Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 3 (21.1.1916)
- Date
- 1916-01-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sritr.8. Dw-Währtzeü" § rm dir. 2 schlug. Mazzoh i/t ungesäuertes Brot. weildi^D^rdKIsraels in der Eile des Auszuges das Brot nicht mehr Mer/^ouutetl. Moraur ist das Bitterkraut zur Eriuuerung an Die Pl tter uiGdie die Juden durchgemacht haben. Dann kam die Predigt des Rabbiners, worili. er diese drei Worte in Beziehung znm Weltkrieg brachte, Pessah-; Dank gegen Gott für Gesundheit und Leben, den»-in viele Däuser ist der Todesengel jetzt eingelreten. In Erinnerung an. M: vielen gefallenen Kamerader»,,- ,bie beu Sederabenh Vittzmnacheu gehofft hatten, sollen > wir Fe,ernden dankbar sein, /..daß,.chir^Mch leben und es.besser haben als andere. Nazzoh. Mlgesänerte Brote: Viele-Inden haben das Essen dieser Brote bisher für vemltet gehalten. Jetzt wünschen sie. Hag. die Erjllnerung an das Kriegsbrot, das Christen und Juden vereint als Deutsche in der Heimat essen, noch in Jahrhunderten bei den Enkeln nnd Enkelkindern wachgehalten werde, damit diese die Glöße der jetzigen Zeit erkennen können. Erst jetzt verstehen sie. warnm die jüdische Religion die Erinnerung an das Mazzoh lebendig erhält, denn Mazzoh ist auch ein Kriegsbrol. Es mahnt zur Treue gegen das Vaterland und den Väterglanben. Das „Brot der Not" wird es in der Bibel und in der Hagada genannt. Viele Tränen, viel Herzleid sind in das Brol hineingebacken. Es erzählt von Kämpfen. Schmach und Druck, aber auch von Wunderbarer Rettung, von Glück und Sieg. Eine geheimnisvolle Kraft scheint aus dem Brot anszugehen, eine wunderbar verbiiidende: denn das Kriegsbrol schließt die Menschen zusammen. Unter der gemeinsamen Not fallen die kleinlichen Schranken des Friedens. Wrr sehen es auch heute abends. Wie vtele religiöse Richtungen im Judentum sonst auch herrschen, heute essen alle am gleichen Sedenisch, vom gleichen Kriegsbrol und sprechen alle das gleiche Gebet: „Sieg und Rettung für Deutschland." Bitterkraut, was lehrt uns das? Heute braucht man nicht zu fragen, wir brauchen nur in die Heimat zu bücken; alle Gotteshäuser, die früher leer waren, sind jetzt gefüllt. Die Häudh die lange nicht gebetei, sind wieder gefaltet. Alle sind wieder fromm geworden: „Ich danke dir, o Gott, daß dn mich gebeugt hast, es ist mir zum Heile geworden." Wir fühlen alle, wir sind durch das Ernste und Schwere reifer geworden and haben das Leben ganz anders bewerten gelernt. V Der jüdische Gelehrte Hillel, der um Christi Geburt lebte, pflegte au jedem Sederabend ein Stück Mazzoh und Bitte'kraut zusammen zu genießen. Er wollte durch den gemeinsamen Genuß von-Brot nnd Bitterkrant dieser symbolischen Handlung einen tieferen Sinn geben, wollte damit sagen, es gibt kein Leben ohne Bitternis. Ja, das Leben empfängt erst durch das Leid seinen Wert, im Einzelleben nnd in dem der Völker. Wer weiß, was aus Deutschland geworden wäre, wenn uns nur die Sonne des Glückes gelacht hätte, wenn Gott uns nicht auch die Bitternis gesendet hätte, durch die wohl manche Menschenblüte vernichtet wurde, aber auch, das hoffen wir. manche Giftpflanze und manches Wuchernde, das die reine Kraft unseres deutschen Volkes zn zerstören drohte. Für unser Volk ist jetzt die Zeit der Selbstprüfnng. Gott gebe, daß wir diese Zeit richtig verstehen und einsehen lernen, daß ohne Leid kein Leben, ohne Opfer keine Größe. Dann wird auch für unser deutsches Volk die Zeit kommen, da es nach dem Kriege dankbar und gläubig mit den Psalmworten sprechen wird: „Ich danke dir, Gott, daß dn mich gebeugt hast, es ist mir zum Heile geworden." Dann schloß sich an die Predigt das Kaisergebet nnd ein freudig gesungenes „Deutschland. Deutschland über alles." So war der' erste religiöse Hauptteil der Sederfeier vorbei und es wurde koscheres, aus Deutschland gesendetes Essen gereicht. Ich erhielt meinen Platz an der Seite der Krankeuschwester, die während des Essens von einem jüdischer» Krieger in einem gemütvollen Gedicht als das Sinnbild der jüdischen Frau, die die Krone des Sederabends bildet verherrlicht wurde. .^'/^>^^'R'H^IeMMahle-.-Mgte die. zweite Hälfte der religiösen Feier. ^Siebesiand vorwiegend ans gemeinsamen hebräischen Gesätlgksr,^ die ich-lerber'nicht verstand. Vieles wurde mir von meiner 'Nachbarin erklärt; ihr -so»vie dem Feldrabbitter- Herrn-Dr^ Italiener verdanke ich den Einblick, den ich in. dw jüdische Religion tgn konnte. j: }rWährend die seitsAmen hebräischen Laute erlönten^ hatte M^GelegenhW.: die einzelnen Gesichter nnd hie verschieden^ artigen Kopfbedeckungen der Teilnehmer zn studieren, Jedjes. Gesicht baue einen ausgesprochenen Eharakler. „Deutsche" Worte des Rabbiners klangen plötzlich, wieder an mein Ohr^ ich hörte:. „Mögtz^üHlKn weilerklingelt dieses Abends Melodie Die ims lriig^gllf goldülen Schivillgen Ul das Reich der Poesie." 'AnK ich kam Mir vor wie in einem verzauberten Land^ j Das reiche Gkniütslebell der Inden hatte mir seine schönste, j Seite geoffüibafl? Eiste große Freude war in mir, als ich, j mit meinen Skizzenbüchern durch die stillen Gassen nach, Hanse. ging. - Wlw ftijiVii, al» ^ätte ich einen neuen, bisherllNbekallilten Stamm entdeckt. , Werlchieöene Wachrichten.! Wien. (I s r aelitiiche K u 11 u4 3 e nt e i u ö e W i e u^)- Sonntag den 23. Jänner, 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungssaale. der israelitischen Kultusgenieinde, I., Seitenstettengasse 4.,' II. Stock eine ö f f e n t l i ch e P 1 e n a r i i tzu n g des Knltn-voritande» statt. Tagesor d n.u n g : Prüfung nnd Feststellung der Voranschläge dev Einnahmen und Ausgaben der Kultnsgemeinde, sowie sämtlicher nnter; der Verwaltung .der Knlmsgemeinde stehender Fände und Anstalten für das Jahr 1916. Wien, 19. Jänner 1916. Der Präsident. Wien. Der Vorstand des Bethäus - Vereines „Beth Hatfi^ l a h" im IX. Bezerk hat in seiner. .Plenarsitzung vom 13. d. M. dem Ersten Kantvl Herrn Hermann Mayerowil >' ch, in Anerken- Mtttg seiner Leistungen als Kantor und Sekretär, nebst einer entsprechenden Gehaltserhöhung das Definitwum verliehen. Wien. Dem verantwortlichen Redakteur unseres Blattes, Herrn' Alois Kn l ka, sind anläßlich seines 75. Geburtstages zahlreiche schrift-' liche u»d auch telegraphische Syinpatieknndgebnngen zngekoinineu. Darunter von den Offizieren und Militärbeamren der Militärabteilung, des k. u. k. Militärkommandos Wie n, gezeichnet vom Generalstabsches Oberst M. v. Borne r, ferner Hvfrat Professor' v. Renß; Verband der Wiener Zeitnilgskorreipondenreii, unterzeichnet' vom Präsidenten Alfred Pappen heim; kais. Rat Dr. Lieben,, Professor Hugo D a r n a u t, Präsident der Genossenschaft bildender; Künstler Wiens; Regierungsrat K l o b a s s e r, Hofpfarr-Kapellmeister Eder. Hugo B r e i t n e r, Direktor-Stellvertreter der Länderbank Dr. Moritz Joses Haas; akad. Bildhauer Hugo T a g l a n g nnd . zahlreichen Freunden._•_ / Oester».-nugar Kantoren -Uerei,». Aus der Sitzung vom 12. Jänner 1916; Anwesende: Bauer. Dünnmann, Morgenstern, Jnrberger, Schlesinger, Sererebmk, Grob, 'Giblichmaun. Kühner. Entschuldigt: Mayrowilsch. . ' Präsident Bauer eröffnet die Sitzung und begrüßt zunächst den Koll. Giblichmann, welcher mfolge»seinech Einrückung lange Zeit nicht in den Sitzungen erschienen ist. Hiercküs hielt er dem verstorbenen Mitglieds Herrn Professor Oberkantor Lev Kartschmaroff einen Nachruf, welchen alle anwesenden Vorstandsmitglieder stehend anhörten. Ebenso dem jüngst verstorbenen Kantor vom Märiahilfer-Tempel Herrn I. Czuszka. Beide Tranerkundgebungen wnrdeürdech Protokolle einverleibt. Unter den Einlanfen werden-ni,ebnere Gesuche um Unterstitzungen erledigt und a»tch Anmeldungen von peuen Mitgliedern zur Kenntniß genommen. . Weiters wurde beschlossen, em Dans- und Anerkeunungsschreiben au deu Kollegen Oberkantor Don ^suchs svwie den Komiteemitgliedern ' für ihre zu Gunsten der durch den Kr^g^in Not geratenen Kantoren nnd deren Familien entfaltete ersolg^esches-Mätigkeit abzusenden. Vereins-Eingänge, sßh.^ajsel Wien, L 4.—, I. Bauer Wien, 8.—, H. Kühner Wien, 4.—, -Mbli,chmann Wien, 8.—, Dr. I. Engel?b Wien, 4.—, Tvnkonogi Wf^^ 6{—, Fr. Teltsch Wien, 8.— , S. Jnrberger Wien, 8.—, Leo Katschntairoff Kanisza. 4.^. I. Schönfeld Tab, 4.—, L. Krauß Effeg, 4:05» 'S. Handgriff Zilaim, 4.—, . S. Jellmek Oberhollabrnnn, 4.—F' ß. Salier Breitenbrnnn, 4.—r, . B. Smger Jnngbnnzlan 2.—, tz. Kohü,S-lzbnrg 10—, I. Schechter Effeg, 4.—, I. Groß Karlstadt, Spendd'4.—, A. Hellmann Lunden» bürg, Spende 5.—, I. Prinz Györ, Svlm-e 5.—, Fkiedmann Bechiu, > 5.—. H. Katz Krems, 4.—, S. Kohli^UchMdowitz, 8.—, Ad. Lederer Eger, 4.—. M. Rosenfeld Güssing, K.^^Mnra Bade», 6.—, I. St» / winsky DombovLr, (Sammlung), 1M(—,?