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Die Wahrheit · 1916-01-07 · Heft 1 (7.1.1916) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 1 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 10. Die Wahrheit Nr. 35. Handhabung des Gesetzes durch die Ressorts des Ministeriums des Innern, welche übrigens das Hand.lsministerium dabei völlig übergehen. Die ganze Politik des Ministeriums des Innern geht darauf hin, Personen jüdischen Bekennmisses aus den russischen Aktiengesellschaften auszuschalten. Die Beschränkung der Juden im Aktienwesen beginnt am Anfang der 90 er Jahre. Im Jahre '1902 erließ das Ministerium des Inneru eine Verfügung, nach welcher zu achten sei, daß „die Interessen des russischen Handels und der russischen Industrie mit dem Geiste der die Inden betreffenden Gesetze in Einklang gebracht werden müssen". Wenn zum Beispiel Aktiengesellschaften Immobilien in Bezirken erwerben, in welchen den Juden der Erwerb von Liegenschaften untersagt ist, so muß in die Statuten ausgenommen werden, daß Juden nicht Inhaber von Aktien und Anteilscheinen sein dürfen. Im Jahre 1895 erklärte das gesamte Miuisterkomitee. daß die Beteiligung von Juden bei Aktiengesellschaften auf dem Wege des Erwerbes von Aktien und Anteilscheinen als wünschenswert anzusehen sei. Daraufhin wurde aber gleich verordnet, daß Inden die Aemter von Mitgliedern der Verwaltungen, verfügenden Direktoren, Prokuristen und Verwaltern von Immobilien nicht bekleiden dürfen. Auch diese rigorose Verfügung wurde bald gemildert. Den Juden wurde gestattet, den Verwaltungen als Mitglieder anzugehören, allerdings unter der Bedingung, daß sie in der Minderheit verblieben. Als Timiriasew (der übrigens vor dem Kriege dazu ausersehen war, den Handelsvertrag zwischen Rußland und dem Deutschen Reich zu erneuern), Handelsminister wurde, begann man das russische Aktiengesetz freier zu gestalten. Aber im Jahre 1913. als Maklatow Minister des Innern wurde, wurden die Beschränkungen von Juden bei Gesellschaften, die Bergwerksunleruehmuugen sind, mit aller Strenge durchgeführt. In allen späteren neuen Regeln des Aktiengesetzes wurde hauptsächlich darauf gesehen, daß Personen jüdischen Bekenntnisses in Verwaltungen nicht die Majorität erhalten sollen. Der Grundsatz, daß eine Gesellschaft, in deren Verwaltung sich Juden befanden, als jüdisch anzusehen und daher allen Beschränkungen zu unterwerfen sei, wie Personen jüdischen Bekenntnisses selber, blieb in Kraft. In neuester Zeit ist es dem Ministerrum auheimgestellt worden, von Fall zu Fall zu entscheiden, ob die Gesellschaften zur Fortsetzung ihrer Tätigkeit Grund und Boden erwerben dürfen, aber dabei besteht die Gefahr, daß die nachträglich eiuzuholende Genehmigung des Ministerrates mit den Bestimmungen des Handelsministeriums nicht übereinstimmt. Wahrscheinlich dürfte in der ganzen Angelegenheit das Kriterium das sein, daß man einfach prüfen wird, wo die Russen ausländisches oder jüdisches Kapital, die beide in der Gesetzgebung gleichgestellt sind, benötigen und wo der russische Bodeu ausschließlich von russischen Staatsangehörigen besten Gkgubenskenntnisses genützt werden darf. Das ganze russische Aktiengesetz ist nichts weiter als ein neuer Beweis für die Unehrlichkeit und Verbohrtheit der russischen Regierung. Verschiedene Nachrichten. Wie«.. (Israelitische Kultus g emeinde. Vortrog aus jüdischer Geschichte. Literatur und Kultur.) Pouuerslag, den 13. Jänner 1916, x/28 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Archstektenvereines, 1., Eschenbachbachgyffe 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d statt. Thema; „D i e Jude« der Tn r k e i"., Eintritt frei — ohne Karten. Wie«. Das Komitee zur Ansklärung tzber ystjüdische Fragen teilt mit. daß in denk von ihr veranstalteten Vortragszyklus in der nächste« Zeit folgende Vorträge stattfiuden: Mittwoch, de« 12- Jänner 1916, Herr Dr. Nathan Birnbaum (Mathias: Acher) über „Die Sprache der Ostjudeu"; Donnerstag, b«t 20. Jänner 1916, Herr Abraham Sonne über „Das Hebräische und seme Literatur bei den Ostjudeu". Beide Vorträge finden im Saale, deS Ingenieur- und Architettenvereines, Wien, I. Eschenbychgaffe 9, sta.tt und beginnen präzise 8 Uhr .abends. Besuch aller,, die an jtzdisthev Dinge« Jytexeffe uehnM^ wird erbet?« ynd erwartet.. Wien. Ani 9. Dezember 1915 wurde dos Vorstandsmitglied des Vereines „Tcfilath Jeschnrnn", Herr Hugo 'Pollätschek, zu Grabe getragen. Die große Wertschätzung und Hochachtung, welche der Heimgegangene genoß, kam anläßlich seiner Bestattung zum Ausdrucke. Sämtliche Vorstandsmitglieder unseres Vereines, wie auch viele Freunde desselben beteiligten sich an der Leichenfeier. Am Friedhofe sprach Bethansvorstand H. L. B o n d y ergreifende Worte des Abschieds, Vorstandsmitglied L. A l t h o l z würdigte die großen Verdienste des so teuren Verblichenen. Sonntag, den 19. Dezember 1915 veranstaltete der Vorstand des Vereines eine osfizielle Trauerkuudgebnng im Bel- Hanse, bei welcher Schriftführer L. A l t h o l z in seiner Gedenkrede ein treffliches Bild über die Charaktereigenschaften des Entschlafenen sowie über sein Wirken und Schaffen entwarf. Die liturgischen Funktionen versah Oberkantor Mathias Balogh in erhebender Weise. Wien. Dienstag, den 4. d. M, ist hier Frau Hermine Weis-- h u t, Schwiegermutter des Knltusvorstehers Dr. I. Deuts ch, im 66. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis der in weitesten Kreisen hochgeschätzten Frau fand Donnerstag, den 6. Jänner unter großer Beteiligung vom Trauerhause VIII., Auerspergstraße 5, nach dem Zentralsriedhofe statt. Wien. Wie uns knapp vor Schluß des Blattes mitgeteilt wird,, feiert einer der populärsten Kantoren Deutschlands, Bernhard Jacobs o h n, ehemals Kantor und Lehrer in Leipzig und derzeit im Ruhestand in Friedenau bei Berlin lebend, am 12. Jänner d. I. seinen 70. Geburtstag. Die Würdigung des Jubilars behalten wir uns für die nächste Nummer vor. Lrems a-/D. Freitag, den 24. Dezember nachts ist im hiesigen k. li. k. Reservespitale der Kadett Athur Klein, gewesener Buchhalter in Budapest, seiner schweren Verletzung erlegen. Kadett Klein hatte anr 11. November am italienischen Kriegsschauplätze einen Bauchschuß, bekommen und wurde zuerst ins Spital nach Laibach und von dort in das hiesige gebracht. Donnerstag den 23. abends, überreichte ihm der hiesige Stadtkommandant, Exzellenz k. u. k. Feldmarschalleutuant Franz Hanninger mit einer ehrenden Allsprache die goldene Tapfer--- keitsmedaille für seine Heldentaten am Monte San Michele, was seine letzten Stunden verschönerte. Die Leiche des Berstorbenen wurde am Montag nachmittags mir den größten militärischen Ehrenbezeugungen zum Bahnhof geleitet, von wo ans dieselbe in die Heimat nach Ungarn überführt wurde. Im Hofe des Truppenspitales, wo die Leiche mit vielen Kränzen anfgebahrt war, versammelten sich znr festgesetzten Stunde auf Befehl des hiesigen Stationskommandos sämtliche hiesigen Offiziere mir Sr. Exzellenz k. n. k. Feldmarschalleutuant Hannmger und Generalmajor Pvrges an der Spitze, sämtliche dienstfreien Aerzte, die Oberinnen der hiesigen zahlreichen Spitäler, fast alle Mitglieder der hiesigen israel. Gemeinde und ein großes Publikum, das dem tapferen Helden die wohlverdiente letzte Ehre erweisen wollte. Nachdem der hiesige Rabbiner (Subsidiar-Militär-Seelsorger) Dr. G. Mehrer ein ergreifendes Gebet verrichtet hatte, schilderte er in wahrhaft ansgezeichneten und gedankenreichen Worten die Bedeutung dieses Helden, der in so mutiger Weise sein Leben für Kaiser und Reich hergegeben hatte. Sodann rezitierte Kantor Heinrich Katz die entsprechenden Tranergesänge in erhebender Weise. Nach dem Lercheilbegängnisie nahnr Sr. Exzellenz Gelegenheit, den tiefgebeugten Eltern sein Beileid und den beiden Funktionären seine Anerkennung ansznsprechen. ' Berlin. Die „Gesellschaft zur Förderung der' Wissenschaft des Judentums" versendet ihren 13. Jahresbericht. Des im November v, I. verstorbenen Herrn Prof. Dr. Leopold Cohn, Breslau, der ein verdientes Mitglied des Ausschusses wa>> wird in ehrenden Worten gedacht. Die Arbeiten der Gesellschaft und ihre Veröffentlichungen hatten naturgemäß unter den Wirkungen des Krieges zu leiden, nicht nur, daß die wissenschaftlichen Kräfte teilweise sich anderen, dringenderen Aufgaben zuweuden mußten, auch der Mangel an geeignetem Setzerpersonal für den teilweise sehr schwierigen Druck hat das Erscheinen vollendeter Arbeiten unmöglich gemacht. Daß die Arbeiten der Gesellschaft in diesem Kriegsjahre dennoch nicht geruht haben, zeigen die ausführlichen Berichte der einzelnen wissenschaftlichen Unternehmungen. Recht beachtenswert sind auch die Ausführungen des Berichtes über die Aufnahme, welche die Werke der Gesellschaft bei berufenen Benrteilern finden; ihre Urteile verzeichnet der Bericht mit „Genugtuung". Denn sie geben dem Vorstande der Gesellschaft die Zuversicht, daß sie auch die Schwere dieser Zeit überwinden werde. Der Bericht schließt mit einem warmen Ausruf zum Beitritt zu den Gesellschaft, um ihr die Mittel zuznfuhreu, „in einer hoffentlich nicht mehr fernen, friedlichen Zeit sich den größeren Ausgaben und Zielen widmen zn können, die dann ihrer harren". Die Gesellschaft stellt zu' Beginn des neuen Jahres ihren Mitgliedern gegen eine geringe Versaudgebühr ein wertvolles Werk völlig uinsonst zur Verfüguug; hierüber ist Näheres aus dem Bericht zu ersehen, der von Herrn Syndikus Dr. N a t h a Hamburg, Werderstraße 30, kostenlos zu beziehen ist. Anstritte ans dem Indenttun. D e u t f ch geb. Potlak Rosa, geb. 22. Juli 1888 in Wien. XIX., Billrotstraße 21. ' ' S ch i m m e r l,: Bertha, Beamtin, geb.. 4. Mai 1894 -iw: Wien- XIH* Whosstraße b.

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