Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 16 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063801-3063817--10402-3077735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8. Die Wahrheit .... ... . Nr. 1 6. Hermine Langfelder, Kassierin Großkaufmannsgattin Frau Paula Szmetana, die Revisorincn Frau Helene Grün (Wien) und Frau Emma Katz (Wien). Uebcrdics haben künstlerische Darbietungen unter der artistischen Leitung des regsamen Veranstalters Herrn Porges (Mauer), eingeleitct durch eine schwungvolle befeuernde Festrede des Oberkanrors I. Ocstcrreicher, diesem vergangenen Festabende das leuchtende Gepräge gegeben. Eine gemütliche Feier an der Festtafel an welcher, sonst schlichte Kaufleute des Ortes und Umgebung wie die Herren Schuhsahrikant Langselder Präsident des Tempelvereines. Großkaufmann Hermann Szmetana, Inspektor, Direktor Luis Donnebaum Direktor Siegfried Stranski, beide letzten Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Mödling, in durchwegs begeisterten Tischreden den Zweck, die hohen Ziele des Vereines feierten, schloß die Feier, deren Fortsetzung — wir wollen hoffen und glauben — in glücklicherer Friedenszeit statrfinden möge. Mähr.-Budwitz. Ter Kantor und Religionslchrer Herr Adolf Kohn begeht am 14. August l. I. das 25 jährige Amts- Jubiläum. Der Jubilar erstellt sich in hiesiger Gemeinde und in der ganzen Stadt großer Beliebtheit und Wertschätzung. Kantor Kohn, ist ein Schüler des Oberkantors Bauer in Wien. Sicherlich werden dem verehrten Jubilar mannigfache Ehrungen zuteil werden. Prag. Aus dem alteu Judensriedhof in Prag (Josesstadt), der zu den interessantesten Denkmälern Altprags zählt, wütete ein halbes Jahr lang eine Bande von Vandalen, welche die Grabsteine beschädigte. Im Laufe der Zeit hatten sie einen Schaden von ungefähr 4000 Kronen angerichtet, ohne daß es gelungen wäre, der Fricdhossschünder habhaft zu werden. Vor einigen Tagen endlich konnte die Polizei einen Burschen verhaften, welcher eingestand, daß er im Verein mit fünfzehn Genossen, die int Alter von 14 bis 17 Jahren stehen und durchweg in der Altstadt wohnen, aus Uebermut die Schandtaten begangen habe. Es handelt sich dabei aber um keine Tat religiösen Haffes, schon darum nicht, weil sich unter den fünfzehn Gassenjungen leider auch drei Juden befinden. Freudenthal. (Tie rituelle Küche der Stabsa b t c i l u n g des Infanterieregimentes Nr. 24.) Seit bald zwei Monaten besteht beim Kader des Infanterieregimentes Nr. 24 in Freudenthal eine rituelle Küche, deren Eröffnung von der Mannschaft mir unbeschreiblicher Freude ausgenommen wurde, da sie manchen Uebeln ein Ende setzte und sich seither in steigendem Maße als die Quelle unendlichen Segens für die israelitischen Soldaten erweist. Tie Entstehung dieser so segensreichen Einrichtung ist in hervorragendsten: Maße dem energischen Wirken des Wiener Kaufmannes S. Ä v m e t zu verdanken. Als derselbe in: späten November 1916 nach Freudenthal zur Dienstleistung einrückte, da war man noch weit von: heutigen, jedes echt jüdische Herz mit Genugtuung und Freude erfüllenden Zustande entfernt. Die Mannschaft des Infanterieregimentes Nr. 24 besteht nämlich zum großen Teile aus jenen Orthodoxen Galiziens und der Bukowina, die wegen ihrer strengen Religiosität bekannt sind und die lieber von kümmerlich trockener Kost leben, als sich des Genusses nicht rituell zubereiteter Speisen schuldig zu machen; n:angels eines eigenen Bethauses harren sie auch nur die Wahl, in den Unterkünften unter den Andersgläubigen zu beten oder das Gebet gar nicht zu verrichten. Mit den Werken hilfreicher Nächstenliebe wohl vertraut, merkte Komet sofort des Uebels Ursache uud er ruhte nicht mehr, bis er die so schwierige aber unendlich ersprießliche Aufgabe der restlosen Erfüllung zugesührt hatte. Mehr als einmal wurde er um die Bewilligung der Errichtung der Küche beim Rapporte bittlich, versuchte er alle maßgebenden Persönlichkeiten, darunter den israelittschen Feldkuraten in Llmütz, für die Sache cinzunchmen und zu gewinnen, räumte er unüberwindlich erscheinende Schwierigkeiten aus dem Wege, sprach deswegen auch persönlich beim Leiter der Verwaltungskommission des Ersatzbataillons vor und verwandte auch bedeutende nwterielle Mittel auf das Gelingen dieser Aktion. Bald war der erste Erfolg erzielt, und als die Osterfeiertage kan:en, konnte dank der entgegenkommenden Haltung des Ersatzbataillons sowie infolge der unablässigen Bemühungen Komets die einige hundert Mann starke Mannschaft der Stabsabteilung mit ritueller Osterkost betcilt werden. Es war nicht nur in religiösen:, sondern auch in hohem Grade in rein menschlichem Sinne ein hoher Feiertag für die jüdische Mannschaft, als sie sich an: ersten Scderabend in einem großen elckttisch erleuchteten Saale, der zugleich auch als Gotteshaus diente, an langen, rein gedeckten Tischen bei Kidusch und Mazzu zum Essen setzen konnten. Der Anfangserfolg spornte zu weiterem Schaffen an; es bildete sich zu diesen: Zwecke ein eigenes Komitee, dem außer Komet noch die bedeutendsten und angesehensten Juden des Rcgirnents angehörten. Ihrer redlichen und unablässigen Benn'ihung winkte auch bald ein voller Erfolg, und noch in: Monate Mai wurde ein Befehl des Ersatzbataillons kundgemacht, der die Unterabteilungen anwies, die geeigneten Vorschläge zur Errichtung der rituellcu Küche zu erstatten. Noch war aber die ganze Arbeit nicht geleistet, noch galt es, so nmnches Vorurteil zu bekämpfen, so n:anche Schwierigkeit niederzuringen, so n:anchen Stein des Anstoßes aus dem Wege zu räumen. Wieder war es Komet, der diese Schwierigkeiten löste, und es gibt keinen jüdischen Soldaten bei der Stabsabteilung, der nicht in ihn: den geistigen und materiellen Schöpfer der rituellen Küche verehren würde. Denn auch mit der Begründung der Küche hörte die Fürsorge des inzwischen als Landsturmmann des ältesten Jahrganges Beurlaubten für die jüdische Mannschaft nicht auf, und noch jetzt unterstützt und fördert dieser selbstlose, von tiefster Nächstenliebe und Opferfreudigkeit durchdrungene Mann in jeder nur erdenklichen Hinsicht e:n Werk, das von ihm gefördert und durchgesührt, für ungezählte Menschen ein Born der Hilfe und Rettung aus schweren Nöten, ein Hort und eine Quelle freudiger Erbauung geworden ist. Mit der Errichtung der Küche betrachtete nämlich Komet seine Aufgabe noch lange nicht als beendet; er ttug auch Sorge für das geistige und religiöse Wohl der jüdischen Mannschaft, und unweit der Küche erhebt sich heute ein kleines schmuckes Bethaus, in den: die jüdischen Soldaten in freien Stunden im Gebete und bei Tornstudium des Gottes ihrer Väter gedenken können. Das Bethaus, das eigenste Werk Komets, wurde an: ersten Pfingstseiertage eingeweiht und die Freude der jüdischen Soldaten, die es bei diesen: Anlässe dichtauf füllte, läßt sich unmöglich schildert:. Heute, wo so fiele des Segens dieser Schöpfungen unmittelbar teilhaftig sind, gibt es bei der Stabsabteilung wohl keinen, der nicht den Namen des Stifters n:it verehrender Dankbarkeit nennen würde, zumal derselbe bald durch Schenkung von Gebet- und Glaubcnsbüchern, bald durch Dedikativn eines neuen Altartuches für das Bethaus, bald aber durch direkte Zuwendungen für die Küche immer wieder seine rege und unerrnüdliche Fürsorge für seine Glaubensgenossen knndgibt. Sein vorbildliches Wirken hat nicht nur warme Anerkeunnng seitens der gesamten Mannschaft jüdischen Glaubens gesunden, sondern auch getteue Nachahmer; so hat in jüngster Zeit der Berliner Fabrikant Max Bester, der gleichfalls zur Dienstleistung nach Freudenthal eingerückt war, bis jetzt nahezu 1000 Kronen dieser Sache zugewendet und die weitere Unterstützung des so segensreichen Werkes zugesagt. In gleicher Weise haben sich der Rabbiner aus Jägerndorf Dr. Rudolscr sowie der hierortige Religionslchrer und Schächter Jakob Glück um die Begründung der Küche verdient gemacht :u:d sind noch heute die Genannten uni die Förderung und Unterstützung dieses Werkes liebevoll bemüht. Dieselbe Fürsorge wurde der Aktion seitens des Wiznitzcr Kaustuannes Leib Blaschach und des hierortigen Sägewerksbcsitzers Berl zuteil, der in freigiebigster Weise die erforderlichen Materialien für die Errichtung von Tischen und Bänken beistellte. So wurde es ermöglicht, ein jeglichen Bedingungen in Vollkommenster Weise entsprechendes Werk zu schaffen, und da auch die ethische Form vollste Berücksichtigung fand, darf es nicht wnndernchnten, daß die rituelle Küche hierorts nicht als toleriert erscheint, sondern als eine mustergiltig geleitete Organisation, die in Frendenthal überall den verdienten Anklang gesunden hat. Ter edle Wetteifer aber kommt allein der jüdischen hilfsbedürftigen Mannschaft zugute, die hier, vor jeder Not beschützt, nur den Wunsch haben, so lange noch da zu verbleiben, bis ihnen der Frieden die Heimat wiedergibt. Petersburg. Aus Petersburg wird geineldet: An der „Besonderen Beratung" der Kommission, die zu der Vorbereitungstätigkeit für die Konstituante eingesetzt wurde, nehmen nach „Nowoje Wre:::ja" folgende Juden teil: Als Vertreter der jüdischen Parteien: N. M. Friedmann, O. O. Grusenberg und W. Kantorowicz. Als Vertreter russischer Parteien: L. Bramson, Bi. M. Tobranitzki uud N. W. Swiatitzki (Arbeiter- und Soldatenrat); dann Nt. Nt. Winower (KadettemPartei); I. A. Zederbaum, W. N. Krochlnal (Sozialdemottatische Arbeiterpartei); Nt. W. Bernstamm (National- Sozialisten); At. W. Wischniak (Sozialrevolutionär) und schließlich juristische Sachverständige A. I. Halpern und W. Ät. Gesten. New Aork. Der Wunsch der jüdischen Frauen Amerikas, aktiven Teil am amerikanisch-jüdischen Kongreß zu nehn:en, fand seinen Ausdruck in der Nominierung von 16 Frauen unter den Delegierten von Groß-New-Hork. Tie Zahl der weiblichen Telegierten wird jedoch zweifellos erheblich größer sein; denn es kommen die Delegierten aus anderen Städten und die Vertreterinnen der nationalen Frauenorganisationcn hinzu. Mehr als 200.000 jüdische Frauen Amerikas, die bisher keiner jüdischen Organisation angeschlossen waren, haben sich in die „Frauen-Organisation für den amerikanisch-jüdischen Kongreß" einttagen lassen. Die Tätigkeit dieser Organisation beschränkt sich nicht ans New-Uork; in 103 Städten sind Zweigvereine gegründet worden. Eine aktive Propaganda wird geleistet, Literatur wird verbreitet, Vorträge und Volksversamntlungen werden veranstaltet, eine Preßkampagne wurde unternommen. Die Kandidatinnen vertteten die verschiedenen Interessen der Bevölkerungsklassen, von denen sie ansgestellt worden sind. Oesterr.-rmgar. Kantoren-Urrei». Die geehrten Mitglieder des Vereins werden ersucht, die restlichen Beiträge an den Kassier I. Kantor Jurberger, Wien, 2. Bezirk, Tempelgasse 3, einsenden zu wollen. Zuschriften sind an den Präsidenten B a u e r, II., Novaragasse 27, zu senden.