Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1918-03-22 · Heft 6 (22.3.1918) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 6 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3062972-3063774-3063780--10574-3077921
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Aebattion und Adniinisiration: ffeten, II., Nvvaragasi? '27 s Ttlevbou: j HLaShärgige Ieitschrist für jnbische B <r * n 4 f l» v e i *: UiiuiiirtÖtiti ...... * 16.— Halbiiihria.K 8 — Nedaktton Automat «.««9. tobnttniftiaiiou älut. 47.854 M. f. Mur. rvoslsvarkailaecbtd.Roiuo Nr. J00.918. Interessen. Jnr ZkullttSdenittle: '»aiiziähun.K 12.— ZnHerate: — Die viermal «„vallen- Ilonpareille-Zeile 25 Heller. Kr scheint jeden Ar ei t »i g. All, '.’lufluiiö: Adounemenl»- »ul> Jnierrions. 0»,,»i>avrig.IO Mark btkrägc sind in Wien zahlbar und Nandu:. „Da» Siegel Hotte» i»t Walulieit!“ _ Ur C. Wie«. 22. März 1918. Inhalt: Abonnements-Einladung. — Die gegenwärtige Phase des Weltkrieges. — Die Orthodoxie. — Eine Anregung zur Statutenreform der Wiener Kultusgemeinde. — Abwehr deutschnationaler Judenhetze. — Die Jüdischnationalen und Bersassungsreform in Oesterreich. — Gleichberechtigung der Juden in Rumänien. — Aus dem Militärkommandobefehl. — Ostjüdisches. — B 3 schiedene Nachrichten. — Spenden für den Leopoldstädter Tempel. — Banknotizen. Abonnements-Eintadnttg. Pie geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das «M 1. Aprit 1918 öeginmnde II. Huartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Htntervtechung erleide. K. k. Postsparkaffeu-Konto 1V0.SI8. Ganzjährig L 16, halbjährig L 8, vierteljährig K 4. Die Adminiftration Dir gegenwärtige Phase de» Meitkrieges. Die Völker der Erde wurden durch den bereits mehr als 3 1/2 Jahre währenden gigantischen Weltkrieg in einem bisher nie gekannten Maße geschädigt, denn die Hälfte der Menschheit ist direkt an ihm beteiligt und die Staaten, welche bisher keine Menschenverluste erlitten haben, beklagen trotzdem gewaltige Einbußen an Entwickelungsfreiheit im Welthandel und in den Ernährungsverhältnissen. Die Staaten Serbien, Belgien, Montenegro sind verschwunden. Rnmänien, Rußland, Italien und auch Frankreich furchtbar geschwächt und auch alle anderen kriegführenden Staaten und noch neutralen Länder haben bis heute nur gewaltige Schäden zu verzeichnen. Die so drohend eingekreisten Mittelmächte konnten sich nun nach noch nie dagewesenen gewaltigen Kämpfen im Osten Luft verschaffen und momentan ruht der Weltkrieg von der Ostsee bis zum Einfluß der Donau ins Schwarze Meer. Der Sturz des Zarismus in Rußland hat diese Entwicklung wesentlich gefördert, denn das furchtbar geschwächte Rußland ist unfähig, den Krieg nach außen und innen zugleich fortzuführen und die soziale Erneuerung ist den augenblicklichen Machthabern dort doch wichtiger als die Fortsetzung des Krieges nach außen. Die Aushungerung der ÄMtelmäche wurde dadurch endgiltig vereitelt. Wohl ist es bedauerlich, düß der Verständigungsfrieden im Osten dadurch in die Brüche ging, aber.nachdem ihn die Westmächte bereits mehr als ein Jahr hohnvoü ahwiesen und ihre Zerschmetterungs¬ und Aufteilungspläne verkündeten, können ernste Politiker diese Entwicklung wohl begreifen. Wie wäre es den Mittelmächten ergangen, wenn es der Entente gelungen wäre, tief in die Gebiete ihrer Gegner einzudringen? Man mag es wohl beklagtn, daß die alten Geheimmethoden der Berufsdiplomatie noch weiter bestehen und der Machiavellismus noch fortdauert, aber die alten Diplomaten können eben aus ihrer Haut nicht heraus. Der übertriebene Pessimismus ist aber trotzdem nicht begründet. Der Entente ist die geschilderte Entwicklung des Weltkrieges sicherlich nicht angenehm. Wohl faseln ihre Staatsmänner noch von der notwendigen Fortsetzung des Krieges bis zum endgiltigen Siege, aber sie müssen es zugeben, daß sie ihren Verbündeten, Rußland und Rumänien, in der Not nicht.beistehen können und daß nun die Mittelmächte ihre italienische und französische Kriegsfront gewaltig verstärken können. Zum Ueberflusse wollen sich Japan und Nordamerika gleichzeitig auf Rußland im fernen Osten losstürzen, wo sie deshalb bald einer dem andern in die Haare geraten können und die projektierten Millionenheere Nordamerikas, die zu Schiffe über den Atlantischen Ozean gesendet werden sollen, sind seit einem Jahre schon als ein plumper Ententebluff erkannt. Wo nehmen England und Nordamerika die dazu nötigen Schiffe her? Und die deutschen Unterseeboote würden dies wohl auch nicht ohne Eingreifen' zulassen. Außerdem ist es nicht unmöglich, daß einstweilen die deutschen Heere nach Paris Vordringen. Denn schließlich darf nicht vergessen werden, daß zu dem die gelbe Gefahr immer aktueller wird, was für England und Amerika viel drohender scheint als für die Mittelmächte. So ist es trotz allem momentanen Kriegsgebrüll doch zu hoffen, daß man sich im Westen einem Verständigungsfrieden nähern werde. Diese Entwicklung ist gegenwärtig durch das keineswegs schüchterne Zugreffen der Mittelmächte im Osten wesentlich erleichtert, denn den furchtbaren Weltkrieg wollen und müffen bereits alle Kriegsteilnehmer beenden und wenn sich die Mittelmächte im Osten einigermaßen entschädigt haben, können sie' sich im Westen leichter verständigen. Grast Czernin und Wilson werden daher den Faden dieser Verständigung rortzuspinnen suchen und übertriebener Pessimismus fft nicht mehr begründet. Die friedliebenden jüdischen Staatsbürger mögen daher auch den krampfhaften Bemühungen der schuldigen judenfeindkichen Kriegsverlängerer und Antipazifisten nicht viel Bedeutung beimessen, welche den Zorn der Masse auf die Juden zu lenken suchen. Der Weltkrieg hat überraschende Erfahrungen gebracht und die Menschen gründlicher denken

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.