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Die Wahrheit · 1917-05-04 · Heft 9 (4.5.1917) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 9 (4.5.1917)
Date
1917-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9. Die Wahrheit Seite 9. Wien. Der Vorstand des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) iu Wien veranstaltete Freitag, den 27. April, mittag, im türkischen Tempel einen Festgottesdienst anläßlich de» Jahrestages der Thronbesteigung des Snltans Mehmed Y. Ghazi. Das herrliche Gotteshaus, eine der Sehenswürdigkeiten Wiens, war strahlend hell^belenchtet und von einer großen andächtigen Menge gefüllt. Zur Feier hatten sich als Ehrengäste eingefnnden: in Vertretung des türkischen Botschafters der Botschaftsrat Dr. Rechad Blacqne-Bei, der ottomanische Militärbevollmächtigte im k.7u. k. Hanptcsnartier General Pertew-Pascha mit seinem Gefolge, die Botschaftssekretäre Fonad-Bei nnd Trwfik-Bei, Botschaftsimam Mohammed Redfar-Eiendi, der kaiserl. ottomanische Generalkonsul Dr. Hüsny-Bei, der Präsident der ottomanischen Kriegsfürsorge Monheb-Pascha, ferner die Herren Emin-Bei, Kemal Omer- Bei, kais. ottomanischer Hauptmann Dr. Hulnssi-Bei sowie zahlreiche ottomanische Ossiziere. Ferner in Vertretung des Militärkommandos General Doktorowitsch. in Vertretung des Pcäsidialbnreaus des k. u. k. Kriegsministeriums Major Jsmet-Bei Djimo, in Vertretung des Polizelpräsidenten Polizeibezirksleiter Polizeirat Doktor Brandhnber v. Etschfeld, türkischer Jnstizrat Dr. August Libitzky, in Bertretnnz des Magistratsdirektors Dr. Nüchtern Magistratsrat Dr. Lodrrer, Direktor Dr. Agimann, Kultnsvorsteher Dr. Jacob Deutsch, Vorsteher Dr. Kapralik sowie zahlreiche Festgäste. Die Festgäste wurden vom Gemeindepräsidenten Mosco de Majo nnd Vizepräsidenten Leon Haim, den Vorstandsmitgliedern Lazor Snssin, Dr. Manolo Elias, Tempelvorsteher A. Canetti nnd Gemeindesekretär Dr. M. Halfon empfangen. Im Festsaal brachte Präsident Mosco de Majo das Hoch aus den Sultan aus. Der Gottesdienst wurde mit einem Gesang des Oberkantors I. Bauer eiilgeleitet. Hieraus hielt der Gememderabbiner M. Papo die Sultanrede und verrichtete hierauf das Gebet für die verbündeten Monarchen. Den Abschluß bildete die Sultanshymne von Tewfik-Bei Davond, welche von dem unter Leitung des Chordirigenten I. Löwil stehenden Chor intoniert wurde. Der glanzvolle Gottesdienst machte auf alle Erschienenen einen großen Eindruck. Allgemeine Bewunderung erregten vier Züge ottomanischer Truppen, welche in,Feldadjustirnng unter dem Kommando ihrer Osfiziere zu der Feier ansgerückt war. Sie waren aus den Wiener Rekonvaleszentenhänsern für türkische Soldaten znsammengestellt. Die stramme Haltung, die Adjustierung nnd das gute Aussehen dieser verbündeten Truppen lösten überall freudigste Bewunderung aus. Nachmittags empfing der Botschafter Hussein Hilmi-Pascha das Präsidium der türkisch-israelitischen Gemeinde in besonderer Audienz. Wien. Donnerstag, den 27. April, verschied in Wien der Präsident der israelitischen Knltnsgemeinde in Lemberg Dr. Simon Schaff im 79. Lebensjahre. In seinem Berufe Advokat, zählte er zu den angesehensten Rechtsanwälten, dessen Vertretung auch außerhalb seiner engeren Heimat in Anspruch genommen wurde. Durch vierzig Jahre gehörte er dem Vorstände der israel. Kultusgemeinde in Lemberg an, cheren Präsident er seit dem Jahre 1906 gewesen ist. Seine Tätigkeit in der Gemeinde zeichnete sich durch ersprießliches Wirken nnd große WohltätigkeitZakte ans. Unter anderm stiftete er in seiner Vaterstadt Lemberg ein modernes Waisenhaus für fünfzig Mädchen. Auch betätigte er sich auf industriellem Gebiete und war Mitbegründer und langjähriger Präsident der Lemberger Brauerei-Aktiengesellschaft. Wien. (Jüdischer Verein „Einheit".) Der dritte Peffach war eS, den wir in harter Kriegszeit gefeiert. Die wehmutsvolle Stimmung, welche der gegenwärtigen Zeit ihr Siegel aufdrückt, beherrschte auch das Pessachfest und ließ die traditionelle Peffachfreude nicht zur Geltung kommen. — Doch wird das Herz des Gläubigen, auch wenn alles ringsumher in Dunkel, in Trauer gehüllt ist, in gehobene Stimmung versetzt, wenn der Feiertag mit seinen heiligen Gebräuchen erscheint. Wir wußten, daß unsere Gäste zu Tausenden -kommen werden, um den Seder, um den Pessach bei uns zu feiern. '-Wir adaptierten eine große Lokalität in dem au unsere Hallen anstoßenden Hanse, Leopoldgaffe 16, welche wir ausschließlich für die Soldaten bestimmten, während wir unsere Stammlokalitäten, Malzgaffe 12. die wir in gewohnter, peffachmäßiger Weise lustandgefetzt hatten, für nufere Zivilgäste behielten. Wie das ganze Leben im Zeichen des Krieges steht, so galt auch ein großer Teil unserer Peffacharbeiten den Soldaten. Aus allen Bezirken kamen sie herbei, unsere großen Räume konnten sie nicht fassen; aber sie warteten geduldig, bis die Kameraden ihnen Platz machten. — Die Militärbehörden ermöglichten es den jüdischen Soldaten, welche außerhalb der Kaserne eflen wollten, dies während der ganzen acht Tage tun zu können, wiewohl nur die Heiden ersten Tage dienstfrei waren. Am ersten Sederabende wurde die Soldatenansspeisung von Herrn Feldrabbiner Dr. Rubin Färber besucht, der an die Soldaten eine feierliche nnd patriotische Ansprache richtete. Bei der Schwierigkeit, mit der jetzt die Lebensmittelbeschaffung verbunden ist, war unsere Aufgabe keine leichte, zumal die Speisegesetze des Peffachs die Aufgabe noch vergrößerten; aber wir bemühten uns. unseren Gästen den Pessach möglichst feierlich zu gestalten. Zum Seder erhielt jeder Gast auch das übliche Ei und ein Fläschchen Wein. Außer den Gästen, welche zu uns kamen und deren Zahl durchschnittlich.3000 pro Tag betrug, haben wir über Auftrag des k. u. k. Militärkommandos sämtliche jüdische -Soldaten der hiesigen Sanitätsanstalten verköstigt. Wir schickten das Essen in unseren Thermophoren zu. Ebenso wurden auch die internierten Kriegsgefangenen sowie jene Soldaten, die sich zur Zeit in Strafhaft befanden, verköstigt. Wir lieferten insgesamt 3000 Mittagsmahlzeiten und 2500 Nachtmahle in die Spitäier. Äuch ins Lainzer Versorgungshans sandten wir ca. 300 Mahlzeiten. Zn jeder Mahlzeit holten ferner Hunderte Familien das Essen von uns in ihr Heim, da die Härte der Zeit es ihnen unmöglich machre, sich das Feiertagseffen selbst zu bereiten. Wer hätte es für möglich gehalten, daß wir dazu kommen würden, einen Peffach unter so schweren Verhältnissen zu erleben! Doch muffen wir noch dem Himmel danken, daß wir die schwere Situation zu überwinden vermochten; möge er uns bald eine glücklichere Zeit senden! Wie». Mitrwoch, den 2. Mai, 7 Uhr abends, fand in den Räumen der Israel. Hnmanitätsvereine „B'nai B'rith," IX., Universilätsstraße 4, die 33. ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Unterstützung israel. Handwerker nnd Kleingewerbetreibenden statt. Wie». Der bekannte Arzt Dr. L i n d n e r hat seine ärztliche Tätigkeit in Franzensbad wieder ausgenommen. Znaim. Samstag, den 2l. April feierte der hiesige Oberkantor S. Handgriff das Barm:zwahsest seines Sohnes Paul. Der Konfirmand las selbst den Tporaadschnitt korrekt und Verständnis-. voll vor. Rabb. Prof. Dr. K a h a n dielt an den „Barinizwah" eine erhebende Ansprache. Liuz. Anschließend an den allgemein mit Beisall ausgenommen ersten Bortrag im ailgekündigren Zyklus har Herr Dr. Max Präg e r, Wien, über M o d^e r n e ostjüdifche Dichtung (nut Leseproben ans Perez, Asch, Schalem Alechen. Mendele rc.) gesprochen. Der Vortrag sand am Samstag den 23. Avril 1917 nn Borragssaale des Kaufmännischen Bereinsyauses stacc. Frendenthal. In unserer Sradc befinden sich über tausend jüdische Soldaten des k. n. k. Jnf.-R g. 2t, fast alle glanbens» nnd gesetzestreu. Groß war daher die Sorge m:t der sie das nahende Pessachfest erfüllt hat. Wird es ihnen möglich sein dieses heilige Fest nach Vorschrift zu feiern? Es ichien nnmöglich zu sein. Wurde aber möglich nnd verwirklicht. Keiner litt Not an Peffach. An nichts mangelte es. In schönster Ordnung wickelte sich alles ab und allen wird der Kriegspeffach 1917 in Frendenthal wohl für immer m Erinnerung bleiben. Was das Herz begehrte und es begehrte hauptsächlich die Enthaltung all der alrheiligen Bräuche und der strengen Vorschriften dieser Tage — wurde eingehalren. Dank sei Gott dafür. Und Dank auch denen die zu dieser großen Mizwa beigetragen. Vorerst einer, der dem Regimente angehört. Herrn Komet, im Z vilbernfe Fabrikant in Oberlaa bei Wien, der mit Aufwand vieler Mühe und Kosten das Werk überhaupt ermöglicht und mit werktätiger Unterstützung des Herrn B a r s ch a k, gleichfalls vom Jns.-Reg. 24 und der angesehenen hierortigen Hotzfirma Gebrüder B e r l durchgesührt hat. Möge es allen vergönnt sein das nächstjährige Fest daheim im trauten Familienkreise zu feiern. Jakob Glück. Teschen (Zum vierzigjährigen Amtsjttbiläum des Kantors A. H a h u.) Zn Ehren des Jubilars, fand auch im Tempel ein feierlicher Gottesdienst statt, an welchem der Vorstand und die Gemeinde teilnahm. Als der sehr verehrte und beliebte Jubilar zur Thora gerufen wurde, trug Kantor H. Fuchs einen vom Religionslehrer I. Gutmann verfaßten „Mi Scheberach" sehr wirkungsvoll vor, worauf der Chor einen Psalm exekutitrre. Wir ersuchen um Einsendung der restlichen Abonnementsbeträge. nvmö — rr&ia - nmn naq - rronn rrarx - dtiPb - nw® B’ipssrb D’HSD Jüdischer Buch-Wien, VIII., Lercheng. 6a). Wir machen die löblichen Gemeinden, sowie die geehrten Herren Kantoren und Dirigenten auf das neuerschienene Synagogen-Werk „Schirot-Zewi“ vollständige Liturgie vom Oberkantor H. Bermann in Böhm. Leipa besonders aufmerksam. Eine ausführlich fachmännische Besprechung folgt demnächst. 469091

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