Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 16 (26.5.1916)
- Date
- 1916-05-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite S. Die Wahrheit Nr. 16. Nerschiedene Nachrichten Wie«. Biele Freunde des am 21. Mai im 82. Lebensjahre verstorbenen Religionsjchulinspektors i. P. Dr. Leop. Langfelder gaben diesem am Dienstag am Wiener Zentralfriedhofe das letzte Geleite. Herr Rabbiner Dr. Ta glicht gab in beredter Weise dem Verluste Ausdruck über das Hinscheiden dieses verdienten Schulmannes. Rach ihm sprachen Prof. M. K a n i tz als Schuliuspektor und im Namen der „Palme" und zum Schluffe Inspektor Rabbiner Doktor Rosen manu namens des ReligionslehrerverbaudZs an Mittelschulen; es waren rührende Worte, die riefen Eindruck machten. Erster Kautor Schleifer versah, assistiert vom Tempelchor, die kautorale Funktion. Tie Herren Vertreter Salo K o h n und Eduard Schwarz mir Herrn Sekretär Dr. Adler vertraten die Kulmsgemeiude. So mögen der Verewigte, der als Förderer der Wohltätigkeit auch gerühmt wurde, sanft ruhe»! Wie«. Freitag den 19. d. wurde Herr Max Eifenberger k. t. Kommerzialrat, Chef der Firnra S. Eisenberger, Wieu-Nen- Rettendorf. Zensor der Oesterreichisch-nugarischen Bank, Ehrenbürger von Neu-Retreudorf (Königreich, erster Teil) usw., einem letztwilligeu Wunsche gemäß in aller Stille bestattet. Ern hochangesehener Industrieller, ein värerl'chsr Freund seiner Angestellten und Arbeiter ist mit ibul dahingegangen. Zahlreiche gemeinnützige Vereine und Wohltätigkeilsinstitmioiieu verlieren m ihm einen eifrigen Förderer. Wie« Am 14. Mai wurde der hier als Flüchtling verstorbene Oberkantor Drnbitsch ^ons Brody zu Grabe getragen. An dem Leichenbegängnisse nahmen teil: der Präsident des Oesterr.-ungar. Kantoren- Vereines Oberkautor Bauer und Vizepräsident Oberkantor Morgenstern. Erster Kantor Malyas, die Kantoren Kontniogl und Kirschner und eine Abordnung des Brodyer Vereines in Wien. Die kantorale Fullktton versah in erhebender Weise Kantor Smotritzky. Am Grabe rezitierte Oberkantor Morgenstern das „DI mole rachamim“.- Wie«. Der Chefarzt des Reservespitales, II. Malzgaffe 7, lkaiferl. Rat Dr. S. Kröger, ist znm Stabsarzt befördert worden. Wie«. (Errichtung eines K r i e g s rv a i s e n h e i m e s.) * Der Vorstand des Vereines „Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und . Arbeikerinuen-Heim", welcher seil 20 Jahren in Wien besteht und auf dem Gebiete der Jugendfürsorge schon Ersprießliches geleistet hat, hat geleitet von dem Bestreben, das traurige Los der leider nur allzu zahlreichen Kriegswalseu nach Möglichkeit zu lindern, in seiner letzten Geueralversauimlung beschloffeu, daß au sein „Lehrmädchen- und Arbeiterinneu-Heim", II. Malzgaffe 7, anstoßende Hans anzukaufen und letzteres m ein Kriegswaifenheim umzuwaudel». Bereits un Mai 1916 soll mit den Adaptieruugsarbeiten begonnen werden, so daß das Haus schon im Herbste dieses Jahres seiner Bestiuimung zugeführt werden kann. In diesem neuen Haufe werden zirka 80 Waisenkinder uach gefallenen Kriegern im Alter von 8 bis 14 Jahren ein Heim finden, volle Verpflegung, Bekleidung und Erziehung unentgeltlich erhalten und die in der nächsten Nähe befindlichen Schulen besuchen. Nach Absolvierung der Volks- und Bürgerschule können diese Schützlinge in das „Lehrmädchen-Helm" des Vereines ausgenommen werdeik, fo daß fie einem ihren Fähigkeiten entsprechenden Berufe zngeführt werden. Die uach Bollendlmg ihrer Lehrzeit zu Arbeiterinnen oder sonstigen Berufen ausgebilderen Mädchen verbleiben in dem dem Lehrmädchen-Heime ungegliederten Ar beltkrulneil-Heim solange, bis sie in der Lage find, sich selbst zu erhalten. Die dem Schutze des Vereines anvertrauten Waisenkinder haben sonach die Möglichkeit, in den Heimstätten des Bernncs von ihrem 8. bis zirka 20. Lebensjahre zu verbleiben. Der Verein, der mit Bewilligung der k. k. n.-ö. Statthalterei nunmehr den Namen „Kaiserin Elisabeth-Heim für Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen" führt, erbittet sich das geschätzte Jitlereffe und Wohlwollen aller edlen Menschenfreunde für ferne eunueur sozial-humanitären Institutionen, deren Ausgestaltung noch große Mitteln erfordern wird. Jede Spende an Naturalien, Wäsche, Kleidungsstücken, Eulrichtungsgegeusländen usw. werden mit großem Danke eutgegeugenommeu, ebenso können Anmeldungen zum Beitritt als Mitglied in der Verernskanzlei, II. Malzgaffe 7/ ersolgen- Wie«. (Wohltätigkeits - Vorstellung der „Jüdischen Bühne" für das Rote Kreuz.) Die durch ihre vorzüglichen Darblelnugen bestens bekannte „Jüdische Bühne" in Wien, II. Tadorstraße 12 (Hotel Stefanie) veranstaltete am Montag, den 15. Mai eine Wohltätigkeits-Vorstellung zugunsten des Zweigvereiues Wien-Leopoldstadt vom Roten Kreuze mit dem nicht unbeträchtlichen Reinerträge von K 501*74. Um die Vorstellung — „Herz und Hand fürs Vaterland" von Meisl, Musik von Wolfstar — haben sich außer dem Direktor S. Podzamcze, dem Reglffeur I. R e , ßm a n u und den Dome» Elise Gras - W eintraub, Paula Dreiblatt und Tom Reißmaun. sämtliche Mitmirkeude verdient gemacht. Estergou» Die hiesige Kttltttsgemeinde feierte am 23. Avril des hier seit 25 Jahren amtierenden Kantor Adolf G r ü n h u t. Der ~ Jubilar wurde um 11 Uhr vormittags durch eine Deputation der im Gemeindesaale veranstalteten Plenarversammlung abgeholt, wo der Präsident Herr Dr. Berenyi Zoltan in einer groß angelegten Rede unter allgemeinem Beifalle die Verdienste des Jubilars als Kantvr würdigte und demselben im Namen der Gemeinde ein wertvolles Geschenk überreichte. Herr Oberrabbiner Armin Spigcl begrüßte dann den Jubilar mit einer inhaltreichen hebräischen Ansprache und übergab ihm einen hiezu verfertigten Akt, mit melchem .ihm der Morenu-Titel verliehen »oürde. Herr B l n m s ch e i n Lipot, Repräsentant, würdigte daun ebenfalls die Verdienste des Jubilars und beantragtes denselben als Rabbiner-Stellvertreter zn akzeptieren. Der Antrag wurde einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Nach einem vom Herrn Kantor Samuel Polo ko w s-ky mit großem Beifalle vorgetragenen Mischeberach hielt daun der'Jubilar eine Ansprache au die Versammlung, in welcher er mit geistreichen Worten die großen Verdieilste seiner Gemeinde schilderte. Am nächsten Tag fand eine gottesdienstliche Feier im Tempel statt. Kolome«. Die hiesige israel. Kulrusgemeinde hat anläßlich des Peffachfestes in großmütigster Weise sür die jüdischen Soldaten gesorgt und während der acht Tage 350 bis 400 jüdische Soldaten ausgespeist. Im jüdischen Versorgullgshaus wurden drei Säle zu Speisezimmer, adaptiert und da diese nicht ausreichten, erfolgte die Ansspeisnng in mehreren Serien. Am ersten Sederabend, zu welchem ich leider infolge meines Dienstes erst etwas später kommen konnte, war der Seder schon in vollem Gang. Ich gehörte zu den Spätgekvmmeuen, die warten mußten bis Platz wurde nnd harte Zeit und Muße das wunderbare Bild zu betrachten. Es war erfreut und erhebend, wie alle Soldaten in die ihnen von der Gemeinde gespendete Hagada vertieft waren. Auch jüdische Offiziere waren zahlreich vertreten. Nachdem für die Wartendeli, unter denen auch ich mich befand, Platz gemacht worden war, niachte ich einen ' sehr hübschen Kidusch und dadurch verriet ich mich, daß ich Kantor sei. Die Leute wollten dann, daß ich vorbeten solle, aber ich konnte leider diesem Wuilsche nicht Nachkommen, da ich dienstlich verhindert war nnd in meiner Aufregung auch hiezu--die Stimmung nicht hatte. So war es auch aul zweiten Sederabend. Das Essen war sehr schmackhaft nnd ausreichend und manche Soldaten, die es wünschten, bekamen auch zwei und drei Portionen. Mau gab den Leuten über ganz Peffach Frühstück, Mittag und Nachtmal; an die Soldaten, die nicht hinkommen konnten, wurden alle Malzeiten ins Spital oder Kaserne geschickt. Die Bedienung hatten die Damen und Herren der hiesigen, besten Gesellschaft übernommen. Es war rührend zu sehen, wie die jungen Damen und Mädchen zn "jedem einzelnen hiilgiiigen und ihn fragten, ob er schon alles gehabt nnd ob er noch irgend einen Wunsch hätte, der nach Tunlichkeit ersüllt wurde. Um diese großartige Institution haben sich insbesondere verbleiet gemacht die israel Kultusgeineinde, an der Spitze der Präses Herr Dr. Landau, Vorsteher Aba Hammer und Frau, die Verwalterin des Bersorgungsheimes Frau Paisach, die Neliglonslehrer Juris und Kern, sowie vieie Damen nnd Herren des Komitees. Ich erachtete es als meine Pflicht, im Namen aller jüdischen Soldaten der israelitischen Kultnsgemeinde Kolonie«, sowie allen, die zu diesem schönen Werke beigetragen, hier öffentlichen Dank äbznstatten. Oberkantor Joses S chlesin g er aus Wien,, derzeit: Sarkitätssoldat nt Sioiomea. Oesterr.-ungar Kantoren-Uerein. Die geehrten Herren Mitglieder werden ersticht, hie restlichen Vereinsnnd Pflichtbeiträge umgehend an den Verein.skassier Elster Kantor S. Jnrberger, iX Tempetgasse, einsenden zn wollen. Zuschriften und Mitgliedsäumeldungen sind an den Präsidenten Oberkantor Jakob Bauer, Wien, II. Novaragasse 27, zu richten. (Anfnahmsgebühr vier Kronen. — Jahresbeitrag acht Kronen.) -i- * S a m m l u n g für die Ka n t o rs wi t w e F ra n S ar a Drubit s ch ans Brody durch die Herren Kantoren Kirsch n e r inib Tonkongi. Stift K 2, MatyLs 5, Morgenstern 5, Bassel 1, Smotritzky 2, Bauer 3, Kirschner 4, Tonkongi 2, Schnee" weis 1, Maschtisko 2, Horn 2, Ramres 1, Klemfer 1, Kupsermann 1, Torczywer 2, Tempelvereür „Beth-Jsrael" 10, Oesterr.-ung. Kantoren-Perein 20, Wohltat. Aktion Don Fuchs 30 Kronen. I . ■ . Weitere Spenden übernimmt das Präsidium des Oesterr.-ung. Kantoren-Vereines, Wien, II. Novaragasse 27.