Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 6 (23.3.1917)
- Date
- 1917-03-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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s Seite 8. Die Wahrheit Nr. 6. Synagogen Herr Morgenstern und zahlreiche Freunde der Familie Duckest eiugefunden, deren greises Oberhaupt, Herr. Josef Duckes, durch göttliche Hilfe auf ein Alter von 96 Jahren zurückblickt und zu seinen Söhnen auf dn IN Gelehrtenkreisen rüümlichst bekannten Herrn Rabbiner Eduard Duckein Hamburg-Altona zählt, den ehrwürdigen Bruder unsere- Jubilars. Von allen Seiten kamen der Familie die innigsten Glückwünsche zu, denen auch wir uns aus vollem Herzen anschließen. Wien. In seltener körperlicher und geistiger Rüstigkeit begeht der in dcu werlesteu Kreisen durch seine reiche literarische und humanitäre Tätigkeit bekannte und hochgeschätzte Herr Albert L ö w am 31 März, Sabbat Hagadol feinen 80. Geburtstag. Der Jubilar har in seiner Vaterstadt Holleschau, wo er m früheren Jahren gemeinnützig wirtte und auch hier in Wien durch Gründung des humanitären Vereines der Hollefchouer sowie durch Anregung humanitärer Jnstittltioueu, sowiedurch eifrige literarische Tätigkeit sich große Verdienste um die Allgemeinheit erworben und seine zahlreichen Verehrer und Freunde werden es gewiß nicht unterlasien, ihm au seinem Jubettoge den Ausdruck ihrer Sympathie und Wertschätzung in entsprechender Weise entgegenzubringeu. Wien- Knapp vor Schluß des Blattes erhalten wir die Mitteilung, daß unser langjähriger und geschätzter Mitarbeiter. Rabbiner Dr. M. H. F r i e d l ä u d e r, gestorben ist. Die Würdigung des Heimgegangenen, der durch seine äußerst fruchtbare literarische Tätigkeit iu weitesten Kreisen bekannt war, behalten wir uns für nächstens vor. Wie«. Der Verein „Pestalozzi", 2. Bez., Gr. Sperlgaffe 32/34, versendet soeben seinen Jahresbericht über das 12. Vereiusjahr. Der Verein ist einer derjenigen, welcher sich den Kriegsanfgaben gewachsen zeigte, was vielleicht dem Umstande zuzuschreiben ist, daß seine sämtlichen Vorstandsmitglieder, vor allem der rührige Präsident Arnold Lemberger, einer jüngeren Generation angehören. So mußten, infolge des Krieges die Ausspeisnugen der Kinderhalle fast verdoppelt werden (auf 685 Portionen täglich); der Verein hat für uennzehn Schulen die Verabreichung des „Warmen Frühstückes für Kinder" übernommen. Wenn auch der Beiuch der Kinderlesehalle unter den Kriegsverhältu-.ffeu sAnstellen der Kinder) leiden mußte, so wurde dafür ein vielversprechender Handsertigkertsuuterricht für vorläufig 40 Schulkinder eingerichtet. Durch Subventionen der Gemeinde Wien, der Banken, Flüchtling-zentrale und Kultusgemeiude und Sammlungen in der „Neuen Freien Preffe" (10.000 Kronen) sowie der Polizeidirektion war es möglich, auch die Kinderbekleidung, diese gegenwärtig so schwierige Aktion, zufriedenstellend durchzuführen. So wird der Verein, der einen Gebarnngsausweis von über 20.000 Kronen auswelst und gegenwärtig vor den Schwierigkeiten einer Kohlenaktiou für seine Schützlinge nicht zurückschreckl, bei seiner Generalversammlung am 18. d. semen zahlreichen Gönnern ans Eltern-, Lehrer- und Notablenkreisen des 11. Bezirkes einen äußerst befriedigenden Bericht abstatlen und wohlverdientes Lob aus den Kreisen von Kindcrsreunden einheimsen können. Wien. (Generalversammlung des Vereines „Kinderheim".) Die diesjährige (XIX.) Generalversammlung des Bereui.s „Kinderheim" znr Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, rekonvaleszente und schwache Kinder jüdischer Konfession findet Mittwoch, den 28. d. M., präz. 6 Uhr abends, im Restaurant Touello, II., Lilienbrunugaffe 2, statt. Gäste herzlich willkommen. Mit Rücksicht ans die augenblicklich en Verkehrsverhältniffe werden die Mitglieder um pünktliches Erscheinen gebeten. Wien. (Jüdisches Asyl für Obdachlose.) Die Generalversammlung de- Vereines findet Samstag, den 31. März 1917, um 8 Uhr abends, mt Cafe Donau, H., Praterstraße Nr. 10, statt. Gegenstände, der Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahlen in den Vorstand. Wie«. (Schinrim für geietzestreue Stube nte u.) Vor einigen Wochen wurde von Rabbiner Joel P o l l a k ein Knrfür geietzestreue Mittel- und Hochschüler err.chlet, der die Vertiefung ihres jüdischen Wiffens und die Pflege jüdische» Geistes bezweckt. Außer den regelmäßigen Schinrim des KnrSleiters sollen auch seitens der Hörer Vorträge abgehalten werden. Die Reihe derselben eröffnet d er Vortrag des Herrn stuck. Zur. Adolf Pinkas über„A.Lkaä Haam“, der Sonntag, den 2. Nissan (25. d.), 7 Uhr abends, im Turnsaale d er „Talmud Thoraschule," II.. Malzgaffe 16, stattfindet. Gäste willkommen. Wie». (I s r a e l i t i s ch-t heologische Lehranstalt in Wien.) Das Sommersemester beginnt Mittwoch, den 18. April d. I., .mit den Aumahmeprüsungen, zu welchen nur die rechtzeitig Angemeldeten zugelaffeu werde». Die Vorlesungen nehmen Donnerstag, den 19. April d. I. ihren Anfang. Der Rektor: Prof. Dr. A. Schwarz. Wien, im März 1917. Wie«. Die „Agudas Jisroel" versendet im Auftrag; der derzeit m Wien weilenden Rabbiner von Autoritäten aus Galizien eine Zuschrift iu hebräischer Sprache an sämtliche Juden Oesterreichs, iu welcher sie zu großer Enthaltsamkeit und Sparen au Sabbat- und Fciertagslichteru auffordern, insbesondere für kommende Ostern, gelegentlich der Seelenandacht, dies zu berücksichtigen, eingedenk der großen Not und des Herrschenden Mangels an Beleuchtungsmitteln. So sehr die Seelenandacht jedem einzelnen am Herzen liegt, da es doch dem Andenken von Eltern und sonstigen teueren Dahingeschiedenen gilt, wird inständig gebeten, mit den Lichtern zu sparen und das ersparte Geld lieber wohltätigen Zwecken zuzuwenden. In den Gotteshäusern sollen nur die nötigen Gebetlichter, keine andere aber angezündet werden. Es ist unsere heilige Pflicht, heißt es am Schluffe, nach den Vorschriften unserer Lehrer, alle Härten des Krieges geduldig zu ertragen, für das Wohl und das Glück unseres geliebten Lande- und kein Opfer darf und soll yus zu groß sein für Kaiser und Reich. Graz. Se. Majestät der Kaiser hat dem Oberarzt Dr. Leo Heinrich Werdishei m, derzeit Chefarzt in einem Feldspital^ das goldene Verdieustkceuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille für vorzügliche Dienstleistung verliehen. Franksurt a. M. Unser allseits beliebter und geschätzter Oberkautor G r o ß k o p s ist in Anerkennung seiner Verdienste aus dem Gebiete der Kriegsfürsorge mit dem Ehrenzeichen II. Klaffe vom Roten Kreuze ausgezeichnet worden. Ateratur. „MORIAH“, Monatsschrift der jüdischen Jugend, vor Kriegsausbruch iu Lemberg herausgegeben,, beginnt soeben in Wien unter der Redaktion von Dr. Wilhelm Berkelhammer wieder zu erscheinen. Die Zeitschrift setzt sich zum Ziele, die jüdische Jugend in den polnischen Ländern in jüdisch-nationalem Geiste zn erziehen. Sie ist gegenwärtig die einzige in polnischer Sprache erscheinende jüdisch-nationale Zeitung in Galizien und Polen. Das vorliegende Hest für November 1910 bringt Aussätze von Dr. Wilhelm Berkelhammer (Im Zeichen des Krieges), von Martin Buber (Brief an die „Moriah"'zu seinem Aufsatz „Was ist zu tun"?), von Dr. Z. F. Finkelstein. eine literarische Studie über den verstorbenen Dichter Frng, der eine» der schönsten Frug'schen Gedichte „Ich bin die Aeolsharfe" folgr, von Adolf Stand, eine interessante Auseinandersetzung mit Rnbers Monatsschrift „Der Jude" und den ersten Teil einer umfangreichen Arbeit von Dr. Ignatz Schipper über die Beziehungen des poluffch-litamicheu Judentums zu Palästina von den ältesten Zeiten an, bis ins XIX. Jahrhundert, als Beitrag zur Geschichte der romantischen Epoche nn Zionismus. Eine Gedenktafel für die im Kriege gefallene jüdische Jugend Galiziens, eine reiche' Rundschau. Bibliographie und Bücderjchau schließt das erste Heft der wiedererscheinenden „Moriah". Verlag: Wien II., Zirknsgaffe 36, Tür 4. Abonnement jährlich X 6.—. Mk. 5.—, halbjährig X 3.—, Mk. 2.50, vierteljährig X 1.50, Mk. 1.25, Einzelheft 60 Heller, 50 Pfennig. Der Märzkalender des Vereines Freie Schule bringt neben einem Bilde „Frühlingserwachen" ein Bildnis des am 2. Februar d. I. verstorbenen eifrigen Mitgliedes Eduard della Torre, eines bekannten Vortragenden in Bildnngsvereinen. Ein Aufsatz „Allerlei Erbauliches vom Kirchenstaat" enthält zahlreiches Material zur Frage der weltlichen Herrschaft des Papstes.' Einige Nachrichten über den Katholischen Schulverein und eiu Aufsatz über die Bewegung der Freien Schule im Neuen Jahre stellen die Arbeit in den beiden Schulkampforganisationen in Vergleich. Alle Mitglieder des Vereines Freie Schule (Wien, VIII., Albertgaffe 23) erhalten den Kalender unentgeltlich. Der mindeste Mitgliedsbeitrag ist jährlich X 3.—. für Arbeiter, Lehrer, Studenten und Frauen von Mitgliedern nur X 2.—, oder monatlich 20 Heller. Jüdisches Archiv. Mitteilungen des Komitees „Jüdisches Kriegsarchiv". Sonderheft: Die Juden lemhergs unter der Russenherrschaft von P r o f. S. B r e m oerg-Bytkowski. Lieferung 8/9 1917. Im Verlag von R. Löwit, Wien. Die soeben erschienene Doppellieferung 8/9 der Mitteilungen „Jüdisches Archiv" repräsentiert sich als Sonderheft, das — abgesehen von Gefallenen- und Ausgezeichnetenlisten — lediglich ent Thema: „Die Juden Lembergs unter der Ruffenherrschast" behandelt. Und zwar ist es eines von den Mitgliedern des Lemberger jüdischen Hilfskomitees während der Jnvasionszeit, Herrn Pros. S. Bromberg- Bytkowski, der uns die Ereignisse, deren leidender und tätiger Zeuge er war, iu durchaus sachlicher und doch äußerst lebendiger und. eindrucksvoller Weise erzählt. Schon die Kapitel-Ueberschriften lassen eine ebenso inhaltsreiche als packende Schilderung erwarten: Die politische und ökonomische Lage der Inden; Die russische Methode; Der blutige Sonntag; Preistreiberei und Brotwucher; Der Rubelknrs; Die Juden küssen Kosakenpferde; Die Ochrana und ihre Gesellen;. Die Cafeklubs; Die Befreiung und Versorgung der Gefangenen; Die Notstandsaktion und das jüdische Hilfskomitee. Vielleicht greifen wir ans diesen Ueberschristen diejenige heraus, welche „Die russische Methode" lautet, um den Hauptwerk der Schrift, nicht nur für die jüdischen Leser,. zu kennzeichnen. Wer russische Methode anschaulich, am Einzelschicksal einer Stadt und einer Judengemeinde dargestellt, kennen lernen will, der lasse sich die wirklich verdienstvolle, gediegene Arbeit des Prof. S. Bromberg-Bytkowski nicht entgehen. Sie ist Geschichtsschreibung bester Art.