Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 11 (7.4.1916)
- Date
- 1916-04-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 10. Wie«. (O e st e r r e , ch i s ch e Z e n t r a l b o d e » k r e d i tb a uk.) Ju der am 30. März abgehalteneu Berwaltnngsratssitzung der Oesterreichuchen Zeutralbodenkreditbaiik wurde die Bilanz für das Jahr 1915 festgeßellr. Dieselbe schließt nach Einstellung einer weiteren Kriegsverlustreserve von KI 200.000, wodurch letztere ans den Betrag von K 600.000 erhöht erscheint, mit einem Gewinn von K 857.672 K 102.687 gegen 1914) und nach Abrechnung des Gewinnvortroges vün 1914 mit einem Reingewinn von KI 749.946 (~}-K 240.911 gegen 1914). Es wurde beschlossen, in der Generalversammlung den Antrag zu stellen, nach statutenmäßiger Dotierung des ordentliche» Reservefonds und Zuweisung des Betrages von K 40.000 au den Penfionssonds der Angestellten, die Dividende pro 1915 mit 7 Prozent — K 28 per Aktie (gegen 6 Prozent K 24 im Vorjahres zu bestimmen und den Gewinnrest von K 170.185 gegen K 107.726 im Vorjahre auf Rechnung des Jahres 1916 vorzutragen. Wie«. (Aufruf). Für eine Unglückliche, die sich in größter Not befindet, Mutter von drei Kindern, deren Manu im Felde steht und überdies eine alte Mutter zu ernähren hat, werdert edle Menschen um Unterstützung, eventuell Kleider und Wäsche, gebeten. Wäsche uud Geldsendungen überulmmr für die arme Familie Max Schwager, Wien, II., Zrrkusgasse 50. Ho lies. Am 19. März, am Purimtage, verschied im Älter von 7H Jahren Herr Salamon Fanto, Borsteher der Chewra-Kadischa. An> 21. wurde er unter allgemeiner Teilnahme zur letzten Ruhe begleitet. Das Leichenbegängnis war eine imposante Kundgebung -der Hochachtung und Wertschätzung, welcher er sich ini Leben ersreute. Zur Abhaltung der Trauerrede wurde Herr Bezirksrobbiner L. Marmor stein aus Szenicze berufen, der, wie gewöhnlich, in vorzüglicher Weise seine Aufgabe löste uud einen allgemeinen Beifall erzielte. Die kautorale Funktion versah in erhebender Form Herr Ahrahamsohn, Oberkantor in Holics. Literatur. Heinrich Heine, Der deutsche Jude, von Max Fischer, 1916, Stuttgart uud Berlin, J.G. Corta'sche Buchhandlung Nachfolger. 1.—8. Tausend. 64 S. Kl. 6" Prbd. 80 Psg. In Heines Dichtungen, die uns seiu Leben im Lichte der künstlerischen Wahrheit wiederspiegeln, ist überall das jüdische Element zu finden, das in dieser oder jener Form, direkt oder indirekt immer zum Ausdruck kommt. Auf dem jüdischen Grund wuchs mit ihm seine nie Versiegende Liebe zum jüdischen Volke; ihm entsproß Heines Witz und Ironie, die wie prachtvolle, farbenreiche Tauperlen in seinen Gedichten und Schilderungen kunstvoll verstreut siud; ihm verdankte Heine seine originellen Anschauungen über Poesie, Welt und Philosophie; ans dem uuerschöpfbareu Born der Bibel holte er die schönsten Lotosblumen, uur mit ihnen den Garten seiner Dichtkuiist lieblich uud an,nutsvoll zu schmücken; im jüdischen Element liegt die Tiefeseiner Leidenschaften, die Sphinxartigkeit seines widerspruchsvollen Charakters, die Anmut seines Aeußern und der Liebreiz seines Innern. Kurzum, welche Seite immer wir in dem zauberhaften und bezaubernden Instrument seiner Dichtkmist berühren, immer erklingt ein und derselbe Grundakkord : das jüdische Element. Paralleldaneben lauft aber seine Liebe zu deutschem Wesen und deutscher Kultur. Mit berechtigtem Stolze mochte der selbst gleich feinem großem Antipoden Ludwig Börne (Briefe auS Paris, 7. Februar 1832 Nr. 26 bez. 74) bekennen. „Ich wäre ja nicht wert, das Licht der Sonne zu genießen, wenn ich die große Gnade, die mir Gott erzeigt, mich zugleich ein Deutscher uud ein Jude werden zu laffen, mit schnöden Murren bezahlte — wegen eines Spottes deu ich immer verachtet, wegen Leiden, die ich längst verschmerzt. Nein, ich weiß daS unverdiente Glück zu schätzen, zugleich ein Deutscher und ein Jude zu seiu, nach allen Tugenden der Demschen streben zu können, und doch keinen ihrer Fehler zu teilen". Nur verständnislose oder böswillige Beurteiler konnten an der Echtheit und Aufrichtigkeit solcher Geständnisse zweifeln. Max Fischers Ausführungen dringen nicht nur zu den letzten Wurzeln des Dichters und Menschen Heinrich Heine, sie verstehen es auch, das wahrhaft Zeitgemäße seiner tragischen Persönlichkeit zu unterstreichen. „Heimatlos, wie er gelebt hatte, würde er auch sterben — Heine wußte das. Er hatte sich, losgeriffen von dem Wurzelboden, dem er entsproß, aber er hatte nirgends eine neue Heimat finden können. Er hatte Deutschland geliebt aus starker Sehnsucht, er hotte der deutschen Sprache neue Töne entlockt — und er war doch mckt ganz ein Deutscher geworden uud nach Paris gegangen ins .Exil. Er fühlte sich der Lebensart und dem Esprit der Franzosen nahe — und er wurde doch kein rechter Franzose. War m seinem Leben nicht etwas von der Wanderschaft des ewigen Ahasver? Eine unstillbare Sehnsucht, die nie zu Erfüllung reifte? Litt er nicht unser dem „nie abwaschbaren Juden"? Das ganze Leid seines Volkes, das er stark empfunden, war in ihm zu persönlichem Geschick geworden. Das Bild seines nurastvollen und heimatlosen Volkes, das durch eigene Schuld und fremde Not ruhelos nute und doch sich nicht verleugnen konnte". „Wird einst die Zelt, die ew'geu Göttin tilgen Das dunkle Weh, das sich vererbt vom Vater Herunter ans den Sohn — wird einst der Enkel Genese» uud vernünftig sein uud glücklich?" Otto Renger. Deutsche Stilkunst öoit Eduard Engel mit 18 Handschriften. 82.—24. Austage,.22.—27. Tausend. Wien, F. Tempsky, Leipzig Freytag 1914, 501 Seiten 6 K. Noch.sind keine zwei Jahre seit dem Erscheinen dieses Buches verflossen und schpn siegt uns die vierundzwanzigste Auflage vor. Es ist an sich ein erfreuliches Zeichen, daß ein Werk so viel Nachfrage findet, das von der Kunst, ein ordentliches Deutsch zu schreiben, handelt, doppelt erfreulich, daß gerade dieses Werk den Erfolg auch verdient. Der Verfaffer bietet uns nicht eine Stilistik im gewöhnlichen Sinne, Mit schönen Regeln und gelehrten Erörterungen über Tropen und Figuren, die durch die dürre Aiisdruckswelse der Grammatik eher abstoßend als anziehend wirken, sondern eine „deutsche Stilknnst", deren Hauptaufgaben Eduard. Engel im folgenden sogleich seine Verfahren bezeichnenden Worten charakterisiert: „Gegen brandige Wunden wie die Fremdwörterei hilft nur das glühende Eisen des Zornes; gegen den Gesichter schneidenden Veitstanz des prezchsen Geschnörkels nur der derbe Prügel; gegen die Affenschande des französelnden gebilderen Hausknechts nur-der Höllenstein beißenden Hohnes". Das erste Buch behandelt „Grundfragen", das zweite „Die deutsche Sprache", das dritte deu „Ausdruck", das vierte und fünfte „Die Fremdwörterei" das sechste den „Satz", dgs siebente den „Aufbau", das achte den „Ton"^ das neunte „Die Schönheit", das zehnte „Stilgattungen" — stofflich so viel, daß man den Inhalt nicht des einzelnen Abschnittes sondern beinahe jede Seife ausschreiben müßte, um nur einen Begriff zu geben. Seit dem geistreichen Versuche „lieber Schriststellerei und Stil" in Schopenhauers „Parerga und Paralipomena" und vielleicht noch seit Edward Schröders Büchlein „Vom papierenen Stil" ist nicht so kräftig Förderndes über den Gegenstand geschrieben worden wie das vorliegende Buch. Der Verfaffer hat den Mut der „Ueberzeugung" und den Muth des „Fehlens". Wenn seine Kritik vor großen Namen nicht Halt macht, mögen ihm das die Träger kleiner Namen ankreiden; mau denkt darum nicht geringer von einem bedeutenden Mann, wenn man seine „Manier als Manier" verwirft, man schreibt nicht über die Kritik, wenn man unter der Kritik schreibt. Wir gehen noch weiter: Mag man in dem oder jenem einzelnen Punkt' die Ansichten Engels nicht teilen oder sie für gar zu schroff ausgedrückt halten, das Buch als Ganzes, die Grundanschauungen, die es vertritt wird jeder dankbar und freudig anerkennen, dem die Pflege der deutschen Sprache eine Herzenssache ist, und das von der Verlagsbuchhandlung auch äußerlich schön.ausgestattete Werk mit Stolz, auf seinem Schreibtisch stellen und — fleißig benützen. Gustav Sawoht. Gcfterr.-nnyar. Kantoren -Uerein. Die geehrten Vereinsmitglieder werden ersucht, den Pflichtbeitrag, für die invalid gewordenen alten Mitglieder,, die Herren Schönfeld, Tab und Kohn, Horowitz, umgehend an den Vereinskassier, Herrn Erster Kantor S. Jurberger, II., Tempelgasse 3, senden zu wollen. Die Herren Kollege n, welche N i ch t m i tglieder sind, werden ebenfalls ersucht, sich mit einem. Beitrage-zu beteiligen, damit es denk Vorstande ermöglicht wird, einen größeren Jnvaliditätsbetrag bewilligen zu können, Zuschriften sind an den Präsidenten Oberkailtor I. Bauer. H. Novaragasse 27 zu richten. Der Vorstand des Oesterr.-ungar Kantoren-Vereines. Eingänge: S. Düumann (4 u. 10) K 14; Ad. Löwy, Kohljanpwitz 4; Jura, Baden (4 u. 2) 6; I. Bauer, Wien 8; B. Singer, Jllngbilnzlau 6; M. Matjas. Wien 38; Kultusgemeinde Nagy-Kanisza 200; Leop. Blum, Schlau 4; M. Kohn, M.-Budwitz 9; M. Siugerutann, Troppau 10; Kultusgemeinde XIH. 20; S. Jellinek, Hollabrunn 13; Ph. Bassel, Wien 4; Jg. Saller, Breitenbrnnn 4; L. Kraus, Essegg 8; S. Jurberger, Wien 4; I. Schönfeld, Tab (2 u. 10) 12; Ad. Lederer, Eger 4; «. Handgriff, Znaim 6; Tempelverein V. Bez., Wien 10; Chor in Teschen 6; Kürschner, Wien 6; Stift, Wien 10; H. MgYrowitsch, Wien 6; H. Bernau, B. Leipq 8; Fr, Telsch, Wien, 4; Jg. Saller, Breitenbrunn, 4; B. Singer iJnngbuüzlan, 2; I. Schlechter 8.