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Die Wahrheit · 1915-10-15 · Heft 33 (15.10.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 33 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion und Administration: Wien, II., Novaragasse 27 Telephon: Redaktion Automar 42.889. Administration Aut. 47.bS4x K. k. österr- Postsparkaffa- Echeck-Konto Nr. 100.918. Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Abomiemenis- und JusertionSbetrüge find in Wien zahlbar und klagbar. «abhängige Aertschrift für Mische Interessen. Erscheint jeden Breitng. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Bezug «Urei#: Ganzjährig. . Halbjährig . . . . . . K 7.50 Für Knltnsbeainte: Ganzjährig . . . . K 10. - Für A Urlaub: Ganzjährig. .... 8 Mare 8 Rudel oder Ui FrcS. $tr. 33. Wie». 15. Oktober 1915 Inhalt: Dr. Gustav Kohu. Egerer Bezirke. — — Die neue Phase des Weltkrieges. — Nur nicht so selbstverständlich tun! Zeichnet die dritle Kriegsanleihe. Verschiedene Nachrichten. — Die gal-zuchen Kriegsflüctulnrge im Aviso! Die geehrten Herren Abonnenten werden ersucht, die restlichen Abonnementsbeträge einsenden z« ----- ■--= wollen. ■=- f v. Gustav Kahn Das grausige Kriegsjahr 1915, das uns so viele Bitternisse und Kümmernisse bereitet, hat uns nun durch ein tiestrauriges Ereignis erschüttert, das für die Wiener Kultusgemeinde einen schweren, unersetzlichen Verlust bedeutet. Dr. Gustav K o h n, der I. Vizepräsident der Gemeinde, der Liebling der Wiener Judenschaft, der gnte Genius der Armen und Bedrückten, der Helfer und Berater aller Verzweifelnden und Wankenden, ist am 8. d. M. nach kurzer Krankheit im 76. Lebensjahre gestorben. Die Meisten traf die traurige Kunde wie ein Blitz ans heiterem Himmel, aber diejenigen, die seinem Familien- und Arbeitskreise näher standen, wurden schon einige Tage vor seinem Ableben, als die anfangs unbedeutend scheinende Erkrankung eine drohende Wendung nahm, von Angst und Bangen für das teure Leben beschlichen. Wohl hielt sie die Hoffnung aufrecht, daß seine zähe Lebenskraft, die trotz hohen Alters erstaunliche Elastizität seines Körpers auch diesen tückischen Ansturm besiegen werde, aber leider hat sich diese Hoffnung nicht verwirklicht, der Todesengel hatte ihn mit seinen - Fittigen berührt und seinem arbeits- und segensreichen Leben ein schnelles Ende bereitet. Was Dr. Gustav Kohn der Wiener Kultusgemeinde war, das hat der greise Präsident Dr. Alfred Stern an der Bahre des Heimgegangenen mit einem einzigen, inhaltsschweren Worte treffend gekennzeichnet: Alles! Durch mehr als drei Jahrzehnte hat er sich mit unvergleichlicher und unermüdlicher Arbeitskraft dem öffentlichen Wohle gewidmet, ans allen Gebieten des Gemeindewesens, im Kultus-, Unterrichts-, in Armen- und Verwaltnngswesen, in der Fürsorge für die zahlreichen Wohlfahrtsinstitutionen der Gemeinde hat er Unvergängliches geschaffen, aber durch nichts kam seine edle Menschlichkeit, die innerste Natur seines grundgütigen Wesens so sehr zur Geltung, wie durch seine einzig dastehende Tätigkeit ans dem Gebiete der Wohltätigkeit, und mit vollem Rechte wurde er das gnte Herz der Wiener Kultusgemeinde genannt. Armen und Notleidenden zu Helsen, wankende Existenzen anfznrichten, gemeinnützige, die Wohlfahrt der Gesamtheit und Einzelner fördernde Gedanken ui die Tat nmzusetzeu, das war ihm eine wahre Herzensfreude, das bereitete ihm Erhebung und Würze seines arbeitsreichen Lebensinhaltes. Da war ihm keine Mühe und kein Opfer zu groß, da trat selbst jede Rücksicht auf seine Gesundheit zurück und wenn es galt, Widerstünde zu beseitigen, die seinen wohltätigen Plänen und Absichten hemmend enlgegentraten, da konnte dieser edle, gruudgütige, liebenswürdige Mensch, der selbst dem geringsten Wesen nicht gerne was zuleide tat, hart wie Stein werden und sich selbst Hochgestellten gegenüber tu einer ihm sonst fernliegenden Borstigkeit zeigen. Tansende und Abertausende werden davon zu erzählen wissen, welch guter und edler Mensch Dr. Gustav Kohn gewesen ist, aber, um seine Frerlde am Wohltun so recht zu charakterisieren, möge eine kleine Episode ans der letzten Zeit wiedergegebeu werden. Eine durch ihre Wohltätigkeit bekannte Dame der Wiener jüdischen Gesellschaft hatte Herrn Dr. Gustav Kohn eine Summe von mehreren tausend Kronen überweisen lassen, mit der Bestimmung, daß dieselbe in größeren Teilbeträgen für hier weilende jüdische Flüchtliugsfamilien, die daheim in geachteter ttitö materiell günstiger Position waren und durch den Krieg momentalt iit Not geraten sind, verwendet werden solle. Dieser Auftrag wurde sofort dnrchgeführt und als bereis nach wenigen Tagen der Bericht über die Verteilung erstattet werden konnte und ein herzlich abgesagter Dank der Dame für die rasche und zweckmäßige Durchführung der Aktion einlangte, da äußerte sich Doktor Gustav Kohn zu dem Schreiber dieser Zeilen mit folgenden Worten: „Sehen Sie, an dieser Sache und daß sie so rasch gemacht wurde, habe ich wieder eine aufrichtige Freude, eine wahre „noe“'*. Und die reinste Herzensfreude leuchtete ihm wirklich dabei aus den Augen und sein gewöhnlich über Den mit Akten überladenen Präsidialtisch halbgebeugter und in der letzten Zeit durch die große Arbeitslast manchmal ermüdeter Körper richtete sich, von der Freude und dem Bewußtsein der guten Tat gehoben, stramm aufwärts und schien einen Moment lang wie verjüngt. Allgemein dürfte bekannt sein, daß die Kriegsfürsorgeaktionen der Kultusgemeinde, namentlich die für die galizifcheit Flüchtlinge nnd für die Wiener Notleidenden, der Initiative des verewigten Vizepräsidenten zn verdanken sind und daß

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