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Die Wahrheit · 1916-12-15 · Heft 31 (15.12.1916) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 31 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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©eite 4. Die Wahrheit Nr. 31. reichen Vorfahren Euerer Majestät zu danken haben — sorgsam Hüter' zu wollen. Zn allen Gauen des Reiches fühlt sich die jüdische Bevölkerung eins mit i h r e n M i t b ü r g e r n i lt der unwandelbaren Treue zu Kaiser und Reich, einS in der Bereitwilligkeit, Gut und Blut für Thron und Vaterland zu opfern, eins in der Freude über die ruhmreichen Erfolge unserer tapseren Armeen, eins in der stolzen Zuversicht, daß es Euerer Majestät ruhmbedeckten Armee baldigst gelingen werde, den endgiltigen Sieg über unsere Feinde zu erringen. Wir sind glücklich, die Huldigung unserer G/anbensbrüder Euerer Majestät heute zu Füßen legen zu dürfen, da erst vor wenigen Tagen die Verbündeten Armeen in unwiderstehlichem Siegesznge einen neuen heimtückischen Feind bezwangen, glücklich, daß unsere Glaubensbrüder im Heere auch hier teilhaben durften an dieser Großtat, durch welche zu Habsburgs Ruhm und Ehre das Licht der Freiheit abermals m das Land eines Feindes getragen wurde, in welchem unsere Glaubensgenossen unter entehrendem Drucke schmachten. In traditioneller Kaisertreue, in herzinniger Liebe für Eurer Majestät geheiligte^ Person sprechen wir in allen unseren Gotteshäusern vor geöffneter heiliger BnndeSlade, sprechen wir alltäglich und stündlich in der Stille unseres Hauses unser heißes Gebet: E s m ö g e G o t t, der Allmächtige, Euere Majestät aus allen Wegen beschirmen. Euerer Majestät Sieg und Ruhm und Herrlichkeit verleihen. Ihre Majestät, unsere erhab ene Kaiserin, be hüteu, I h r g ü ti g es Herz in vorbildlicher Ausübung wohltätiger Werke stärken, S e i n e k a i s e r l i ch e und könig- Nche Hoheit, d e n K r o n p r i n z e n, wachsen, gedeihen, erstarken lassen, d a s g e s a m t e H e r r s ch e rhaus iu seinen gnadenreichen Schutz nehmen! Gott erhalte, Gott beschütze unser« Kaiser Karl L, unsere Kaiserin Zita, das erhübe ne Herr scherhaus! Die Antwort des Kaisers. Seine Majestät der Kaiser erwiderte hierauf: „Die Mir und der Kaiserin von den Vertretern der israelitischen Kultusgemeinden im Namen ihrer gesamten Glaubensgenossen dargebrachte Huldigung nehmen Wir mit herzlicher Erkenntlichkeit entgegen. Die jüdische Bevökerung hat immer ihre Liebe und Anhänglichkeit an m e i u Haus und das Vaterland bewiesen und in der gegenwärtigen großen Zeit zu den unter Gottes gnädigem Beistand erzielten Erfolgen opferfreudig mit Gut. und Blut beige t r a g e u. So wie Ich von der Unerschütterlichkeit dieser patriotischen Gesinnung überzeugt bin, ebenso mögen Ihre Glaubensgenossen versichert sein, daß f i e sich in Meinen Landen der a l l e n B ü r g e r n g w ä h r l e i st e t e n R e ch t e stets uneingeschränkt werden e r f r e n e n können. Gerührt von den Segenswünschen, die Sie in Ihren Gotteshäusern für Mich und die Meinen zum Himmel senden, sagen Wir Ihnen auch sür diese fromme Bekundung Ihrer treuen Gefühle Unseren wärmsten Dank." Die huldvolle Antroort des Kaisers, mit lauter Stimme und ausdrucksvoller Betonung gesprochen, übte auf die Anwesenden den tiefsten Eindruck. Hierauf erbat sich der Präsident Dr. Stern neuerlich daS Wort, .um die Mitteilung zn erstatten, daß die israel. Kultusgemeinde R a g u s a (D u b r o v n i k), die infolge Kürze der Zeit einen Vertreter nicht mehr entsenden konnte, ihn beauftragt habe, bei der Huldigungsdepntation den unwandelbaren Gefühlen ihrer untertänigsten Treue und Ergebenheit an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Der Kaiser nahm die vorgewiesene Depesche zur Hand,' reichte sie auch der Kaiserin und beauftragte sodann den Präsidenten Dr. Alfred Stern, der Knltnsgemeinde Ragnsa seinen Dank für die bekundete patriotische Gesinnung zn übermitteln. Sowohl der Kaiser wie auch die Kaiserin reichten dem Präsidenten die Hand. Der Kaiser erkundigte sich noch bei Dr. Stern eingehend über seine Amtstätigkeit bei der Wiener israel. Kultusgemeinde und über deren Verhältnisse. Dem Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n sprach der Kaiser, indem er ihm die Hand reichte. Dank für den erteilten Segen aus. Er erkundigte sich dann eingehendst über die Dauer der Tätigkeit des Oberrabbiners in Wien und bemerkte auf die Antwort des Herrn Oberrabbiners, daß er seit 60 Jahren in Wien wirke: „Das ist eine lange Zeit." Seine Majestät ließ sich sodann die Mitglieder der Deputation vom Präsidenten Dr. Stern vorstelleu, erkundigte sich bei ihnen über ihre Privatverhältnisse und über die Verhältnisse der von denselben vrrtretenen Gemeinden oder Körperschaften und bekundete besonders lebhaftes Interesse für die Approvisionierungsfrage der einzelnen Städte, aus welchen die Vertreter gekommen sind. Beim Vizepräsidenten der Wiener israel. Knltnsgemeinde, k. k. Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, erkundigte sich der Kaiser nach der Dauer seiner Tätigkeit in der Wiener israel. Kultusgemeinde und über seine Amtswirksamkeit im Staatsdienste. Bei dem Vertreter der Prager israel. Knltnsgemeinde kais. Rat Robert Fuchs Edler von Robettin erinnerte sich der Kaiser, ihn schon vor Jahren gelegentlich einer Prager Ausstellung gesehen und gesprochen zn haben. Dem Vertreter der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft, Obmann-Stellvertreter Dr. Heinrich Rosenbau m, stellte er die Frage, ob viele Inden in Böhmen eingerückt seien. Ans die bejahende Antwort bemerkte der - Kaiser: „Sie haben sich alle sehr brav gehalten". Als auf eine ähnliche Anfrage des Kaisers der Vertreter der Brünner Kultusgemeinde, Herr Adolf H e r d a n, antwortete, daß es nahezu keine einzige Familie in Mähren mehr gebe, welche nicht ein oder mehrere Mitglieder im Kriege hätte, bemerkte der Kaiser, daß ihm dies wohlbekannt sei und daß auch viele Auszeichnungen erhalten haben. Bei dem Vertreter des „Mährisch-jüd.ischen ''LandeSmasfa-Fonds", Dr Sigmund S ch i m m e r l i n g, erkundigte sich der Kaiser nach dem BermögenSstand des Fondes. Auf die Bemerkung Dr. Schimmerlings/ daß ungefähr die Hälfte des zweieinhalb Millionen betragenden Vermögens in Kriegsanleihe angelegt sei, antwortete der Kaiser: „Das freut Mich sehr, Ich schätze Ihren Patriotismus und Ihre dynastische Treue". Zn Dr. Emil P a r n a s, k. k. Regierungs-Kommissär der Knltnsgemeinde Lemberg, bemerkte der Kaiser, daß er sich mit Freude seines Aufenthaltes in Lemberg im Jahre 1912 erinnere, worauf ihm Dr. Parnas erwiderte, daß diese Tage für alle Einwohner Lembergs, speziell aber für die Inden Lembergs, unvergeßlich sind. Den Vertreter der" Krakauer israel. Knltnsgemeinde, Herr Dr. Samuel Till es, erkannte der Kaiser sofort wieder und sagte: „Wir sind ja schon bekannt, Ich erinnere mich Ihrer ganz genau". Er erkundigte sich bei Dr. Tilles nach den Verhältnissen in Krakau und über die landwrr^ schaftlichen Verhältnisse in Galizien, insbesondere über dem Wiederaufbau der durch die Russen zerstörten Landgüter. Auch den Vertreter der Czeruowitzer Knltusg-emeinde, Landtagsabgeördneten Dr. Neumann Wender erkannte der Kaiser wieder. Er erkundigte sich bei ihm über die Lage der Bnkowinaer Flüchtlinge und gab zum Schlüsse der Hoffnung Ausdruck, daß sie bald wieder in ihre Heimat werden znrückkehren können.

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