Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 8 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 8. Dann ging er, still wie er kam, wieder fort. Nach einer Stunde kam wieder die Stallmagd und jammerte: ^„Herr Feldscher. Herr Feldscher, eilet zum gnädigen Herrn, er windet sich vor Schmerzen, Barinia ist ganz verzweifelt! Ach Gott, ach Gott, was sollen wir machen? „Ratscht doch nicht so", ruft er der Magd zu, „geht nach Hanse und sagt der Barinia, ich komme gleich!" Er erschien bald, nahm ein Instrument, putzte es vorschriftsmäßig — er kennt genau die Instruktionen — und sprach zu der Frau Bürgermeister: „Gnädigste Barinia, jetzt wende ich das letzte Mittel an, wenn das nicht hilft, lsts mit all meinen Kenntnissen zu Ende!" Dies sprechend, machte er sich über den Patienten her und riß ihm mit einer Zange zwei Backenzähne ans. Verschiedene Nachrichten. Wien. Zum Danke für die glückliche Operation seiner Frau, einer Nichre des verdienstvollen seligen Juspekwrs und AmtSleiters, Herrn Julius Brau», spendele ihr Galle, Herr Franz Weiß, Kaufmann in Hietzing, Wittegasse 4, am ersten Pessachtage im Bethause des Hietzmger Tempelvereiues für den hoffemlich bald entstehenden neuen Tempel e,n Perauches. Hieiür und für die große, werktätige Unterstützung aller Humanitäten Anstalten des Bezirkes, wie für die eheste Hilfsbereitschaft an Flüchtlmge und Arme sei dem Ehepaare Weiß hremit herzlrchst gedankt. Gort lohne es ihnen an den Kindern. Wien. (Geueralversamlung deS Vereines „Zukunft" zum Schutze schulentwachsener verlassener Kinder.) Donnerstag, den 2st. März 1917 fand die diesjährige Generalversammlung des Vereines „Zukunft" in den Räumen seines Vorstandsmitgliedes Frau Emma Mautner, I. Rudolf-Platz 11 statt. Es hatten sich n. a. eingefunden: Als Delegierte der „Weiblichen Fürsorge" Frau Prof. Roth und Frau May, für den „Wiener Frauenverein, zum Schutze armer, verlasieuer Kinder" Frau Dr. Laura Kreuberger und Frau Josefine König, für den Döblinger Frauenverein Frau Dr. Sldome Kahn, für die israel. Kuliusgeuieurde Herr Amrsleitcr Rudolf Kraus und vom Wohltätig keitsamte Herr Oberoifiztal Moriz U n g a r. Die Präsidentin Frau Mma Hecht begrüßte die Erschienenen und erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Vereines. Sie weist darauf hindaß die Zahl der Schützlinge im abgelaufenen Vereinsjahr von 85 auf 116 gestiegen ist und daß auch den neuen Schützlingen Lehr- und Pflegestellen beschafft und für deren Bekleidung nach Möglichkeit gesorgt wurde. Wenn für den letzten Ziveck auch nur ein verhältnismäßig kleiner Betrag Verwender werden konnte, so haben die meisten Lorstandsuntglieder ihre Schutzbefohlenen entweder aus eigenen Mitteln bekleidet oder Kleidungsstücke bet Freunden und Bekannten eawirkt. Die Schutzdamen haben ihre Schützlinge so oft als möglich besucht, doch mußte leider konstatiert werden, daß die meisten Pflegestellen nicht geeignet find. Hauptsächlichst liegt die Nichteiguuug darin, daß die Pflegeeltern nicht den Einfluß haben darauf hinzuwirken, daß diese Jugendlichen nach ihrer Arbeitszeit nach Hause kommen oder sich mit irgend einer nützlichen Sache beschäftige». Die Folge davon ist. daß diese Jugendlichen in schlechte Gesellschaft geraten und sehr oft vom rechten Wehe abkommen. Wohl bemüht sich die Bereinsleitung diese Jugendlichen wieder auf den rechten Weg zu bringen, doch gelingt dies in den seltensten Fällen. Dies führt zu dem Schlüße, daß, so ideal die Familieupflege für jeden, der sich mit der Kindersürsorge befaßt, sein mag, bei den heutigen Verhältnisien eine geschlossene Pflege notwendig ist, weil hiebei die Schutzbefohlenen viel leichter beaufsichtigt werden können. Es muß daher die wichtigste Aufgabe des Vereines für die nächste Arbertsperiode sein, an die Schaffung geeigneter Heime zu schreiten. Hiezu erbittet die Vorsitzende die Mithilfe aller Anwesenden. Zum Schluffe dankt die Präsident!» noch allen Freunden und Gönnern für die Förderung der Bereinsbestrebnngen. Insbesondere aber dankt sie Herrn Amrsleiter Rudolf Kraus über deffen Intervention dem Vereine auch im vergangenen Veremsjahre ansehnliche Zuwendungen zugekommen sind. Hierauf erstattet Frau Johanna Raab den Kaffabericht. Herr Revisor Alois G r u b e r berichtet, daß er die Kaffagedahrung genau revidiert und dieselbe in vollster Ordnung befunden habe. Er beantragt dem Vorstände Absolntor>um zu erteilen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Herr Auitsleiter Rudolf Kraus weist darauf hrn, daß der Kasiabericht nur trockene Zahlen aufweist. Welche Fülle von Arbeit diese Zahlen beinhalten ist aber wohl nur denjenigen bekannt, die diese hochherzigen Frauen bei ihrer Arbeit beobachten konnten. Er selbst habe Gelegenheit gehabt, insbesondere das Wirken der Präsidentin Frau Mina Hecht zn beobachten und er hatte seine Freude dran, mit welcher Liebe und Sorgfalt jeder einzelne Fall behandelt wurde. Er wird gewiß mit Vergnügen dem Vorstande der rsrael. Kultusgemeinde von dem Wirken dieses Vereines berichten uild gibt die Versicherung, daß er auch weiterhin gerne dem Vereine seine Unterstützung angedeihen lasten werde. Frau Prof. Roth überbringt die besten Wünsche der „Weiblichen Fürsorge" für das weitere Gedeihen des Vereines Frau Dr. Laura Krenberger weist darauf hin, welche Fülle von Arbeit gerade dieses Gebiet der Jugendfürsorge srheischt und dankt namens ihres Vereines für diese Tätigkeit. Sie überbringt die Grüße und besten Wünsche ihres Vereines und gibt ihrer Freude darüber Ausdruck, daß es dem Vereine gelungen ist, während der kurzen Zeit seines Wirkens sich die wärmsten Sympathien zu erwerben. Nachdem die Vorsitzende noch allen Rednern herzlichst gedankt hat, schließt sie die Generalversammlung. M. U. Wie». (K a i s e r F r a n z I o s e f I. H u l d i g u n g s t e m p e l II., Pazmanitengasse 6.) Während der Sphira hält seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Salomon Funk zwischen dem Miucha- und dem Maariw-Gebete (Beginn dreiviertel 8 Uhr abends) populär-wissenschaftliche Vorträge über P i r \j- Owans, Sprüche der Väter.. Korneuburg. Für die hier stationierten israelitischen Mannschaftspersonen des k. n. k. Eisenbahnregimentes wurde im Bolskeller ein Sederabeud veranstaltet, der in jeder Hinsicht glänzend verlief und den etwa 100 teilnehmenden Soldaten in unvergeßlicher Erinnerang bleiben wird. Vor dem ausgezeichneten Mahle brachte der hier dienende Herr Oberkantor Wolfensohn ans Koprivnica den Kiddusch mit prachtvoller Stimme vor. Am nächsten Morgen fand ein militärischer Gottesdienst statt, bei dem der genannte Herr Oberkantor ebenfalls einige Gebete in formvollendeter Weise vortrug. Mit innigem Daukgefühl werden die Soldaten stets der würdigen Feier und ihrer Veranstalter gedenken. Preßbnrg. Unter großer Beteiligung fand Freitag, den 6. d. M. die Beerdigung der außerordentlich frommen und ob ihres wohltätigen Wirkens hochgeschätzten Frau Hanni Schill, Tochter des Notars Herrn Wilhelm G r ü n s f e l d, statt. Diese edle Frau hatte es sich zur heiligen Ausgabe gesetzt, namentlich unbemittelte Bachnrim zu unterstützen. An ihrer Bahre sprachen der Sohn Rabbiner Schill aus Bösing, sowie Rabbiner Donath. Szombathely. Unser seit 34 Jahren hier wirkender und allgemein beliebter und hochgeschätzter Oberkantor Max G o l d st e i n ist zum größten Schmerze der ganzen Gemeinde nach längerer Krankheit am 9. d. M. gestorben. Der Dahiugeschiedene genoß auch in weitesten Kreisen der Kantorenwelr des In- und Auslandes infolge seiner persönlichen Tugenden und seiner hervorragenden Begabung unter dem Namen Male Goldstein große Verehrung. Als Komponist mehrerer gediegener Synagogen-Gesangswerke hat er die Synagogenliteratnr wertvoll bereichert und seine Gesänge wurden in vielen Synagogen aufgesührt. In der hiesigen Gemeinde hat sich Oberkantor Goldstein durch die Veredlung und Verschönerung des Gottesdienstes ein dauerndes Monument gesetzt. Die besondere Beliebtheit des Verblichenen zeigte sich durch die große Beteiligung beim Leichenbegängnisse. Es war der gesamte Vorstand und fast die ganze Gemeinde erschienen. Der Sarg wurde in den Tempel gebracht, wo auch die Trauerfeier stattfand. Dieselbe begann mit dem Psalm. „Michtom Ledowid". einer Komposition des Dahingeschiedene'.r, vom Oberkantor-Stellvertreter Morris vorgetragen, worauf Rabbi --Doktor Horowitz einen tiefempfundenen Nachruf hielt. Tefchen. (Vierzigjähriges Dienstjubiläum des Kantors Hahn.) Am 18. März waren^es 40 Jahre, daß Kantor Herr Adolf Hahn in deu Dienst der Teschner israel. Kultusgemeinde getreten ist. Der Jubilar, ein ehemaliger Schüler des berühmten Komponisten Prof. Sulzer, war in den Jahren 1369 bis 1872 zunächst am Tempel in der Josesstadt in Wien als Kantor tätig, wirkte dann durch kurze Zeit in Trencsen-Baan, worauf er einer Berufung an den Tempel in Sllleiu folgte. Am 18. März 1877 erfolgte seine Anstellung als Kantor in Teschen, woselbst er seither ununterbrochen im Amte ist. Während dieser langen Zeit hat sich Kantor Habrr die Liebe und Verehrung der Gemeindenntglieder in hohem Maße erworben. Der Jubilar genießt vermöge seiner ausgezeichneten Eigenschaften, seines makellosen Charakters und seines bescheidenen Auftretens nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch in allen Kreisen der Bewohnerjchait die größte Hochachtung und Wertschätzung. Sein schönes Amt versieht er mit vorbildlicher Pflichttreue und mit tiefem religiösen Smn. Ganze Generationen haben sich bei den gottesdienstlichen Handlungen an seinem Vortrag erbaut. Auch um die Pflege des Tempelchores hat sich der Jubilar große Verdienste erworben. Im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde in Teschen fand am 18. März l. I. ui Anwesenheit des gesamten verstärkten Ausschusses eine erhebende Feier aus Anlaß des 40jährigen Dienstjubiläums des Kantors Adolf Hahn statt. Der Präses der Kultusgemeinde Dr. Leopold Silberstein würdigte in einer schwungvollen Ansprache die Verdienste des Jubilars. Nachdem Kantor Hahn die Ehrenwedaille für 40 jährige Dienste nebst einem ansehnlichen Ehrengeschenk seitens der Knltnsgemeinde überreicht wurde, schloß sich auch Se. Ehrwürden Rabbiner k. k. Prof. Dr. Leimdörfer in warmen Worten seinem Vorredner an und hob die vorbildliche Pflichttreue und die dem Jubilar anszeichnendeu Charaktereigenschaften hervor. In schlichten jedoch eindrucksvollen Worten dankte tiefgerührt der Jubilar für die ihm in so reichem Maße zuteilgewordenen Ehrungen. Mit der Gratulation der einzelnen Honoratioren schloß die erhebende Feier. Bon Nah und Fern liefen auch zahlreiche Gratulationen ein, viele Freunde und Verehrer ließen es sich nicht nehmen, persönlich im Hause des Jubilars mit ihren Wünschen vorzusprechen, so auch berichteten sämtliche ■ schlesischen Zeitungen über die so schöne Feier.