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Die Wahrheit · 1916-08-25 · Heft 23 (25.8.1916) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 23 (25.8.1916)
Date
1916-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kie Wahrheit Aaabhängige Hertfchnfi für jnöische Illiere^sell. Erscheint jeden Areitag. tlotto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Redaktion 1111b Administration r Wien, II., Nüvaragassi! 27 Televhon: Redaktion Automat 4L88S. Administration Aut. 47.854 K. k. österr. Voflsparkassa« Scheck-Konto Ar. 100.818. Inserate: Die viermal gesvaltene Ronvareille-Zeiie W Heller. . AbonneiiieiuS- und JujertiouS- . betrüge und in Wien zahlbar und klagbar. Bezugspreis: Ganzjährig.K 15.— Halbjährig.K 7 80. Für Kill tu» beamte: Ganzjährig.K 10.— Für Ausland: Ganzjährig.8 Mark 6 Rubel oder 16 Frei». -:—--- Kr 23 Wien, 23. August UH6. Inhalt: Bileam. — Die Zukunft der Kleingemeindeu. — Darf eine streng religiöse Frau das Schächteramt bekleiden? — Festgoltesdienst und Festsitzung. — Amerikanisch-jüdischer Kongreß. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton. Ktteam. Vor kurzem brachte die „Sonn- und Montags-Zeitg." eine Gegeunberstellung der Texte, in welcher gezeigt wurde, mit welch tendenziöser Verlogenheit es die. »Reichspost" unternommen hat, einen russische n militärpolitischen Erlast gegen die Inden in einen r e i ch s d e n t scheu nmzuwandeln. Den ersten Bericht brachte ein zionistisches Blatt, welches darauf hinwies, wie man es in Rußland anstellt, um das sonst als seelengut geschilderte russische Volk gegen die jüdische Bevölkerung zu hetzen, obgleich der Zar auch die Inden in seinen Heeren gegen die Kriegsgegner schickt, wo sie ihr Leben zu Hnnderttansenden im Kampfe für das stiefmütterliche Vaterland einsetzen. Wir wollen nicht untersuchen, ob der Behauptung der russischen Regierung und Militärverwaltung wahre Tatsachen zugrunde liegen, wenn sie die rnfsisch-judischen Untertanen als nnpatriotisch, staatsverräterisch und mit den Feinden sympathisierend hinstellen. Bei der langjährigen bestialischen Behandlung, welche die arme Judenheit bekanntlich in Rußland erfuhr, wäre dies gar nicht verwunderlich. Darüber macht nicht einmal die »Reichspost" den russischen Inden Borwürfe, weil sie weiß, daß sie damit den Juden in Wien keineswegs schaden kann, sondern sie beging die ungkanbkich ungeschickte Unverfrorenheit, die rnssischen Juden in reichsdeutsche nmznlügen, obgleich es ihr doch bekannt sein muß, daß Lügen kurze Beine haben. Die „Reichspost" spekuliert da wohl auf jene Winker Volkskreise, welche ausschließlich die »Reichspost" lesen. Als der Weltkrieg ansbrach, gab eS bekanntlich nach dem Ausfprnche des deutschen Kaisers in Deutschland keine Parteien mehr, sondern nur mehr Deutsche und auch in Oesterreich-Ungarn setzte man feierlich den »Burgfrieden" ein. Alle nationalen, konfesstonellen und sozialen Gegensätze sollten nun' auf Dauer des Krieges zugunsten der gemeinsamen Abwehr gegen die äußeren Feinde zurncktreten, alle inneren Zänkereien verstummen und die Kriegszensur sollte streng darüber wachen, daß der »Btrrgfrieden" von allen innerstaatlichen Gegnern respektiert werde. Gegen die Aufrichtung eines derartigen inneren Gottesfriedens im mannigfach zerklüfteten Oesterreich, mindestens währelld der harten Kriegsnot, könntet nun kein vernünftiger Mensch stichhältige Gründe einwenden, Eine solch bewußte Verdächtigung einer zahlreichen Bevölkeruugsschichte, eines großen religiösen Verbandes, in emem öffentlichen Wiener Tagblatte sollte gegenwärtig unmöglich sein und wir können uns die Tatsache gar nicht anders erklären, als daß bei der großen Arbeitslast, die gegenwärtig ans der Zensur ruht, manches übersehen werden kann, was unter anderen Umständen sicherlich inhibiert würde, denn wiederholt haben wir die Erfahrung gemacht daß die Zensllr bei Disknsfion von Fragen, die das religiös» politische Gebiet berühren, oder als Stellungnahme gegen konfessionelle oder politische Parteien anfgefaßt werden könnten, sofort den Rotstift in Aktion setzte.' Wir haben diese Beschränkung mit Rücksicht ans die gegenwärtige schwere Zeit ruhig hingenomme«. Hier zeigt sich auch, wie sehr der Mangel einer mit gesetzlicher Autorität ausgestatteten Vertretung der Juden in Oesterreich zu bedauern. Bestände derzeit schon der angeftredte Gemeindebund, so wäre dieser berufen, in dieser schweren Zeit Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft und Verunglimpfungen derselben abzuwehren und es bliebe nicht dem Einzelnen überlassen sich gegen Verdächtigungen in der gegnerischen Tagespreffe zu wehren. Die Juden Oesterreich-Ungarns waren allezeit opferwillige patriotische Staatsbürger und zeigen auch im blutigen Weltkriege allen gegenteiligen Berdächtigungsversuchen der parteimäßigen Judenfeinde zum Trotze, daß sie auch im Schützengraben und im Schtachtengerümmel heldenhaft für ihr Vaterland kämpfen und ihr Leben einsetzen können. Dies bezeugten wiederholt der gute und gerechte Kaiserpatriarch und der Thronfolger und die Versuche der Judenfeinde, diese Tatsachen zubestreiten und zu verhüllen, können nicht viel nützen. Mögen die Juden in ihrer Bereinigung mm darüber wachen, daß der »Burgfrieden" anch von ihren Feinden eingehalten werde! Die von uns erwähnte kraffe Tatsache, welche die judenfeindliche »Reichspost" vor ein paar Tagen in die Welt setzte, sollte wohl eine solche Konsequenz im . Gefolge haben. Geschieht dies, dann mnß sich der Lügenftuch der „Reichspost" schon in ihrem Munde gleich dem Fluche

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