Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 14 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 14. angestellt. Den Absolventinnen der Frauengewerbeschule verleiht das Abgangszeugnis die Berechtigung zum Antritte des Damenkleidermachergewerbes. Die Aufnahme für das Schuljahr 1917/18 haben bereits stattgefunden; für die wenigen noch vorhandenen Plätze werden Anmeldungen am 12. September I.. I. in der Schulkanzlei, IX., Seegasse 16, entgegengenommen. Wien. Samstag, den 23. Juni l. I., fand die Jahresprüfung der Talmud Thoraschule des Franz Josef-Huldigungstempels in Gegenwart hervorragender Schulmänner und zahlreicher Gemeindemitglieder statt. Der Obmann des Schulv.ereines, Herr Samuel Adler, begrüßte in einer schönen formvollendeten Ansprache die erschienenen Gäste, insbesondere Herrn Rabbiner Dr. S. Funk, die Vertreter des Vorstandes, die Herren A. Körner, Lehmann und Diamant — Herr Obmann kais. Rat A. W e n g e r hat sein Fernbleiben entschuldigt und dem Vorstand einen größeren Betrag für Schulzwecke überstellt — den Herrn Professor Antscherl, Herrn Kommunal-Oberlehrer Ascher usw. und schloß mit der erfreulischen Mitteilung, daß der Vorstand beschlossen habe, einen Ferialturs einzuführen, um den Schülern auch in den Ferien Gelegenheit zu geben, chre Kenntnisse zu erweitern. Die nun folgende P^fung nahm einen glänzenden Verlauf. Die erzielten Resultate des Unterrichtes übertrafen alle Erwartungen. Die anwesenden Gäste, die dem Examen mit gespannter Aufmerksamkeit folgten, konnreu sich davon überzeugen, daß die meisten der 400 Schüler die Urtexte der Bibel und der wichtigen Gebete nicht nur korrekt lesen und übersetzen, sondern sich auch die Kenntnisse der grammatischen Formen der heiligen Sprache in hohem Maße angeeignet hatten. Nach beendeter Prüfung dankten die Herren Rabbiner Dr. S. Funk und Professor Antscherl dem Vorstande des Schulvereines wie dessen Gönnern und Freunden, hoben die großen Verdienste des Herrn Obmannes hervor, sprachen dem Lehrkörper volle Anerkennung aus und forderten die Schüler auf, den Ferialkurs recht fleißig zu besuchen. Mit der Absingung der Kaiserhymne schloß die schöne Schulfeier, welche die Anwesenden mit dem erhebenden Bewußtsen erfüllte daß die Talmud Thorafchule eine gediegene Pflegestätte jüdischen Wisiens und der Förderung der weitesten Kreise sei. Wien« (Knaben-Volksschule Talmud Thora mit Oeffentlichkeitsrecht, Wien, II., Malzgasse 16.) Am 28. Juni l. I. wurde das Schuljahr mit einer erhebenden Feier geschlossen. Bon den 244 Schülern hatten, mit wenigen Ausnahmen, fast alle das vorgeschriebene Lehrziel erreicht, was umso höher anzuschlagen ist, als an die Kinder und die Lehrdr größere Anfordetungen gestellt wurden. Der Lehrkörper, bestehend aus dem Oberlehrer Jakob Äohn und den Lehrern Adolf Fried, Markus Spinnrad, Elias Jankl, Bernhard Fränkl, Rabbiner M. L. Goldstein, sah seine Bemühungen von dem schönsten Erfolge gekrönt. An dem Elternabende vom 30. Jänner wurden die erziehlichen undrmterrichtlichen Leistungen der Schule rückhaltlos anerkannt und der Vorstand hat als sichtlichen Ausdruck seiner Zufriedenheit dem Lehrkörper eine größere Zulage bewilligt. Dein Werke seiner Erziehung wurde mit Rücksicht auf die traurigen sozialen Verhältnisse und den großen Prozentsatz der Flüchtlingskinder die größte Sorgfalt zugewendet. Der Vorstand nahm sich der vielen armen Kinder in der liebevollsten Weise an> indem er täglich 100 Kindern die Mittagskost verabreichen ließ, sowie für Versorgung mit Kleidern und Schuhen das Möglichste tat. Im nächsten Schuljahre werden die Flüchtlingskinder, wenn sie in größerer Zahl sich melden, in besonderen Abteilungen untergebracht werden. Auch sollen verschiedene Neuerungen — mit Rücksicht auf die geänderten Zeitverhältnisse und modernen Bestrebungen — im Schulbetriebe Platz greifen. Die Schülereinschreibungen sinden an den 3 letzten Tagen des Monates August statt und am 2. September beginnt das neue Schuljahr 1917/18. Linz. (Herzlgedenkfeier inLinz.) Daß Dr. Theodor Herzl ein Weltmensch war und sein Schaffen über einen eigenen Kreis hinausgeht, beweist die Teilnahme der jüdischen Bevölkerung an seinem Todestage, immer wieder aufs neue. War es in Linz ehemals geboten, einer zionistischen oder nationalen Veranstaltung page Erwartungen entgegcnzubringen, so konnte man heuer mit feinem beruhigten Blicke der Zukunft ins Auge sehen. Die Beteiligung war eine erhebende für Jeden, der Herzl Wirken im Dienste des Judentums erfaßt hat. Außer der Linzer Judenschaft waren von allen in Linz liegenden Regimentern größere Abordnungen erschienen, von den Kriegsgefangenenlagern Aschbach, Marchtrenk, Mauthausen, Hart bei Amstetten, Wegscheid usw. kamen Viele, aus den oberösterreichischan Flüchtlingslagern folgte eine große Menge der ergangenen Einladung Folge — es bot das feierliche Bild eines gesinnungstreuen Auditoriums, das für seinen mächtigen Führer Verständnis bekundet. Im Rahmen des Trauergottesdienstes, der durch einen Psalm eingeleitet wurde, sprach Herr Rabbiner Dr. A. I. Mark, in der seine vortreffliche Persönlichkeit auszeichnenden überzeugenden Art, die Gedenkrede; es gelang ihm, die Anwesenden, auch wenn sie früher dem Lager der Widersacher angehörten, von dem Wirken des großen Toten zu überzeugen. Zahlreiche Bilder aus der Bibel belebten die überaus festliche Ansprache, welche besonders hervorgehoben zu werden verdient. Herr Oberkantor Bernhard LVwensohn hatte der zionistischen Bewegung anläßlich der Herzlfeier ein Präludium zur „Hatikwah" gewidmet, welches den wohlverdieyten Beifall der Anwesenden verdiente. Herr Ing. Max Sonn trug in bewunderungswürdiger Weise mit Orgelbegleitung ein Biolinsolo vor, der jüdische Wanderbund „Blau-Weiß" erfreute durch den Chor der „Hatikwah". Die Leistungen des Herrn Oberkantors Löwenfohn verdienen volle Bewunderung, gleich seinen Vorträgen des Psalms unb „El me'e rachamim.“ Eine erhebende Bereicherung erfuhr der Gottesdienst durch eine Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. M. Friedmann, in der er die Versammlung in ergreifenden Worten aufforderte, sich voll und ganz der zionistischen Bewegung anzuschließen und die Jugend, deren Gesinnung er mit warmen Worten der Anerkennung gedacht»,^ zu ungebrochenem Eifer ermutigte. Wehmütigen Herzens gab er der Trauer um alle jene Linzer Ausdruck, die in ihrem jugendlichen Alter, in der Blüte ihres Lebens, als treuer Anhänger der zionistischen Bewegung, auf dem Schlachtfelde ihr Leben ließen. Zwischen einer Gruppe von Blattpflanzen stand auf einem blauweiß geschmückten Postamente das Bild Herzls. Aus einem Nebensaale wurden, wie aus weitester Ferne, leise Geigentöne der „Hatikwah" hörbar; Frl. Margit Deutsch sprach Abend im Bildersaale des Kaufmännischen Vereinshauses wirkungsvoll den Prolog (verfaßt von dem am 19. Juni 1917 am italienischen Kriegsschauplätze E.-F. Korp. Artur Sternschein), begleitet von verklingenden Weisen der „Hatikwah". Der zur Festrede gewonnene Herr Ludwig Bato-Wien brachte formvollendete Ausführungen über Herzl,. als Mensch, Volksmann. Die umgestaltenden Vorgänge des jüdischen Lebens in den kriegführenden Staaten wurde ausführlich besprochen. Reichlicher Beifall bedankte den Redner. Vom Publikum stürmisch begrüßt, las Herr Dr. Max Präger, welcher bereits in Linz bestens bekannt äst, „Mauschel" und „Menorah" von Herzl, die meisterhaft vorgetragen, tiefen Eindruck machten. Durch zwei zionistische Lieder „Das Mädchen von Juda" (Kücken) und „Ich benk ahein" (Straub) erstellte uns. Herr Oberkantor Bernhard Löwenfohn, der, nach besonderem Beifall „Die Ehre Gottes" zu Gehör brachte. Die Anwesenden verliehen ihrem Gefallen an der, Leistung des Vortragenden, sowie an der Klavierbegleitung des Frl. Jenny Eibenfchütz, welche ihr zur Ehre gereichen und Allen in angenehmster Erinnerung bleiben wird, stürmischen Beifall. Den Schluß des Abends bildeten jungjüdische Gedichte (Herr Dr. Max Präger) u. zw. von Otto AbeleS, Hugo Zuckermann, Moris Rosenfeld. Die Vorstehung der israelit. Kultusgemeinde war zahlreich vertreten, ferner die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen durch deren Vorsteher, die Staatspolizei, die Redaktionen der „Tages-Post" und „Tagblatt" u. v. A. Glicht zuletzt sei auch des entgegenkommenden Verhaltens des hiesigen Stationskommandos, sowie der Kommanden der Kriegsgefangenlager gedacht, .welche durch Befehl alle Truppenkörper in Linz, bez. die Wachmannschaften verständigten und ihnen die Möglichkeiten boten, der Feier beizuwohnen. _ Aufruf! „Kriegswaisenheim" des „Kaiserin Elisabeth-Heim für Kriegsmaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen". Der gefertigte Verein, der seit zirka 20 Jahren in Wien besteht und auf dem Gebiete der Jugendfürsorge schon Ersprießliches geleistet hat, hat — geleitet von dem Bestreben, das traurige Los der leider nur allzu zahlreichen Kriegswaisen nach Möglichkeit zu lindern — das an 'sein „Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim", II., Malzgasse 7, anstoßende Haus angekauft, um dasselbe in ein Kriegsw ais enh eim umzuwandeln. Die Adaptierungsarbeiten sind fast vollendet und soll das Haus in kürzester Zeit seiner Bestimmung zugeführt werden. In den Heimstätten des Vereines werden sonach 150 Waisenkinder nackgefallenen Kriegern im Alter von 8—14 Jahren ein Heim finden, volle Verpflegung, Bekleidung und Erziehung unentgeltlich erhalten und die in der nächsten Nähe befindlichen Schulen besuchen. Nack- Absolvierung der Volks- und Bürgerschule können diese Schützlinge in das Lehrmädchen-Heim des Vereines ausgenommen werden. Die nach Vollendung ihrer Lehrzeit zu Arbeiterinnen oder sonstigen Berufen ausbildeten Mädchen verbleiben in dem dem Lehrmädchen- Heime angegliederten Arbeiterinnenheim so lange, bis sie in der Lage sind sich selbst zu erhalten. Die dem Schutze des Vereines anvertrauten Waisenkinder haben sonach die Möglichkeit, in den Heimstätten des Vereines von ihrem -8. bis zirka 20. Lebensjahre zu verbleiben. Bis zum Zeitpunkte der Eröffnung der neu adaptierten Häuser sind die Schützlinge, unter welchen sich bereits viele Kriegswaisen befinden, in einem provisorischen, gemieteten Heime unter Aufsicht der Vorsteherin untergebracht. Die Kosten des Umbaues, der zweckentsprechenden Einrichtung, sowie der Erhaltung des prob. Heimes sind in Anbetracht der heutigen Verhältnisse ungewöhnlich große und gestattet sich der gef. Vorstand an alle edlen Menschenfreunde die innige Bitte zu richten, dieses sozial-humanitäre Werk durch Zuwendung einer Spende fördern zu wollen. Kais. Rat Dr. S. Krüger Präsident. Spenden werden erbeten an das Heim, H> Mahgasse 7, Postsparkassenkonto 83.571 und an die Administration des Blattes.