Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 24 (8.9.1916)
- Date
- 1916-09-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: Wien, II., .Novaragasse 27 Telephon: Hsakhängige Aertfchrift für jübifche Bezugspreis: Ganzjührig.K 15.-. Halbjährig.K 7.50‘ Administration Am. 47.554 Airteresseu. fl. k. Lsterr. Vostsparkasia-. Scheck-Konto Ar. 100.918. Für Kultusbeamte: Siaiizjährig.K 10.— Inserate:! Die viermal gespaltene Ronvareille-Zeile W Heller. Erscheint jeden Areitng. Für Ausland: Abonnementsnni> JnsertionS- Äanzjührig.8 Watt betrüge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist• Wahrheit!“ 6 Rubel oder lS Frc». -.—.. .! Kr 24 Wie». 8. September HM 6. I N h a l t: Säuglingsschutz. — Rumäniens Treubrnch. — Die Inden in Polen. — Jakob H. Schiff. — Schalmonith. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Aufrufe. — Oesterr.-nngar. Kantorenverein. — Feuilleton: „So a Pech." Säuglingsschuh (Nachdruck nur mit Quellenangabe.) Der neuerliche Zuzug von Kriegsflüchtlingen nach dem Westen unserer Monarchie, deren Unterbringung und Verpflegung in manchen Fällen beim besten Wohlwollen der hiezu berufenen Behörden mangelhaft ist, veranlaßt den Schreiber dieser Zeilen, auf einen Vortrag des k. k. Oberbezirksarztes. Herrn Dr. Beck in Eger, aus Anlaß einer Ausstellung für Säuglingsschntz in der Handels- und Gewerbekammer zu Eger hinzuweisen, in der Hoffnung, daß 'die goldenen Worte des Vortragenden auch zu Nützen und Frommen des Sänglingsschntzes der Flüchtlinge aus dem Osten werden. Herr Dr. Beck begann mit folgenden Worten: „In Würdigung der hohen Bedeutung des MenschennachwuchseS, da der männermordende Krieg ohne Unterlaß wütete, sah' sich das k. k. Ministerium des Innern veranlaßt, nach allen größeren Städten der Monarchie ein Wandermnsenm für Säuglingsschntz zu entsenden, in welchem den breiten Schichten der Bevölkerung die richtige Pflege und die Schäden der unrichtigen Ernährung des kleinsten Staatsbürgers vor Äugen geführt wird." An der Hand von instruktiven photographischen Aufnahmen und kunstgerechten Wachsmodellen wies er dann nach, wie auf Konto der Unwissenheit und Unkenntnis der Mütter hinsichtlich der Ernährung und Pflege des Säuglings als auch der veralteten, unzweckmäßigen Gebräuche so manches Opfer an Kinderleben zu buchen ist. Die Mutter meint, so oft das Kind schreit, soll sie die Brust oder die Flasche Hinhalten. Das ist natürlich grundfalsch. Die Ansicht, daß die jungen Beinchen straff gewickelt werden müssen, um Gleichmäßigkeit zu erlangen, ist irrig. Das Waschen des Säuglings-, mündchens — wer hatte das gemeint? — ist schädlich, mitunter auch gefährlich. Die Muttermilch ist rein und läßt keine' Speisereste zurück. . . und kommen dann die Zähnchen, so putzt man sie mit Bürste und Schlemmkreide. Kaffee und alkoholische Getränke, wovon sich die Mutter einen „Schlaferfölg" verspricht, schädigen das Nervensystem des Kindes. Der Sänglingsmagen nimmt eine gewisse Quantität von Milch ans und verdaut dieselbe in einem Zeitmaß von 3 bis 4 Stünden; schreit indessen das Kind, so ist vor allem zu sehend daß es iröckengekegt werde. Oft will sich der Gepeinigte von den Fesseln der Wickelbänder befreien und — rebettien! Die einzig richtige Ernährung des Kindes ist: die Muttermilch. Ist dieselbe jedoch unerreichbar, dann muß die Ernährung mit Kuhmilch platzgreifen. In welcher Weise die Mischung zu geschehen bade, ist an lehrreichen Tabellendarstellungen ersichtlich. Erst mit dem zehnten LebenSmonate darf reine Milch verabreicht werden. Zufütterung —: Welche Beikost dem Säuglinge gereicht werden darf, ist durch Darstellungen von Proben wie Moorrüben. Apfelmnß, Griesbrei, Obst usw. vor Augen geführt. Und schreitet die Entwicklung des Kindes nicht in zttfriedenstellender Weise fort — es wimmert, nimmt nichts an Körpergewicht zn, dann fort mit den Altweidermitteln, die nur Verpfnichnng des zarten Kindermagens zur Folge haben! Man wende sich an den einzig berufeilen Faktor auf dem Gebiete des Säuglingsschutzes — den Arzt. Die überaus interessanten Alisführnngen des Redners erregten den ungeteilten Beifall des Auditoriums. Zur besagten Ausstellung hatten Unbemittelte und Kriegsflüchtlinge unentgeltlichen Eintritt. Es wäre herzlich zn wünschen, daß dem Bestreben des Ministeriums, dem Säuglingsschntz zn nützen, überall Verständnis und Interesse entgegengebracht werde und daß die Borstehungen der Kriegsflüchtlingsfürsorge ihr Augenmerk auf diese neaenbringende Ausstellung richten. Eger, Ende August 1916. A r m i n W i l k o w i t s ch. Rumäniens Trenbrnch. Die in der Geschichte vielfach erhärtete Tatsache, daß die Behandlung der Inden in einem Laude einen verläßlichen Gradmesser für dessen Kulturstufe und für die Achtung der internationalen Verträge in demselben bildet, hat in Rumänien eine neuerliche Bestätigung gefunden, lind sehr treffend bemerkt A. Mahler in einem zeitgemäßen Rückblicke im „Jsr. Familienblatt", daß dieselbe Treulosigkeit und Arglist, die die jüngste auswärtige Politik der augenblicklichen rumänischen Machthaber erkennen ließ, ein Kennzeichen auch der inneren Politik dieses Landes, insbesondere der Judenfrage war. Das Königreich Rumänien, dessen etwa 7x/2 Millionen Einwohner benagende Bevölkerung vorwiegend dem griechisch-orthodoxen Bekenntnis angehört, wird von etwa 300.000 Juden bewohnt. Als im Jahre 1859 Moldau und Walachei als Fürstentum Rumänien unter der Oberhoheit des türkischen Sultans vereinigt wurden.