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Die Wahrheit · 1916-06-30 · Heft 19 (30.6.1916) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 19 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 10. Die Wahrheit 9? 19. Lehrbuben. Sie sangen nnv hämmerten . . . Znm Teufel die Arbeit hat auch ihren Reiz! . . . Aber ich mochte nie arbeiten, ich mache mir das Leben leichter . Ich fragte den Meister: Könnt Ihr mir bis übermorgen nenn Uhr früh ein paar Röhrenlackstiefelu fertigstellen? Ans dem feinsten russischen Lack und Roßpiegel, verstanden? „O ja!" erwiderte der Befragte; „Ihr könnt sie bis dahin haben! Wie sollen sie'gemacht sein?" Ich gab ihm genau an, wie breit die Spitzen nnd Sohlen, wie die Schäfte gefaltet nnd.gepreßt sein muffen. Er versprach mir akkurat nach meinem Wunsche die Stiesel zu verseriigen. Wir einigten uns auf den Preis von fünfunddreißig Rubel. Ich gab ihm die Adresse eines Hotels an, wohin inan mir die Schuhe zu bringen bat nnd schloß mit den Worten: Sind die Stiesel bis zur vereinbarten Stunde nicht geliefert, so kann ich ans selbe nicht weiter reflektieren. „Sie sind bis dahin längst --fertig!" beteuerte der Meister, sie werden pünktlich in eurem Besitze sein!" Ich ging ans diesem Laden fort und begab mich in die nächste Dtraße zu einem gleichwertigen Schnhmachermeister. Ich bestellte bei dem ebenfalls ein paar Röhrenstiesel und stellte dieselben Bedingungen auch an den zweiten Meister. Nur verlangte ich, daß sie mir übermorgen um halb zehn Uhr abgeltesert werden. Auch dieses Geschäft wurde perfekt. . Zur verabredeten Zeit wurde mir ins Hotel das erste Stieselpaar gebracht. Ich probierte sie. Sie paßten großartig! Ich gab dem Schnste: buben zehrt Kopeken Trinkgeld Uiid sagte: „Siebst Dil, Kerlchen, der reckte Schuh drückt mich ein wenig! Trage ihn in die Werkstätie. daß er etwas ansgeschlagen werde und laß ihii eine Sttmde ans dem Leisten. Um zehn Uhr bringst Du ihn wieder, dann bezahle ich Dich. Er ging fori und ließ, mir den linken Stiesel ohne Bedenken . . . Um halb zehn Uhr brachte man mir vom 'zweiten Schuster die Stiefel. Ich probierte sie. Sie paßten ebenfalls tadellos! Ich gab auch diesem Schnsterbnben zehn Kopeken nnd sagte ihm. daß mich der linfe Stiefel ein wenig drücke. „Geh* noch, Kerlchen, in die Werkstätie nnd laß den Schuh etwas ansschlagen. In einer Stunde komme wieder her und ich bezahle Dich." Auch dieser überließ mir den Stiesel ohne Argrvohn. So hatte ich nun einen linken und einen rechten Schuh. Wie Du siehst, fitidet mau gar keinen Uitterschied heraus! . . . Ich kann mir im Geiste die verdutzten Gesichter dr beiden Schusterbuben vorftelleu, als sie sich, der mit dem rechten und der mit dem linken Stiefel gegenüberslanden . . . Wie ich aber kombiniere, wurde ein Steckbrief gegen mich erlassen und vor einigen Tageil nahm mich hier die Polizei fest .... (Fortsetzung folgt.) Herschiedene Nachrichten Wie«. Vorigen Samstag fand im Tempel des 13. Bezirkes (Hietzing) die Barmizwafeier des Walter Z i r n e r, Sohn des Herrn Kultusvorstehers Max Z i r n e r, ferner des Fritz Haas, Sohn des Herrn Leopold Haas, sowie des Erich Löw. L>oh» des Herrn Oskar Löw, beim Jugeudgottesd reust statt. Unter den Gästen bemerkte man den Präsidenten des Tenrpelvereiues Herrn Dr.' S.- Krenberger, sowie dessen Gattin die Präsidentin des Hietziuger Franenvereines Fron Dr. Leouore Krenberger, den Tempelvorstehcr Zahnarzt Herman Kaner, sowie zahlreiche Gäste und Mitglieder des Tempelvereines. Sehr würdig rrng 1. Kantor Tonkonogi die Gebete vor, worauf Herr Rabbiner Reich an die drei Konfirmanden eine Ansprache hielt. Auch Herr Direktor Dr. S. Kreuberger richtete innige Worte an dieselben und M ermahnte sie devl Jirdentume treu zu bleiben und in ihrem späteren ’ Wirken ihren vornehmen und wohltätigen Eltern nachzustreben. Wie«. Am Sonntag, den 18. Juni 1916 fand die Schlnßfeier der Talmud-Thvraschule der türkisch-sephardischen Gemeinde im Tempelgebände statt, zu welcher außer dem Vorstände sich eine große Anzahl von Gemeiudemitgliedern samt den Damen eiufanden. Die Feier wurde mit einer äußerst wirkenden Ansprache, welche Herr Dr. Josef S a l o m im Namen des Schulvorstandes hielt, ewffnet, worauf die einzelnen Fächer des Religionsunterrichtes geprüft wurden. Es prüften die Lehrer Rabbiner-Stellvertreter N. O w a d j a, Kantor I. A l t a r a S und M. Papo und durch die präzisen Antworten der Schüler und Schüleriuneu, wurden durchwegausgezeichnete Unterrichtsresnltate konstatiert. Znm Schlüße hielt Rabbi M. Papo an die Schüler eine Ansprache luib dankte im Namen des Lehrkörpers für die Förderung der Talmud-Thora. Wien. (B e r e i n z lt r U n t e r st ü tz u n g j ü d , s ch e r K l e i ng e w e r b e hr e i b e ii d e r Wie n.) Montag, beit 5. d M.. fand in A. Barschak's Saallokalitäten die diesjährige ordentliche Generalversammlung statt. Der Vorsitzende Herr Saul K l a n s u e r widmete vor allem den im abgelanfeneu Jahre dahingeschiedeneu Mitgliedern und Gönnern warme Worte de- Gedenkens, welche zuiu Zeichen der Trauer bon den Anwesenden stehend angehörr wurden. Hierauf erstattete der Sekretär den Bericht über die Vermögens- und Kassegebahnmg des Jahres 1915. Derselbe hebt die besonders ersrenliche Tatsache hervor, daß es der Vereinsleitung im abgelanfeneu Jahre geglückt ist. eine Reihe von Persönlichkeiten für den altbewährten, segensreich wirkenden Verein zu interessieren, welche sich demselben als'nuterstützeiide Mitglieder bzw. Gönner angeschlossen haben. Diesem Umstande sei es zu danken, daß der Verein im abgelanfeneu Jahre den Ansordernngen der Armennnd Krankenpflege, der Wirweii- und Waisenfürsorge in einem so bedeutenden Umfange eiitsprechen konnte. Nack diesem bei-, fälligst aufgenommenen Berschte wurde über Antrag der Revisoren dem Vorstände das Absolntorium erteilt und der Rechuungsabichluß «n bloc angenomiilsil. Die Anträge der Vereinsleitung betreffend die Monatsbeiträge, Krallkeilttilterstütznilgen, Wltioenabfertignng rc. wurden unverändert gleich den in der vorjährigen Generalversammlung gefaßten Beschlüssen angenommen. Mit dem Wunsche, es möge den zahlreichen dem Rufe des Vaterlandes gefolgten Vereinsmitgliedern gegönnt sein, nach einer ruhmreichen Beendigung dieses Krieges heil nnd unversehrt in unserer Mitte 'znrückznkehren, wurde die Generalversammlung geschlossen. Oberhollabrunn. Dem Kantor.und Religionslehrer der Israel/ Kultttsgemeiilde in Oberhollabrunn Herrn Siqm. I e l l i n e k wurde für dessen hnmaiuläres Wirke» in der Jillernierungssiaciou Weyerburg, insbesondere aber für das anläßlich eines gottesdienstlichen Festvortrages am Ha§ d'oursr, an die Allerhöchste Kabinettskaiizlei Seiner Majestät im Namen der Israel. Schuljugend abgesandte Hnldigungstelegramm der Allerhöchste kaiserlicher Dank un Wege der h. n.-ö. Statthalrere, vom 15. Juiu 1916, Pr.-Z. 1140, bekannt gegeben. Tesche«. Unser ehrwürdiger Rabbiner Professor Dr. A. L e i md ö r f e r, der bereits vor läuverer Zeit für seitt verdienstreiches . Wirken das goldene Berdieustkreuz mit der Krone erhalten hat, ist vor Kurzem von allerhöchster Seite durch das Ritterkreuz des Frauz- Josefsordens ausgezeichnet worden. Nagy-Abony. Am zweiten Tage des Schkwuvthseftes. ist der liederreiche Mund unseres verdienstvollen Oberkantors, Herrn Leopold Roseuzweig s. A., verstummt^ dessen Verlust wir tiefschmerzlich empfinden. Der Verblichene hat sich in unser Aller Herzen ein ewiges Andenken gesichert; seuw synagogalen Gesänge werden weiterhin singen und klingen.' Die Beerdigung fand — mit Rücksicht auf den h-'.rannahenden Sabbath — am anderen Tage, Freitag, halb 3 Uhr, unter iilSgesamter Beteiligung der ganzen Bevölkerung, statt. Vertreter der anderen Konfessionen nnd der jüdischen Nachbargemeinden waren erschienen. Die Leichenfeier begann mit dem ungarischen Gesang der Jugend „Ha az Isten“ (Wenn Gott unsere Lieben abberuft). Herr Oberkantor Nathan Fried mann ans Szolnok exekutierte Psalm 16in sehr wirkungsvoller Weise. Unser Oberrabbiner Herr Dr. Nastali B l u m g r u n d würdigte dann in ergreifender Weise das gesegnete Leben und Wirken des Verblichenen. Die Rede — eine Hymne nicht nur auf den Verstorbenen, sondern auf den Kantorenstand im allgemeinen, eine Würdigung des Synagogalgesauges — wird aus allge^» meinen Wunsch bald auf Kosten der Chewrä Kadischa in Druck erscheinen. Der Sarg, der im Tempelhofe ansgebahrt war, wurde dann um Mn Tempel herum, unter Gesang des Psalms 99, zum Leichenwagen getragen. Im Friedhofe sprach Herr Rabbiner noch ein tiefgefühltes Gebet und dumpf fielen die Schollen ans den Sarg unseres Kautors, der 33 Jahre lang in unserer Gemeinde mit besonderen PflichtbewnßtsMn und schwärmerischer Liebe für seinen Berns gewirkt hat. Sein Andeuken bleibt gesegnet. Sein Werk fVlVT hat ihn in Fachkreisen einen guten Namen gesichert. — Von den noch in seinem Besitze befindlichen Exemplaren vermachte er die Hälfte dem Oesterr-uug. Kantorenvein in Wien, die andere Hälfte dem nngar. Beamtenvereln. \ ■ , Oestrrr.-imgar. Kantoren -Herein. Wir ersuchen um Begleichung der rückständigen Vereinsuiib Pflichtbeiträge, welche an den Kassier Erster Kantor S. Jurberger, II. Tempelgasse 3, zu senden-sind. Zuschriften an den Verein sind an den Präsidenten Oberkantor Jakob Baue r, Wien, H. Novaragasse 27, zu dichten.' Der Vorstand.

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