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Die Wahrheit · 1917-08-24 · Heft 17 (24.8.1917) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 17 (24.8.1917)
Date
1917-08-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Wahrheit ««daktiv» itnb Administration: Wien, II., Novaragasse 27 Telkphon: Redaktion Automat 42.889. Administration Aut. 47.854 A. k.-sterr. Postsparkasta» SLkck'Konio Nr. tvv.918. - Inserate: Die viermal grsvaltene Ronvareille-Zeile 25 Heller. Abonnements» und Insertion»» betröge find in Wien zahlbar und klagbar. Ur. 17. Zeitschrift für jübische nteresscu. Lrfcheinl jeden Arei ta i\. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!4* Wien, 24. AngnK 1917. Haakhängige — Bezugspreis: iLaniiöhrig.K 15.— Halbsöhrig.K 7.50. Für KilltuSbeamte: «auzjöhrig.K 10. - Für AnSlond: Ganzjährig.S Mark 6 Nudel oder 10 Fee». .. Inhalt: Die öffentlichen Schulen und die nationale Autonomie. — Ein jüdischer Kongreß in Oesterreich. — Brand des Leopoldstädter Tempels. — Zur polnischen Judenfrage. — Kais. tön. Gesellschaft vom Oesterreichischen Silbernen Kreuz. — Verschiedene Nachrichten. Die öffentliche« Schnlen und die nationale Autonomie. Die politische Welt steht unter dem Zeichen der nationalen Autonomie, welche schon im Herbste auch in Oesterreich organisiert und festgelegt iverden soll. Die Herbsttagung des österreichischen Reichsrates findet überhaupt eine reiche und weittragende Tagesordnung vor. Der Vertrag zwischen Oesterreich und Ungarn soll auf jedenfalls längere Zeit als ein Dezennium erneuert werden, eine neue, zeitgemäße österreichische Staasverfassung soll mindestens in Beratung gezogen werden, der Völkerfriede innerhalb der Staatsgrenzen soll angebahnt und aus diesen: Grunde die Selbstverwaltung und kulturelle Autonomie aller Nationen in Oesterreich gesetzlich geregelt werden. Gebe Gott, daß bis dahin der verwirrende, bereits sinnlose Weltkrieg ein Ende nehme! Gelingt es, eine gerechte nationale Autonomie m Oesterreich durchzuführen, dann muß dieselbe in der Schulorganisation besonders deutlich zum Ausdrucke kommen. Um die öffentliche Schule, als um den Besitz der Geister des Volksnachwuchses, stritten die verschiedenen Nationen Oesterreichs allezeit mit besonderer Leidenschaft. Die Staatsregierung scheute die Kosten der allgemeinen Volksbildung und überließ aus diesem Grunde den Kronländern nicht nur die Ausführung des Reichsvolksschulgesetzes, sondern die ganze Schulgesetzgebung und Schulautonomie. Viele funb wichtige Kronländer Oesterreichs beherbergen aber mehr als eine Nation, deshalb mußte fast überall ein heftiger Schulkampf entbrennen, was weder die Leistung der Schule, noch das Glück der Lehrerschaft fördern konnte. Schulgemeinden und Länder ahmten zudem im Schulbelange die Knauserigkeit der Staatsverwaltung nach, was zur Folge hat, daß die Lehrerschaft selbst nicht einmal über grundlegende Fragen, wie ob die Staatsschule oder die nationale Schule anzustreben sei, einig und klar ist. So z. B. lehnte der n.-ö. Landeslehrerverein am 21. Mai 1916 die restlose Verstaatlichung aller Schulen ab, während er eine stramme Ueberordnung des Reichsvolksgesetzes über die Landesschulgesetze anzustreben erklärt.' Gelegentlich einer kommenden Neuordnung Oesterreichs erklärte dieser Lehrerverein „in: Interesse der Schule und des Lehrstandes f ü r n a t i o n a l e S e l b st v e rw a l t u n g s k ö r p e r" einzutreten. Der „Deutsch-österreichische Lehrerbund," innerhalb dessen die Majorität der deutschnationalen Partei zugehört, die bekanntlich vermeinte, die Hegemonie der Deutschen in Oesterreich bereits in der Tasche zu haben, erklärte sich mn Lehrertage in Linz im Juli 1916 für die Verstaatlichung aller Volks- und Bürgerschulen. Diese Frage ist auch eine brennende und äußerst wichtige für die jüdischen Staatsbürger Oesterreichs. Obgleich die Konfesfionszugehörigkeit mit der Nationalität nichts zu tun hat, gewinnt diese Frage für die Eltern jüdischer Schulkinder noch auch besondere Bedeutung. Infolge religiöser, nationaler und ivirtschastlicher Hetze, welche gegen die Juden zu allen Zeiten betrieben wurde und zu denen noch politische Beweggründe hinzukamen, nützt jüdischen Staatsbürgern die aufrichtigste nationale Miterklärnng nichts, sie wird in der Regel mißtrauisch abgelehnt. Kehrt aber der jüdische Staatsbürger seine jüdische Nationalität, trotz Mangels einereigenen Muttersprache und trotz Verlustes seiner eigenen jüdischen Kultur hervor, so ist dies der Majorität seinerchristlichen Mitbürger auch nicht recht. Der Jude soll, denr Wunsche der christlichen Mitbürger gemäß, besonders der deutschnationalen, nur für das Deutschtum glühen, sein eigenes Volkstum verleugnen und sich trotzdem als. Nichtdeutscher überall bescheiden zurückziehen. Nun fühlt merkwürdiger Weise auch der fromme Jude von altersher deutsch und hat die deutsche Sprache bekanntlich zur Muttersprache erhoben. In den slavischen Ländern und im weiten Rußland haben sie dadurch innerhalb der einheimischen Bevölkerung Sympathien verloren, was allen gebildeten Deutschen bekannt ist und doch wird der Jude sofort als Nichtdeutscher behandelt und desavouiert, sobald er als Führer auftreten will. Mit der Kirche haben sich die Deutschen in ihrer Majorität friedlich auseinandergesetzt und lassen die Klerikalisierung der öffentlichen Schulen in protestantischen und katholischen Ländern zu, aber die jüdischen Mitbürger sollen die vollständige Berchristlichung aller öffentlichen Schulen ruhig hinnehmen, obgleich sie zu denselben wacker mitsteuern. Man glaubt allgemein, daß die kommende Schulerneuerung in Oesterreich rvie bisher in: katholischen Geiste erfolgen werde, wenn dieselbe auch demokratischer als bisher ausgeführt werden dürfte. Spezifisch christliche Schulen können aber für jüdische Schüler nicht die geeignetsten Bildungsanstalten abgeben. Nachdem jüdische Schüler heute schon, obgleich die öffentlichen Volks- und Bürgerschulen Oesterreichs noch immer interkonfessionell find, in Wien öfters

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