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Die Wahrheit · 1915-11-05 · Heft 35 (5.11.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 35 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion nnd Administration: Wien, II., Nvvaragasse 27 Telephon: Avakhängige Aerkschrifk für Mische Bezugspreis: Ganzjährig.K. 15.— Halbjährig.K 7.50 Administration Ant. 47.654? — K. k. österr. Postsparkasia- Scheck-Konto Nr. 100.918. Interessen. Für Kullnsbeaiute: Ganzjährig .K 10.— Inserate: — Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Areitng. Für Ausland: Abonnementsnnd Jnsertions- Ganzjährig.8 Mark betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 Rubel oder 16 FrcS. Nr. 35. Wir». 5. Uovemder l‘.M 5 Inhalt: Eine günstige Wendung des Weltkrieges. — Kais. Rat Adolf Schramek. — Knlmrenlwicklnng m Rußland. — Heldeniat eine jüdischen Kadettaspiranten. — Eine patriotische Pietätspflicht. — An die jüdische Oeffeurtichkeir. — Die Inden in Polen. — D:e Türkei nnd die Juden. — David Leimdörfer. — Heinrich Fabisch. — Internationale wissenschaitliche Bereinigung israeliriicher Kantoren. — Verschiedene Nachrichten. — Verzeichnis der auf dem Zeutralfriedhofe (Israel. Abteilung) bestatteten Offiziere und Mannschafren. Die günstige Wendung des Weltkrieges. Nachdem die Ostfront der verbündeten mitteleuropäischen Mächte ähnlich wie die Westfront hauptsächlich ans feindlichem Gebiete gebildet nnd befestigt war, konnte man darangehen, den Kontakt mit dem dritten Alliierten, dem vsmanischeu Reiche, herznstellen. Die Hoffnung des Vierverbandes, durch den Eintritt des verräterischen Italiens in feinen Ranbverband die österreichisch-ungarische Monarchie militärisch zn lähmen, erfüllte sich nicht, denn die italienischen Kriegsscharen vermochten seit 6 Monaten nicht die österreichisch-ungarische Mauer zu dnrchbrecherl, obgleich sie all ihre Kräfte an der Südwestgrenze der Doppelmoilarchie ansetzten nnd u n n n t e r d r o ch e it gegen die Heldenmaner anstürmen. Ohne die Mannschaftsbestände an der Ost- und Westfront wesentlich zu schwächen, gelang es den beiden verbündeten Zentralmächten durch die bedeutende Verkürzung der Ostfiont eine entsprechende Truppenmacht zn erübrigen und dieselbe unter der Führung bewahrter Feldherren, wie General-Feldmarschall v. Mackensen, General v. Köveß, Gallwitz gegen das serbische Reich abznsenden. In verhältnismäßig kurzer Zeit überschritt diese Armee nicht nur die Save und Donau längs der ganzen serbischen Nordgrenze, sondern eroberte auch trotz tapferer Gegenwehr der serbischen Armee Belgrad, Schabatz, Semendria Kragujevac nnd besetzte die weiter südlich befindlichen und stark befestigten Höhen bis zn einer durchschnittlichen Entfernung von 80—100 Kilometer. Gleichzeitig erklärten auch die tapferen Bulgaren, rrachdem sie mit den osmauischen Nachbarn einen erfolgreichen Vertrag geschlossen hatten, den Serben den Krieg und drangen sofort ins Timoktal ein, eroberten die Städte Knjazewac, Zajecar, drangen durchs bulgarische Morawatal vor, eroberten Vranje, Kumanowo und Veles (Küprülü), wodurch sie die Eisenbahn Saloniki-Nis dort in ihre Gewalt brachten, wo dieselbe das Morawatal mit dem Wardatal verbindet. Die Vierverbandmächte eilten nun zu retten, was zu retten noch möglich schien und landeten Mannschaften in Saloniki, die sie von Gallipoli holten, nachdem sie endlich zur Erkenntnis gelangt waren, daß die Dardanellenaktion zu den verunglückten Kriegsunternehinnngeil zählt. Der frühere griechische Ministerpräsident Venizelos soll die Entente zu dieser Truppenlandung ermuntert haben, aber König Konstantin ließ den Mann nun fallen und begnügte sich nunmehr nicht mit dem lendenlahmen Protest des Venizelos gegen die Truppenlandung, sondern verwahrte sich auch entichieden gegen Durchmärsche durch griechisches Gebiet. Die französischen nnd englischen Ententelrnppen in Saloniki sind dadurch m eine arge Zwangslage geraten, denn ein Vormarsch gegen die Einwilligung der griechischen Negierung kann dieselben nicht nur im Rücken bedrohen, sondern die Gefahr ist groß, daß sie in Mazedonien dann von den siegreichen Bulgaren schmählich geschlagen würden, znmal ihnen in diesem Falle die Türken zweifellos zn Hilfe kämen. Die Lage der Serben ist nun zum Schrecken der Entente hosinnngslos und der bewährte serbische Haudegen Putnik hat bereits den Oberbefehl über die serbischen Truppen niedergelegt. Das Pariser Tageblatt „Journal" hält den baldigen Fall von Risch für wahrscheinlich nnd kann trotz seiner zuversichtlichen Sprache die Angst nicht verbergen, Serbien drohe das Schicksal Belgiens. Die englische Presse ist gegen ihre zünftigen Diplomaten wütend, weil es denselben nicht gelungen ist, die neutralen Balkanstaaten einznschüchlern und deren Kriegshilfe zn ergattern, und auch die französische Presse hört mit der Schönfärberei allf. Auch der geschlagene russische Koloß ergeht sich in wütende Drohungen gegen das „undankbare" Bulgarien nnd England und Frankreich sandten Kriegsschiffe gegen die bulgarische Küste im ägäischen Meere, wo sie die offenen Seestädte Porto Lagos, Maronis und Dedeagatsch beschossen. Geradezu komisch klingen nun die Aenßernngen der italienischen Presse. Da sie durch den Krieg mit Oesterreich- Ungarn gehindert sind, ihre militärischen Kräne zn zerstreuen, schützen sie wegen ihrer Nichtbeteilkgung am Balkankriegsschauplatze Desinteresse wegen der ihnen unangenehmen Bersprechnugen an Griechenland vor. Früher haben sie diese Rolle bekanntlich gegen die Serben gespielt. Ja, es ist ein Unglück, daß man den Pelz des Bären nicht früher verteilen kann, ehe man ihn hat, und mit großen Worten ist noch feitt Krieg entschieden worden. Der Bierverbaud wendet nun wohl verzweifelt alle Mittel an, um die Fronten gegen ihre Gegner vorteilhaft zn ändern, aber diese Bemühungen gleichen dem Zappeln von Fliegen, die am Fliegenfänger festkleben. Die tapferen Scharen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns nnd Bulgariens sind bereits vereinigt und vielleicht wird es auch bald die Osmanen gelungen sein, den ununterbrochenen Zusammenhang über Serbien herzustellen und die Orientbahn nach Konstantinopel ganz in ihre Gewalt zn bekommen. Damit ist dann 4*; ■\i w ' L I i it j i;

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