Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 9 (17.3.1916)
- Date
- 1916-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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aßrßeit Redaktion und Administration: Wien, II., Novaragafse 27 Telephon: Aaabhängige Ieitfchnft für jüöische! Bezugspreis: Ganzjährig.K 15.— Halbjährig.K 7.50 Administration Aut. 47.854; —— K. k. österr. Postsparkajsa- Scheck-Konto Nr. 100.918. Interessen. Für Kulknsdeaiute: Ganzjährig .K 10.— Inserate: — Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile W Heller. Erscheint jeden Areitag. Für An-luiid: Abonnements- und JnsertionS- Ganzjährig.8 Mark betröge find in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 Rudel oder 16 FrcS. Nr. 9. Wien. 17. Mär; 1916 I n halt: Purim. — Jüdische Lehrkräfte an öffentlichen Volksschulen. — Maxim Gorki über die Gleichberechtigung der Inden. — Die Not in Palästina. — Amerikanische Massenkundgebung. — Das Getto in Korsn. - Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Testerr.-ungar. Kantorenverein. Purim. In schweren Zeilen feiern wir Heller wieder das Pnrimfest. Dieses Fest ist Erinnerung an vergangene Herrlichkeit und Macht. Von der Größe und Gewalt Persiens erzählt es uns, das eben heute auch der Schauplatz ernster Ereignisse und Kämpfe ist. Voll Erhebung feiern wir das „Losfest", voll Zuversicht, daß ein besser Los nach so schweren Zeiten uns bestimmt sei. Wie haben sich vom vorjährigen bis zum heurigen Pnrimfeste die Zeiten und Verhältnisse zu unserem und unserer Verbündeten Besten geändert! Rußland seiner besten Grenzländer und Festungen verlustig, Serbien, Montenegro niedergeworfen, Frankreich in herber Not, Italien aus dem größten Teile Albaniens vertrieben und seines Einflusses dort bar, voll beginnender innerer Krisen und Schwierigkeiten, das perfide Albion in seiner Geldmacht schwer bedroht, so sieht es bei unseren Gegnern ans, Die ansgezogen wider „Barbarei und Gewalt," zum „Schutze" der Rechte der kleinen Nationen, deren Rechte sie in ihrer Weise schonen. Israel hat überall in erster Linie mitgekämpft und seiner Väter Ruhm und Heldensinn neu erstrahlen lassen. Voll Freude und Zuversicht können wir das Pnrimfest begehen und auf den guten Ansgang des schweren Ringens voll Festigkeit und Vertrauen hoffen. Wie Mordechal und Esther durch ihre Frömmigkeit und unerschütterliche Zuversicht ihres Volkes Leuchte in schwerer Bedrängnis und Not waren, so leuchten sie auch uns in trüben Tragen und gemahnen uns, nie kleinmütig zu werden und gerne und freudig die schweren Zeiten zu tragen und ihrer würdig zu sein. Esther heißt Siern; sie war durch ihre Volkstreue ilnd Ansdaner, durch ihre Bescheidenheit und Herzensgüte ihres Volkes Stern, wie Mordechai durch sein stilles, umsichtiges Walten, durch seine Frömmigkeit und Milde uns allen ein Vorbild bleivt. Er rettete den König vor dem Anschlag verräterischer Diener und war zu bescheiden, den Lohn für diese Tat zu ernten. Er nahm sich der verwaisten Esther väterlich an und sorgte rührend für sie, ohne ihre hohe Stellung für sich anszunützen; in allem der isch jehudi, der wackere, gute Mann, der gesinnungsstarke Jude voll Herz für alles Große in der Welt, für alle Ideale der Menschheit! Es ist nur der zeitliche Unterschied in unseren religiösen Anschauungen, in unserer Ueberzeugung von der Menschheit Fortschritten und in der Hoffnung auf den Sieg der Wahrheit sind wir gleich nnseren Altvordern. Gleich Mordechal und Esther aller Zeiten harren wir in unserem Lose aus und sind überzeugt, daß diese Beharrlichkeit und Treue gegen unseren Gott, unser Volk und uns selbst die Voranssetznng unserer Erhaltung und eines besseren Znknnslsloses bleiben. Haman starb ebensowenig wie Amalek: stets erheben sie sich wieder zu unserer Vernichtung, stets werden sie uns als minderwertig, staatsgefährlich und volksfeindlich ausschreien. Es ist dies Handwerk ja ihre Lebensnud Existenzbedingung zu allen Zeiten. Doch die Wahrheit und das Licht haben noch immer über Finsternis und Niedrigkeit gesiegt und so wird es doch stets sein: „Nie wird das Szepter der Bosheit über der Gerechten Los siegen" (Ps. 125) sondern die Wahrheit wird trotz aller Künste unserer Gegner ans dem Boden blutgetränkter^ Schlachtfelder, ans den Tränen ungezählter Witwen und Waisen sprossen, daß Gewalt und Frevel, Lüge und Verlenmdnng im täuschenden Gewände der Tugend nicht dauernd Länder und Völker hintergehen können. Wehe den Volksganklern unserer Feinde, die ihre ungeheure Blutschuld durch Fortsetzung des für sie verlorenen Krieges erhöhen und ihre Verantwortung nur hinausschieben! Wehe den Fürstenmördern und ihren frevelhaften Verbündeten, die uns das Andenken an den heimtückischen, verkommenen Amalek verkörpern, der ebenfalls unsere Vorfahren grundlos überfiel nud vertilgen wollte um jeden Preis, jedes Mittel! Auch sie wollen durchaus die Zentralmächte und ihre Verbündeten zerschmettern, sie wollen die Welt „befreien". Wer die anmaßenden Reden der Saianow. Asquit und Konsorten lieft, all die Wut und Tobsucht, den Wahnwitz und die Ohnmacht ihrer papierenen Geschosse betrachtet, mag sich em Bild dieser Gesellen und ihrer Verkommenheit machen, die ausgezogen zur Rettung der Kultur Europas und sonstiger edler Zwecke, deren Larve aber ihnen bald zur Gänze herabgerissen werden wird. Wie unsere Propheten unentwegt immer wieder die Gewalttaten Egyptens, Babyloniens und unserer übrigen Feinde geißelten, wie sie stets für Wahrheit ilnd Recht mit dem höchsten Einsätze kämpften, so müssen auch wir und unsere Brüder überall es tun. Und sie tun es, Gott Lob! Wir haben den 20rsr hajehudim, den Haman der Inden und aller seiner Fremdvölker, dieses finstere Rußland, kennen, zu genau kennen gelernt, als daß wir es nicht als die Ursache unsäglicher Leiden verabscheuen müßten. Ihm gesellten sich Frankreich, England und die anderen „Kulturnationeu" zu, um so sicherer uns und Deutschland zu vernichten und die Türkei anfzuteilen. „Und willst Du nicht mein Bruder sein, so