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Die Wahrheit · 1916-06-16 · Heft 18 (16.6.1916) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 18 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die gemeinschaftliche Küche von Armin Wilkowitsch, Eger. Seit alten Zeilen spricht man von einem Kampfe, der in des Menschen Brnst zwischen dem guten und bösen Triebe ansgefochten wird, aber noch nie war dieses Bild anschaulicher, als in unserer furchtbaren Kriegszeit. Die krassesten Paradoxe: todesverachtende Heldentaten, edelste Werke der Nächstenliebe, grenzenlose Opferfrendigkeit und dem gegenüber empörende Selbstsucht, Rücksichtslosigkeit, Genuß und Prunksucht, werden in unserer Zeit trocken definiert: „Es ist Krieg!" Wir leben eben in einem Zeitalter, da ein Wechselsteber sich der halbwegs geregelten Gesellschaftsordnung bemächtigte und unsere Nerven aufpeitscht, unser Gemüt wie des Meeres Wellen aufschänmen läßt. Es sei daher bei den öfteren Amputationen am Körper unseres Kriegslebens dringend geboten, daß nicht auch ein Teil unserer Seele mit weggeschnilten werde. Diese Mahnung um Vorsicht ergeht an die Lenker unseres Staats-Apparates, die es gewiß gut mit uns meinen, allein es möge erwogen werden, daß nicht jede Operation gelingt. Da so viel des häuslichen Glückes im Kriege in die Brüche ging, so rette man vom Brande noch, was zu retten sei: Den Altar des Familienglückes, was unser sonst persidester Feind mit: „My house is my castle“ bezeichnet. Ein Schulgenosse meines Sohnes ergießt sich oft in Dithyramben gegen seine fürsorgliche Kostfran, der Kehrreim aber lautet immer gleich: So wie meine Mama kochen kann, kann sie doch nicht! Keine Frau der Welt kann so kochen, wie meine Mama! Es ist freilich ein Bespiel nur, aber wieviel Wahrheit birgt es in sich! Die Mama — wie denkt sie daran — schon vor dem Schlafengehen und zeitig am Morgen — sich die Liebe ihrer Schutzbefohlenen „durch den Magen zum Herzen" zu erringen, sie trägt dem schwachen Magen ihres Gallen, dem Darmleiden des Kindes Rechnung. Sie sucht die Lieblingsspeisen der Familienmitglieder so oft als möglich ans den Speisezettel zu bringen, kurz ans ihrem ganzen Walten atmet die nie versiegende Liebe — sie kocht mit Herz! — Und diese Liebe im Kochen füllt oft das ganze Daseinsziel einer Mutter — einer Frau — aus! Die Auerkennmng, die ihr vo«, ihren Lieben gezollt wird, gibt ihr mehr, als alles auf der Welt! Ich habe es im Massen quartier der Kriegsflüchtlinge bemerkt, wie sie sich in ihrem Elend, in ihrer Ohnmacht gegen den kommunistischen Topf auflehnten,: „Gebt uns Kartoffel und Brot nur!" so flehten sie, „aber benimmt uns nicht das Selbstbestimmnngsrecht über unseren Herd!" Und darum hoffe ich, daß sich dem Staate Tausende von liebreichen Frauenhänden zur Abwehr eutgegenstrecken werden, ehe er sein Seziermesser an einen Teil unseres FamilienkörperS ansetzt. Und die Frau hat noch stets ihren Anwalt gefunden. Die kommunistische Küche könnte nur zeitweilig als Zwangsmaßregel gelten, wie z. B. in einer belagerten Festung, muß aber außer Hnrs gesetzt werden, sobald die Möglichkeit wieder vorhanden ist. das höchste Hansglück : . „Eigener Herd ist des Goldes wert!" zu pflegen. Ist der israel. KeUgionslrhrer an dem Unfall des Glandens schuld? Biele Glaubensgenossen nehmen die unter nnS zunehmende Gleichgültigkeit gegen alles religiöse Leben, die immer häuflger erfolgenden Austritte ans dem Jndentnme znm Anlaß, den Religionslehrer für Israels Niedergang verantwortlich zu machen. Ist aber der israel. Religionslehrer wirklich am Verfalle des Glaubens schuld? In seinem Buche „Hauptgrnndsätze ans der allgemeinen Unterrichtslehre" erzählt Vernaleken. weiland Direktor dev k. k. Lehrerbildungsanstalt bei St. Anna in Wien: „Der Schulmeister von Trantenau hatte zwei Sprüche im Brauch, die er den Eltern sagte, wenn sie ihm ein Kind in die Schule brachten. Erstlich — sagte er: Allein kann ich nit ziehen, Ihr müsset mitziehen. Zweitens: Wenn Ihr mitziehet, so müßt Ihr nit rückwärts wollen, wenn ich vorwärts will." Nicht nur der Lehrer der profanen Unterrichtsgegenstände, sondern auch der Religiouslehrer ist beim Erziehnugsgeschäfte auf die Mitwirkung des Elternhauses angewiesen. Wird ihm diese Unterstützung aber auch immer zuteil? Die Erfahrung lehrt, daß die Familte nicht immer mit der Schule Hand in Hand geht, daß sie vielmehr leider oft niederreißt, was der Religiouslehrer mühsam anfgebanl. Darüber war in einem jüdischen Blatle zn lesen: „Der Religionslehrer betont die Heiligung des Sabbats, die Bedeutung der Festtage; erwärmt durch die Worte des Lehrers trifft der Schüler zn Hause die Mutter am Samstag bei der Schneiderarbeir, am Peßach beim Butterbrot, am Schwnoth beim Einpacken für

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