Leon Chaseides, Advokat, 54 I., Siegfried, k. k. Polizeioberkommissär, 49 I., Schulim Singer, Lehrer,

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