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Die Wahrheit · 1917-02-23 · Heft 4 (23.2.1917) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 4 (23.2.1917)
Date
1917-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Mitten in der Hochspannung, die seit dem Abbruche der diplomatischen Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Deutschland auch für das Verhältnis Amerikas zu unserer Monarchie eingetretenW, kommt eine Mitteilung über eine neue amerikanische Millionenspende für die Juden in den von Deutschland und Oesterreich-Ungarn besetzten Gebieten. Der amerikanische Botschafter in Wien, Mr. Frederic C. Pensield, ist unter Vermittlung des amerikanischen Staatssekretärs in Washington von bedeutenden jüdischen philanthropischen Gesellschaften ersucht worden, der Israelitischen Allianz in Wien den Betrag von ungefähr 250.000 Dollar auszubezahlen. Diese Summe ist hauptsächlich für die Unterstützung der Juden in den besetzten Ländern und für die jüdischen Flüchtlinge ans Galizien zu verwenden. Ein kleinerer Teil der der Allianz zur Verfügung gestellten Summe ist auch bestimmt für das jüdische Hilfswerk in den besetzten Gebieten von Rumänien und Serbien. Die Anfkeilung erfolgt in der Weise, daß 225.000 Dollar für das Uuterstütznngswerk in den besetzten Ländern und für die Flüchtlinge, 20.000" Dollar für die Juden in Rumänien und 5000 Dollar für die Inden in Serbien verwendet werden. Diese hochherzige Hilfsaktion ist ein neuerlicher Beweis für die allgemern bekannte Tatsache, daß die angesehenen Juden Amerikas unentwegt für die Erhaltung des Friedens tätig sind und sie straft auch die antisemitische Hetzpresse und an ihrer Spitze die „Reichspost" Lügen, die sich nicht entblödet, heute die Wilsonsche Friedensnote und morgen den Abbruch der diplomatischen Beziehungen den Juden in die Schnhe zu schieben. * * Für die hohe Geschäftsmoral der „Reichspost" haben die jünguen Tage ein klassisches Beispiel gebracht. In Wien ist vorige Woche ein Mann gestorben, der königlich ungarischer Ministerialrat war, gleichzeitig aber neben anderen Funktionen auch die Stelle eines Betriebsdirektors der Südbahn bekleidete, so daß die betreffende Traueruachricht von dem Verwaltnngsral der Südbahn-Gesellschaft ansgegeben wurde. Diese Tatsache brachte es mit sich, daß die betreffende Parte an alle Tagesblätter verschickt wurde, unter denen sich natürlich die christlichsozialen Blätter, also auch die „Reichspost", befanden. Das besonders, bemerkenswerte an diesem Manne ist, daß er Jude war, als Jude gelebt hat und als solcher auch begraben werden wollte' es ist also in der Parte ausdrücklich angegeben worden, daß das Leichenbegängnis von der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes (israelitische Abteilung) stattfindet, was natürlich für die durch die öffentliche Presse Verständigten besonders wichtig erscheint. Nun hat die „Reichspost" zweifellos ihrer ganzen Aufmachung nach schwerlich etwas dagegen, daß Juden sterben, aber es stiert es ihr gewiß, daß sie eine Parte von einer halben Seite mit dickem Trauerrand bringen soll, worin von „israelitischer Abteilung" die Rede ist. Wie sollte sie ihre antisemitische Pose ihren genasführten Lesern anfrechterhalten, wenn sie sich nicht nur von lebenden, sondern auch von toten Inden mittels Pauschalien und Parten bestechen läßt, und nun hat sie, um diesen Eindruck bei ihren Lesern nicht aufkommen zu lassen oder doch zu verwischen, den genialen Einfall, die Parte zu fälschen und die „israelitische Abteilung" einfach zu unterschlagen, obwohl der Text des Jnseratenauftrages zweifellos diese Worte mitenthalteu -hat. Es ist nun einmal so: die „Reichspost" mag keine Juden leiden, doch ihre Parten nimmt sie gern! Das ist christlichsoziale Moral mit dem doppelten Boden und der doppelt geöffneten Tasche. * Ans Krakau wurde der „Jüd. Korrespondenz* folgendes mitgeteitt: Es findet gegenwärtig eine Umsiedlung der Flüchtlinge und der Evakuierten aus den östlichen Ländern der Monarchie nach Galizien statt. Nach der betreffenden Ministerial-Verordnung steht den Umgesiedelten eine Reihe von Erleichterungen zu, andererseits aber haben sie mannigfache Pflichten, über welche sie belehrt werden sollten. Die erwähnte Verordnung des Ministeriums des Innern bezieht sich in gleichem Maße auf die Flüchtlinge und ans die Evakuierten. Sie haben sich in den nachfolgenden Bezirken anznsiedeln: Biala, Zywiec. Oswiecim, Chrzanow. Madowice, Myslenice, Nowy Targ, Limanowa. Brzesko, Nowy Sacz, Grybow, Tarnow, Dabrowa, Mielec, Tileuo, Eorlice, Jaslo, Krosno, Slrzyzow, Ropczyce, Kolbnszowa, Tarnobrzeg, Nisko, Rzeszow, Lancnt. Przeworsk, Brzozow, Sanok, dann in den politischen Bezirken Krakau, Wieliczka und Podgorze, soweit sie sich außerhalb des Krakauer FestungsgebieteS befinden. Die Aufenthaltsorte werden von der Statthalterei nach einem im Voran» bestimmten Plane angewiesen. Die Flüchtlinge sollen entweder in Privathäusern oder in hiezu erbauten Baracken unter-

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