Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 8 (10.3.1916)
- Date
- 1916-03-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 8.' w a n g und Vereiusprediger Dr. F r a n 1 f u r t e r, sowie Direktor kais. Rat Heller. Sohin hält der Vorsitzende den Kriegsopfern der Döblinger Gemeinde einen warmempfundenen Nacbrnf und bringt den Bericht des Vorstandes über dessen Tätigkeit im verflossenen Vereinsjahre zur Kenntnis der Versammlung. Herr Direktor Mautner fragt an wie es kommt, daß die Fortführung der Bibelschnle, welche wegen Einrückung der Lehrkräfte geschlossen wurde, nicht veranlaßt worden ist. Redner selbst hätte sich gerne selbstlos zur Verfügung gestellt. Der Schriftführer Dr. Jakob K o h n führt aus, die Bibelschnle werde ausschließlich von der Kultnsgemeinde geführt. Ein Schulkomitee, dessen Obmann der Sprecher ist, habe lediglich die Aufsicht hierüber. Trotz Anzeige von der Schulsperrung habe die Kultnsgemeinde nichts veranlaßt. Es muß als bedeutungsvoll bezeichnet werden, daß die Tätigkeitsgebiete, welche unter Mitwirkung autonomer Faktoren von der Gemeinde verwaltet werden im großen und ganzen befriedigend versorgt erscheinen. Dies gilt vom Kultus und von der Wühltätigkeit, in welchen beiden Richtungen sich die Kultnsgemeinde ans die Vereine stützt. Nur das Feld, welches der Gemeinde vollständig überlassen ist, nämlich der Religionsunterricht und die jüdische Erziehung der Jugend sei nichts weniger als gut bestellt, wie dies auch in der letzten Plenarsitzung von Kultusvorstehern mit großen Bedauern hervorgehoben worden ist. Da müßten eben andere Faktoren, vielleicht die Bezirkskommissionen mit Unterstützung von Elteru-Versammlungen zur Mitwirkung herangezogen werden, Bei den hierauf folgenden Wahlen wurden in den Vorstand als turnusmäßig ausscheidend wiedergewählt die Herren: Adler Adolf, K o h n Emanuel, K o t a n y i Johann, Pekarek Ludwig und Spira Ludwig; neugewählt Herr Mayer Max. Die Vereinsleitnng konstituierte sich wie folgt: Obmann: Müller Moriz. Stellvertreter: Lion Rudolf, Tempelvorsteher: Philipp Simon, Stellvertreter: P e k ar e k Ludwig und Beck Max, Schriftführer: Dr. K o h n Jakob, Kassier: B a l l i n t Jakob, Ersatzmänner: K o h n Emanuel und Spira Ludwig. „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinueu-Heiw. Am 28. Februar l. I. fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung des „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeitermuen-Heim" statt. Die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste gaben ein beredtes Zeugnis für das lebhafte Interesse und die großen Sympathien, welche sich dieser um die Jugend- und Kriegsfürsorge hochverdiente Verein in allen Kreisen der Bevölkerung erworben hat. Unter den erschienenen Gästen bemerkten wir: Herrn Dr. Heinrich Schreiber als Delegierten der Kultnsgemeinde, Herrn Bezirksrat Edmund H o f m a u n als Delegierten des Zweigvereines Wieu-Leopoldstadt des patriotischen Hilfsvereines vom „Roten Kreuze", Herrn Doktor Armand K a m i u k a in Vertretung der ifrael. Allianz, Herrn Bernhard H o f b a u e r, Präsident des Vereines „Einheit", Georg Friedländer Zentral-Zuspektor, Herrn Dr. I. Bloch, Herausgeber der österr. Wochenschrift, Herrn Dr. L ö w y, Sekretär derZentralstelle für das jüdische Acmeuwesen. Herrn und Frau Alex. Steiner, Delegierte des Vereines „Zur Unterstützung armer alter Frauen", Frau Anna Brau dt, Frau Dr. Frank. Frau B e r u f e l d, als Delegierte des Hietzinger Frauenvereines, Frau Direktorin U l l m a u u für den „Mädchen-Uuterstützungs- Bereiu", Frau Dr. David, Frau Dr. F l e s ch, Frau Bertha Käs, Ehrenmitglied des Vereines. Ihr Fernbleiben harten entschuldigt: Frau Baronin Königswarter und Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Grün Wald und Gemahlin. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Präsidenten kais. Rat Dr. S. Krüger, gedachte derselbe in ehrender Weise der dahingeschiedenen Borstandsmitglieder des Vereines: der Herren Edmund G r o a g, Jaques R e n y l. Salomon Stein nnd Moritz W i l h e i m; des Kaffaverwalters, Herrn Ferdinand L ö w y, sowie des um den Verein hochverdienten Vize-Präsidenten der israel. Kultusgemeinde, Herrn Dr. Gustav K o h u. und der Frau Betti Frankl, welch' letztere nicht nur bei Lebzeiten jederzeit die Interessen des Vereines tatkräftigst förderte, sondern auch in ihren letztwilligen Anordnungen den Verein in reichlicher Weise bedachte. Sodann erstattete die Schriftführerin des Vereines Frau Dr. Lina W e l ß den mit lebhaftem Beifalle ailsgenommeneil Bericht über die Vereinstätigkeit während der abgelaufeneiiLbeiden Bereinsjahre. *. Im Anschlüsse hieran erwähnte der Präsident, daß der Verein im heurigen Jahre seinen 20 jährigen Bestand feiert; von einer festlichen Begehung dieser Feier sei aber mit Rücksicht auf die Kriegsereignisse Abstand genommen worden. In seinen weiteren Ausführungen wies der Präsident darauf hin, daß ungeachtet der Umwandlung des Heimes in das Kriegsspital die Fürsorge um die Heinischützlinge keinerlei Beeinträchtigung erfahren hat, indem dieselben in gemieteten, entsprechend adaptierten Wohnränmen untergebracht wurden, woselbst sie, unter ständiger Aufsicht des Vorstandes nnd der Helmoberin stehend, nach wie vor ihren gewerblichen Berufen nachgehen. Auch der körperlichen und geistigen Entwicklung der Schützlinge wurde das sorgsamste Augenmerk zugewendet. Der Präsident besprach sodann die erfolgreiche Tätigkeit des im Heime untergebrachten Spitales und die außerordentlichen in demselben erzielten Erfolge. Der Vereinsvorstand hat sich aber mit der Fürsorge für seine Schützlinge und der Pflege der verwundeten und erkrankten Krieger nicht begnügr, sondern sein Angenmerk auch ans die durch die Kriegsereignisse dringend notwendig gewordene Fürsorge für die Kriegswaiseu gerichtet. Zur Verwirklichung dieser patriotischen Aufgabe hat der Vereinsvorstand in jüngster Zeil den Beschluß gefaßt, das an das jetztige Heim II., Leopoldsgasse 15 angrenzende Hans Leopoldsgasse 13 anzukaufen und dasselbe zur Unterbringung von 80 weiblichen Kriegswaiseu im Alter von 8 bis 14 Jahren einznrlchren. Der Kauf des Hauses ist bereits dnrchgeführt und werden demnächst die erforderlichen Adaprierungsarbeiten vorgenommen lverdeir. Der Präsident dankt zum Schlüsse allen Vorstandsmitgliedern für ihre unermüdliche Tätigkeit im Interesse des Vereines und erklärte, daß es nur durch die hingebungsvolle Mitwirkung aller Vorstandsmitglieder und das rege Interesse der Mitglieder und Gönner des Vereines möglich geworden ist, die bedentende» Ersolge ans den mannigfachen Gebieten charitaliver Tätigkeit zu erzielen. Nach den mit allseitigem lebhaftem Beifalle anfgenommenen Ausführungen des Präsidenten machten die Schriftführerin Frau Doktor Weiß und Herr Hofrat Dr. S ch l a g der Geueralversammlnng die Mitteilung, daß der Vereinsvorstand in Annerkennung der ganz besonderen Verdienste, welche sich der Präsident, kais. Rat Dr. Krüger, um den Verein seit seinem Bestände erworben hat, sowie in Würdigung seiner unermüdlichen Tätigkeit im Interesse des Vereines Herrn kais. Rat Dr. Krüger, zum Ehrenmitgliede des Vereines ernannt hat, welche Mitteilung die Generalversammlung mit großem Beifalle und lebhafter Shmpathie-Knndgebung für den Präsidenten zur Kenntnis nahm. Hierauf erstaltere der Kassaverwalter, Her Ingenieur Ervin A b e l e s, den Kassaberichl, gemäß welchem das Vereinsvermögen in den beiden abgelaufenen Vereinsjahren eine nicht unerhebliche Vermehrung erfahren hat, was umso erfreulicher und notwendiger sei. als durch die Ausdehnung der Vereinstätigkeit ans die Fürsorge für Kriegswaiseu dem Vereine nene Lasten erwachsen werden. Nach diesem beifälligst aufgenommenen Berichte wurde ans Antrag des Herrn Revisors Professor Steif dem Vorstande einstimmig das Absolntorium erteilt. Der in der Versammlung erschienene Vertreter der israel. Knltnsgemeinde, Herr Kultusvorsteher Dr. Schreiber, würdigte in eingehender Weise die überaus segensreiche Tätigkeit des Vereines und erklärte, daß die Kultusgemeinde die Bestrebungen des Vereines mit größtem Interesse verfolge nnd dieselben jederzeit nach besten Kräften fördern wolle. Der Delegierte des Zweigvereines des „Roten Kreuzes". Herr Bezirksrat Hofmann, dankre dem Vereine für seine außerordentliche humanitäre Wirksamkeit und teilte mit, daß der Zweigverem dem Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiteriililen-Heime als Mitglied mit einem JähreSbetrag von K 20 beitrete. Hierauf erstattete das Vorstandsmitglied, Herr Emil B a r d a ch, daS Referat über die infolge der Fürsorge um die Kriegswaisen notwendig gewordene Statutenänderung. Die vom Vorstande vorgeschlageue Statiiteiländerung, insbesondere die Aendernng des Namens des Vereines in „Kaiserin Elisabeth-Heim für Kriegswaisen. Lehrmädchen und Arbeiterinnen" wurde einstimmig genehmigt. Bor der sohin zu vollziehenden Neuwahl des Vorstandes ergriff Herr Dr. S. Bloch das Wort. Er erörterte die großen Verdienste, welche sich der Verein seit seinem 20 jährigen Bestände auf dem Gebiete der charitativ-sozialen Tätigkeit erworben hat und beantragte in Anerkennung und Würdigug dieser Verdienste, sowie, als Zeichen deS ungeschmälerten Vertrauens zur Vereinsleitung die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes, welchem Anträge die Generalversammlung einmütig zustimmte. In der Generalversammlung wurden für das zu gründende Waisenheim bereits namhafte Beträge gespendet und es wäre nur zu wünschen^ daß die äußerst segensreiche Tätigkeit des „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim" allseits ans das tatkräftigste gefördert werden möge.