Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 26 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion mib Ildministration: Wien, II., Nvvaragosse 27 Telephon: Redaktion Auiomai 42.888. Adminislrario» Am. 47.W4 K. k. österr. Poslsparkasso« Scheck-Konto Ä!r. 100.918. Jnfrrate: Die viermal gespaltene Ronvareille-Zeile 2ü Heller. RbounemenlSnnd JniertiouS» betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. aprcheit Aaakhängige §erkfchrist für jübifche Hirtere^eu. Erscheint jeden Areitn;;. Motto: „Das Siegel Gottea ist Wahrheit.!“ Bezugspreis: Ganzjährig.L 15.- Halbjährig.K 7.50; Für KultuSbeamte: Ganzjährig.K 10.— Für Ausland: Ganzjährig.8 Mark 6 Rubel oder 10 FrcS. Mr. 26 Wien. 6. Oktober N»I6 Inhalt: Abvnilemeuts-Eiiiladuug. — Schofarklänge. — Jüdische Erziehung. — Die Schützer der Kleinstaaten und der Menschlichkeit. — Bou der Herberge der Freiheit. — Oberkantor Professor Adolf Lazarus. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Aufruf. — Augloösterr. Bank. Abonnements-Einladung. Die geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements tür das am 1. Oktober 1916 begonnene IV. Huartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Wlattes keine Hinter vrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalbjährig Kr. 7.—, Vierteljährig Kr. 3.56. K. k. Postsparkassen-Konto 1VV.S18. Probenummern gratis zur Verfügung. Den geehrten Abonnenten und Lesern unseres Blattes wünschen wir Die Redaktion. Schofurklüuge. Du gedenkst der Weltereignisse! In Blut und Tränen ist die Welt getaucht, der furchtbare Krieg tobt weiter und fordert die schwersten Opfer. Wir sind Zeugen von so vielen Ereignissen, daß ein Tag den andern vergessen läßt, und immer neue Ereignisse stürmen auf uns ein. Nnr Gottvertrauen nnd Zuversicht halten uns aufrecht und schirmen uns in wunderbarer Weise trotz alles Elends nnd Kriegsjammers. Die wundervollen Leistungen unserer und der verbündeten Truppen unter zielbewnßter Leitung großer Männer lassen uns den tiefen Sinn des Gebetes: Atto chonen leodom daas „Dn begnadest den Menschen mit Wissen" erfassen, da wir sehen, wie der mächtige Geist über die dumpfe Materie siegt, das Problem der Zahl, der Masse durch überlegenen Geist gelöst wird. Sie zogen zu unserer Vernichtung aus, gewannen mit Geld, Lüge nnd Täuschung die Welt für sich, aber trotz aller Mittel der Gewalt und Niedertracht, der Abschließung und Beraubung haben sie uns doch nicht niedergetreten, denn über die Völker herrscht der Ewige, Wr .lenkt und leitet alle und alles und ohne Ihn kann nichts geschehen! Wie das Nelljahrsfeft Gott als Weltenkönig verherrlicht, so offenbart er sich uns immer wieder im Leben des Einzelnen und ganzer Völker als der alles bestimmende König und Gebieter, in dessen Händen wir Werkzeuge und Toil sind, in dessen Gewalt alles liegt. Von der Wiege bis znm Grabe führt uns Gott als unser König und manches, was uns früher unverständlich und unklar war, es wird uns später immer mehr als göttliche Fügung und Bestimmung klar. Wir selbst, das kleine Volk Israel, sind ein Schulbeispiel dafür, wie uns Gott immer wieder aus dem Staube anfgerichtet, gestärkt und verjüngt hat. Die Welt wird am Nenjahrstage erschaffen, diese Welt mit ihrer Schönheit und Herrlichkeit, an deren Zukunft wir dank unserer eigenen Geschichte glauben, an deren Vollendung zur höchsten sittlichen Kraft wir trotz aller Leiden und Enttäuschungen festhalten, da wir eben an uns selbst erfahren haben, daß Gott als König sie immer wieder verjüngt und aus Rauch und Trümmern neu erstehen läßt. Sanft gemahnt uns das rührende Wort daran: doedesed hoolom jibone, durch unermüdlich Liebeswerk wird die Welt erbaut. Wie viel Liebeswerk hat das Rasen des Weltkrieges geschaffen! Welch' rührenden vorbildlichen Wetteifer in allen Werken der Nächstenliebe haben die mächtigen Schofarklänge dieses Weltringens wachgerufen! Je gewaltiger die Kämpfe, der Leiden und Schrecket! des Kriegs, desto stärker auch der Schofar, die Posaune, die zur höchsten Anspornung unserer Kräfte für die Linderung aller Leiden tlnd Kümmernisse, jeder Not und Entbehrung die Menschheit aufruft. Ueberall gemahnt der gewaltige Ton der Ereignisse uns an Gottes Allmacht, an seine Unendlichkeit, der wir zustreben müssen, indem wir nur von dem einen Gedanken erfüllt sind: Gutes zu tun, zu helfen und mit aller Kraft für unser Volk nnd für die Gesamtheit zu schaffen bis ans Ende. Niemals dürfen wir uns sagen: »Wozu uns aller Vollendung Mühe, da wir doch dem Tode entgegengehen!" sondern wir müssen schaffen als ein Glied jener unendlichen Reihe, die sich ergänzt und im Dienste des Ewigen Gutes und Großes schafft, Werke von Bestand hervorbriugt, die den folgenden Geschlechtern Weckruf und Mahnung sind, der Väter würdig, immer höher und höher, dem flammenden Sinai immer