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Die Wahrheit · 1916-06-02 · Heft 17 (2.6.1916) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 17 (2.6.1916)
Date
1916-06-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 17. zur Steuerung des Uebels zu treffen und werden Vorläufig folgende Anordnungen erteilt: Es darf niemand einem jüdischen oder nichtjndischen Käufer auf dem Markte mit ungeziemenden und unhöflichen Worten begegnen. -- Es i»arf niemand einen Stecken oder ein spanisches Rohr tragen außer hochbetagte Leute. — Das Tragen von seidenen Hals-, tüchern, Bänder«, Westen, Roben, gepuderten Perrücken ist nicht gestattet. — Frauen dürfen nicht außerhalb des Ghetto mit reichen Hauben, Manschetten, Handlatzen, grünen Hüten, garnierten Kleidern erscheinen. Ebenso ist das Tragen von gefärbten Pantoffeln und Stöckeln verboten. Wenn jemand in einem Wagen oder Kutsche fährt, darf sich niemand hinten aufstellen. Den Uebertreteru dieser Vorschriften wird mit Geld- und Ehretistrafen auch mit Arrest gedroht. Dieses eigentümliche Dokument trägt folgende Unterschriften : Das Rabbinat: Oberrabbiner Ezechiel Landan, Mair Fischt, Inda Löb Kasfowitz, Salomon Emrich, Moses Günzburg Spira, Zosef Liberles. Der Primas: Israel, Sohn des Simon Spira Fränkel. Der Vorstand: Jakob Jsak Austerlitz. Natau Epstein, Jsak Poppers, Heinrich Ellbogen, Bezalel Sobotka. Der Beirat: Moses Michlnp, Moses Jtzeles, Elias Hadern, Simon Kuh. Simon Neustadt!, Moses Bek, Samuel Lukka. Jsak Porges, Lazar Sekeles, Jakob Mislop, Beer Ellbogen, Abraham Esraim Wehli, Markus Bnnzel, Wolf Spira Fränkel. Mendel Karpeles., Wolf Llbna Kolisch, Moses Israel Hamburger, Aron Wedeles. Wiener Kinder aufs Knud. Unter diesem Titel ist in den Tageblättern ein Aufruf erschienen, der edle Menschen bittet, arme Kinder mit aufs Land zu nehmen. Wir schließen uns demselben an, bitten jedoch bei dieser Gelegenheit unserer Hortkinder zu gedenken. Wir sind außerstande allen, die es bedürfen einen Sommeranfenthalt auf dem Lande zu verschaffen, wiewohl eine größere Anzahl schon in Ferienkolonien aufgenommeu werden dürften. Wir haben in unserem Hort gut erzogene, gesittete Knaben und Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren, von denen viele schwächlich, aber sonst gesund sind, so daß ihre Mitj nähme durchaus keine Gefahr für ihre Umgebung mit sich bringt, für sie selbst aber ein Segen wäre. Gefällige Anträge erbitten wir uns an die Adresse nuferes geschäftssührenden Obmann-Stellverrreters des Herrn Karl Freund, Wien, 2. Bezirk, Praterftraße 70, zu richten. Gleichzeitig teilen wir mit, daß wir unS durch die Zeitverhältnisse genötigt sehen, trotz der nicht gerade glänzenden materiellen Lage unseres Vereines den Betrieb unserer Horte in dem „I o s e f i n e M e n d l - W o h l f a h r t s h a n s e, 20. Bezirk, Denisgasse 33. auch während der Ferienzeit aufrecht zu erhalten, ja sogar zu erweitern und sind auch bereit andere aufsichtsbedürftige Kinder in unsere Obhut zn nehmen. Diesbezügliche Gesuche sind an die Adresse unseres Hortes: 20. Bezirk, Deuisgaffe 33, zn richten. In Vertretung deS Vorstandes: Prof. S. K n h n er. Karl Frenn d. Kerschicdene Nachrichten. Wie«. (Auszeichn u n g.) Der Kaiser hat dem Eigentümer und Herausgeber der „Korrespondenz Wilhelm", kaiserlichem Rat Ignaz Wilhelm, den Titel eiues Regier» »gsrates verliehen. Wie«. Im 73. Lebensjahre wurde Herr Adolf RoseIlfeld, städl. Lehrer i. R. und Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeiude, am 25. l. I. zur ewigen Ruhe bestattet. Ehrw. Rabbiner Dr. T a g l l ch t würdigte in herrlicher Grabrede die Eigenschaften des Verblichenen als vorbildlichen Lehrers und stets der Arbeit hiugegebenen Menschen, als Gatten und Vater. Inspektor Prof. K a u i tz gedachte in einem überaus herzlichen Nachruf unter anderem der Verdienste feines langjährigen Freundes um die jüdische Schuljugend und hob dessen wohltätiges Interesse für arme hilfsbedürftige Schüler hervor. Seitens der Angehörigen nahm der Schwiegersohn, Dr. Färbet- Mähr.-Ostra», tiefbewegt Abschied vom treuen Falnilieiioberhaupte, Herr Salti Cohn, Präsident der Chewra-Kadischa, richtete in Vertretung z»es Kultusvorstandes Worte des Dankes an den Toten und des Trostes an die trauernde Familie. — Mit Adolf Rosenfeld s. A. ist ein bedeutender Mann, ein vollendeter Charakter dahingegangen' ein braver Jude, ein vielseitig gebildeter und bestbewährter Pädagoge, ein fürsorglicher Gatte und zärtlicher Vater. Er hat sich in weiten Kreisen einer seltenen Wertschätzung und Beliebtheit erfreut. Sein Au- * denken werden alle, die ihn kannten. in Ehren halten. n*D'S'3'n!. Wie«. (D i e 43. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" z» Wien) findet Montag, den 5. Juni 191.6, abends 6 Uhr, int Saale der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, statt. Tagesordnung : 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1915; 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1915; 3. Kooptation eines Vorstandsmitgliedes; 4. Wahl von Ä Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Funktionsdaner an Stelle der turnusmäßig ausscheideuden Mitglieder; 5. Etwaige Anträge der p. t. Mitglieder i§ 8 der Statuten). Der Jahresbericht wird in den nächsten Pagen an. die Mitglieder in Wien direkt, an die auswärtigen Mitglieder durch Vermittlung der Leitung dkr Filialen und Vertrauensmänner übersandte Für die außerhalb Wiens wohnenden Mitglieder gilt die Bekanntmachung in den Blättern zugleich als Einladung und die Mitgliedskarte als Legitimation. Budapest. (G e ii e r alversam m 1 ung der P e st e r israel. K u l t u s g e m e i n d e.) Die Pester Israel. Knltusgemeinde hielt am 21. Mai l. I. ihre Jahresversammlung ab. Präsident Lndw. Adler beglückwünschte mit einer schwungvollen Eröffnungsrede die sehr zahlreich Versammelten. Er schilderte die außerordentlichen Schwierigkeiten, denen der Krieg die Gemeinde ausgesetzt hat. Es wurde ein Antrag hinsichtlich der Verschiebung der Gemeindewahleil wegen des Krieges, sowie der Antrag über die Modifizirung der Staturen in dem Sinne, daß das Maximum der Kulmsstener mit zehntausend Kronen pro Jahr festgestellt werde, angenommen. Aus dem Jahresberichts sind folgende Daten zn erwähnen: Die Familie des verstorbenen Barons Josef Hatvaui hat für die Zwecke einer Heilanstalt 100.000 Krone« gespendet. Die Gemeinde hat für eigene und für die Rechnung des Knabeuwaisenfonds bei den ersten drei Kriegsanleihen 912.000 Kronengespendet. Die Zeichnung ans die vierte Kriegsanleihe beträgt 250.000' Kronen. Den Gemeindebeamten wurden Teuerungsbeiträge von 25 Percent ihres Gehaltes bewilligt. Die Kosten der Unter» ichtsaustalten der Gemeinde betrugen 600.000 Kronen, die Spitäler und die Armenkrankenpflege 820.000 Kronen. Die Zernnomalinstitutionen: Tempels Synagogen, Rabbiner rc. 320.000 Kronen. Für die Deckung dieser Ribsensumme sind die Mittel vorhanden. Kiteratur.! vor jüdische Kriegsgefangene. Os liegen uns zwei blaue Hefte in Fotiosormat vor, welche ganz sicher in der Kriegsliteratur und insbesondere in der jüdischen Kriegsliteratür eine höchst interessante Seltenheit bilden werden. Die Zeitschrift heißt: „Der jüdische Kriegsgefangene", die monatlich im Kriegsgefangenenlager Somorja (Ungarn) eäscheint. Als Herausgeber zeichnen: die Bibliorhekgesellschaft der jüdischen Kriegsgefangenen und die jüdische Bildnugsgeselljchaft „Jugend", beide im Kriegsgefangenenlager Somorja. Das Februarheft enthält 36, das Märzheft 24 mit hebräischen Schristzeichen dicht geschriebene hektografierte Seiten, in welchen überaus gehaltvolle Beiträge uns nicht nur über das äußere Leben im Lager, sondern auch über die Stimmung der Gefangenen'unterrichteten. Ans der ersten Seite ist ein Protest gegen die Verfolgungen, Grausamkeiten und Knebelungen der Inden durch die russische/ Regierung abgedrückt. Der Protest, der in sehr scharfen Worten geschrieben ist, wendet sich an die zivilisierte Menschheit mit der Bitte um Hilfe. Von publizistischenr Artikeln sind erwähnenswert: „Die jüdische Volksschule" und „Das^jüdische Theater in Rußland", ein Aufsatz über Almosen, die Sprachenfrage und eine Resolution der Anhänger der yiddischeu Sprache. Die Belletristik ist mit emigen originellen Gedichten vertreten. Einige Stimmungsbilder und ent Feuilleton über Kriegseindrücke schließen das Heft. Das Interessanteste ist natürlich die Lagerchronik. Am 7.,-und 8. Jänner wurde das Lager von einer Roten-Kreuz-Schwester ans Rußland besichtigt. Auf eine Frage, ob es wahr sei, daß in Rußland Pogrome stattfindeit, antwortete die Santax riterin: „Mir ist davon nichts bekannt, ich. glaubeaber, die Regierung wird die Familien derer, welche für siei gekämpft hatten, beschützen. Schani nur zu, daß ihr hier mit euern nichtjüdischen Kameraden gut lebt." Am 17. Jänner sind sämtliche Juden infolge der Verordnung^ des k. u. k. Kriegsministeriums in eine Baracke überführt worden imfr haben als Kommandanten den Kriegsgefangenen Saßlawski gewählt. Am 11. Februar wurde im Lager eigenes Papiergeld eingefühct. Am 31. Jänner ist die vierte Gruppe von 92 Invaliden, darunter eiir Jude, nach Rußland zurückgekehrt. Den nenn verstorbenen Kollegen' wird ans dem jüdischen Friedhof von Somorja ei» Grabstein mit jüdischer und hebräischer Aufschrift gestellt werden. Die Bibliothekverwaltung hatte am 14. Dezember 1913 bis 15. Februar 1914 25 Sitzungen abgehalten. Auch eine eigene Krankenkasse besteht int Lager, deren Kaffenbestand 472 Kronen beträgt. Am 9. und'10. Januar

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