Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 19 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: Wien,- II., Novaragasir 27 Telephon; Redaktion Amouial 42.889. Administration Am. 47.654; K. k. österr. Postsparkasja- Scheck-Koillo Nr. 100.918. Jnlerate: Die viermal gespaltc»- RonpareiNe-Zeile 25 Heller. Abonnements- und JnsertionSöeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. j Ärmkhängige Aelischrifi für jäöifche i 1 Bez ugspreis: Ganzjährig.K 15.— Halbjährig.K 7.50 Interessen, 1 ' V ' Fite Kultusbeamte: .! Ganzjährig.K 10. - i Erscheint jeden Areitag. Für Ausland: Ganzjährig.8 Mart Motto: „Das Siegel (Lottes ist Wahrheit!“ 6 t)(uM ober 16 FrcS. M. 19. Aren. 30. Juni 916, Inh alt: Abviuiements-Entladlulg. — Deutschtum und Judentum. — Antike Synagogen. — Kinderheim m i!aa. — glanze.isbad im Kriege. R. Moses KayMi und R. Mose- Kolon. --- Moskowski Shuliki. — Verschiedene Nachrichten. — Oesierr.-nng. Kanroreii-Verein. Abonnements-Einladung. . Die geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Anti 1916 beginnende ill. Quartal ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Zintervrechnug erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjäyrig Kr. 14.— Kalbjäyrig Kr. 7.—, vierteljährig Kr. 3.50. K. k. Postsparkasfen-Konto 100.SL8. Probenummern gratis zuk» Verfügung. Deutschtum und Judentum. Die außerordentliche Zeit, in welcher die nalionalen Maßstäbe von der Hand. des Schicksals znrechtgerückt werden und deren Schwnng jeden emporreißt, drängt nicht nur den Kämpfer auf dem Felde, sondern auch den stillen Gelehrten mit stürmischer Kraft zur Tat. Die großen Männer sind eben die Organe des Weltgeistes, in deren Werken sich die feinsten Schwingungen der Volksseele spiegeln. So findet auch all das. was das deutsch sprechende Judentum über diesen Krieg denkt, wie anch die Erwartungen, die es hegt, wenn einst das Kriegsbeil begraben sein wird, in dem -Merkchen des scharfsinnigsten jüdischen Philosophen Hermann Cohen „Deutschtum und Judentum" seinen klarsten Ausdruck- In 45 Abschnitten behandelt der Verfasser die Punkte, in welcher der jüdische und der deutsche Knlturkreis im Laufe der Geschichte einander dnrchschneiden, sich gegenseitig befruchten, und zieht daraus den Schluß, wie sich diese zu einander zu verhalten haben. Was aber die Leser der *) „Deutschtum und Judentum" von Hermann Lohen. Verlag Töpelmann. Gießen 1915. „Bon Deutscher Zukunft" I. Stück. „Wahrheit" in dieser Kriegsschrin besonders nuevejfieieu dürfte, ist. daß Cohen mit seinem all umfnffeuDeu (Seifte auch dem jüdischen Gesänge gerecht wird und ihn glerchsum als einen der Berührungspunkte jüdischen und deutschen Geistes hinstellt. Folgen wir nun dem Gedankengange, der nebst seinem aktuellen Interesse, anch eine hervorragende philosophisW Leistling ist. Die Grundlage des Christentums ist das Judentum und die von Inden vorzüglich gepflegte alexandrinische Philosophie. Sonnt ist das Judentum mittelbar Quelle des Deutschtums. Der Nationalgeist eines Volkes spiegelt sich hauptsächlich in Religion. Philosophie und Knust. Diese drei Gebiete bekunden die Verwaudtichast jüdischen und deutschen Geistes. Die deutsche Philosophie ist Idealismus. Dieser Ausdruck muß in Platons ursprünglicher Fassung genommen werden als Methode, als Forschung. Anch das Judentum fühlte instluktiv seine Verwandschaft mit diesem griechischen Idealismus. Diese Idee verkörpert die Lichtgestalt Maimomdes, dessen Gotlesbegrisf nichts anderes als platonischer Idealismus ist. — Eine Ausstrahlung des deutschen Idealismus ist auch der Geist der deutschen Reformation, die, wie die jüdische Religion anch Verkünder, daß Religion nur die sittliche Idee verwirkliche, Reinheit der eigenen Seele fordere, und daß Religion keines Mittlers bedürfe. Ja auch die beiden Pole der Ethik Kantus, die Lehre von der Freiheit und der Pflicht, jedes Allerheiligste des deutschen Idealismus flndet der Verfasser in der Forderung, daß das Gebot Gottes mit dem freien Dienst der Ehrfurcht und der Gottesliebe zniammenwachse. Endlich in der Kunst bewährte sich der deutsche Geist hauptsächlich in Lyrik und Musik. Die Reinheit der Liederkraft schöpfte er durch Luthers Vermittlung ans den Psaltern. In der Musik, in dieser Lnftwelt des Gefühls, steht der Deutsche unübertroffen da, weil seine Musik religiösen Ursprungs ist. Auch da.iin besteht eine Verwandschaft mit" dem Judentum. Die Musik fand in dem Tempel zu Jerusalem eine Pflege, wie sie in dieser Ausbildung von keinem anderen Volke deS Altertums bekannt ist. Die originale Psalmendichtung mit ihrer ursprünglichen Lyrik forderte und schuf sich diese Musik, diese Echokraft des Gefühlsgedankens. Und dieses Leben der Musik haben die Juden auch in ihrer Zerstreuung sich zu erhalten vermocht. Die Musik blieb ihnen ein um so köstlicherer Schatz ihres bedrängten Lebens, als er in Vollendung wenigstens beinahe ausschließlich nur ihren Gottesdienst schmückte, nur ihm gleichsam die mensch-