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Die Wahrheit · 1916-03-24 · Heft 10 (24.3.1916) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 10 (24.3.1916)
Date
1916-03-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 10. „ Die Wahrheit krieg, senderu eine Weltjagd genannt zu werden, denn trotz der Niederlagen, die die Ententemächte dis jetzt erlitten, hören sie nicht auf, hunderttausende ihrer Landeskinder zur Schlachtbank zu jagen und nnnntzerweise soviel Menschenblut zu vergießen. Möge der Allgmige den Zeniralinächten weiter beisteheu, damit es ihnen in Bälde gelinge, einen glänzenden dauernden Frieden zum Heil und Wohl der Menschheit zu erringen. I s ch I e h u d i Verschiedene Nachrichten. Wien. Mittwoch, den 15. d. M. ist der Beamte de- Matrikelamtes der Wiener Knltusgemeinde, Herr Friedrich R o s e n b a u in, im 24. Lebensjahre geftorbe». Eni tückisches Leiden har den Lebensfaden des strebsame» jungen Mannes, der vermöge seiner Begabung, gewissenhafter Pflichterfüllung und der tüchtigen Borbildnng für seinen Berus zu großen Hoffnungen berechtigte, jäh abgeschuilten und ihn den Seinen allzufrüv enrriffen. Sein lauterer Charakter, sein tiefreligiöses Empflnden und seine seltene Bescheidenheit erwarbeii ihn« die ungeteilte Achtung und Anerkennung seiner Borgesetzren und die aufrichtige Zuneigung ferner Kollegen, die ihm ein herzliches Audenkeu bewahren. Das Leichenbegängnis fand unter starker Beteiligung der Beamtenschaft der Kulrusgelueinde Freirag, den 17. d. M. statt. In Vertretung des Kuilusvorstandes war der Vertreter Herr kais. Rar Sigmund K a u d ers, in Vertretung der Chewra Kadischa die Herren Vorsteher S. Steiner und S. S i m o n anwesend. Die kantorale Funktion versah Kantor L ö w y Mit traditioneller Einfachheit und Würde, und Rabbiner Dr. Joel P o I l a k hielt dem Heimgegangenen einen tiefempfundenen Nachruf. Den Eltern des Verblichenen, Herrn Daniel Rosenbaum und Frau Klemeuune geb. Adler wendet sich allgemeine Teilnahine zu. Wien. (Militärischer Gottesdienst.)' Sonntag, den 19. d. fand für die in Wien befindliche jüdische Mannschaft im Leovoldstädter Tempel (Tempclgaffe) ein Gottesdienst statt. Mehr als 3000 Soldaten unter Führung höherer Chargen nahmen daran teil. Die religiösen Zeremonien führte Ooerkanlor Joses M o r g e n st e r n mit Chor- und Hamoniumbegleilung unter Leilnilg des Dirigenten Herrn H eimann durch. D:e Feftpredigten hielten Feldrabbiner Dr. Frankfurter in deutscher und Dr. Deutsch in ungarischer Sprache. Die mehr als eine Stunde währende Feier, an der in Vertretung der Kultnsgemeinde die Vorstände Leopold Sachs Edler v. S a ch s e ii h a l!. Samuel Steiner, Anroil Beck und Karl Freund teilnahmeu und bei der da- Gebet für den Kaiser und König sowie den Sieg unserer Waffen vor der offenen Bnndeslade gesprochen wurde, fand mit der Absingung der Volkshymne ihren Abschluß. Wien. (Allgemeiner Jüdischer Arbeiterverein „P o a l e Z i o ii".) Samstag, 1. April, 8 Uhr abends, findet im Hotel Arco, II., Rote Sterngaffe 7, ein M e n d e l e - A b e u d, aus Anlaß des 80. Geburtstages von Mendele-Mochor Sfnrim starr. Es werden Mitwirken die Herren: D r. I. Schipper, Oberkautor I. Grob, Violinvirtuose Max Lauser. Karlen ä K —.50 im (Safe Stefanie, H., Stesaiuestraße 2 und m der Buchhandlung Löwlt, I., Rotenturmstraße 22, zu haben. Wien. (B a r - M i z w a h - F e st.) Samstag, den 1. April vormittags, findet im Josefstädter Tempel, VIII., Nendeggergaffe 12, beim Hauprgortesdleust die Bar-Mizwa des Knaben Heinrich, Sohn des Herrn Kantor Joses Grob und seiner Gemahlin Regina, statt. Gratulation: Samstag und Sonntag in der Wohnung, VHI., Lerchenfelderstraße 46. Ludapest. (P e st e r israelitischer F r a u e u v e r e i n.) Dieser so rührige Verein, welcher schon so viele Tränen getrocknet und eine große Zahl Existenzen wieder aufgerichter har, feierte kürzlich das Fest der Erinnerung an seine vor 50 Jahren erfolgte Gründung. An der Spitze dieses Vereines steht die durch ihren Wohllätigke>rssinil ausgezeichnete Präsidentin Frau Hosrätm Friedrich N e u m a u u de Garoloy, die m verdienstvoller Weise für die humanen Jilteresseu dieses hervorragenden Vereines wirkt. Literatur. Ledete kür Kantoren bei Leichenbegängnissen, zusammengestellt und berausgegeben von Max Schwager, Mitglied des Chores der iirael. Kultnsgemeinde Wien. Zu beziehen aus dem Selbstverläge des Herausgebers Max Schwager, Wien, II., Zirkusgaffe 50. Bor kuizem erst äußerte sich ein bekannter Egerländer Komponist, der von nur den „Schir Zion" entlehnte. folgendermaßen: „Die Synagogengejänge Ihres liturgischen Reformators, Prof. Sulzer sind wertvolle Perlen. Mein Hauptintereffe wandte ich den Kamalien bei Le chenbegängnissen zu und es darf als eine der schöilsten Errungenschaften des modernen Judentums gelten, zumal es allgemein früher hieß: Die Juden begraben mit murmelnden Gebeten oder mit lautem Schreien — wie es eben orientalische Sitte ist — ihre Toten. Die Bedeutung solcher Lobesworte aus dem Munde eines christlichen Fachmusikers ist gewiß nicht zu unterschätzen! — Gerade bei Beerdigungen, bei deren Zeremonial Andersgläubige — wenn auch manchmal aus reiner Neugierde — anwesend sind, soll der jüdische Kantor sein bestes Können zur Anwendung bringen, besonders aber aus die e i n w andfreie Form achten. Ich kann daher meinen Amtsgenossen, auch jene» im Deutschen Reiche nichrgenug raten die Trauergesäuge unseres Altmeisters Snlzer ständig zum Vorrrage zu bringen: Sie sollen nie ans unserem Munde weichen. Die Zusammenstellung Max Schwagers, Mitglied des Chores der israel. Kultusgemeinde Wien, ist gewiß zu begrüßen. Sie ist m äußerst gefälliger Form als Handbuch erschienen, das sämtliche Gebete und die Tranergesänge Prof. Salomon Sulzers wie sie in der Wiener Kultnsgemeinde gepflegt werden. Ans den früher erwähnren Gründen sei die Sammlung den Herren Kantoren bestens empfohlen. Das schöne Buch ist dem bekannten Philantropen Herrn Salo Cohn, Präsident der Wiener Chewra Kadischa, gewidmet. Armin Wilkowitsch Oberkantor und öffentlicher Religionslehrer der isr. Kulnisgemeinde Eger. Wladimir Medern, einer der Führer der großen jüdisch-sozialistischen Parte,, ist bekanntlich durch die einrückenden deutschen Truppen in Warschau ans dem Gefängnisse befreit worden. Medem, der im Jahre 1912 von der russischen Regierung durch die Vorspiegelung, daß die ihm zur Last gelegten politischen Vergehen verjährt seien, aus dem Auslande nach Rußland zurückgelockc wurde, war an der Grenze verhaftet und bis zu Kriegsausbruch ans der Warschauer Festung in Untersuchungshaft gehalten worden; bei der Räumung der Warschauer Gefängnisse im August 1914 wurde er mit den gememsten Verbrechern aus der berüchtigten „Etappe" nach Osten transportiert, 1915 schwerkrank, zwecks Aburteilung in ein Warschauer Geiängn:s znrückgefchafft. Medem hat unter dem Titel „Briefe eines Auferstandenen" seine gesamten Erlebnisse in russischer Gefangenschaft aufgezeichnet und wird sie im Märzhesr der Süddeutschen Monatshefte, das dem Schicksale der während des Kriegs in feindlichen Ländern Gefangenen gewidmet ist, veröffentlichen. Medem genießt im „Bund", der stärksten politischen Partei unter den Juden der alten und neuen Welt, das unbedingte Vertrauen des Proletariats, das in ihm seinen größten Führer verehrt. Er gilt als einer der glänzendsten politischen Redner Rußlands. Oestrrrungnr. Kantoren-Uerein. Die geehrten Vereinsmitglieder werden ersucht, den Pflichtbeitrag, für die invalid gewordenen alten Mitglieder, die Herren Schönfeld, Tab und Kohn, Horowitz, umgehend an den Vereinskassier, Herrn Erster Kantor S. Jnrberger, II., Tempelgasse 3, senden zu wollen. Die Herren Kollegen, w e l ch e N i ch t Mitglieder sind, werden ebenfalls ersucht, sich mit einem Beitrage zu beteiligen, damit es dem Vorstande ermöglicht lvird, einen größeren Jnvaliditätsbetrag bewilligen zu können. Zuschriften sind an den Präsidenten Oberkantor I. Bauer H. Novaragasse 27 zu richten. Der Vorstand des Oesterr.-nngar Kantoren-Vereines. Abraham M. und Pauline Eliassche Brautausstattungsstiftplätze. Anzahl der Plätze: 1. Zum zweiten Mal ausgeschrieben: 28 Plätze ä K 567.—. 4 Plätze ä K 567 —. 2. Zum ersten Mal ausgeschrieben : 6 Plätze ä IC 600.—. 1 Platz a K 600.—. Bewerbungsberechtigt sind: Tugendhafte, unbemittele türkisch israel. Mädchen, welche im Begriffe stehen, eine nach staatsgesetzlichen und jüdisch-rituellen Vorschriften gütige Ehe zu schliesseu. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Sittenzeugnis, Verlobungsnachweis, Armutszeugnis. Letzter Tag der Einreichsfrist: 31. Mai 1916. Einreiehstelle: Wien, II., Zirkusgasse 22, Kanzlei des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) in Wien. Bewerberinnen, welche vor der Verleihung heiraten, habenkeinen Anspruch auf diese Stiftung. Wien, am 1. März 1916. Der Vorstand des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) in Wien.

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