Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 33 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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«Seite 8. Die Wahrheit Nr. 33. Gehe i m er Instiz - und R e g i e r n n g § i a t D r. v o n B a ch r a ch. Gestatten Sie mir. anläßlich des Heimganges unseres Vizepräsidenten Herrn Gustav Kohn mein innigstes Beileid aussprechen zu dürfen. Der Tod des edlen, zartfühlenden, stets hilfsbereiten Menschen wird jeden, der ihn gekannt, ichmerzlichst berühren. Mich verband mit ihm jahrzehntelange Freundschaft. Ich vermag deshalb Ihren und unseren Verlust voll zu werten. Wenn stilles Wohltrtn eine Verkörperung sinden kann, io war sie in Dr. Gustav Kohn gegeben. Und er verstand es, Hilfstrnppeu der Wohltätigkeit zu werben, wie kein zweiter. Er schuf eine allgemeine Wehrpflicht der Unterstützttng der wahrhaft Bedürftigen, Bestechend war seine Milde; seine Bildung, fein Verstand,' die Spannkraft feines Geistes, feine Willensstärke in Ans- 'ührnng guter Werke, seine Hingebung an Kaiser und Reich und Glauben warett mnstergedend. So bleibe uns fein Andenken teuer! Wir wollen es treu in Ehren halten." *! Kondoleuze 11. j Reichsratsabgeordneler Dr. Kamillo Kuranda, Baron Louis von Rothschild, k. k. Siallhaltereirat Dr. Eswin Schlager, Hofral Ritter von Helly. Hofrat Berstl, 'Hofrat Pros. Dr. A. Politzer, Hvsrat Dr. August Fonrnier, Kom- '.nerzialrat Leopold Baß. Direktor des Zentraltaxamtes Siegfried Gerstmann, kais. Rat Adolf Wenger, kais. Rat Johann Lichlenstadr, Direktor Johann Müllner, Gemeinderat Dr. Alfred Mittler, Prof. Dr. S. Klein, Prof. Dr. Zappert, Oberrabbiner Dr. Caro—Lemberg, Rabbiner Dr. Goldschmidt —Proßnitz. Rabbiner Dr. Ziegler—Karlsbad, Oberrabbiner Abraham Schnur, Notar Dr. Jul. Bermanu, Dr. Hermann Bruch. Dr. Immanuel Brüch, Architekt Julius Zerkowitz, Leopold Klein, Oberkantor Kwartin, Oberlehrer Moriz Bader! —Pohrlitz, David Bischofswerder. Reg. Rat Dr. Frankfurter,! S. Haller, k. k. Felorabbiner Dr. S. Fun!—Preßburg,! Rabbiner Dr. Spira, A. Wiuterberg—Baden, Rabbiner | Dr. Diamant, Marienbad. - Die Kultusgemeindeu: Budapest, Brünn, Linz. Lemberg - dzl. Wien), Prag, Graz, Troppan, Bndapester israel. i Landeskanzlei, Wr.-Neustadt, Baden bei Wien, Preßburg, j Karlsbad, Marienbad, Franzensbad, Aussig, Nikolsbnrg,! Leipuik, Olmütz, Amstetten, Mistelbach, Beraun, St. Pölten, j Gr. Euzersdorf, Kemmelvach, Slryj, Tulln. Bielitz, Bndweis.! Ferner Verband der türkischen Israeliten (Sepyardim) zu j Wien, Htlfsverein der deutschen Juden—Berlin, Israelitische j Religtonsgemeinde Budapest, Mährisch-schlesischer Rabbiner-! verband. Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeitel rinnen-Heim, Tempelverein XIH. Bezirk. Tempelverem \ „Schomer Israel", „Tefilas Jeschnrnn, Verein „Kinder-! schütz", Verein „Franenhort", Verein „Greisiilnerlsürsorge",! Bereru zur Bekleidung armer alter Männer israelitischer! Konfession". Verein „Machsike Hadaih", Verein der Kinder-! freunde XVI.. „Mädchen-Unterstntznngs-Verein", Chewraj Kadischa—Budapest, Israel. Humanllätsverein „Bstiai B'rith —Wien, Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkeruttg > tu Galizien, Verein „Einheit", Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten, Direktion des l. k. Max milian-Gyulnasinms, Teurpelverein für die Bezirke! Mariahilf und Neubau, Israel. Allianz zu Wien, Fürsorgeausschnß für Zivilinternierte jüdischer Konfession, Bethansvereiu Chasidim. Neue illnftr. Zeitung— Czernowitz (dzt. Wien), Israel. Belhausverein III. Erdbergerstraße, Israel. Frauen- Wohltäligkertsverein Mariahilf und Neubau, Verband der in Wieil bestehenden humauitäreu Vereine der galizischen Juden, Oberkantor Löwensohn — Linz, Dr. H. Herzog, Rabbiner—Graz, Feldrabbiner Dr. M. Tauber, Prof. Dr. W. Jerusalem, Dr. Michael Mandelbaum, Malerin Julie Menzel, Prof. Dr. H. P. Chajes, Oberrabbiner—Triest, Dr. Moritz Breuer, städt. Ober-BezirkSarzt. Die nene Phase des Weltkrieges. Die großen Erfolge der enropäischen Zentralstaaten gegen die vermeintliche zarische Uebermacht haben die grol-. lenden Bulgaren endlich erinntigt, an der verräterischen und trenlosen Entente Rache zu nehmen, welche dieser rapferen, aufstrebenden Nation im Jahre 1913 in den Rücken siel, indem sie Bulgariens Nachbarstaaten ermunterte, plötzlich von allen Richlniigen über diesen tüchtigen Kriegerstaar herziifatten, den im Jahre 1912 im Kriege gegen die Türkei betätigten Balkanbillld wieder zu zerreißen und ihm sehr beöeuteuöe Teile des eben erst gewoinlenen Territoriums wieder abzilnehmeil. Die Mobilisierung Bitlgariens, sein erfolgreicher Berti ag mit der Türkei nnd die Erklärung. die ihm ans Grund des Balkanvertrages vom Jahre 1912 gebührenden nnd von seinen Kriegern eroberten Gebiete nnn wieder besetzen nnd seinem Reiche einverleiben zu wollen, drängte endlich den Bierverband nach demütigenden nnd kompromittierenden Bitten nnd Versprechnngeil die diplomatischen Beziehungen abzubrechen nnd den Krieg zu erklären. , Die Tatsache bedeutet für die verbündeten Zentralstaaten ein sehr erfreuliches Ereignis. Im Osten und Westen haben dieselben der Hauptsache nach im feindlichen Gebiete Fronten geschaffen und befestigt, welche trotz aller verzweifelten Angriffe der betreffenden Kriegsgegner nnn mit verhältnismäßig bedeutend verringerten Kräsrett jahrelang vetleidigen können nnd das osmanische Reich kann nnn durch die Entlastung an der bulgarischen Grenze neue bedeutende Kräfte zur Verteidigung der Dardanellen und des Bosporus verwenden. Die Entente sieht auch die Vergeblichkeit weiterer sehr verlustreicher Kämpfe an den genannten Wasserstraßen ein und zieht bereits ihre Truppen an den Dardanellen zurück. Ihre Diplomatie bemühte sich, ans allen Kräslen. diesen schmählich gescheiterten nnd katastrophal verlustreichen Angriff zu saniererl, indem sie die bisher neutral gebliebenen Balkausiaaten durch Anwendilng aller Mittel zn bewegen suchte, für ihre Jnterffsen ui den Krieg zn ziehen. Diese schönen Vorsätze mißlangen nnn entschieden in Bulgarien und drohen nnn auch betreffs Griechenlands nnd Rumäniens zu inißlingen. Der griechische Ministerpräsident Veniselos zeigte wohl Lust, an die Seite der Entente zn treten nnd Serbien zil Hilfe zn kommen, aber König Konstantin erklärte, „diese Politik nicht bis znm Ende verfolgen zu können", wodurch der kriegslüsterne Millisterpräsident stürzte. Veniselos bekannte selbst, „daß er die Emente zur Landung von 100.000 Mann ans griechischem Boden ermunterte. welche Serbien dem Vertrage nach gegen die Bulgaren hätte ansstellen sollen. Dies tat der sonderbare griechische Patriot, trotzdem die Entente bereits griechische Inseln besetzte, ohne seine Nentralnät zn beachten, seine Schiffahrlsrechte nicht respektierte nnd bereit war, den Bulgaren griechische Gebiete zu überlassen. Der Exminister Gnnaris erividerte in der betreffenden am 4. Oktober l. I. stattgesnndenen Kammerdebatte ganz richtig, der Vertrag mit Serbien sei bereits nichtig, weil er schon viermal nicht eingehalten wurde, wenn Griechenland im gegenwärtigen Augenblicke an die Seile der Entente gegen Bulgarien zn Felde ziehe, gehe es seinem Untergange entgegen. Veniselos erzielte damals wohl noch eine Znstimmungsmehrheit im Abgeordneienhanse, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß sich das griechische Vvlkshans nicht ans diese Meinung nach dem Sturze des Ministerpräsidenten versteifen iverde, zumal die Minorität sehr bedeutend war und die Entente mit ihren Anhängern wenig rücksichtsvoll umspringt. Rnmäliien zeigt auch keine Lust, sich' nnn in den gefährlichen Weltkrieg zn stürzen, es wird die bisherige zuwarleude Haltung weiter enthalten. Durch die entschiedene Srellnngttahme Bulgariens wird das Kriegslheater. nun wesentlich verschoben, die künftigen Hauptschlachten entbrennen im Balkangebiet, während die großen Fronten im Osten und Westen trotz aller verzweifeltet!