Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 23 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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J. fftebattlou und Abmiuistrationr t^fcieu, II., Noväragasie 27 ] « , XtUDbOH,: , , , * fftc^afilöii Automat 4«.88fl.' Äbtntriifiratibn Aut. 4iJSbi & L tHerr. Postspärkasfa- «chrck-Kouio 8tr. 1VV.VI8. Iriferäle: Dt« viermal grjvalteue «onvaieille-Zeile Tb Heller. Wt-nueutssild» und Jnsertivu»- btttajt« find in Wien zählbar I . ui\b flaflbat. Aiiükhättgige Keilschrift für jüdisch« Be zugSpreiS: <vau,1«h»i».K »».- HaldlShri«.K 7.50; Interessen. Für Ki«lt»Sbeai»te: «a»,jiihriir.K 10.— Kr sch rittt jrdrrl Areitiiji. Für Ausland: «a,i,t«ihrig.8 «art j Motto: „Das Siegel üottea ist Wahrheit!“ S iHiibrt »der 18 fiel. 1911 Inhalt: Darf die Menschheit., baldigen .Frieden erhoffen? — Zur jüdischen.Kongreßfrage in Lesterreich. — Aus der Wiener Knltusgetneinde. — Dr. Theodor Lieden. — Zum Kapitel der lüdifchen Volksschulen. — Englische Lockrufe. — Literatur. — Verschiedene Nachrichten. — Siebente österreichische Kriegsanleihe. Ur 23. Mien» 16. November Darf die Menschheit baldige« Frieden erhoffen? Anr 8. November l. I. gab das österreichisch-ungarische Krietzsptessequärtitzt begannt, das den Sieg des Petersburger Arbeiter- und Soldätenrätes, die Verhaftung der meisten Mittistetder bbrläüfigen Regierung, darunter des Minister des Aeußern, Tereschtschenko, und die Flücht des A Ministerpräsidenten Kerensky meldete.Der Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat erließ sofort im radikal-sozialisttschen Sinne Aufrufe an alle Soldatenkomitees in denen ihr-Siegjbekannt gegeben wird und die Söldaten aufgefordert werden, gegenrevolutionäre Offiziere fest Zu nehmen. Sein Programm enthält erstens den sofortigen Vorschlag eines demokratischen Friedens, zrveitens Uebergabe des Bodens der Großgrundbesitzer an die Bauern, drittens Uebergabe der Regierungsmacht an die Räte und sofortige Einberufung der konstituierenden Versammlung. In den russischen Hauptstädten Petersburg und Moskau haben die Bolschewiki, die radikalsten Sozialisten, gesiegt und diese arbeiten, wie sie sagen, für Frieden, .Brot, Land und Volksmacht. Diese Partei war bekanntlich die erste in Rußland, tbelche zum Verdruffe der Entente den Verständigungsfrieden ohne Annexionen und Kriegsentschädigungen propagierte. Äbet duch im Vierbunde waren mächtige Parteien gegen diese radikale Demokratisirung der Welt und ganz besonders gegen eiiien ergebnislosen Frieden eingenommen. Deutschland und Oesterreich-Ungarn wären sofort nach dem Sturze der Zarenmächt in Rußland zu einem solchen Friedensschluffe, wie ihn diese radikalen russischen Sozialisten wünschten, bereit, doch die Engländer und Franzosen vermochten die Ausführung dieser Pläne noch mit Hilfe der besitzenden Volksklaffen Rußlands zu vereiteln und den Krieg fortzusetzen. Die bluffende ML verlogene nordamerikanische Negierung, deren Milliardäre ihren Reichtum im Weltkriege noch ins Ungemesiene verinehren konnten, tat ebenfalls alles Mögliche und Unmögliche, den blutigen Weltkrieg in die Länge zu ziehen. Die beutelüsterne Entente verstärkte sich weiters durch die auf die Schiffe der europäischen Zentralstaaten lüsternett südämerikanischen Staaten Und trotz fortgesetzter Niederlagen auf dem Lände drohte sie noch immer mit der Zerschmetterung .Md Auflösung der Vierbundstäaten. Durch die Landsiege in Serbien, Rumänien und Rußland schwoll aber auch ' den m.VfgafrUfr,vw CtWKrhTrmh imh fWigrroirh dil» ncb in angemessener Weise bereichern konnten, der Kamm und sie faselten trotz der schrecklichen Leiden, welche die Kriegsnot den meisten Menschen — dies sind jederzeit die arbeitenden, besitzlosen Menschen — cnrfbürdete, von einer nötigen Fortsetzung des Krieges bis zur Erzielung eines vorteilhaften Friedens. Der österreichische Minister des Aeußern, Graf Ezernin, schien am meisten und aufrichtigsten einem Verständigungsfrieden im Sinne der russischen und päpstlichen Vorschläge zugeneigt und erwarb durch seine Erklärungen die wärmste Sympathie aller Friedensfreunde in ganz Europa. Freilich bot er den feindlichen Kriegstreibern dadurch Handhaben, daß er seine Erklärungen nicht im Volksparlament abgab und mit der Revision der Kriegsziele drohte, falls die Kriegsgegner nicht bald auch einen solchen Frieden eingehen. Noch mehr verscherzte sich Graf Ezernin die bereits erworbenen Volkssympathien durch seine Berliner Abmachungen bezüglich der Zukunft Kongreßpolens, Galiziens, Kurlands und Lithanens. Diese Abmachungen entfesselten einen erregten Sturm im österreichischen Abgeordnetenhause. Tie Ruthenen äußerten rückhaltslos ihre Entrüstung über ihre Auslieferung an die Polen und sogar die deutschen bürgerlichen Parteien zeigten sich konsterniert, denn sie haben in der Kriegsnot die Bedeutung der Magyarenmacht kennen gelernt, deren Folgen nun durch die dualistische Koppelung auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Von der Verbindung mit einein mächtigen, staatlich autonomen Polenreiche können sie eben nichts besseres erwarten, denn die Schlachzizen geben den Magnaten in UebervorteilungsgeschjMchkeit nichts nach und in Polen haben derzeit die Schlachzizen die Macht noch in Händen. Die ärgste und die größte Gefahr dieses Projektes ist aber in der Tatsache zu suchen, daß es auch die Friedensliebe der Bolschewist in Rußland gewaltig schwächen mußte, weil dieses Projekt eben eine blutige Herausforderung Rußlands bedeutet. Allerdings sind die verhängnisvollen Würfel noch nicht gefallen, was eine Regierungserklärung festgestellt hat. Die Augen der ganzen Welt sind in diesem Momente mit Spannung * auf Rußland gerichtet. Noch ist der Bürgerkrieg in "Rußland nicht beendet, noch kämpfen die Bolschewiki um die Regierungsmacht. Bleiben sie aber Sieger, dann wird es in Europa wie in den Märztagen des "laufenden Jahres wohl wenige Staatsmänner geben, welche die Zeichen der Zeit nicht äer» stehen. Nicht alle Volksmänner werden sich jederzeit von den Engländern-kaufen lassen und wenn die Regierungen Deutschimh hurrft hio ritfvtii'fwm (SroictuiSS*