Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 33 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 33. Die Wahrheit Seite 9. blutigen Mußnahmen der Gegner zu Nebenkriegsschanplätzen herabsinlen. Schon haben die Kriegerscharen der Zentralstaaten Donau. Save und Drina, „von der Driua bis zum Esernen Tor" überschritten, schon ist Belgrad wieder erobert und Serbien dürste in relativ kurzer Zeit das Schicksal Belgiens teilen. Der türkische Kammerpräsident Halil Bey sagte am 5. Oktober: „Die Kanonen an der Donau werden binnen kurzem mit erhöhter Heftigkeit erdröhnen und eine wichtige Phase des Krieges ans dem Balkan herbeiführen. Dann wird unsere besser ausgerüstete Armee mit erhöhter Kraft ihre glorreiche Aufgabe erfüllen und die für immer getäuschten Hosinnngen unserer Feinde vor den Dardanellen und vor Konstanlinopeh einem der hauptsächlichsten Kriegsziele, irrs Meer versenken. Unser Nachbar Bulgarien eröffnet ein neues, sehr bedeutsames Kapitel der Geschichte. Wir hegen keinen Zweifel, daß es dem nnsrigen entsprechen wird. Eines der wichtigsten Ergebnisse dieses Krieges wird die Schaffung einer furchtbaren Gruppe sein, die sich von der Nordsee bis zum Indischen Ozean erstrecken wird. Diese mächtige Gruppe wird für ewige Zeiten die Menschheit gegen den Egoismus Englands, die russischen Gelüste, die französische Revancheidee und italienische Tücke schützen, die die Ursache der Veruichtnng so vieler Menschenleben und so vieler Vermögen gewesen sind." Sogar russische Blätter erkennen bereits die Ueberlegenheit der deutschen Diplomatie und der kriegerischen Organisation der verbündeten Zentralstaaten über die des' Vierverbandes an und die „Times" sindet den Kriegszustand uns dem Balkan äußerst kritisch und meint: „Der weitere Zweck der Zentralmächte ist wohl die B e d r o b n n g der Sicherheit des britischen Reiches in Egypten und in As i e n." Nur die besessene französische Regierung und Presse spricht noch immer von der tvtsicheren endlichen Besiegung „der Barbaren", obgleich auch die französischen Eisenfresser ihre Enttänschnng und Wut über die Wendung am Balkan nicht verbergen können. Die schuldbewußte italienische Regierung und Presse scheint überhaupt in einen Zustand der hilflosen Erstarrung gesunken zu sein. Wohl fallen nun an allen Fronteii Hekatomben von hoffnungsvollen Männern und wohl stehen nun die kriegführenden Mächte außerdem am Beginn neuer Rreseiikämpfe. die noch lange dauern können, wenn die bisher geschlagenen Kriegsgegner noch lange den herostralischen Mul anfbringen, beu für sie aussichtslos gewordenen Weltkrieg forlznsetzen. Doch winkt mit der Ueberrennnng Serbiens und der dadurch hergeftellien Verbindung, mit Bulgarien und dem lülkischen Reiche die Herstellnna jenes lückenlosen Zusammenhanges, welche Halil Bey in Aussicht stellte. Der Organisation und klaglosen Zusammenarbeit der verbündeten Zentralstaaten dürfte dis wohl bald gelingen und damit wären die Isolierungs- und Anshnngernngsbestrebnngen der Entente empfindlich durchkreuzt. Nun entbehrt das verbrecherische blutige Unterfangen des Vierverbandes nicht nur jeder rechtlicheii Grundlage, sondern auch jeder vernünftigen Hoffnung a n f g ü li ft i g e h Enderfol g. Wehe ihren Machthabern, wenn dieselben trotzdem den blutigen Krieg noch fortsetzen! Der herrschsüchtige Zarismus spielt bereits wie ein leidenschaftlicher Spieler, trotzdem seine Hilfsmittel nicht mehr ansreichen, mit dem Gute und Blute seine Untertanen und setzt sein Schicksal auf eine Karte. Der Gewaltzar ist gegenwärtig wahrlich nicht zu beneiden. Frankreich besindet sich in Fieberhitze und die britische Kriegshilfe wird ihm bald sehr gefährlich werden. Italien besindet sich in einer ähnlichen trostlosen Lage und dazu haben Italiens Staatsleiier noch das furchtbar quälende Bewußtsein, das Kriegselend unnötiger Weise selbst heranfbeschworen zu haben. Italien kann bisher im Weltkriege noch auf keinen Kriegserfolg Hinweisen, aber in seinen Kolonien erlitt er bereits furchtbare Verluste. Das bisher unbedingte Sicherheitsgefühl des stolzen Engländers hat aber ebenfalls einen argen Stoß erlitten, Denn nicht einmal feine Hauptstadt ist vor feindlichen Bomben sicher, seine Schiffe beben in allen Meeren in fortwährender Angst vor deutschen Unterseebooten, seine Kriegsschaaren erleiden furchtbare Verluste und die gefährlichen Aufstände in Indien hänfen sich. Wohl leben auch in Deutschland, Oesterreich-Ungarn und im Osmanischen Reiche die Völker momentan nicht sorglos und im Ueberflnsse, aber sie sind davon überzeugt, daß man sie g ew a ltsam und boshaft in den Krieg gedrängt hat und deshalb entschlossen, mutig bis zum Siege dnrchznhalten. Tatsachen besitzen denn doch Beweiskraft und deshalb ist nun die Hoffnung nicht mehr ganz abznweisen, daß unsere furchtbar gescheiten Kriegsgegner zur Erkenntnis kommen, daß sie sich in ihrer Kriegsmache aussichtslos verrannt nrrd verstrickt haben. Gott gebe es bald! R. L. Unr nicht so leltrkverkiindlich ln»!