Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 40 (31.12.1915)
- Date
- 1915-12-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063862-3063902--09845-3077131- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Wahrheit Nr. 40. Seite 8. Uerschiedene Nachrichten. Wie«. Sr. Ehrwürden Hei«. Feldrabbiner Prof. Dr. Arnold Frankfurter, Leiter der k. k. isr. Militär-Seelsorge Wien, wurde das Ehrenzeichen vom Roten Kreuze II. Klaffe mit Kriegsdekoration . verliehen. Wie«. Dem Fräulein Gisela Saif, die seit Kriegsbeginn im Berems-Reserve-Spital Nr. 2 in der Hegelgaffe als freiwillige Pflegeschwester tätig ist, wurde am 24. Dezember l.J. von Ihrer kaiserlichen Hoheit der Frau Erzherzogin Marie Therese ein in Gold gefaßtes, wertvolles Medaillon mit dem künstlerisch ausgeführten Bildnisse der hohen Frau und der Widmung: „Für treue Dienste" huldvollst überreicht. Wie«. Dem Beamten der k. k. priv. Allgemeinen Österreichischen Bodenkrednanstalr Julius Zellnik, Leutnant i. R. des Jnfantrieregiments Nr. 84, wurde für hervorragende Dienstleistung im Felde das Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen. Derselbe ist der Sohn des Chordirigenten der Israel. Kultusgemeinde Josef Z e l l » i k. Wie«. Am Sonntag den 19. d. M. fand in der Synagoge des Talmud Tora - Vereines, II., Malzgasie 16, eine Tranerfeier für das verewigre verdienstvolle Vorstandsmirglied Herrn kais. Rat Adolf Schrame! s. A. statt. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. Salomon Funk und im Namen des Lehrkörpers der Anstalt sprach Herr Jakob K o h n. Das El mole rachamim wurde durch Kanror Löwy weihevoll rezitiert. Wie«. Anläßlich des hundertjährigen Bestandes des „I s r a e l. Frauen-Wohlrätigkeits-Vereines in Wien, dessen Präsidentin Frau Baroniu Charlotte K ö n i g s w a r t e r ist, findet Sonntag den 2. Jänner 1916. halb 12 Uhr vormittags, im Tempel in der Seiteustettengasse ein Festgollesdienst statt. Wie«. Am 15. d. M. fand auf dem Zeutralfriedhofe im Beisein zahlreicher Leidtragender die Beerdigung der verstorbenen Gattin des hochgeachteten Temvelvorstehers Bernhard P i cf, der Frau Therese P i cf, statt. Der Vorstand des Kaiser Franz Josef-Hnldiguiigstempels war durch mehrere Mitglieder vertreten. Ehrwürden Rabbiner Dr. Funk und Kantor Stift vollzogen die rituellen Funktionen. Wie«. (Jüdische Toynbeehalle, XX., Denisg a s s e 33.) Samstag, den 25. Dezember 1915 fand in der Toynbeehalle eine von Herrn Moriz U n g a r, Offizial im Wohltätigkeitsamte der isr. Knltusgemeinde, araugierte Akademie statt. Alljährlich veranstaltet Herr Ungar in der Toynbeehalle einen Abend und lange vorher freuen sich die Gäste der Toynbeehalle schon auf diese Veranstaltung. Herr Ungar war auch diesmal bemüht, das Programm reichhaltig und gut zu gestalten. Als erste Nummer brachten Frl. Paula Roth und Herr Ernst Grün berge r, ein trefflicher Ross-Schüler, aus dem Grundsatz, daß das Beste für das Volk gut genug ist, Mozarts köstliches Violinkonzert Opus 6 in D-Moll. Wir hoffen, dem jungen Geiger bald an anderer Stelle zu begegnen; während Frl. Roth in der diskreten Art ihrer Begleitung ihren Eltern, den um den Wiener Wohlsahrtsverein so hochverdienten Professor Wilhelm und der Frau Friedrick Roth, alle Ehre macht. Frl. Roth begleitete als zweite Nummer eine vielversprechende, junge Sopranistin, Frl. Fanny Gottesm aun, welche vollen Beifall fand. Frau Nonny P a l d o. deren reizender Vortrag und prächtige Koloratnrstimme ja bekannt ist, erfreute die Gäste mit einigen Arien und Liedern. Der berühmte Charakterdarsteller Adolf W o l l n e r erntete durch seine ernsten und heileren Darbietungen nicht endenwollenden Applaus. Herr Opernsänger German erwarb sich auch hier die Sympathien des Publikums. Reizend war Frl. Elsa Askenasy, die mit ihrer mächtigen Summe einige Lieder zum Besten gab und zum Schluffe noch einen lustigen Scherz zur Laute vvrtrug. Herr Julius Schwarz, ein äußerst begabter Bariton, erfreute das Publikum mit einigen Opernarien und mußte, durch den andauernden Beifall veranlaßt, noch den „Lockruf" von Rückanf zugeben. Frl. Lilly Herzog brachte einige Rezitationen wirkungsvoll zun« Vortrag. Recht herzig «oar Frl. Merker die in ihrer feschen, reschen Art einige Wiener Lieder brachte. Herr Leo Fr e n n d, Konzertpianist, fand wie gewöhnlich reichen Beifall. Die Begleitung der meisten Mitwirkendeu hat in liebenswürdigster Weise die Pianistin Frau Staub übernommen. — Samstag, den 1. Jänner: Konzert, veranstaltet von Herrn Oberkantor S. Baßer. — Sonntag, den 2. Jänner: Vortrag des Schriftstellers Herrn Jacques Jäger. Konzert unter Mitwirkung der Frau Dr. I. Adler (Gesang) und des Pianisten Perlstein, des Humoristen L. Kohn. — Mittwoch, den 5. Jänner: Dr. I. A. Mark:' „Die Faustsage im Talmud." Wie«. (Für unsere Kri e g s g e f a n g e n e u in Serbien.) Als edelmütiger und aufopferungsvoller Freund unserer in serbische Kriegsgefangenschaft geratenen Soldaten hat sich, wie aus Risch berichtet wird, der Präsident der jüdischen Gemeinde in Belgrad Benjaurin B o u l l y erwiesen. Die serbische Regierung widersetzte sich trotz wiederholter Bitten der Rischer Industriellen und Kaufleute der Heranziehung der Kriegsgefangenen zu den Arbeiten in den Werkstätten, gewerblichen Betrieben, Fabriken und Bureaus, wodurch die bessere Verpflegung der Gefangenen ermöglicht und zugleich auch dem Mangel an Arbeitskräften >n -Serbien abgeholfen werden sollte. Erst nach längerem Zögern gestattete die Regierung den Kriegsgefaugeneik, ihr Lager zu verlassen und Dienste zu verrichten, sie tat es jedoch unter der Bedingung, daß jeder der Kriegsgefangenen täglich zugunsten des Aerars eine Steuer von einem Dinar entrichte. Die Gefangenen, insbesondere die vom Mannschaftsstande, hatten indes keinen Heller, um diesen Tribut zu leisten. Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Belgrad, Benjamin Boully, deponierte nun größere Geldbeträge zu dem Zwecke, damit für die österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen die Steuer erlegt werde. So oft der Fonds im Abnehmen begriffen war, wurde derselbe immer lvieder von Bonlly ergänzt, so daß ständig ungefähr 25.000 Dinar unseren arbeitsuchenden Gefangenen zur Verfügung standen. Es gab Tage, an denen in dieser Weise für Tausende Kriegsgefangene das Lösegeld gezahlt und das harte Los der im Gefangenenlager Mißhandelten erträglicher gestaltet wurde. Nach übereinstimmenden Mitteilungen hat sich auch der Nischer Gymnasialprofessor Mas» Soanovic in humaner Weise unserer in Kriegsgefangenschaft geratenen Soldaten, die schrecklich gepeinigt wurden, angenommen. Koli«. Am 15. d. M. verschied hier nach längerem Krankenlager der Oberkantor i. R. der hiesigen israelitischen Kultus gemeinde Herr Moritz K u l k a im 84. Lebensjahre. Der Verblichene, geboren zu Leipmk in Mähren und älterer Bruder des verantwortlichen Redakteurs dieses Blattes, Herrn Alois Ku lka, zeigte schon frühzeitig besondere Vorliebe für Musik und Gesang. Als Lehrer entfaltete er durch eine Reihe von Jahren eine ersprießliche Tätigkeit, wobei ihm auch Gelegenheit geboren lvar, kantorale Funktionen zu versehen. Sein erster Posten als Kantor war Ungarisch-Hradisch, sein zweiter Ungarisch-Ostra in Mähren. Hier erhielt er den ehrenvollen Rnf in eine der bedeutendsten Gemeiilden Böhmens, nach Kolin. In dieser Gemeinde wirkte er mehr als 40 Jahre ununterbrochen als Oberkantor. Anläßlich der Vollendung seiner vierzigjährigen ersprießlichen kantoralen Amtstätigkeit wurde er vom Kaiser mit der goldenen Verdienstmedaille für vierzigjährige treue Dienste ausgezeichnet. 'Welch' großer Beliebtheit und Wertschätzung der Verblichene sich hier nicht bloß bei den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, sondern auch bei der christlichen Bevölkerung zeitlebens erfreute, dokumentierte sich insbesodere auch bei dessen am Sonntag, den 19. d. M., stattgefundenen Leichenbegängnisse. Sowohl im als vor dem Trauerhanse, wie auch ans dein Friedhose, hatte sich eine große Trauergemeinde versammelt, die dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre erwiesen. Es waren der Gesamtvorstand der israelitischen Gemeinde mit dem Präsidenten Herrn Raimund Heller an der Spitze und nahezu sämtliche Gemeindemitglieder, darunter viele mit ihren Damen, erschienen. In der Zeremonienhalle des israelitischen Friedhofes trug Kantor R. Reichner das Hazur tomim sehr wirkungsvoll vor, «vorauf der Rabbiner Dr. G u g g e u h e i in seinem verblichenen Amtskollegen einen warmen Nachruf widmete. Als ungemein ehrend wurde es allgemein anerkannt, als Borstandsinitglieder den Sarg nach beendeter Trauerfunktion hoben und persönlich bis zum Grabe trugen. Hier widmete das Vorstandsmitglied Herr Dr. jur. A r n st e i n, der sich auch sonst um das Wohl der Hinterbliebenen besonders verdient machte, Worte der wärmsten Anerkennung — Worte, die vom Herzen kamen und ihren Weg zu Herzen fanden. Es blieb fast kein Auge tränenleer. Der greisen Witive des Verblichenen, Frau Marie K u l k a, geb. K ö p f e l IN a ch e r, soioie den trauernden Familiengliedern insbesondere dem aus Wien herbeigeeilten Bruder Herrn Redakteur Alois Kulka sorvie dessen Gattin, die eine Tochter des Dahingeschiedenen ist, kamen vom Knltnsvorstande, «vie auch von vielen anderen Seiten sehr zahlreiche telegraphische und schriftliche, in den wärmsten Worten abgefaßte Beileidskundgebungen zu. — Ehre dem Andenken des Verblichenen! Oester».-nngar. Kantorei« - Kerei«. Die geehrten Mitglieder werden ersucht, unverzüglich die restlichen Mitgliedsbeiträge an den Vereinskassier Herrn Erster Kantor Jnrberger II., Tempelgasse 3 zu senden. Neuanmeldunge» sowie Zuschriften sind an den Präsidenten Oberkantor Bauer II., Novaragasse 27 zn richten. Austritte ans dem Indentnm. R a m Richard, Handelsreisender, geb. 31. Oktober 1890 in Wien. HI., Marxergasse 5. Sofes Richard, Einjährig-Freiivilliger, geb. 21. Oktober 1892 in Korueubarg.