Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 38 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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abecheit . Redaktion und Administration: Avakhangige Hertschnft für jüdische! Wien, II., Novaragasse 27 Telephon: Redaktion Automat 42.889. Ganzjährig.K 15 — Halbjährig.K 7.50 Administration Aut. 47.854; —- K. k. österr. Postsparkasia- Scheck-Konto Sir. 100.918. Internen. Für Kiiltnsbeanite: Ganzjährig .K 10. - Inserate: — Die viermal gespaltene | Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden A r e i t n g. Für Ausland: Abonnements- und JnsertionS- Gauzjüyrig.8 Mark betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 Rudel oder 16 FrcS. Pr. 38. Wie», IV. Dezember Inhalt: Hilfe für die notleidenden Juden in Galizien. — Völkerdäinmerung mti> ^uöeHfra<}e. — De. Nobel und Dr. Z.'egler. — An die In denfchaf Galiziens und der Bukowina. — Internationale wissenschaftliche Bereinigung Israel. Kantoren. — Verschiedene Nachrichten. Hilfe für die notleidenden Inden in Galizien. Während die Hilfsaktion der Israelitischen Allianz für die galizischen Flüchtlinge, welche bis jetzt 450.000 Kronen erfordert hat, noch forrdauert, ist seit der Befreiung Galiziens an die jüdischen Hilforganisationen in Wien die dringende Aufgabe berangetreten, fast in allen Städten Galiziens, wo die zurückkehrenden Flüchtlinge vielfach kein schützendes Obdach und keine Möglichkeit des Erwerbes finden und auch die nn Lande während der Okkupation verbliebenen jüdischen Familien vielfach durch Ermordung oder Verschleppung ihrer Ernährer dem Elend preisgegeben wurden, unsere armen Glaubensgenossen vor dem Verhungern und seit dem Beginn des Winters vor dem Erfrieren zu schützen. Die Israelitische Allianz hat in Verbindiing mit dem „Verbände derHumanilätsvereine B. B. für Oesterreich" und mit dem „Galizischen Hilfsverein" das Hilfwerk für einen großen Teil Galiziens bereits organisiert und war in der Lage, für die Erhaltung von Volksküchen, für die Anschaffung von Lebensmitteln und Heizmaterial, sowie zum Schutze der v e r w a i st, ohne Nahrung und ohne Unterkunft gebliebenen Kinder in 68 Orten, wo bereits Hilfskomitees eingesetzt wurden, und zwar in: Belz, Bircza, Bobrka, Bohorodzany, Bolechow, Brody, Buczacz. Bnkaczowce, Bnsk, Chyrow, Czernelica, Dembica, Dobromil, Dolina, Drohobycz, Felsztyw, Gliniany, Gorlice, Grodek, Gwozdziec, Horodenka, Horozanka, Hussakow, Jaglowiec, Janow, Jaryczow Nowy, Jaroslau, Jaworow, Jezierna, Kalusz, Kamionka Strumilowa, Kolomea, Krukienice, Lemberg, Lysiec, Magierow, Monasterzyska, Mosciska, Mosty Wielkie, Vkarol, Niemirow, Ottynia. Podhaice, Potok Zloty, Przemysl, Przemyslany, Radymno. Radziwillow, Rawa Ruska, Rohatyn, Sadvwa Wisznia, Sassow, Sieniawa, Skole, Sniatyu, Stanislan, Stara Sol, Stary Sambor, Srryj. Szczerczec, Tlumacz, Toporow. Tnrka. Tysmenica, Zalosce, Zborow, Zloczow und Zydaczow bis Anfang Dezember d. I. insgesamt 200.000 Kronen zur Verteilung zu bringen. Da der Winter erst anfängt und die Hilfe selbst im günstigsten Falle durch längere Zeit fortgesetzt werden muß, dabei täglich nette Gesuche von anderen notleidenden jüdischen Gemeinden einlaufen, so wird, wenn auch nur für die allerdringendsten Unterstützungen, das Vielfache des erwähnten Betrages benötigt, damit Hunderttausende unserer Glaubensgenossen nicht durch Hunger, Krankheiten und sonstiges Elend zugrunde gehen. Die genannten drei Organisationen richtei» daher an alle Wohltäter und Menschenfrennde die innige Bitte, durch Zuwendung hochherziger Spenden die Hilfsaktion zu fördern. Beitrage werden sowohl von der Israelitischen Allianz, Wien, II.. Untere Douaustraße 33 (Postsparkassenkonto Nr. 8152), wie auch vom Verbände der Humanitäts- Vereine B. B. für Oesterreich, Wien, I., Universilätsstraße 4 (Postsparkasfenkonto Nr. 52903) und dem Galizischen Hilfsverein, Wien, IX., Bergasse 4 (Postiparkasseukontv Nr. 80199) dankend ln Empfang genommen. Israelitische Allianz zu Wien. Verband der israelitischen Hnmanltäsvereine B. B. für Oesterreich. Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens in Wien (Galizischer Hilfsverein). Uölkerdämmeruntz und Indensrage. Der Schleier, der über die Zukunst gebreitet ist, beginnt sich zu lüften. Die Tragödie der Weltgeschichte scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben und in der Peripetie erblicken wir einen Strahl der Morgenröte, der den nahenden Morgen anküudigt. Die künftige Gestaltung Europas wird in großen Umrissen sichtbar und die kleinen Völker, die nicht im Wirbel der Ereignisse mitgerissen wurden, beginnen sich für die bevorstehende Friedenskonferenz zu rüsten. Völkerdämmerung! Die Opfer, die wir Juden in diesem Kriege gebracht haben, berechtigen uns wohl auch, unsere Stimme nn Forum Europas vernehmbar zu machen. Die amerikanischen Inden beabsichtigen ein „Schwarzbnch" zu verössentlichen. worin die Leiden der Juden in diesem Bölkerringeu und die Scheußlichkeiten, die an ihnen begangen wurden, geschildert werden sollten. Wenn dieses verwirklicht wurde, so würde da eine Schandsänle errichtet werden, an die die künstigen Geschlechter nicht ohne den tiefsten Abscheu werden vorübergehen können. Selbst die angeblichen belgischen Greuel müssen angesichts dieser Schandtateu in den Hiutergruud treten. Denn es ist richtiger deiin je, daß „weiin es eine Stufenleiter vvil Leiden gibt, so hat Israel die höchste Staffel erstiegen, wenn die Dauer der Schmerzen und die Geduld, mit welcher sie ertragen werden, adeln, so nehmen es die Inden mit den Hochgeborenen aller Länder auf."