Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 12 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion 1111b Slbnüniftvnttcm: || Wien, II., Nvvaraqusse 27 j| Televboii: Redaktion Simomal , Rdminislralio» SUli. 47.851 K. k. »kterr. Posisvarkaiia» >! Scbeck-ironlo t>!r. IW.SI8. Z Inivrato: Die viermal geivatlenc j Ronva, eilte->)eile W Heller. RbonnciueiilSnnd JnierlionS. < betrüge iinb in Wien zahlbar j mit» klagbar. j vakhängige Serkfchrift für jäöisch giriere jfeiL Erscheint jeden Areitn UoNo: „Das Sieg«** liottes ist Wahrheit!' Bezugspreis: tllanzjabrig.K 16.— Halbjäbrig.K 7.50. isiti: ft!iiltii5beuiiite: <Maii)i(it)ria.>t 10.— j\iii Vlii^luub: Oinilziavrig.s Mark 6 Nadel oder 10 Are». Kr ie». 15. Juni i;»>7. Inhalt: Friedensanssichten in Oesterreich nach außen nnd innen. — Ein Weg, der nicht zum Ziele führt. — Die Räumung von ^zaßa und Gaza — Die Inden von Buchara. — Oberkantor Großkops. — Kautorale Wissenschaft (Llimmgabet). — Die Inden Polen» — eilt „zngewandcrtes Element." — Oesterr.-Ungar. Zkamoren-Berein. — Verschiedene Nachrichten. Friedrnsansftchten in Oesterreich nach anßen nnd innnen. Die revolutionäre Umwälzung in Rußland und das Wiedererwachen der internationalen Sozialdemokratie erweckte in der ganzen Welt neue Hoffnungen belriffs einer baldigen Beendigung des blutigen Weltkrieges und Anbahnung eines dauernden Friedens. Die Vernichtung der Zarenmachl nt Rtlßland änderte die Situation für ihre Kriegsverbündeten in sehr nachteiliger und peinlicher Weise. Wohl silld nach Berichten unter den 16 Mitgliedern der provisorischen Negierung nur 6 Sozialisten, doch wäre der Schluß übereilt, aus dieser Tatsache das Ueberwiegen der bürgerlichen Macht abznleiten umsomehr als der Arbeiter- und Soldatenrat die Aktionen der Minister bekanntlich mißtrauisch überwacht und teilweise richtig stellt. Das Friedensanbot der Zentralmächte gegen Schluß des Jahres 1916 ermunterte die revollltiouäre Vertretung Rußtauds zum Programme eines baldigen Friedensschlusses ..ohne Annexionen oder Zahlung von Kriegsentschädigungen". Will die internationale Sozialdemokratie den Krieg für alle Zukiiilft unmöglich machen, was ja sicherlich ein löbliches Unternehmen vorstellt, dann muß sie auch trachten, ihn für alle Teilnehmer e r l r a g l o s zu machen. Daraus resultiert der lebhafte Beifall und die freudige Zustimmung, welche nun das russische Friedellsprogramm bei der internatioualeu Sozialdemokratie fand. - Die spekulative Entente, welche trotz ihrer zugegebeuen Eroberungsziele doch noch immer die Achtung der Völkerrechte und Freiheiten vorgibt, ist durch dieses russische Friedellsprogramm nnangeuehm getroffen und enttäuscht nnd und will es nun krampshafl nach seillem Geschmacke umdeuten. In hämisch boshafter Weise sucht sie den „Arbeiter- und Soldateurat" als eine unfähige Regiernngsbehörde hinzustellen, welche die Abwehrkraft Rußlands schwäche nnd bald wieder vom politischen Schauplätze abtreten werde. Mittlerweile wird aber der Arbeiternnd Soldateurat immer mächtiger, besieht nun schon zweieinhalb Monate und drängle die ärgsten Kriegstreiber, wie Miljnkow, Gutschkow ans dem Kabinette. Das greuliche Blutvergießen der in die Enge gedrängten verzweifelten Führer der Entente an der französischen nnd italienischen Kriegssront führt auch zu keiner Wendung und so wird die Erwartllng immer wahrscheinlicher, England und Frankreich werden nun bald ihre verblüffenden Großsprechereien mildern und ebenfalls ernemr unergiebigen Frieden zustimmen, weil der U-Boolkrieg fü die Staaten nnheildrohend wird. Sv wird sich bald der Friedenswille nicht ans die Völker der europälscheu Zentralstaaten beschränken, sondern er nimmt auch in den Enteutestaaten an Wachstum zn. Die interuvtionale Sozialdemokratie sindet dadurch einen günstigen Boden für ihre Friedensbestrebungen und der Friedenskongreß in Stockholm, der sehr klug geleitet wird, dürfte znm Berdrusse der kriegsgesinnten internationalen Oligarchie, welche sich an dem Wellbrande mästet, durchschlagenden Erfolg erlangen. Ein solcher Erfolg muß dann aber das Ansehen und die Bedeutung der Volksfreiheit und der Demokratie sehr heben und die Osterbotschafl des deutschen Kaisers, sowie die Eröffnung des österreichischen Reichsrates und das Eintreten Kaiser Karls I. für die Wahlrefvrm in Ungarn muß man als voransgeworfene Schatten künftiger Ereignisse werdeii. Unser Kaiser ervffnele den Reichsrat mit einer Thronrede, in welcher nicht nur die Kriegslage und die inneren Schwierigkeiten richtig gezeichnet sind, sondern auch das nächste Regierungsprogramm in großeli Zügen aufgerollt wird. „Es ist mein unabänderlicher Wille, meine Herrscherrechte jederzeit in einem wahrhaft konstitutionellen Geiste auszuüben, die staatsgrulidgesetzlichen Freiheiten unverbrüchlich zu achten nnd den Staatsbürgern jenen Anteil an der Bildung des Staatswillens unverkürzt zu wahren, den die geltende Vetfasfung vorsieht", verkündete Kaiser Kart I. Die „Ausgestaltnug der verfasfungs- und verwaltungsrechtlichen Grundlagen des gesamten öffentlichen Lebens", die behufs Ausbau der Fundamente des neuen, starke, glücklichen Oesterreich n a ch i ii n e n n n d nach a u ß e n nötig geworden sei, bestimmten aber den Monarchen die Ablegung des Versasflingsgelöbnisfes zu verschieben. Dieses Gelöbnis ist wohl nur eine Feierlichkeit und den Patrioten kann es genügen, wenn der Herrscher in der Thronrede gelobt „immerdar ein gerechter, liebevoller nnd gewisfenhafler Herrscher im Sinne der konftltnt lo n ell e n Idee und im Geiste der wahren Dem okratie" fein zu wollen, doch gibt es viele Staatsbürger, welche dieseii Rat der Minister nicht für glücklich halten. Der Eid auf die Verfassung kuunte auch daun nicht schaden, wenn man sie ändern will. Die Wendung in der inneren Politik ist in Oesterreich von nicht geringerer Tragweite als eine baldige Beendigung