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Die Wahrheit · 1918-02-08 · Heft 3 (8.2.1918) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 3 (8.2.1918)
Date
1918-02-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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f!, Jfcbatltou ujtb Administration: x j Wien, II., Novaragosse 27 « j Tesrpbon: 3 Kehaktiou Auiouiai *2.880. Ij 1 Administration Am. *7.804 ft. L Ssterr. Postsparkasta- Gcheck»ftonto Nr. 100.918. lusrratr: | Die viermal gesvatteu« Nonvareifle.Zeilt MHeller. | Whovn«Mr«tS» und JnsertionS» 8 betröfle find in Wien zahlbar ü und klagbar. ^«abhängige Aertfchrist für jnöische Irrkere^eu. Erscheint jeden Areitag. Motto: „Da» Siegs! Mottos ist Wahrheit!' v ez,1 grpreir: Lanzisthri-.IL 10 — Haldtüstri«.K 8— Für KultnSbeanite: »au,jährig.K 12.- Für Ausland: Ganzjährig.10 Statt Mr. 3. Mir«, 8. Fevrnar 1818. I rr h a 11: Mcizzoth. — Die deutsche Judenschaft und die Friedenskonferenz. — Tora, or. — Ein Friedensscheck über eine BierteKnillion Kronen. — Das verwaiste Amen. — Fünfzigjähriges Amtsjubiläuni. — Ostjüdisches. — Verschiedene Nachrichten. — Spende für den Leopoldstädter Tempel. — Banknotiz. Marroth! Bon B. b. I. Wir haben bis zum heutigen Tage von der mit Spannung erwarteten Erklärung des Wiener Rabbinats noch immer nichts vernommen. Statt dieser erhielten wir von allen Seiten von unseren Lesern Zuschriften gar mannigfachen Inhalts j davon bedarf nur einiges einer kurzen Erwiderung. Es wird mir nämlich der Vorwurf gemacht, ich hätte in dem letzten „Mazzoth"-Artikel einen nicht angebrachten Angriff auf die jüdischen Flüchtlinge unternommen, in dem der Satz vorkam, daß unter den Flüchtlingen leider ein System der Mehranmeldungen grassiere. Wenn ich diese auf genauen Qnellen basierende Behauptung aufgestellt habe, so geschah dies lediglich zu dem Zwecke, das Unjüdische solcher Handlungsweise festzunageln. Wir haben da keinerlei Ausmünzung meiner Worte von antisemitischer Seite zu fürchten, da von meiner Behauptung nur jener Bruchteil der Flüchtlinge betroffen wird, der sich tatsächlich betroffen fühlt. Ja, das ist keineswegs die richtige Taktik, - jenen Teil mit allen Sünden und Fehlern mit der Gesamtheit der Flüchtlinge völlig zu decken! Und warum? „Um die Einigkeit zu erhalten!" Ich behaupte, diese Einigkeit wird nicht durch meine Aufdeckung der Mängel gestört, sondern vielmehr durch die von mir Angegriffenen! Sie sind es, die nicht jüdisch handeln, gegen sie muß sich der Boykott gerade aller übrigen Flüchtlinge richten, um zu zeigen, daß die Gesamtheit nichts mit derlei Leuten zut un hat! Dies ist eines I Dann wird die Meinung laut, „ich hätte die Flüchtlinge angegriffen, um mehr für die Wiener Juden herausschlagen zu können"; in diesem Sinne spricht die Zuschrift. Nun, man möge zuerst alle „Mazzoth"-Artikel lesen und dann erst Einwände erheben. Ich habe nämlich in einem derselben die Forderung erhoben, den Mazzothbezug an den Bezug von Koscherfleisch zu binden. Nur der erhält Mazzoth, der Nachweisen kann, daß er schon seit längerer Zeit Koscherfleisch bezieht — wie es in Deutschland der Fall ist. Würde diese meine Forderung erfüllt, so käme da wohl schwer etwas den Wiener Juden zugute, sondern gerade die Flüchtlinge hätten den Vorteil, ba meiner Schätzung nach von den 250.000 Wiener Juden keine 50.000 Koscherfleisch beziehen, während doch die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge rituell lebt. All die Einwände also, die meinerseits Angriffe gegen die Flüchtlinge konstruieren lvollen, sind, wie ich bewiesen habe, schon im Keime hinfällig. Nach diesen kleinen Feststellungen, die nötig waren, uni etwaige Mißdeutungen von vornherein zu beseitigen, will ich wieder unser Kardinalthema: „Mazzoth und daS Wiener Rabbinat" etwas tiefer anschneiden! Vier volle Wochen sind seit meinem ersten Artikel vergangen und noch immer hat kein einziger Wiener Rabbiner den Mut gefunden, zu sprechen, wie es in solcher Lage angezeigt wäre. Ich hatte dafür gesorgt, daß alle Herren die Mahnrufe nach den Mazzoth lesen mußten, j» einige wurden darauf speziell aufmerksam gemacht. Im Privaigespräche gibt jeder einzelne der Herren zu, es muffe etwas geschehen, aber dafür zu sorgen, daß etwas geschehe, die nötigen Schritte zu unternehmen, das — ich kann's fast nicht glauben, es muß aber doch so sein — wagen die Herren nicht! Es kann für uns keine Entschuldigung mit Arbeitsüberhäufung geben, denn die Gesamtinteressen gehen all«» Schulangelegenheiten, Scheidungen und ähnlichen Dinge» unbedingt voran. Ebenso kann es für uns nicht die Ausrede des vierten Kriegsjahres geben, da man in Deutschland noch vor dem Winter die Mazzoth gesichert hatte. Schreitet man bei uns erst jetzt daran, so gilt dafür nicht die obige Entschuldigung, sondern es ist ein offener Fehler! Für das Wiener Rabbinat darf es heute nur die eine Sorge geben: öie Sicherung des heurigen Peßachfestes! Weiters möchte ich eine wichtige Forderung aufstellen, die schon lange im Publikum laut geworden ist, jedoch bisher nicht die rechte Würdigung gesunden hat. Sie betrifft die Dispense. Was ist erlaubt, zu effen, und was unbedingt verboten? Ein Rabbiner hat diese Meinung, ein anderer wieder jene; was der eine erlaubt, verbietet der zweite. Die einzige erfolgversprechende Lösung wäre demnach, daß alle Wiener Rabbiner ohne Ausnahme zu einer Beratung zusammentreten, in welcher über alle diese Fragen entschieden werdeu sollte. Das Resultat müßte dann ein gemeinsam ausgearbeiteter Dispens sein, der von allen Juden, auch der orthodoxen Richtung, anerkannt werden könnte. Zu dieser Aktion wäre es noch nicht zu spät, doch nicht zuviel Zeit, um sie aufzuschiebn! Wir hoffen, daß das Triumvirat des Wiener Rabbinats nun endlich Zeit findet, auf unsere Forderungen einzugehen oder wenigstens zu antworten!

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