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Die Wahrheit · 1916-08-11 · Heft 22 (11.8.1916) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 22 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Bo» Oberrabbiuer Dr. Alors Schweiger. „So spricht der Ewige Zebaoth: Das Faste» des fünften .... Monates .... soll dem Hause J"da zur Wonne und Freude werden." (Zecharja VAX 19.) Im Waffenstnrme und Kanonendonner, mitten im ungeschwüchten. ja fast noch verstärkten Sturmblasen der ehernen Kriegsdrommeten ging an diesem Tlscho-beav das zweite Kriegsjahr zur Neige. Za. vor zwei Jahren, am Tischo-beav, am Tage der tieftranrigeu Erinnerungen, da brach ans dem vulkanischen Innern Europas ein Flammenübermaß des Hasses hervor und seither saust der alles zerschmetternde Hammer des Krieges in ungeschwüchten -Stahlakkorden der Kraft auf den Ambos der Geschichte nieder. Die heraufziehenden Wolken des Blntgewitters verdttukellen mit ihren Schattenflügeln den Horizont unseres Gemütes. Das Mednsenhaupt des Krieges machte unser Herz erstarren, dünkte uns, als würden die Sterneukörper ans ihrer Bahn gerissen. Seit der Zerstörung des zweiten Tempels wurde die für uns so verhängnisvolle Jahreswende noch nie in so himmelhoher aber zugleich so abgrundtiefer Erregung gefeiert. Galt es ja nebst dem Schicksale des schwer bedrobten Vaterlandes noch demjenigen unserer östlichen Brüder. Wußten wir ja, daß die blutigsten Aufzüge dieses Weltkrieges in den von Juden so dicht bewohnten Provinzen Polens sich abspielen werden, daß dem ersten Kriegsansturme große Zentren der Thora und der jüdischen Wissenschaft zum Opfer fallen werden, die mit ihren idealen Strahlengarben ganz Israel beleuchten, daß in der Abrechnung mit dem nordischen Barbarenreiche Israels große Opfer an Gut und Blut und Wissenschaft bringen werde. Ja die herrlichen Zionselegieu Inda Halevys stimmten uns zu weit größerer Trauer über das hereinbrechende Golus. Zwei Jahre schwersten Kampfes sind dahingebraust. Wieviel glänzende Siege, wieviel blutiges Mißgeschick, wieviel Weltgeschichte zieht an unserem geistigen Äuge vorüber! Unsere Ahnungen täuschten uns nicht. Die Esauhaud des Zarismus blieb sich auch in diesen sinstern Tagen treu; treu seinen grausamen Trndit,oneu mit wahrer Henkersehre. Ueber wieviel zerstörte Heiligtümer müßten wir nicht die Elegie des „Scliaali Serufu Buesch“ anstimmen. Wieviele tausende jüdische Familienherde liegen in Trümmer, wieviele blühende Gemeinden in Golus, entrissen dem Boden ihrer Ahnen. Und dennoch! Im schrecklichsten Wuffenstnrme, da wußten wir die Windstille unserer Seele zu wahren, das Gleichgewicht des GemüleS, unser» jüdischen Optimismus. Lehrt ja die alte Tradition, daß der Tischo-beav nicht nur als F a st-, sondern anch als F e st tag (moed) zu betrachten sei, daß dieser der Geburtstag des Messias ist, der der Welt die Erlösung bringen werde. — In der Tat, wenn wir dre Geschichte der Inden sub specie aeternitafcis, unter dem Gesichtswinkel der Ewigkeit, betrachten, da gewahren wir, daß alle die großen Nationaltragödien, die dem Tischo-beaw ihr Gepräge gegeben, gleich mächtigen Marksteinen emporrageu auf den Wegscheiden der Kultur. Die traurige Folge des ersten Tischo-beav war die babylonische Diaspora. Das kühle Pathos der zeitlichen Entfernung läßt uns dieses Ereigitis klar blicken. Israel wurde da wohl gebeugt, aber nicht gebrochen. Die Rahmen seines nationalen Lebens blieben unversehrt. In Babylon wurde es von den Schlacken des Heidentums gereinigt. Ans dem Schutte des salamonischen Tempels erhob sich das Judentum als Werkzeug der Vorsehung, als Israel — als das Volk, das für feinen Eingolt kämpft. Zur Zeit des zweiten Tempels erstarkte Israel zum Hort des Monotheismus. Aber auch außerhalb Palästinas erbleichte der strahlende Götterkult. Stumm lag dse siebenfache Flöte der Satyren, mit der sie die Nymphen schreckten. Haine und Quellen entvölkerten sich nach und nach von den neckischen Spielen der Sylvanen und Nayaden. nicht mehr mengten sich die lustigen Götter des hellenischen und babylonischen Olymps unsichtbar unter die Kreise der Sterblichen. Der Götterknlt erbleichte; doch Menschenliebe und Barmherzigkeit blieben den Heiden noch fremd. Und Israel, d»e Märlyrernation, mußte sich wieder hinopfern, beu ethischen Gottesgedauken zu verwirklichen. Die heroische Tragödie des zweiten Tischo-beav war das verbindende Element, durch welches Schein seinen ethischen Ideengehalt an Japhet übergeben. Ueber den Tod des Titus, des Zerstörers des zweite» Tempels, überliefert uns der Talmud folgende Legende. Mit den heiligen Schätzen des Tempels beladen, stießen die Schiffe des siegreichen Imperators mit schwellendem Tegel von den Gestaden. Palästinas ab. In erhabener Sicherheit durchschnitten sie die grünen Wellen des mittelländische»

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