Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1917-10-19 · Heft 21 (19.10.1917) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 21 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063801-3063822--10456-3077794
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 7. Nr. 21. Die Wahrheit Verfassung eine sittlich-religiöse Jugenderziehung gefordert, das Was und Wie derselben aber den Kultusgemeinden überantwortet wird. Dieser doppelten Aufgabe, eine Bildungs- und Humana tätsanstalt in großem Stile zu sein, ist die Wiener Kultusgemeinde in den jüngsten Jahrzehnten dadurch gerecht geworden, daß die vielfachen diesbezüglichen Agenden in die Hand eines Mannes gelegt worden waren, dessen Geistes¬ und Herzenseigenschaften ihn für diese Doppelaufgabe geradezu vorherbestimmt zu haben schienen, der amtlich wie außeramtlich Bildung und Humanität geradezu verkörperte. Es war der am 8. Oktober 1915 im 76. Altersjahre aus dem Leben geschiedene Vize-Präsident der Kultusgemeinde Dr.jur. Gustav K ahn, dessen leibliches und seelisches Bild der rührige Administrator von „Dr. Blochs Oesterr. Wochenschrift" und Mitglied des Tempelchores, Herr Max Schwager in ein Gedächtnisbuch zusammengefaßt und zum ersten Jahrzeittage des Dahingeschiedenen dem Kultusoorstande gewidmet hat.**) . In einem geschmackvollen zirka 80 Seiten starken Bande, geschmückt mit zwei Porträts von Dr. Gustav Kohn (die bekannte Rötelzeichnung des Prof. David Kohn und die letzte vortreffliche Aufnahme des Hofphotografen S. Weitzmann) hat der Herausgeber Max Schwager die Reden und Nachrufe gesammelt, welche anläßlich des Leichenbegängnisses und des Jahrzeittages von den Kollegen und Freunden des Vizepräsidenten gehalten wurden; er hat die Kondolenzen gesammelt und die Trauerkundgebungen verzeichnet; alles in allem ein Werk der Pietät, wie es nicht würdiger und eindrucksvoller hätte geschaffen werden können. Die besten Namen der Wiener Judenschaft werden hier zu einem Kranze der Huldigung für den Verstorbenen vereinigt, sie, von deren jedem einzelnen manch ähnlicher Zug zu rühmen wäre, wie die Züge Dr. Kohn's waren, welche uns aus dieser vortrefflichen Zusammenstellung eMgegentreten. Wir finden hier die herzlich-schlichten Worte des greisen Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, die sachlich-bescheidene Würdigung von Seiten des Präsidenten Dr. Alfted Stern, der von dem jüngeren Amtskollegen sagt: „Was Dr. Gustav Kohn unserer Gemeinde war: Alles!" Wir lernen den Meister der Palette, akademischen Maler David Kohn, als geistvollen Redner und Kollegen des Verstorbenen im Vorstande des Talmud-Thora-Vereines kennen, wir hören die schmerzerfüllten Trauerklagen der Gemeindevorsteher Dr. Heinrich Schreiber, Dr. jur. et phil. Markus Sp,i t z e r und des Sekretärs Dr. Emil Adler im Namen der Beamtenschaft. Eine intereffante Schilderung der Tätigkeit.des Dr. Gustav Kohn als Landesschulrat entwirft in meisterhafter Weise Dr. Alfted Berger in seinem Aufsatze. Und wir lesen mit tiefer Ergriffenheit die Rede des Gemeinderabbiners Dr. Mar- Gr unwald, von dem auch das schöne Geleitwort zum Buche stammt, und die des Rabbiners Dr. I. M. Bach, wie wir die Trauerkundgebungen von Ministern, Behörden und Vereinen als eine durch den Verstorbenen dem ganzen Judentum zugewendete Ehrung empfinden. Ein stimmungsvolles Sonett von Dr. Leo L e m p o r t huldigt dem Gedenken des großen Toten in poetischer Form. Max Schwager, der Herausgeber dieses Gedenkbuches, hat in demselben geradezu einen Querschnitt durch das geisttg-jüdische Wien gemacht. Herr Schwager ist den Lesern des „Jsr. Wochenblattes für die Schweiz" als Herausgeber einer synagogalen Editton „Gebete bei Leichenbegängnissen" nicht mehr ganz unbekannt. In der gesamten jüdischen Presse ist diese Arbeit als für Kantoren und das Laienpublikum gleich wertvoll anerkannt worden. Auch seine vorliegende Publikation „Dr. Gustav Kohn zum Gedächtnis" verdient die Beachtung aller jüdischen KrAse, die für das Geistesleben der großen Gemeinde Wen Interesse haben. **) Dr. Gustav Kohn zum Gedächtnis, herausgegeben von Max Schw ager, Wien, im Selbstverläge, II. Zirkusgasse 5®. Aus der kulturhistorischen Entwicklung der Wiener Judenschaft hat dieses Buch das Erinnern an eine interessante, würdige Persönlichkeit für immerwährende Zeiten festgehalten. Spende» für de» Leopoldftädter Tempel. Dem Komitee für den Wiederaufbau des Leopokdstädter Tempels sind zugekommen: Generaldirektor Siegmund Reich und Frau K 3000, Heinrich, Eduard und Dr. Friedrich Neurath dem Andenken ihres seligen Vaters Michael Neurath 7500, Firma Jakob Neurath 2500, Oskar Neurath 500, Bernhard Goldstein 2000, Firma Theodor Schrecker 5000, Alois Taußky 1500, A. Herm. Frankl & Söhne 8000, Alfted Schuschny 1000, Michel Benies 20000, Bittor Tiring 1500, Wilhelm Sröckler 2000, Bezirksrat Max und Marie Rübner 1000, Josef Saborsky & Söhne 10 000, Heinrich Klinger 10 000, Julius Freund, t. £. Kommerzialrat 3000, Moritz Walomann & Bruder 3000, Wilhelm Kux, Direktor der Eskompte- GeseUschaft 5000/ Leopold Waller 1500, Leopold Louriö 1000, Jacques Marchfeld, k. £. Kommerzialrat 2000, Moriz Kohn, k. k. Kommerzialrat 2000, David Fanto, k. k. Kommerzialrat 10000, Philipp Broch, Direktor der Berkehrsbank 1000, Firma M. Neumann, k. u. k. Hoflieferanten 4000, Siegmund Löwy, Direttor der Creditanstalt 3000, Em. Raumann, Direktor 1000, Louis Vogel, kaiserlicher Rat^l000, Johann Korst 1000, Ludwig & Heinrich Blau 1000, Josef Drukner & Söhne 5000, Dr. I. Schwarzmann 2000, Conrad Tiring 1000, Gustav Wottitz 1000, Philipp Kohn 1000, Leopold Renner 1000, Albert Mayer 5000, Jacob Rothberger 5000, Moriz Löwy 2000, Ludwig von Neurath, Direttor der Creditanstalt 2500, Franz Klein 1000, Wilhelm Bell 1500, Kohn & Hellin 2000, Adolf Stern 1000, Siegmund Löwy, Hotelier 1000, S. Stein 2500, Saloinon Herzl 1000, Siegmund Kauders, kaiserlicher Rat 10 000, Ignatz Blum 1000, Alfred Grünhut 1000. Nerfchirdeue Nachrichten. Wie». (Ehrung für Rabb. Dr. D. Feuchtwan g.) Am Simchastorafesttage beging Se. Ehrwürd. Herr Rabbiner Dr. D. F e u ch t w a n g sein 25jähriges Rabbinerjubiläum. Dieser Tag des allgemein verehrteu Seelsorgers gestaltete sich durch die Ehrungen der von ihm betreuten Gemeinde zu einem wahrhaften Festtage. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, der schon 14 Jahre in Währing wirkt, erfreut sich weit über seinen Wirkungskreis hinaus allgemeiner Liebe und Wertschätzung. Aus Anlaß seines Jubiläums wurde Rabbiner Dr. Feuchtwang zur Thorä aufgerufen. Daraufhin ergriff der Obmannstellvertreter des Bethausvorstandes Herr Dr. Ignatz Winter das Wort und feierte Dr. Feuchtw ang in einer warm empfundenen Ansprache. Nach dem Gottesdienste fand im Sitzuugsfaale des Kultnsbezirksamtes Währing eine Festversammlung, der der Bethausvorstand, der Vorstand der Chewra Kadischa, des Frauenoereines Währing und angesehene Bürger des Bezirkes beiivohnten. Hier hielt Dr. Ignatz Winter die offizielle Huldignngsrede und überreichte ün Namen des Vorstandes ein wertvolles Ehrengeschenk. In Vertretung des Präsidiums und des Kültusvorftandes überbrachte die Wünsche der Gemeinde Herr Dr. Jakob Deutsch mit einigen herzlichen Worten. Der Gefeierte dankte in gerührten Worten für den ihm bereiteten Freudentag. Seitens seiuer Hei'.natsgemeinde Nikolsburg wurde Dr. Feuchtwang in Würdigung seiner großen Verdienste um seine Vaterstadt zum Ehrenbürger der Stadtgemeinde, zum Ehrenmitgliede der Kultus gemeinde nnd der Chewra Kadischa ernannt. Wie». Kultusvorsteh er Emanuel Hoffman n. Am 8. d. M. ist nach längerem Leiden der Langjährige Kullusvorfteher Herr Emanuel Hoffmann, Obmann des Währinger Tempels, im Atter von 76 Jahren gestorben. Unter überaus großer Beteiligung fand am 11. d. M., 16 Uhr vormittags, vom Trauerhause, 18. Bezirk, Karl Ludwigftcaße 27, das Leichenbegängnis statt. Der Kondukt bewegte sich nach dem Währinger Tempel, wo der Leichnam des Verblichenen im Tempel auf eine Estrade gestellt wurde. Nach einem Trauerchoral hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang eine die Charaktereigenschaften des Verstorbenen würdigenden Nachruf. Sodann sprach der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.